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Gerrit, 06.08.2013

Sechs kostenlose Schriftfamilien ohne Serifen

In den letzten drei bis vier Jahren hat sich ja einiges getan, was freie Schriften angeht. Nicht nur bei der Webfonts-Infrastruktur (siehe Google Fonts, Adobe Edge Webfonts und FontSquirrel), sondern auch in der Qualität und im Ausbau der vorhandenen Alternativen. Heute stelle ich euch sechs relativ frische Familien vor, die folgende Kriterien erfüllen:

  • Sie haben keine Serifen aufzuweisen
  • Sie sind von professionellen Gestaltern kreiert worden
  • Sie haben meist 10–12 Schnitte
  • Ihr Einsatzgebiet ist universell, aber mit Fokus auf Lauftext
  • Sie sind screenfähig
  • Sie sind kostenlos zu nutzen (Einschränkung: »Aller« nur bis 25 User, nicht als Webfont)

FiraSans

Los geht’s mit dem neuesten Schmuckstück aus dem Hause Spiekermann. Es ist die an die FF Meta angelehnte, aber keineswegs plump übernommene FiraSans. Sie ist im neuen Open-Source-Betriebssystem Firefox OS im Einsatz, und wer die Mozilla Foundation kennt, weiß, dass hier nur lupenreine Open-Source-Ware verbaut wird.

Hier ist der offizielle Download

Source Sans Pro

Noch etwas seltsamer im Download (nämlich über Sourceforge) präsentiert sich die Source Sans Pro von Adobe, welche ebenfalls eine waschechte Open-Source-Schrift ist. Sie ist von der Formgebung sehr neutral und elegant gehalten, eignet sich von daher für fast alle Anwendungsgebiete, die nicht übermäßig originell sein wollen. Es gibt insgesamt 12 Schnitte von Extralight his Black.

Open Sans

Diese feine Schriftfamilie wurde von Ascender für Google entworfen. Sie ist mit der Droid-Famile verwandt, ist aber merklich breiter und besitzt ganze 10 Schnitte (5 Fetten in normal und italic). Google setzt die Open Sans bei vielen seiner Produkte und Services ein, darunter auch die gesamten Marketing-Kampagnen und Produktvideos. Es ist im Grunde Die Google-Schrift, wenn man vom eigentlichen »Google«-Schriftzug auf der Websuche absieht. (Das hätte man vor 10 Jahren auch nicht gedacht, dass die Hausschrift eines Unternehmens frei zur Verwendung für Jedermann bereit steht.)

Ubuntu

Jedem Open-Source-Betriebssystem seine eigene Schrift. Die britische Schriftschmiede Dalton Maag hat für die bekannteste Linux-Distribution Ubuntu einen gleichnamigen Font entworfen, der auch außerhalb des OS-Kontextes einen kühlen Charme verströmt. Die Fette der Schnitte ist nicht ganz ausgewogen. Die Regular-Variante erscheint mir deutlich zu fett, so dass ich meist lieber zur Light-Variante tendiere, wenn es um Mengentext geht. Ansonsten dürfte die Ubuntu wegen ihrer vereinfachten Formensprache wohl als die modernistischste unter diesen sechs Schriften gelten.

Lato

Die einzige hier vorgestellte Schrift von einem kleinen Indie-Designer! Łukasz Dziedzic aus Warschau ist der Schöpfer der Lato, einer wunderbaren und sehr screengeeigneten Grotesk-Familie. Die Lato besitzt ein freundliches Schriftbild und schön große, runde i-Punkte. Die 5 Fetten sind perfekt aufeinander abgestimmt, und es ist mir immer wieder eine Freude, die Lato einzusetzen.

Aller

Die zweite Schrift von Dalton Maag. Eine gewisse stilistische Nähe zur Ubuntu lässt sich sicher nicht leugen, doch die Aller wirkt noch ein klein wenig neutraler. Auch hier sollte man eher mit der Light-Variante liebäugeln, was den Einsatz im Mengentext angeht. Ansonsten ist die Aller sehr robust und macht vieles mit. Sie ist seit 2009 erhältlich und von daher fast schon ein moderner Klassiker, wenn man das so sagen darf.

