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Gerrit, 23.01.2015

Mein kleiner 2015er WordPress-Rant

Beginnen wir mit steilen Thesen: WordPress ist schwierig, obwohl es einfach erscheint. WordPress ist für Standardwebsites, obwohl es alle Arten von Websites betreiben kann. WordPress ist eine kurzsichtige CMS-Wahl, obwohl es Weltmarktführer ist.

In letzter Zeit verdichten sich bei Kunden, Kollegen und Freunden die Hinweise, dass es vielleicht doch keine so gute Idee war, komplett auf WordPress zu setzen, als es um die Umsetzung eines neuen Webprojektes ging. Ich will versuchen zu erklären, warum das so ist.

Seit zehn Jahren ist WordPress nun dabei, sich von einer kleinen Bloggingsoftware zum weltweit meistgenutzten Website-Baukasten zu entwickeln. Diese Entwicklung ist weitestgehend abgeschlossen, auch wenn noch viel Legacy-Code und eine ganze Reihe von Paradigmen an die gute alte Blogging-Zeit erinnert. Alle Funktionen, die WordPress zu einem „großen“ CMS machten, stecken allerdings in Themes und Plugins. Grundsätzlich ist natürlich gegen einen relativ schlanken Core und relativ mächtige Plugins nichts einzuwenden. Das fundamentale Problem ist jedoch die verfluchte Vielfalt und die Konkurrenz innerhalb der Plugin-Szene. Ich habe aufgehört zu zählen, wieviele Plugins es für die Verwaltung von Custom Post Types und Custom Fields gibt. Derzeit scheinen CTP UI und ACF brauchbare Plugins zu sein, aber wer weiß schon, wann diese wieder explodieren oder neue WP-Versionen nicht mehr unterstützen? Ihr wisst, was ich meine. Man kann ja froh sein, dass WordPress mit den Schnittstellen für Custom Post Types, Custom Fields und Custom Taxonomies eine Art Standard innerhalb des System geschaffen hat, doch dieser Standard ist so rudimentär, dass alle entsprechenden Plugins trotzdem zusätzliche Schichten an Logik und Daten ablegen müssen, um halbwegs benutzerfreundlich zu sein.

Natürlich besteht bei allen CMSen das Problem, dass zu viel festgelegte Funktionalität im Core schädlich ist, und dass man auf Plugins angewiesen ist. Doch in den meisten Fällen existieren für die wichtigsten und am häufigsten benötigten Anwendungsfälle auch gewisse „große“ Standardplugins, welche eine hohe Qualität aufweisen, oftmals auch vom Core-Team entwickelt werden und von daher zu allem kompatibel sind, und auf jeden Fall weiterentwickelt werden, wenn sie nicht – wie im Falle von Drupal – schlussendlich in den Core wandern. Eine gewisse Standardisierung der Core-Schnittstellen schafft Verlässlichkeit und Orientierung bei den Plugin-Entwicklern und Vertrauen bei den Benutzern, weil die Wahrscheinlichkeit, dass Plugin A mit Plugin B gut zusammenarbeitet, hoch ist.

Bei WordPress hat sich dieses Kompatibilitätsproblem zu einem absurden Schauspiel entwickelt. Plugins machen damit Werbung, dass sie zu bestimmten, populären Themes kompatibel sind, Plugin A setzt Plugin B voraus, aber warnt davor, Plugin C gleichzeitig installiert zu haben. Magazin-Themes empfehlen den Einsatz eines bestimmten Plugins, weil sonst bestimmte Features nicht funktionieren würden, kommen aber selbst mit 3 Tonnen Plugin-ähnlichem Code daher, so dass inzwischen die Unterscheidung zwischen Theme und Plugin kaum mehr gegeben ist. Es ist ein Dschungel.

Und weil sowohl Themes als auch Plugins so pupseinfach zu installieren ist, macht es jeder Amateur ohne Hemmungen, und kombiniert munter Dinge, die sich überkreuzen und gegenseitig kaputt machen. Ansprüche an das Design, die Ladezeiten, ein elegantes Markup oder zumindest halbwegs aufgeräumten Code sind dabei schon lange nicht mehr vorhanden.

