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Gerrit, 11.04.2006

Zweiter Webmontag in Frankfurt – Nachlese

Das war ja wieder was! Web2.0-Trubel in Frankfurt, und alles ging ganz schnell vorbei – schade eigentlich, solche kurzweiligen Treffen hat man selten. Lauter Blognasen unterwegs, und man wird sogar von Lesern angesprochen, die man bisher nicht kannte!

Der zweite Webmontag war von der Vorträgen her leider deutlich schwächer als das Debut im Februar. Ich gehe das Ganze mal subjektiv durch:

Den gelungenen Anfang machte Sascha Carlin mit Tagging/Contextizing, einer kleinen grundsätzlichen Betrachtung über Probleme/Herausforderungen, um mit Tagging Ressourcen zu beschreiben oder wiederzufinden. Kurz und knackig, professionell vorgetragen – auch wenn ich nicht wirklich Neues erfahren habe!

Hoffnungsvoll weiter ging es mit Martin Kliehm, der ein bisschen darüber redete, wie man mit Apache-Befehlen und serverseitigen Scripten eine bessere Usability erreichen kann, und zwar sowohl für den Enduser, als auch für den Webdesigner. Ein paar nette Gedanken waren dabei, und wir erfuhren, dass es die Fuckparade gibt.

Dann wurde es unübersichtlich: Ingo Renner stellte mit TIMTAB eine Typo3-Extension, mit der man das Monster-CMS zum Blogging-Tool macht. Prinzipiell eine feine Sache, doch man hätte diesen Vortrag deutlich besser vorbereiten/strukturieren können, das Gefummele bei der Installation der Extension war zu viel. Außerdem war es definitiv keine gute Werbung für Typo3 und/oder TIMETAB, da alles extrem komplex und verwirrend wirkte. In der Zeit hätte ich drei WordPress-Installationen aufgesetzt und mit ersten Inhalten gefüllt.

Nachdem alle schon dachten, es wäre vorbei, meldete sich noch Zbigniew Lukasiak zu Wort, der auf Englisch über Catalyst redete, was wohl ein MVC-Framework auf Perl-Basis darstellt. Ich habe den Vortrag leider nicht verstanden, da ich mich auf dem Gebiet kaum auskenne, und sich außerdem ein guter englischer Sprachflow bei Zbigniew nicht so recht einstellen wollte – schade!

Das Lustigste und gleichzeitig Anstrengendste war aber die Live-Mitschrift zusammen mit Beate und Ralle. Wir saßen zu dritt am Tisch und notierten mit drei Powerbooks auf dem Schoß mit, was gesagt wurde. Natürlich alles gleichzeitig mit SubEthaEdit, was eine Höllengaudi ist. Bei Bullet-Point-Listen fängt dann einer oben an, ein anderer unten, man trifft sich in der Mitte, während der Dritte die Fehler korrigiert :-)

Außerdem war es nett, Robert Basic kennenzulernen, und zusammen mit Thomas Wanhoff schönstes Metablog-Talking zu betreiben. Insgesamt also wieder ein netter Abend, der natürlich leider wie immer viel zu kurz war, um all das zu besprechen, was man hätte besprechen können und wollen. Aber so ist das halt, wenn man am nächsten Tag wieder zur Arbeit muss!

(Geek-Foto von Patrick Lenz)

Großer Dank gilt diesmal dem Taxiunternehmen Kübelreiter fürs Heimfahren!

Links ohne Ende

13 Kommentare

  1. Ingo am 11. April 2006 #

    Hey Gerrit,
    sei mal froh das ich nicht noch gezeigt habe wie man TYPO3 installiert, was ich eigentlich auch noch vor hatte ;-)
    Das TYPO3 komplex ist bestreitet sicher auch niemand, ist ja auch kein Kinderspielzeug … Wenn ich allerdings schon alles fertig gehabt hätte wärs auch nicht besser gewesen, dann hätt’s geheißen »Na toll was ist da jetzt besonderes dran?!«, oder?

  2. Jens am 11. April 2006 #

    Mir ist bis jetzt noch nicht klar was daran besonders ist, ausser das man scheinbar einen Haufen Arbeit damit hat es zu betreiben.

