Wahlprogramm-Design-CheckUp

Überall Plakate an den Laternen und Flyer in der Hauspost: Die Mainzer wählen bald nicht nur Europa, sondern auch noch kommunal. Und ich bin ja begeisterter Demokrat. Deshalb habe ich versucht, mir die Kommunalwahlprogramme der wichtigen Parteien als PDF zu besorgen.

Bei der SPD ist das schnörkellos und ohne Bilder, kompakt zweispaltig in der Syntax gesetzt. 32 Einzelseiten, DIN A5, eine Sonderfarbe (rot) für aktive Auszeichnungen. Ich schätze, dass es von der Bundes-SPD-Designagentur eine Standard-Layout-Vorlage gibt, in die dann für die einzelnen Kommunen der jeweilige Text eingefügt wird. Macht einen sachlichen und professionellen Eindruck. Daumen rauf!

Die CDU hält einen Grafiker für fehl am Platz und beauftragt lieber die gelangweilte Sekretärin mit dem Layout des Wahlprogramms. Die Folge sind 19 DIN A4-Textwüstenseiten in Arial, ohne erkennbaren Gestaltungswillen. Schade!

Das gleiche Bild bei der FDP. Hier ist wenigstens eine Inhaltsangabe des Dokuments in das PDF eingebettet, so dass man bequem von Thema zu Thema springen kann. Ansonsten: Komplette Gestaltungsverweigerung. Auch schade!

Die Grünen sind super! Ich hatte zunächst auf der Website nicht sofort den Link zum PDF gefunden. In einem solchen Falle schreibe ich ganz gerne direkt eine eMail, um die Verantwortlichen darauf aufmerksam zu machen, dass da etwas optimierungsbedürftig ist. Keine drei Minuten später chattet mich ein Grüner im iChat an und teilt mir die exakte Adresse des PDF mit. Und drei Stunden später erhalte ich eine Mail von der hiesigen Grünen-Chefin Tabea Rößner, die mir mitteilt, dass Infomaterial in Form von Broschüren auf dem Postwege zu mir unterwegs sei. Am nächsten Tag traf dies auch prompt ein. Die Broschüre ist, ähnlich der SPD, auf jeden Fall durch die Hände eines Grafikers gegangen. Sachlich, aufgeräumt, Helvetica-Zwilling Swiss im Lauftext, CorpusGothic in den Überschriften. Ich denke, so muss das sein! Weiter so! Ich wähle Euch!

(Da ich sowieso Stammwähler bin, kann ich das sogar behaupten, ohne rot zu werden.)

6 Kommentare

Matthias

Nette Kolumne. Ich wusste gar nicht, dass die SPD in Syntax setzt. Ich dachte früher immer die würden die IKEA-Schrift Futura verwenden. Syntax sieht aber sehr ähnlich aus. Vielleicht haben die ja gewechselt, ich habe schon länger keine Wahlprogramme gelesen.

Gerrit van Aaken

Die Futura hatten die früher mal, zur Bundestagswahl 2002 wurde auf den Plakaten die TheSans verwendet, und nun entdecke ich die Syntax—so richtig konsequent ist das nicht.

holli

Mensch Ihr habt alle gute Uagen, oder wie erkennt ihr anhand eines PDFs welche Schriftart benutz wird, wo es doch so viele fast identische gibt?

holli

Ich meinte selbstverständlich Augen, gute Augen habt Ihr!

Gerrit

Erstens ist das Erkennen von Schriften meine große Leidenschaft, da kann man sehr detailverliebt werden. Zweitens kannst Du Dir mit dem Adobe Reader in den Dokumenteneigenschaften auch genau ansehen, welche Schriften eingebettet wurden!

holli

Man lernt nie aus,
Danke

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