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Buchtipp II: Einstieg in den Schriftendschungel

17. Mai 2005

Auch der große Schriftenkenner Gerrit hat mal klein angefangen und seine Facharbeit im Englisch-Leistungskurs in der »Arial Narrow« gesetzt. Jawohl. Damit Euch sowas nicht mehr passiert, werde ich Euch heute mal drei Stücke Literatur ans Herz legen, mit denen Ihr Euch umfassend über alle Klassiker und Newcomer bei den »richtigen« Schriften informieren könnt. Und besonders viel Geld müsst Ihr auch nicht ausgeben, ist das nicht toll? Here we go!

»Schriften erkennen«

Der absolute Klassiker für Font-Freaks. Auf 72 Seiten im DIN A4-Format werden alle Klassiker von 1544 bis 1994 besprochen. Für € 12,80 wird einem hier eine geballte Ladung Grundwissen geboten.

Das Buch basiert auf der Diplomarbeit von Monika Thomas (1981), und ist gedacht »für Studenten, Grafiker, Setzer, Kunsterzieher und alle PC-User«. Hier gibt es keine Schnickschnack-Fonts oder schlecht geschnittene Bastarde zu entdecken, hier werden alle wichtigen Schrift-Typen kurz erklärt, damit man sich im Fachgespräch nicht blamiert, wenn die Rede auf Garamond, Gill Sans oder Stempel Schneidler kommt.

Die Autoren halten sich bei der Gliederung des Werkes der Einfachheit halber an die DIN-Klassifikation für Schriften (sowas gibt es tatsächlich), wohl wissend, dass diese inzwischen oft nicht mehr zeitgemäß ist. Aber um in der Szene verstanden zu werden, muss man einfach wissen, was eine »Klassizistische Antiqua« ist, und warum das nicht das gleiche wie eine »Venezianische Renaissance-Antiqua« ist.

pocketPAGE »Typografik«

Diese Sonderausgabe der PAGE setzt eigentlich genau dort an, wo »Schriften erkennen« aufhört: Aktuelle Neuerscheinungen auf dem Schriftenmarkt. Der Hauptteil des Buches besteht aus den interessantesten Schriftportraits, die von 1999 bis 2003 in der PAGE erschienen sind – zusammengefasst und in das handtaschenfreundliche DIN A5-Format umgestrickt.

Die Schriftportraits sind ja bekanntermaßen das einzig gute an der regulären PAGE. Und somit ist dieses kleine Büchlein exakt das richtige für den Font-Jünger, zumal der Preis von € 9,90 sehr entgegenkommend ist. (Über das Titelbild müssen wir jedoch hier nicht näher eingehen – es steht glücklicherweise in keinem Verhältnis zum Inhalt.)

pocketPAGE 02.2005

Ein ähnlich schreckliches Titelbild, jedoch wiederum hübscher Content: Die zweite Ausgabe der pocketPAGE setzt auf das bewährte Prinzip: Spannende Neuerscheinungen von 2003 bis 2005 machen den Hauptteil dieses Büchleins aus. Zusätzlich gibt es Basisinformationen über die wichtigsten Setzer-Regeln, einen Mini-Lizenzratgeber, der versucht, die rechtliche Situation ein wenig zu klären, sowie Kurzportraits von einigen aktuellen Schriftschmieden.

Beeindruckt hat ich bei der zweiten typoPAGE vor allem auch das Papier, das recht dick und hochwertig daherkommt – sehr angenehm! Insgesamt sind mir persönlich beide PAGE-Büchlein ein wenig zu wild layoutet. Die vorgestellten Schriften drohen meines Erachtens, ein wenig im Getümmel unterzugehen, was schade ist.

8 Kommentare

  1. Michael am 17. Mai 2005 #

    Und als jemand, der absolut keine Ahnung von Typographie hat, das gerne ändern würde, sich aber nicht gleich drei Bücher kaufen und lesen will: Welches ist zu empfehlen?
  2. Gerrit am 17. Mai 2005 #

    Ein viertes: »Erste Hilfe in Typografie«, erschienen im Hermann-Schmidt Verlag Mainz. Kommt auch noch mal als gesonderter Buch-Tipp.
  3. Martin Weber am 17. Mai 2005 #

    »Detailtypographie«, ebenfalls aus dem Hermann-Schmidt-Verlag ist so ziemlich das beste, was mir überhaupt in Sachen Typo untergekommen ist. Allerdings — der schon sehr hohe Preis von 98 € schreckt wohl so manchen potentiellen Käufer ab.
  4. Gerrit am 17. Mai 2005 #

    Das kommt ja alles noch, später! Erstmal geht es um Einsteiger, für die ist die Detailtypo natürlich overdone.
  5. Boris am 17. Mai 2005 #

    Danke für den Tipp »Schriften erkennen«. Das großformatige Bändchen macht doch nach Kauf und erster Durchsicht vorhin einen ziemlich guten und brauchbaren Eindruck. Gerade für jemanden wie mich, der die Feinheiten der Typographie zwar nicht unbedingt (beruflich) braucht, aber das Gebiet sehr mag und durchaus Wert legt auf gepflegte Form für ansprechenden Inhalt.
  6. Patrick am 18. Mai 2005 #

    Nur mal so am Rande:
    Was ist eigentlich so »geil« an Schriften?
  7. Boris am 18. Mai 2005 #

    @Patrick: Wahrscheinlich dasselbe, das an Juwelen oder an feinen Stoffen so geil ist. Das… ja genau… ist gar nicht so leicht zu fassen. Für mich steht es in jedem Fall in engem Zusammenhang mit dem Satz von Texten: Zu einem literarisch schönen Text gehört ein ansprechendes Seitenbild – und das zusammen mit einer passenden Schrift ergibt ein ästhetisches Gesamtbild eines Textes. So nach dem bekannten Motto: Das Auge liest mit. (Gerrit kann das wahrscheinlich treffender ausdrücken…)
  8. SilentWarrior am 18. Mai 2005 #

    Sind die Bücher denn mehr auf den Bildschirm oder auf den Druck ausgelegt? Ich suche nämlich noch ein paar Infos bezüglich Druck – irgendwie ist Times New Roman nicht wirklich das Wahre. :/

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