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Gerrit, 31.01.2008

Wordpress-Magazin: Ein paar Gedanken

Wie versprochen liefere ich dem geneigten praegnanz.de-Leser, der am Wochenende nicht in Hamburg beim WordCamp konnte, ein paar kurze Informationen zum Wordpress-Magazin. Als das Camp sich seinem Ende neigte, trommelte Cem alle Interessierten in einen hübschen Sitzkreis zusammen, wo darüber geredet werden sollte, ob und wie und wann und warum man ein Online-Magazin machen sollte, das einerseits mit Wordpress betrieben wird und sich andererseits mit Wordpress-Themen befassen soll.

Wordpress Magazin Sitzkreis

Die ersten paar Minuten der Diskussion habe ich leider nicht mitbekommen, aber da wurden offenbar folgende Dinge beschlossen:

  • Ja, man würde so ein Magazin gerne haben
  • Es soll auf Deutsch erscheinen – vorerst keine zweite Sprache
  • Die Idee, dass Autoren exklusive Beiträge schreiben, ist zwar nett, aber unrealistisch – jeder Autor hat sein eigenes Blog, um sich zu profilieren usw. Man würde also eher eine Lösung anstreben, bei dem die entsprechenden Beiträge von außen im Magazin aggregiert werden.

Und genau beim letzten Punkt lag der Knackpunkt in der Diskussion: Soll man einen Algorithmus erfinden, der ein weitestgehend automatisch sich selbst pflegendes Magazin ermöglich – also eine Art rivva.de für Wordpress-Themen? Oder ist es sinnvoller, ein Redaktionsteam zu rekrutieren, die dann im Schichtbetrieb bestimmen, was denn so auf die Titelseite kommt.

Argumente für Algorithmus/Aggregation

  • Keine Arbeit, kein Stress: Es muss kein Redaktionsbetrieb aufrecht erhalten werden.
  • Gewichtung der Themen ist »gerecht« – entweder nach dem Zufallsprinzip oder nach dem Reputationsprinzip (Backlinks)
  • Kontinuierlicher Fluss von Informationen
  • Keine internen Querelen über Zuständigkeiten oder Machtkämpfe

Argumente für Redaktion

  • Gewichtung der Themen (auf Startseite und anderswo) kann dramaturgisch insziniert werden.
  • Auch spannende Nischenthemen können hervorgehoben werden, die sonst untergehen würden.
  • Spam- und Cheating-Gefahr besteht kaum (Außer, sie geht vom Redakteur aus)
  • Höhere Chance, dass vielleicht doch mal exklusive Beiträge verfasst werden.

Allgemeine Zustimmung gab es für die These, dass zuviel Basisdemokratie schadet. Man würde also immer einen Chef haben, der diktatorisch sagt, wo es lang geht. Dass dieser Chef jedoch ab und zu wechselt, ist auch klar: Alle 8 Stunden, jeden Tag, jede Woche oder monatlich – darüber kann man sich dann einigen.

Mein Senf

Ich fand die Idee eines WP-Magazines wirklich interessant, weil es in Deutschland eine große Gemeinde von WP-Anwendern und -Hackern gibt, die sich bisher nicht ausreichend vernetzen konnten, da ein wenig die Infrastruktur fehlt. wordpress-deutschland.de gibt es zwar, aber so richtig viel Community findet dort angeblich nicht statt (kann ich jedoch nicht persönlich beurteilen).

Dass man ein Magazin in Wordpress realisieren kann, zeigt beispielsweise Spreeblick, die ja gerade mit der neuesten Inkarnation einiges in Richtung Magazin umgestellt haben. Da könnte man sich das eine oder andere abgucken (und den Max fragen, wie das geht).

Komischerweise nicht diskutiert wurde, ob man auch in Richtug A List Apart gehen könnte: kein kontinuierlicher Stream von Artikeln, sondern einzelne Magazin-Ausgaben, die regelmäßig erscheinen und dann mehrere aufeinander abgestimmte Artikel enthalten. Entweder wöchentlich oder monatlich. Das halte ich auch für praktikabel.

Wie dem auch sei – viel mehr haben wir nicht besprochen, denn nun soll die Diskussion weitergehen. Natürlich im Netz! Wir taggen unsere Gedanken mit wordpressmagazin und gucken mal, was dabei herauskommt. An dieser Stelle sei auch an Frank Bültge verwiesen, der besonderes Interesse am Thema gezeigt hat, und der natürlich auch fachlich einiges dazu sagen kann, als ausgewiesener Wordpress-Experte und Buchautor.

Was meint Ihr?

13 Kommentare

  1. Boris am 31. Januar 2008 #

    Mal so ganz vorläufig aus der hohlen Hand:

    Nach Art von »A List Apart« klingt doch ganz apart, oder?

    Aggregierung würde m.E. besonders Sinn machen, wenn sie auf der Basis differenzierten Taggens geschieht: Wordpress-Themes, Wordpress-Plugins, Wordpress-DB, Wordpress-Bugs, Wordpress-Pipapo usw.