WordPress also nur ein populäres Amateur-System? Ja und nein. Inzwischen bin ich der Meinung, dass es genau zwei verschiedene, valide Anwendungsfälle gibt:

1. Die reine Laiennutzung: Fertiges Theme installieren und mit Bordmitteln anpassen, einige Plugins dazu klicken, die nicht allzu krasse Dinge anstellen, fertig. Bei dieser Nutzungsart ist es sehr wichtig, dass man keine zu hohen Ansprüche hat, was einerseits die Ästhetik, andererseits die Machbarkeit bestimmter Funktionen angeht. Wer individuelle Wünsche hat, die über das normale Standardblog oder die kleine Standardwebsite hinausgehen, findet entweder ein Plugin, welches sofort perfekt passt, oder lässt es sein.

2. Die reine Profinutzung: Ein eigenes Theme wird von Grund auf neu aufgebaut. Jedes Plugin wird sorgfältig auf Professionalität, Langlebigkeit, Stabilität und Kompatibilität geprüft. Im Zweifel lieber selber im Theme die gewünschte Funktionalität programmieren. Jeder Wunsch nach individuellen Funktionen wird zweimal in Frage gestellt und dem Kunden möglichst ausgeredet. Das Versprechen einer funktionierende Website erlischt, sobald Kunden eigenständig Plugins installieren (Ja, damit sind vor allem SEO- und Social-Media-Button-Plugins gemeint!).

Zwischen diesen Extremen gibt es nicht viel. Wir haben sehr schlechte Erfahrungen gemacht mit dem Anpassen von fertigen Themes, trotz Childtheme-Technik, insbesondere bei responsiven Themes. Die Möglichkeit, „schnell mal eben“ gigantische Funktionsumfänge in Form von praktischen Plugins herbeizuzaubern, ist verführerisch, doch zu welchem Preis? Die Kunden wollen immer mehr von der Sorte, werden falsch erzogen!

Ach, wenn das so einfach ist mit den eigenen Widget-Bereichen, dann will ich gleich sechs Stück haben. Wissen Sie was? Ich installier mir einfach ein Plugin und knall mir gleich 14 Widgetbereiche rein!

Es ist diese verführerische Illusion, dass alles so einfach ist. Die Themes, Plugins und Widgets greifen doch alle ineinander, ergänzen sich, lassen sich sogar anpassen, und alles ohne Code! Was muss dann erst eine richtige, erfahrene Webagentur aus dem System herausholen können? Doch leider arbeiten erfahrene Webagenturen meist ein bisschen anders, verlassen sich ungern auf Baukastenmodule mit unbekanntem Code und wollen alles unter Kontrolle haben beziehungsweise auf eine stabile CMS-Codebasis setzen, deren Paradigmen und Schnittstellen gut dokumentiert und zukunftsicher sind. Nur so kann man Webprojekte umsetzen, die mit den Wünschen der Kunden mitwachsen, ohne irgendwann die Grätsche zu machen.

Uns fällt es immer schwerer, im vollen Bewusstsein neue Projekte mit WordPress anzufangen. Zu oft ahnen wir, dass die Kunden immer mehr wollen, wenn sie einmal das Schaufenster mit den Süßigkeiten gesehen haben, oder dass sie mit den besprochenen, minimalem Anpassungen an das Standard-Theme nicht zufrieden sind. Doch ganz ehrlich: Meist sind es wir selber, die keine Lust auf den Stress haben, die ganze Arbeit von Anwendungsfall 2 für das Budget aus Anwendungfall 1 zu erledigen.

23 Kommentare

  1. Tom am 23. Januar 2015 #

    Genau das ist es. Danke, Gerrit.

  2. Leonid Lezner am 23. Januar 2015 #

    Bei der großen Menge an CMSen, verstehe ich wirklich nicht, warum man heute noch Wordpress als CMS benutzen sollte? Man nehme, z.B. MODx, man kann das Backend so einstellen und erweitern, dass es perfekt an Wünsche des Kunden angepasst wird. Aus der Entwicklersicht gibt es auch kaum Grenzen. M.M.n. ist das Backend von WP toll für Blogs, aber als CMS sehr unflexibel.

  3. Lukas am 23. Januar 2015 #

    Dieser Artikel beschreibt genau meine Gefühle über WordPress. Danke, dass ich jetzt immer was zum Verlinken habe. ;)

  4. Max am 24. Januar 2015 #

    Kann ich so auch zustimmen. Bei Anwendungsfall 2 kommt ja aber eben noch dazu, dass man idealerweise dann auch direkt ein Profisystem (du hattest es ja schon von Drupal) benutzt statt sich mit den ganzen Unzulänglichkeiten von Wordpress herum zu schlagen. Da funktionieren dann auch so Sachen wie Freigabeworkflows und OOP.