  3. Gerrit am 11. April 2006 #

    @Ingo,
    Doch, genau das hättest Du machen sollen: Erst ein wenig über Dich und das Projekt, wie weit Ihr in der Entwicklung seid, warum es sinnvoll ist, auch Typo3 zum Bloggen zu verwenden (viele Vorhandene Installationen usw.), und dann eine kurze Demo, in der Du einen Eintrag verfasst und veröffentlichst. Fertig, 10 Minuten, tosender Applaus! Weniger ist am Webmontag mehr!

  4. Nick Blume am 11. April 2006 #

    Ein göttliches Apple-Bild. Schick es mal Steve Jobs … :)

  5. Mirko am 11. April 2006 #

    Scheiß Apple-Uniformierung. Für die Vielfalt! Kauft mehr PCs! ;)

    (bin ja selbst Powerbook-Besitzer …)

  6. Dominik am 11. April 2006 #

    Mir ist bis jetzt noch nicht klar was daran besonders ist, ausser das man scheinbar einen Haufen Arbeit damit hat es zu betreiben.

    Dem kann ich mich nur anschliessen. Ich glaube mittlerweile der einzige Grund, warum TYPO3 überhaupt eingesetzt wird ist, dass es OpenSource ist und deswegen vor allem öffentliche Einrichtungen so darauf abgehen und uuuuunbedingt Ihre Webseiten in TYPO umgesetzt haben wollen. Ist ja OpenSource, kostet kein Geld. Das der Anpassungsaufwand dafür 10x so hoch ist wie bei jedem anderen CMS wird einfach mal verdrängt. Aber das will ich jetzt nicht weiter vertiefen, ich bin TYPO-Hasser  … und das Beispiel bekräftigt mich wieder einmal in meiner Meinung ;-)

  7. Ingo am 11. April 2006 #

    Dominik, ich glaube Du hast da einfach Vorurteile und solltest dich, ohne dich mit dem System näher befasst zu haben, nicht so weit aus dem Fenster lehnen.
    Das Argument »kostet kein Geld« ist übrigens sehr dünn. Bei solchen Projekten würden sicher auch die Lizenzkosten für ein kommerzielles CMS kaum noch ins Gewicht fallen, der Punkt zählt hier also nicht. Bestes Beispiel: frankfurt.de ist mit SIX CMS gemacht und war bestimmt nicht günstig, daran kann’s also nicht liegen.

  8. dirk am 11. April 2006 #

    Denke auch, dass Dominik da nen kleinen Schnellschuss gemacht hat. Richtig ist allerdings, das Typo3 komplex und sicher nicht einfach ist. Für kleine Projekte ist der Arbeitsaufwand gerade am Anfang unverhältnissmässig hoch. Aber man muss halt immer wissen was man will, ich schreibe auch keinen Brief mit LaTEX, ab einer gewissen Dokumentengröße möchte ich jedoch nichts anderes nehmen.

    Was mit Sicherheit an Typo3 nervt, ist der Community ihr »Kaspar«-Vergötterndes Verhalten. Das hat aber nichts mit der Technik zu tun, tut hier also nichts zur Sache. Wollte es nur mal loswerden.

  9. biesi am 11. April 2006 #

    Was TYPO3 angeht, kann ich dirk nur zustimmen; es ist ohne Zweifel ziemlich komplex, dafür aber sehr mächtig und anpassbar (worüber ich sehr froh bin – irgendwann ärgert man sich mehr über beschränkte Möglichkeiten, als über den Lernaufwand).

    Und was die »Vergötterung« Kaspers angeht – nicht dass ich das toll fände, aber gibt’s so was nicht in den meisten Open-Source-Communities, das der/die Projektbegründer und/oder »Leithammel« ziemlich »angebetet« werden?

  10. Dominik am 12. April 2006 #

    @Ingo: Natürlich habe ich Vorurteile, ich dachte eigtl. auch dass ich das mit meinem letzten Satz kenntlich gemacht habe ;-)

    Das Argument »kostet kein Geld« ist übrigens sehr dünn.