    Redaktion nebst Artikel-Abnahme führt zu Druckaufbau und der (berechtigten und ständig diskutierten) Frage nach Ziel und Richtung der ganzen Sache – ohne dass sie dadurch irgendwie besser vorankommt.

    Möglicherweise steckt die deutsche WP-Community in genau diesem Dilemma (wenn ich mir die beständig lückenhafte Dokumentation und das nach meiner Erfahrung wenig ergiebige Forum anschaue).

  2. Dentaku am 31. Januar 2008 #

    Möglicherweise kann dieses Projekt ja von der Arbeit profitieren (lies: Quellensuche), die Boje sich schon bei WPCino gemacht hat …

    Sonst: gute Idee, genau sowas fehlt mir als WordPress-Benutzer auch oft.

  3. Tim am 31. Januar 2008 #

    Hat zwar mit Wordpress nicht viel zu tun, aber vielleicht als Anregung … www.iley.de ist ein Online-Magazin mit einer festen Redaktion und variablen Autoren. Die eingesandten Beiträge werden von der Redaktion gebündelt und monatlich unter einem bestimmten Themenschwerpunkt veröffentlicht.

  4. Perun am 31. Januar 2008 #

    Das man mit WordPress und den zugehörigen Plugins ein Magazin oder sogar ein Portal betreiben kann ist nichts Neues. Ich habe da schon vor gut zwei Jahren damit experimentiertet. Sogar eine recht gute Zusammenarbeit mit bbpress (Forumssoftware) gibt es.

    Die Frage ist einfach was man mit so einem Portal oder Magazin erreichen möchte? Und welche Autoren möchte ich erreichen? Welches Publikum möchte ich erreichen etc. Da hat Boris mit seiner Frage schon Recht.

  5. Dirk Metzmacher am 31. Januar 2008 #

    Ich möchte kurz auf das Projekt The Reaction hinweisen: www.thereaction.de

    Und das soll keine Werbung sein (wir sind leider noch lange nicht so weit, um das Projekt der Masse vorstellen zu können), sondern es ist ein Beispiel für ein WordPress-basiertes Magazin, an dem mehrere Autoren (derzeit 9) beteiligt sind, jedoch einer als »Chefredakteur« eingesetzt wurde.

    Themenschwerpunkte sind Photoshop, Webdesign (auch WordPress) und Fotografie. Da wir in einer frühen Phase sind, verfolge ich mit Spannung das Thema WordPress und Magazine, da es uns ja selbst betrifft.

    Ein WordPress-Magazin, das natürlich auch auf WordPress basiert, kann ich also nur begrüßen und unterstützen.

  6. Tobias am 31. Januar 2008 #

    Wie ich schon bei der Diskussion auf dem Wordcamp erwähnt habe – ich bin klar gegen einen Algorithmus der die Beiträge nach Relevanz ordnet. Nicht weil ich es grundsätzlich für falsch halte sondern weil es immer eine Verliererseite gibt. Und meistens ist das die mit den wirklich tiefgreifenden randgruppen Themen. Mit einsteiger Themen trifft man einfach eine breitere Masse. Darum haben sie natürlich auch eine höhere Relevanz.

    Die Diskussion wurde gegen Ende ja relativ abrupt abgebrochen weswegen ich meine letzte Anmerkung leider nicht mehr abgeben konnte – Ich weiß nicht mehr wer was in die Richtung gesagt hat aber die Idee das man jeden Monat einen Themenbereich vorgibt zu welchem dann Artikel geschrieben werden fand ich wirklich gut. Das könnte man auch mit dem »Alistapart-Konzept« verbinden. Eine Hand voll Beiträge jeden Monat. Aber dafür ein Themenbereich und qualitativ hochwertig. Nur so kann man wirklich was bewirken.

    Listen wie die von Smashing Magazine findet man auch bei Digg. Dafür braucht man kein extra Magazin.

  7. Tobias Huber am 31. Januar 2008 #

    hey gerrit.
    ich würde gerne ein paar punkte ergänzen.
    a) inhaltlich: – man sollte in diesem fall klar zwischen einem »special interest« und einem monothematsichen magazin unterscheiden. ich denke, dass monothematische publikationen (online und offline) – und ein wordpress magazin-blog wäre in meinen augen so eine – in zeiten von blogs und immer »intelligenter« werdenden aggregatoren nur bedingt eine existenzberichtigung besitzen. zu wenig mehrwert. – die deutsche wp-community mag zwar vielleicht noch etwas unterentwickelt sein – die englische community beantwortet in zusammenarbeit mit google aber eigentlich alle (damit meine ich 95%) mit wp zusammenhängenden fragestellungen. auch das lässt bei mir zweifel an der nachfrage nach so einem magazin aufkommen. – eine weitere idee (bzw. die eines freundes von voidboys.com): ein guter kompromiss zwischen redaktion und basisdemokratie wäre es vielleicht, dass blogger/autoren abstracts zu beiträgen einreichen können, diese auf einer abstimm-/diskussionsplattform zur disposition stehen und anschließend – unter berücksichtigung eines abzudeckenden monothemenspektrums (sic) – die beiträge zu den populärsten abstracts in blog-magazin-form publizieren werden.
    b) gestalterisch: gleichzeitig könnte man nach dummy-vorbild auch jeweils webdesigner auffordern, vorschläge für das theme einzureichen – des weiteren brauch ich da eigentlich nicht recht viel mehr machen, als diese liste: http://themeplayground.com/the-best-wordpress-magazine-themes-available weiterzuempfehlen.
    wie schon auf dem wordcamp erwähnt, verwende ich für ein freizeit-projekt – www.first-jamaica.net/index.php (under construction) ein jamaikansiches online lifestylemagazin – das mimbo-theme, welches – kategorie- und customfield-basiert – möglichkeiten bietet, die wp-übliche post-priorisierung zu beeinflussen.