    Ich bin zwar mittlerweile weitestgehend aus der Webentwicklungssache draußen aber verfolge aus Neugieder immer noch das Wordpress-Entwickler-P2. Meinem Eindruck nach scheut man vor tiefgreifenden Umwälzungen im Code auch tendenziell zurück und hat stattdessen eher die Neigung Feature X oder Optikverbesserung Y für neue Versionen durchzuziehen während strukturelle Verbesserungen am Code sich sehr ziehen.

  5. Oggi am 24. Januar 2015 #

    Leider hat der Wordpress Core (außer Multisite-Installation und Subdomains) auch keine wirklich schöne Unterstützung für verschiedene Sprachen. Bei Mehrsprachigkeit machen die diversen Plug In erst recht Probleme …

  6. Leander am 24. Januar 2015 #

    Ist natürlich die Frage, ob die Forderung, “alles unter Kontrolle zu haben” nicht ein hehrer Anspruch ist, der leider so gar nicht mehr in die Zeit passt.

    Es ist viel preiswerter, allerlei Plugins per Trial & Error auszuprobieren – wenns nicht klappt: Shit happens!
    Dann muss man die halt mal alle abschalten, evtl. ein händisches Update vom Core machen und dann langsam wieder aufbauen – na und? Geht immer noch schneller und billiger als das hier geforderte “in Stein meißeln” sämtlicher Features. Hauptsache, es existiert ein gutes Datensicherungskonzept. Und ein Pflege-Vertrag.

    Bei Joomla ist die Situation in Sachen “wilder Baukausten” ja ganz ebenso. Man lebt halt damit und ein Problem wird dann gelöst, wenn es auftritt: sehr zeitgemäß!

  7. Eric Eggert am 24. Januar 2015 #

    Also unsere Kunden würden nie auf die Gedanken kommen eigene Plugins zu installieren. Der Turnaround-Aufwand bei einfachen Seiten ist mit Wordpress einfach so viel besser, die gesparte Zeit kann dann in Konzeption und Inhalte einfließen.

    Auch habe ich festgestellt, dass selbst Computerlaien mit Wordpress einfach umgehen können während bei anderen Systemen das häufig schwieriger ist. (Vor allem im Vergleich zu Drupal.)

    Natürlich ist WP, wie jedes CMS, nicht das Gelbe vom Ei, funktioniert aber für gewisse Projekte gut genug, Themes sind leicht anzupassen. Der Code-Frickler, der jedes Element einzeln anfässt ist – leider – eine aussterbende Spezies, die Zukunft gehört nunmal gerade für die einfacheren Anwendungsfälle den Baukastensystemen.

  8. reraiseace am 24. Januar 2015 #

    Danke, diese Gedanken gehen mir bei WordPress auch durch den Kopf. Vor allem, und das nervt mich nach wie vor: der recht aufwendige Administrationsaufwand. Bis es erstmal so eingerichtet ist und rund läuft dauert es seine Zeit. Und ja, die Pluginvielfalt samt unendlicher Möglichkeiten nervt und ist übersteuert. Weniger ist manchmal mehr.

  9. Andreas Gregor am 25. Januar 2015 #

    Was ist denn euer aktueller Favorit, Gerrit?

  10. Matthias am 25. Januar 2015 #

    Ähnlich sehe ich es auch.

    Ich weiß nicht ob das in euren Kundenprojekten relevant ist, aber der WordPress Updater und die Funktion aus der Administrationsoberfläche heraus Dateien zu ändern sind allgemein keine gute Idee. Ich setze daher grundsätzlich DISALLOW_FILE_MODE auf true und ändere die Dateiberechtigungen auf Lesezugriff, erstelle für jede Änderung von Plugins, Themes oder des Core eine Datenbank- und Dateisystemkopie, setze die Webseite in den Wartungsmodus mache eine Sichtprüfung und schalte dann per Änderung der Rewrite-Regeln auf die neue Version um. Zum einen sind Änderungen am Theme oder anderen Teilen durch den Kunden/Webseiteninhaber problematisch, wenn dieser nicht für die Entwicklung und Integration der Plugins, Themes und des Core zuständig ist und stattdessen ein Dienstleister sich um die Pflege kümmert und die Dateien bei sich im Versionskontrollsystem verwaltet. Aus dem gleichen Grund sind auch automatische Updates keine gute Idee. Ferner geht bei automatischen Updates auch manchmal etwas kaputt, insbesondere bei vielen aktivierten Plugins, und da es keine Qualitätssicherung gibt, treten die Fehler dann sofort im Produktivbetrieb auf, was für deutliche Verärgerung sorgen kann. Ich verstehe zwar, warum WordPress automatische Updates macht: Es gibt so viele WordPress-Seiten die nicht professionell betreut werden und ansonsten nie oder selten Updates bekommen würden, was bei der Anzahl an Sicherheitslücken in WordPress keine gute Idee ist (in letzer Zeit noch akzeptabel, denn WordPress hat das schlimmste hinter sich, nur viele Plugins und Themes nicht).

