praegnanz.de büro für intervernetzte medien

Gerrit, 05.03.2012

Verlage verspielen Verlinkungswürdigkeit

Ungefähr einmal im Jahr bekomme ich von irgendeinem übervorsichtigen Mitarbeiter einer Online-Publikation eine Anfrage, ob sie denn auf eines meiner Essays auf praegnanz.de verlinken dürften. Bisher habe ich diese Verlinkungsanfragen immer innerlich laut ausgelacht, und dann leicht belustigt geantwortet, dass sich das ja von selbst verstünde, dass ich mehr Traffic auf meinen Artikeln haben möchte. Jeder will das.

Nun, seit gestern werde ich nicht mehr lachen, sondern kann leider verstehen, was da passiert. Die Erwähnung und Verlinkung von frei zugänglichen Inhalten ist seit gestern abend in Deutschland kein generöser Akt der Empfehlung mehr, sondern eine potenzielle Bereicherung mittels fremder Inhalte – nah dran am Diebstahl. Und das wissen die deutschen Verlage mit dem sogenannten Leistungsschutzrecht zu verhindern!

Zum Glück gibt es genügend guten Inhalt in österreichischen und schweizerischen Publikationen, sowie die ganze Welt der englischsprachigen Webangebote, die man noch gefahrlos verlinken kann. Bis auf weiteres rufe ich hiermit einen vollständigen Verlinkungs- und Zitatboykott auf, was große deutsche Verlage angeht. Mal sehen, wer am längeren Hebel sitzt.

10 Kommentare

  1. Peter am 5. März 2012 #

    Das heißt Leistungsschutzgeld, nicht Leistungsschutzrecht. Das ist schließlich nichts weiter Erpressung. Einziges Ziel die Operation ist, aus Google, die den Verlagen kostenlos Leser zuschaufeln, auch noch Geld für diese Leistung zu extrahieren. Und eine Suchmaschine kann natürlich nicht selektiv Seiten boykottieren ohne verklagt zu werden. Anstrengungsloser Wohlstand ahoi!

  2. datenkind am 5. März 2012 #

    Ich hoffe inständig, dass deren Online-Rotz aus den Google-Indizes geschmissen wird. Inständig!

  3. Michael am 5. März 2012 #

    Etwas ist faul im Staate Deutschland.

    Liebe Grüße aus Österreich, wo Links noch in Ordnung und Zitate manchmal in den Kontext von Meerschweinchen gerückt sind.

  4. Sol Tight am 5. März 2012 #

    Nutzer von Services wie Paper.Li, werden mit dieser Gesetzgebung auch schwere Probleme bekommen

  5. Michael am 5. März 2012 #

    Sollten Google et al nun tatsächlich solchen Kram ausfiltern und nicht mehr auf die Artikel bei ichwilldennamennichtsagen-online verlinken, dann können wir uns schon auf ein uferlosloses Geschrei derselben Rechteverwerter gefasst machen, weil Diskriminierung etc. pp. blabla… Wetten?

  6. Gero am 5. März 2012 #

    Nun mal keine Panik, um Verlinkung geht es hier doch überhaupt nicht, sondern um die „Verbreitung“.

    Beispielhaft sind hier „Suchmaschinenbetreiber und News-Aggregatoren“ genannt, also Dienste, die Textausschnitte übernehmen, ohne sich dabei auf das Zitatrecht berufen zu können (das gilt nämlich nur für die Urheber von „Werken“ und nicht für Roboter). Abgesehen davon dürfte es sich bei kurzen Textausschnitten kaum um eine „Verbreitung“ handeln.

    Das händische Zitieren ist also gar nicht betroffen und das Verlinken sowieso nicht.

  7. dels am 5. März 2012 #

    @gero
    Das ist noch gar nicht klar, denn das Koalitionspapier lässt diese und viele weitere Fragen ja offen. Darin steht nur »Die private Nutzung von Presseerzeugnissen im Internet wird nicht vergütungspflichtig«.
    Es geht ja auch um die Blogkultur, die im Rahmen der Zitierfreiheit mal einen Satz nebst Link zitieren. Ob ein Blog im Sinne des Gesetzes eine private Nutzung wäre, wäre noch zu regeln. Klingt nach viel Bürokratie.

  8. Hans am 6. März 2012 #

    Naja, erst mal das Schlimmste vorraussetzen sagt vielleicht mehr über den Vorraussetzer (tolles Wort, nicht?) als über die Sache an sich.

    @Gero hat hier den richtigen Kommentar geschrieben.

  9. Jürgen am 6. März 2012 #

    Wenn man nicht das Schlimmste voraussetzen darf, dann würde eigentlich nicht viel übrig bleiben. Hat die Koalition die Presse also insgeheim gelinkt, zum Preis daß einige mehr fest von der Internetunfähigkeit der Regierenden überzeugt sind?

    Ich glaube nicht, selbst wenn das ein Papiertiger wird, bleibt auch an dieser Ecke eine unterschwellige Angst vor nachträglichen Honorarrechnungen oder teuren Abmahnungen hängen. Also die Markteintrittbarrieren werden erhöht, obwohl sie bspw. für Lokalblogs als Alternative zur Lokalberichterstattung von den sonstigen Kosten her extrem niedrig wären.

    Wobei ich nicht glaube, daß das ein Papiertiger werden sollte/soll. Daß so früh so viel Widerstand aus der Wirtschaft da war, spricht für mich dafür, daß sehr ernsthaft irgend so eine neue Zwangsabgabe für jeden Arbeitsplatz befürchtet wurde.

  10. Hans am 6. März 2012 #

    Wie wäre so eine Lösung:

    Bis zu einem Jahresumsatz von €20.000,- bezahlt man gar keine Leistungsschutzrechte.

    Damit ist der Eintritt gewährt.

    Außerdem: Bisher war es so, dass alle Unternehmen erst mal benutzt haben und hinterher Fragen gestellt haben. Nur so konnte bsw. YouTube die Größe erreichen, die es heute hat. Oder die von mir verhasste HuffPo.

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