Ressourcen für junge und alte Fontjunkies

Wer sich ernsthaft in die Welt der Typografie begibt, wird zunächst erschlagen von der unglaublichen Vielfalt an Fonts, die auf einen wartet. Wie kann man wissen, welche Schriften etwas taugen, welche eher Schrott sind? Wie kann man mitreden, wenn man mit anderen Designern über das Thema spricht? Von mir gibt’s heute ein paar alte und neue Ressourcen, die vielleicht helfen können, sich im Dickicht zurechtzufinden.

Zunächst definiere ich fünf Gruppen von Schriften und nenne dann jeweils eine oder mehrere Ressourcen, wo man sich am ehesten inspirieren kann.

Zunächst einmal die Klassiker. Also professionelle Schriften die vom Jahr 1400 bis zum Jahr 2000 erschienen sind. Man findet die wichtigsten Vertreter in zwei handlichen und gar nicht mal teuren Fibeln aus dem Hermann-Schmidt-Verlag. Zum einen Schriften erkennen=, zum anderen Wegweiser Schrift. Man braucht nicht unbedingt beide Werke zu besitzen, aber schaden tut es auch nicht. Hier sind die Grundlagen der Schriftauswahl zu finden, hier sind wir zu Hause!

Dann hätten wir da die modernen Klassiker seit der Jahrtausendwende. Sie werden in zwei exzellenten Sonderheften der PAGE ausführlich beschrieben. Leider sind diese pocketPAGE-Hefte inzwischen vergriffen, wie ich gerade sehe – schade! Denn sie haben die besten Schriftportraits aus mehreren Jahren PAGE in handlichem Format zusammengefasst.

Kommen wir gleich zu aktuellen Schriften. Hier empfehle ich dringend, zwei Dinge zu tun. Zum einen nehmt euch einige Stunden Zeit und besucht die Type Reviews auf typographica.org Hier werden mit viel Liebe zum Detail die besten kommerziellen Schriften der letzten Jahre vorgestellt. Da die Seite vor einigen Tagen einen kompletten Relaunch hingelegt hat, ist ein ausführlicher Besuch umso lohnender. Um auf dem Laufenden zu bleiben, sollte man allerdings ebenfalls nicht vergessen, die vierteljährlich (oder halbjährlich?) erscheinenden Broschüren des Fontshop zu bestellen. Auch hier kann man sich sehr schick über neu erschienene Fonts informieren.

Kommen wir zu den hochwertigen freien Schriften. Klar, hier kann man sich natürlich auf praegnanz.de/essays informieren. Wer es speziell auf Webfonts abgesehen hat, die per @font-face eingebunden werden können, ist aber auf webfonts.info noch ein wenig besser aufgehoben.

Am Ende hätten wir noch die große Anzahl von gemischtqualitativen freien Schriften. Hier wird es leicht uferlos. Aber manchmal braucht man eben (für das Spielen mit Logos oder Layouts) eine Handvoll von kostenlosen Schriften, um ein bisschen was auszuprobieren. Zwei erträgliche Portale, die zumindest versuchen, ein wenig Ordnung in die gigantische Fülle zu bringen, sind dafont.com und FontSquirrel. Bei letzterem habe ich noch nicht vollständig rausgefunden, wie gut die Qualität der gelisteten Schriften wirklich ist. Manchmal fehlen wichtige Sonderzeichen. Und natürlich ist die Qualität der Schriften insgesamt immer noch weit unter denen, die bei typographica.org vorgestellt werden. Dafür kosten sie halt auch nichts ;-)

5 Kommentare

mds

Vergriffen – im digitalen Zeitalter? Wer eine Publikation herausgibt und diese als «vergriffen» meldet, sollte schleunigst die Zeitreise ins digitale Zeitalter antreten …

Michel

Uff, vielen Dank. Da werden zwar viele Stunden drauf gehen, aber es dürfte sich lohnen :)

Andreas Hecht

Gerrit, Du stößt mich wieder mit der Nase tief in ein Thema, wo ich noch echte Lücken zu vermelden habe ;-)

Schätze aber, dass es sich echt lohnen wird, sich da rein zu arbeiten. Danke für Deine Mühe.

Dan

Mir fallen spontan noch: http://typophile.com/ und das TypoQuiz (auch Hermann Schmidt Mainz) ein.

Abgewandelt:
Klassizistische Antiqua, beim »k« Schaft und Schenkel nicht verbunden? Na, welche ist es? :)

Rainer

Die meisten Klassiker sind ja, denk ich mal, in der Auflistung der »100 besten Schriften« vertreten (http://www.100besteschriften.de).
Sehr schöne Auflistung mit kurzer Entstehungsgeschichte. Das muss man sich einfach anschauen…

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