    WordPress Festlegung auf uralte PHP-Versionen voller Sicherheitslücken und die Unterstützung von MyISAM sind auch nicht gerade förderlich für die Plugin-Entwicklung.

    Bei der Entwicklung von Wordpress hätte es sicher nicht geschadet sich genauer mit Datenbanken zu befassen. Einige Abfragen und das Datenbankschema ließen sich verbessern und Transaktionen werden überhaupt nicht genutzt. Viele Plugins berücksichtigen das auch nicht.

    Das Problem mit Plugins und Themes hat aber allgemein alle jede Software, die entsprechende Schnittstellen bereitstellt. Ein weiterer Punkt, der gerade in letzter Zeit, in der sich die PHP-Entwicklung „professionalisiert“ und modular und objektorientiert wird, sind Konflikte zwischen gebündelten Bibliotheken. Wenn Plugin P Bibliothek B in Version X und Plugin Q Bibliothek B in Version Y mitbringt, kommt es zu Redefinitionen von Funktionen und Klassen, was bei einigen Plugins, die eigene, nur in WordPress integrierte Systeme sind und nicht alles selbst programmieren, durchaus vorkommt. Mein jetziger Ansatz dazu ist PHP 5.3 vorauszusetzen und abhängige Bibliotheken eigener Plugins und in Konflikt stehender Plugins in den Namensraum des jeweiligen Plugins zu verschieben. Das Problem haben aber auch andere Programmiersprachen wie Python, Ruby, JavaScript oder Java. Des Weiteren ist WordPress durch die Hooks und Filter zwar halbwegs erweiterbar, aber da es keine festgelegte Reihenfolge gibt (Prioritäten helfen auch eher wenig), kommt es hier auch immer wieder zu Problemen und einige Plugins gehen Sonderwege um mit anderen Plugins zu funktionieren und so weiter.

    Ich finde jedoch WordPress ist recht gut dokumentiert, halbwegs und wird professioneller entwickelt als so manches andere Projekt, gerade wenn man es im Vergleich zu so manchem GitHub Projekt sieht. WordPress erspart einem durch die hohe Verbreitung aufwändige CMS-Migrationen, wenn ein CMS dann doch nicht weiterentwickelt wird, was für längere und größere Projekte ein Vorteil ist.

    WordPress richtet sich meiner Auffassung nach in seinem Aufbau an kleine private Blogs. Dafür funktioniert es, sogar besser als viele andere Software, denn die Konkurrenz ist eben noch schlechter. Bei höheren Ansprüchen wird es aber problematisch, bleibt aber beherrschbar. Wenn der Kunde unbedingt WordPress haben will, muss er eben für den erhöhten Pflegeaufwand zahlen. Ich denke man muss WordPress und PHP allgemein pragmatisch sehen und darf beides nicht anderer Software messen , sonst wird man verrückt.

  11. Jan am 26. Januar 2015 #

    Ich baue individuelle WordPress Seite. Mit eigenem Backend und überhaupt keine Möglichkeiten für den User, eigene Themes, Widgets oder Plugins zu installieren.

    Außer ACF benutze ich selber auch kein einziges Plugin. Deswegen kann ich die Aufregung über WordPress nicht ganz so verstehen.

    Updates und langfristige Pflege sind so auch überhaupt kein Thema.