  8. Dennis Morhardt am 31. Januar 2008 #

    Ich wäre ja für die Umsetzung mit WordPress MU, meine Gründe kennt Gerrit ja ;)

  9. Monika am 31. Januar 2008 #

    hi ich war nicht beim Camp und lese daher hier erstmals den Gedanken,

    es ist richtig die deutsche wp doku ist nicht aktuell,
    dass das Forum wenig hergibt und oder gar nichts, – da bin ich erstaunt, bloß vielleicht auch blind -weil Mitglied,

    ich frage mich aber auch nach dem Mehrwert eines solchen Magazins,

    derzeit erlebe ich eher, dass mich Leute per Email nach Lösungen fragen, und dann sehe ich nach bieten sie einen WP Tutorial Blog an ;)

    News sind News und nach 3 Tagen so alt wie altgebackene Semmeln,

    bündeln, schlichten, ordnen mag der Wunsch sein, doch für wen?

    nachdenklich

    lg
    Monika

  10. Frank Westphal am 1. Februar 2008 #

    Vielleicht hilfts Euch bei der Planung/Entscheidung: Zum 1-Jährigen soll Rivva thematische Kanäle bekommen. Es wird dann ein Extra-Ressort für Blogs geben und (falls es mir gelingt) auch eine Unterkategorie für Wordpress-Spezifika.

  11. Jan am 1. Februar 2008 #

    Wenn, dann kann ein Magazin Anregungen geben. Denn Google und Foren nützen mir nichts, wenn ich gar nicht weiß, dass ich nach etwas suchen kann. Beispiel: Ich werde nicht plötzlich nach »OpenID« suchen, wenn ich noch nie davon gehört habe. Wenn es mir jemand erklärt, finde ich es aber interessant. Ein Magazin kann außerdem Informationen zusammentragen, die ich mir erst mühselig suchen müsste, eben zu einem Schwerpunkt. News und schnelle Tipps sind in Foren und Blogs besser aufgehoben.

    Ich habe ganz allgemein die Erfahrung gemacht, dass es die Kreativität sehr anregt, wenn man versucht, ein Thema von verschiedenen Seiten zu beleuchten, anstatt »nur« vor sich hin zu schreiben. Das könnte ein Magazin auf jeden Fall von Blogs und Foren unterscheiden und einen echten Mehrwert bringen.

    Die Idee finde ich auch gut. Aber das Projekt braucht auf jeden Fall ein klares Ziel, damit es nicht nach einigen Monaten zum Streit kommt und alles zerfällt.

    Die Frage nach Automatik oder Redaktion muss dabei gar keine Entscheidung erzwingen. Beides ergänzt sich wunderbar. Ein Tool wie Rivva holt automatisiert die Themen hoch, die gerade aktuell diskutiert werden. Die Redaktion sammelt Informationen und Beiträge zu Themen gezielt und weist auf gelungene Artikel andernorts hin. Da gibt es überhaupt gar keinen Widerspruch.

  12. ben_ am 2. Februar 2008 #

    Ohne als Nichtdagewesener und Nichtwordpressler hier die Miesepeter spielen zu wollen: wenn das Wordpress Magazin sich so stark auf Wordpress konzentriert, wie das Wordcamp, dann ist es vielleich ehrlicher es Blogmagazin zu nennen …

  13. Tobias am 3. Februar 2008 #

    Kurze Anmerkung am Rande: Die deutsche Wordpress-Community ist unter wordpress-deutschland.ORG zu finden. Die Seite mit .de hinten ist offenbar nur eine Tippfehler-Domain, die auf Werbeklicks aus ist.
    Außerdem funktioniert der entsprechende Link nicht.

    So, nun genug gemeckert: Ich fände ein WP-Magazin gut. Das Forum ist sehr gut, wenn man ein konkretes Problem hat. Mir fehlt aber das Geplauder rund um Wordpress, was gibt es neues, was ist in der Zukunft geplant, was holen andere aus dem CMS raus, etc. Das steht sicher in dem einen oder anderen Thread des Forums auch, aber eher versteckt.

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