14 Kommentare

  1. Ben am 6. August 2013 #

    Vielen Dank für die Übersicht. Ich überlege schon mit welcher ich die Helvetica in iOS 7 ersetze. Vielleicht findet sich jemand, der ein Tutorial dafür schreibt…

  2. Jörg am 6. August 2013 #

    Wichtig vielleicht noch zu wissen, dass die FiraSans bis vor kurzem noch FeuraSans hieß. So wird sie in einigen Blogtexten noch genannt. Grund für die Umbenennung war wohl, dass Feura englisch ausgesprochen, wie »Führer« klingt. Das war keine passende Assoziation für eine Schrift aus deutschen Hause.

  3. Anselm Hannemann am 7. August 2013 #

    Moin,
    die Source Sans Pro gibts auch auf GitHub als Download – nicht ganz so seltsam wie Sourceforge ;) https://github.com/adobe/source-sans-pro

  4. Gregor am 7. August 2013 #

    Danke! Auch wenn ich die genannten Fonts alle schon kannte freue ich mich dennoch über jeden Typographie-Artikel von dir.

  5. Subjektives am 8. August 2013 #

    Laut: http://spiekermann.com/fira-schriftprobe/ muss es demnächst auch die »Italic«-Schnitte geben

  6. Subjektives am 8. August 2013 #

    Tataa!
    Hier sind die Italic-Varianten der FiraSans:

    https://bugzilla.mozilla.org/attachment.cgi?id=779726

    Quelle:

    https://bugzilla.mozilla.org/show_bug.cgi?id=870998#c9

  7. Gerrit am 8. August 2013 #

    @Subjektives: Danke für den Hinweis. ich habe das im Artikel aktualisiert!

  8. Axel Klose am 9. August 2013 #

    Also Gerrit, Du solltest Dich doch aufraffen, öfter attraktive Fonts vorzustellen!
    Deine wertvollen klaren Beurteilungen sind immer eine Freude.

  9. torsten am 26. August 2013 #

    Großartiger Artikel, vielen Dank!
    Ich wollte noch anmerken, dass sich folgende Schriften einfach per Google Fonts ins Webprojekt einbinden lassen:
    * Source Sans Pro
    * Open Sans (natürlich)
    * Ubuntu
    * Lato

  10. Bertha am 8. September 2013 #

    Schön, hier mal wieder etwas zum Thema Schriften lesen zu dürfen. Vielen Dank!

    Zur Aller gäbe es meiner Meinung nach die etwas defekten Anführungszeichen zu erwähnen. (Siehe Verdana und Tahoma.)

    Ich hatte nie nachgeschlagen, dachte immer Dalton Maag sei ein Däne und wunderte mich dementsprechend über diesen Fehler, der mir bislang nur bei Fonts, die im englisch-sprachigen Raum entstanden, auffiel. Doch Dalton Maag ist tatsächlich Bruno Maag (ein in der Schweiz geborener Schrift-Designer) und Liz Malton mit Sitz in London und Porto Alegre (Brasilien). Es gibt eine kostenpflichtige „Typographic Edition“ der Aller, diese enthält mindestens Kapitälchen, ob sie aber auch unkaputte Gänsefüsschen bereithält?

  11. Kjell Peter am 20. September 2013 #

    Hallo, danke für die schöne Übersicht,

    die Aller finde ich schön, da die Schrift ausgeglichen wirkt und nicht zu verspielt. Sehr schöner Bold Schriftschnitt.

  12. Thomas am 24. September 2013 #

    Sehr gute Tipps und Beurteilungen. Vielleicht fehlt in der Sammlung noch die Linux Biolinum – die serifenlose Schwester der Libertine. Download unter http://www.linuxlibertine.org/.

  13. at am 30. September 2013 #

    Die Aller ist nicht generell kostenlos, wie ein Blick in den Lizenztext verrät:
    „Use by more than 25 Users, or equivalent Website Visitors, is a breach of this Free Licence Agreement, and instead requires a commercial licence.“

  14. Gerrit am 30. September 2013 #

    @at: Danke für den Hinweis. Das habe ich übersehen.

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