    Ich habe schon nach meiner dritten Installation gelernt, dass man Finger von den WordPress Plugins, Widgets und Themes lassen soll :)

  12. Rick am 26. Januar 2015 #

    Servus Gerrit,

    ich konnte mich in deinem Beitrag teilweise selbst finden, dabei hatte ich bisher kaum realen Kontakt mit WordPress. Als Web-Entwickler mit einem Faible für eine saubere Software-Architektur und Performance habe ich WordPress (für mich) direkt an den Nagel gehängt, als ich im Rahmen eines Kundenprojekts ein paar Anpassungen an einem Theme vornehmen musste. Wie du so schön gesagt hast, war der Gedanke, eine Website schnell & unkompliziert umzusetzen, absolut verführerisch – hat er mich am Ende doch nur Zeit und Nerven gekostet.

    In meinem Regal verstaubt ein WordPress 4 Buch. Nachdem ich auf den ersten Seiten einen Einblick in grundlegende Konzepte erhalten habe, war mir schnell klar: wenn ich meinen Prinzipien im Hinblick auf Software-Design treu bleiben möchte, sollte ich die Finger von WordPress lassen.

    Seitdem baue ich statische Seiten mit einem eigenen Mini-CMS und alles weitere setze ich mit dem relativ neuen OctoberCMS um.

    Viele Grüße,
    Rick

  13. None am 27. Januar 2015 #

    Vorweg, ich entwickele nicht für Kunden. Ich entwickle für unseren produktiven Einsatz.

    ICH LIEBE WORDPRESS. Meine Vorteile:
    Jeder Entwickler kommt schnell in das System mit Hooks und Co.
    Jeder Redakteur kommt schnell zum fertigen Artikel.

    Zudem haben wir keine Insellösungen. Jedes Portal hat die gleiche Basis (Dank Autoupdate jetzt sogar sicher). Diese wird mich ein paar Individuallplugins befüllt und wir haben ein tolles und schnelles System.

    Diese ganzen “Bastellösungen” fallen einem sonst bei zB. Personalwechsel in den Rücken. Zudem spare ich mir Anlernzeit.

  14. Joachim am 28. Januar 2015 #

    Danke Gerrit für den Beitrag!
    Wie Lukas (#3) ja bereits anmerkte, nett zum Verlinken ;-)
    Meiner Meinung nach gibt es kein Einsatzgebiet für Deine Nutzungsmöglichkeit 2.

    Wenn ich anfange alles selber zu programmieren, ist der Zeitvorteil dahin.
    Abgesehen davon, daß ich das Datenbankschema schlecht finde, die functions.php der perfekte Single Point of Failure ist und die Bedienung nicht immer nachvollziehbar (Legen Sie eine leere Seite ohne Text als Menüpunkt an), ist es auch prozedurale Php Programmierung auf dem Stand von 2003.
    Das mag manchem gefallen, der hier in großen Lettern sein ‘Liebe’ zu Wordpress kundtut, ich finde das wenig erbaulich.

    Man erträgt es nur, wenn das Zeit / Gegenwert Verhältnis sehr günstig ist. Ansonsten sehe ich es wie Mattias (#10).
    Verdränge alle Gedanken an Architektur, Best Practices, Clean Code, saubere Datenstrukturen und hau weg den Scheiß.

  15. Jürgen am 29. Januar 2015 #

    Schöne Ausführung :) Allerdings interessiert Kunden weder eine medienphilosophische noch medientechnische Diskussion. Er will so viel Leistung fürs Geld wie er bekommen kann. Für viele ist eine neuer KIA SUV absolut ausreichend – es muss kein Chayenne sein – und das mit Recht.
    Die Zeiten – wo Agenturen ihre eigenen Insellösungen programmiert haben – IHR CMS angepriesen haben, um Kunden zu binden sind bei kleineren Projekten einfach vorbei. Kunden werden mündiger und kaufen auch nicht mehr jeden Scheiss von Agenturen. Ich habe Websites produziert im Wert von 30.000 Euro, die ich mit WP und einem Theme plus Plugins für 2000,- Euro hätte produzieren können. Ein Fest für die Agentur – der dumme Kunde hat es bezahlt.
    Ein fertiges Theme wie bspw the 7 (es funktioniert ohne BUG – ja das ist sehr selten) ist derart komplex und leistungsfähig für die Gestaltung von Websites – da muss man auf herkömmlichen Weg lange stricken :) Und der Kunde muss es bezahlen.
    Auch ich habe negative Erfahrungen mit fertigen Templates gemacht – letztlich kauft man die Katze im Sack – und ist auch noch vorm Kunden dafür verantwortlich. Dennoch kann man für 60,- Euro ein Template lizensieren, dass im händischen Prozess (Konzept, Design, Programmierung) sicherlich ca. 3000,- Euro kosten würde.