    Das ist aber (zumindest bei uns) das Argument, das die Kunden immer bringen wenn sie ihre Seite in TYPO umgesetzt haben wollen.
    Dazu kommt, dass das Backend so übermächtig ist, das die Leute uns ständig anrufen wenn sie etwas geändert haben wollen – weil sie einfach nicht damit klarkommen (trotz extrem »abgespeckter« Version).

  11. dirk am 12. April 2006 #

    @dominik: ich bin zwar kein Anbieter, habe das Problem bei meinen Projekten auch mitgekriegt. Das Problem hier aber ist: die Leute wollen nicht. Nach ausführlichem Vorführen (ich möchte es nicht Schulen nennen) ist die Reaktion aber meistens: wow, so leicht ist das? Wie gesagt, jedes System bedarf ein wenig Einarbeitungszeit. Etwas zu klickintensiv ist Typo3, aber was die Benutzerführung sonst angeht, wirklich mehr als einfach und erfahrungsgemäß selbst von absoluten DAUS nutzbar (als Redakteur wohlgemerkt)

  12. Dominik am 12. April 2006 #

    @dirk: viele wollen sicher auch nicht. Aber das andere große Problem ist: man erklärt es ihnen, sie habens verstanden, machen ihre Änderungen. Dann nutzen sie das CMS 3,4 Wochen nicht … und schon kann man ihnen alles wieder von vorne erklären, weil sie alles vergessen haben.

    Das ganze System ist meiner Meinung nach einfach nicht intuitiv zu bedienen. DAUs haben da keine Chance … so ist unsere Erfahrung (und nein, wir haben das nicht erst 1,2x erlebt). Aber da scheiden sich ja die Meinungen offensichtlich ;-) Soll aber auch kein Problem sein, dies sind ja schliesslich »nur« Kommentare und spiegeln die eigene Meinung wieder. Also bitte nichts falsch verstehen.
    Wie gesagt, ich mag TYPO aus den genannten Gründen absolut nicht. Man setzt etwas in TYPO um (meist relativ kleine Seiten die TYPO haben wollen, weil es »ja umsonst ist«), macht sich eine Heidenarbeit mit dem IMHO dämlichen Typo-Script nur damit die Leute nachher für jede Änderung wieder bei uns anrufen. Das ist einfach deprimierend ;-) Aber leider Alltag.

    Jetzt grade haben wir einen neuen Kunden der bis jetzt RedDot einsetzt und damit wegen der intuitiven Bedienung super begeistert ist. Von uns will er jetzt ein Angebot die Seite auf TYPO umzuschrauben. Warum das? »Weil TYPO doch umsonst ist« ... ich höre ihn jetzt schon weinen :/

  13. Susanna Künzl am 15. April 2006 #

    Wir können hier ja dieselbe Nummer abziehn wie vor Jahren in Brettern und Foren: Den (Betriebssystem-) oder (Browser-) oder jetzt lieber CMS-Krieg. Vielleicht sind wir aber inzwischen auch erwachsen geworden.

    Dass man ein Blog mit TYPO3-Extensions betreiben muss, halte ich für einen Scherz. Aber wer TYPO3 einsetzt, freut sich über die passende Extension.

    ME ist TYPO3 ein super System. Wer es kennt, klemmt alles ab, was er nicht braucht. Das kann bei einer Extension auch gerne mal das Template sein, dass man erst einmal von historischem Ballast entmüllen und auf ein div mit kontextabhängigem CSS umstellen muss. Ganz so neu ist TYPO3 schließlich nicht. Dann aber zahlt sich die Komplexität aus: so viele Extensions, die auf dieselben Adressdaten zugreifen. Hier gibt es nichts, was es nicht gibt. Für den akuten Notfall auch die Möglichkeit, eigenes PHP einzubinden (jaja, ich weiß, kann Wordpress auch …).

    Wer TYPO3 wählt, hat mehr vor. Für die kleine Website zwischendurch (gerne auch mit Blog) reicht auch Wordpress. Wer Kunden berät, sollte einfach vorher klären, worum es heute und in 3 Jahren geht.

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