    Wenn jemand einen Porsche will – kann er ihn auch bekommen. Aber die meisten wollen eben einen KIA – weil er völlig ausreicht. Und das verstehe ich als Dienstleister sehr gut.

    Der Erfolg einer Website liegt heute nicht mehr im Code – sondern im Content-Design, im Wording und im Marketing des Webprojektes.

    Ich bin persönlich über die Entwicklung sehr dankbar, da ich Kunden für kleines Geld eine sehr professionell aussehende Lösung anbieten kann. Der Fokus liegt auf dem Content-Design – und nicht mehr auf Wireframes und Programmierung.

    Das Programmierer davon mehr als genervt sind liegt auf der Hand und ist auch verständlich. Aber letztlich – der Köder muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler.

  16. Matthias am 6. Februar 2015 #

    Bezogen auf den Kommentar von Jürgen möchte ich folgendes Anmerken:

    Natürlich bezahlt dich keine Kundin und kein Kunde für die Programmiertätigkeit ansich, sondern für das fertige Produkt. Computer sind ja nur ein Hilfsmittel und Programmieren damit eine Hilfstätigkeit. Keine Firma richtet sich eine Webseite ein, nur um eine zu haben. Ich glaube, was auch Gerrit sagen wollte ist, dass es eben schwierig wird mit einer wackligen Basis wie WordPress dem Kunden das Produkt zu bieten, das er zu gegebenen Konditionen haben möchte. Wenn das Kundenprojekt nach einem Plugin-Update oder Theme-Update nur noch eine PHP-Fehlermeldung ist, bringt auch das beste „Content-Design, Wording und Marketing“ nichts. Abhängig von der Kundin oder dem Kunden muss man ihr oder ihm eben klar machen, was WordPress ist und welche Vor- und Nachteile es hat, und die Entscheidung treffen lassen oder die Entscheidung selbst treffen, wobei die Entscheidung dann vielleicht eher nicht auf WordPress fällt (Anforderung ist z.B. niedriger Preis).

  17. Friedrich am 10. Februar 2015 #

    Kann alles unterschreiben, was hier steht – würde das alles aber nicht allzu negativ sehen.

    Lässt sich das beschriebene Problem nicht auch generell bei jeglicher Kreativarbeit erkennen und ist es insofern nicht auch normal?
    Der Zwang, sich zwischen Laien- und Profinutzung zu entscheiden bzw. dem Kunden erklären zu müssen, warum die Profinutzung trotz möglicher Laiennutzung weiterhin sinnvoll und vorteilhaft ist – hat das Problem nicht auch jeder Tischler, der am liebsten eigene Möbel entwirft, dessen Kundschaft aber mit IKEA-Möbeln anrückt und diese angepasst haben will?
    Oder denken wir an betuchte Fotoamateure, die heute teilweise mit der gleichen Technik arbeiten wie die Profifotografen – letztere sterben trotzdem nicht aus.

    Wordpress ist in meinen Augen immer noch ein tolles System – man muss seine Prinzipien entwickeln wie überall. Meine sehen so aus:

    Eigenes Starter Theme entwickelt in welchem ich mich wirklich auskenne und welches beständig weiterentwickelt wird.
    Einige wenige Plugins programmiert die immer wieder gewünscht werden, z.B. Terminverwaltung.
    Mit diesem Startkapital wird Individualität gebaut aber keine überbordende Funktionalität. Bis jetzt klappt das.

    Die Versuche meinerseits, fertige Themes anzupassen sehen genau so aus wie angepasste IKEA-Möbel. Kann man nicht stolz drauf sein.

  18. fwolf am 23. Februar 2015 #

    Jo, WP is sicher nich das Gelbe vom Ei, was die ganzen tollen “ich bin so geil”-MVC-Entwicklerspielereien anbelangt, und auf den reanimierten Verkehrsunfall namens Theme Customizer kann ich inzwischen gut und gerne verzichten (euphemistisch ausgedrückt; mein “Quell der Freude” seit Mai 2014).

    ABER: Der Admin-Bereich taugt halbwegs. Früher musste ich möglichen Benutzern (nicht unbedingt “Kunden”, sondern jeden, der mich danach gefragt hat) umständlich Sachen erklären – heutzutage reicht die Frage: Kennst du dich ein bisserl mit Word o.ä. aus? DANN kommst du auch mit WordPress klar.

    Ein CMS ist nicht deswegen toll, weil es ganz viel Pimp für den Entwickler hat – das interessiert den Benutzer nicht die Bohne.

    Vielmehr:
    Kann ich das, als Otto-Normal-Anwender, einfach und ohne große Klimmzüge benutzen? Vielleicht sogar selber aktuell halten? Muss ich mir keinen Kopf über irgendwelche total absurden Dinge machen, die bei anderen Systemen (z.B. Desktop-Betriebssystemen, Smartphone-Oberflächen oder dem Fahrkahrtenautomaten) gängiger Standard sind?

    Ja? Dann immer her damit!

    Ein CMS, dass NICHT so einfach zu bedienen ist wie Winword (im Anfängerlevel). Kommt. Mir. Nicht. Ins. Haus!
    Jedenfalls nicht für Websites, die ich umsetze oder betreuen muss.

    Was ich dagegen privat verwende, bleibt mir selbst überlassen. Da gibt es Dinge wie “agnostique”, eine Klassensammlung/-konglomerat, das sowohl DB- wie auch Device-agnostisch ist, simplere Geschichten mit teilstatischem Templating, oder fast reines HTML (mit etwas serverseitiger- Thumbnailing- und Routing-Hilfe; z.B. meine eigene Website).

    cu, w0lf.

  19. Franziska am 2. April 2015 #

    Ich nutze WP bei allen meinen Kunden; das sind kleine Unternehmen und kleine öffentliche Einrichtungen. Da hat keiner Zeit oder Lust, sich mit WP zu beschäftigen, also mache ich auch den Support bis hin zur inhaltlichen Pflege. Wer unbedingt selber Artikel einpflegen möchte, kriegt halt Redakteurs-Rechte.
    Die Zahl möglicher PlugIns finde ich auch unnötig hoch – ist halt ähnlich wie bei den Apps für SmartPhones: Fast jeder [das war Ironie] kann ein PlugIn oder eine App schreiben. Viele geben sich wirklich Mühe und verstehen wirklich etwas vom Code, und- für mich noch wichtiger – achten auf ein stets aktuelles PlugIn.

  20. Tina am 18. Mai 2015 #

    Zitat 18.fwolf: so einfach zu bedienen ist wie Winword

    oh, mit so wenig gibst Du dich zu frieden?
    Windows ist zwar sehr verbreitet, aber für mich kein Vorbild für Qualität.
    vgl. ganz oben: “WordPress ist eine kurzsichtige CMS-Wahl, obwohl es Weltmarktführer ist”

  21. Andreas am 26. Juni 2015 #

    … und wenn man dann noch einen (unterm Strich vollkommen unkundigen) Vertrieb hat, der kaum den Sinn und Zweck des Web einigermaßen versteht und auch praktisch keine Ahnung von Wordpress, Themes und Plugins hat – aber fleissig Funktionen verkauft und den Kunden das Blaue vom Himmel verspricht: DANN HAST DU EINE ECHTE A-KARTE als Projektleiter.

  22. Roland am 24. Juli 2015 #

    Wordpress an und für sich ist nicht so schlimm, vorausgesetzt man hält es immer aktuell, aber Plugins und Themes aus fremden Quellen sind meiner Meinung nach der Pest gleichzusetzen.

    Ein immer wieder gerne übersehenes Problem mit “wilden” Plugins und Themes ist, dass sie massive Lücken im System aufreißen können. Nicht umsonst gehören “Hobby Bastler taugliche” CMS Systeme mit zu den größten Verbreitern von Malware oder dienen als Zombies für DDoS Attacken und ähnliches. Vor gar nicht all zu langer Zeit bin ich noch über eine Statistik gestolpert, in der behauptet wurde*), dass zwischen 15 und 20% aller Wordpress /Joomla / wasauchimmer Installationen mittlerweile nicht mehr ganz sauber ticken – sei es, dass sie mittlerweile Backdoors enthalten oder sei es, dass sie schon Mitglieder eines Server-Botnetzes sind und aktiv senden – und alles ohne das Wissen desjenigen, die sie betreiben.

    Alleine von daher verbietet es sich schon, dass man irgendetwas gerade einmal einstöpselt, was man nicht zu 100% versteht.

    *) … und ich glaube das sogar, wenn ich mir die einschlägig bekannten InfoSec Webseiten anschaue (thematisch, nicht unbedingt von Firmen gleichen Namens)

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