Unser energetisches Hauskonzept im Überblick

Unsere Doppelhaushälfte ist zwar kein sogenanntes Nullenergiehaus (obwohl die meisten Gesprächspartner dieses Wort kennen und verwenden würden). Wir müssen also durchaus Energie von außen zuführen, aber immerhin kann man beinahme von einem Niedrigenergiehaus sprechen, und zwar nach dem KfW55-Standard.

Unabhängig vom Standard und der damit verbundenen staatlichen Förderung konnte ich mir einfach nicht vorstellen, ein im Jahr 2012 neu gebautes Haus mit Gas (buh!) oder gar Öl (doppel-buh!) zu beheizen. Eine Wärmepumpe musste her, und das zieht ein paar weitere Dinge nach sich, die ineinander greifen und ohne ein vernünftiges Konzept kaum sinnvoll sind.

Dieses Energiekonzept wurde praktischerweise vom Fertighaus-Hersteller mitgeliefert, und es leuchtet mir durchaus ein. Wir haben es mit insgesamt vier Komponenten zu tun:

1) Eine gute Dämmung

Sie verhindert, dass im Haus entstandene Wärme wieder schnell entweichen kann. Das Haus muss also dicht gemacht und in (leider) giftiges Material eingemummelt werden, damit gar nicht erst soviel Wärme im Haus erzeugt werden muss.

Positiver Nebeneffekt: Selbst Dinge wie größere Fernseher, Kühlschränke und alte Glühbirnen tragen nun spürbar zur Gesamtwärme bei, ebenso wie anwesende Personen, insbesondere wenn diese am Hometrainer aktiv sind :-) Auch im Ruhezustand gibt der menschliche Körper 80 Watt Wärme ab.

Negativer Nebeneffekt: Das Haus atmet nicht durch die Wände, die Feuchtigkeit gelangt nicht nach außen, es wird schnell stickig und schimmelt sehr leicht. Man hat nun zwei Möglichkeiten: Ständig die Fenster aufreißen und gut durchlüften, dadurch im Winter viel Wärme verschwenden, oder:

2) Eine kontrollierte Be- und Entlüftungsanlage

Diese läuft stressfrei den gesamten Tag und die gesamte Nacht und tauscht ohne Unterlass in allen beheizten Räumen die Luft aus. Dies passiert über eine sehr langsame Zirkulation, die nicht spürbar ist und – keine Sorge – keinen Zug im Nacken verursacht. Somit ist es nicht notwendig, die Fenster aufzumachen um zu lüften, obwohl das im Sommer, wenn kein Wärmeverlust droht, trotzdem kein Problem und in schwülen Sommernächten sehr angenehm ist. Die Anlage achtet übrigens – falls nötig – mittels eines Wärmetauschers auch darauf, dass der warmen, nach außen strömenden Luft ihre Wärme entzogen, und diese der potenziell kalten einströmenden Luft zugeführt wird.

Außer den finanziellen Kosten hat diese Anlage für uns bisher kaum Nachteile – man muss die Filter alle paar Monate wechseln und sie kurz ausschalten, wenn der Nachbar zu heftig am Grillen ist, das war es dann aber auch schon.

3) Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe

steht neben unserem Autostellplatz und nervt inzwischen nur noch selten – man gewöhnt sich daran. Sie ist das Kernstück unserer Heizung und sorgt auch für heißes Duschwasser im zentralen 300-Liter-Wassertank. Die meisten wissen nicht, wie so eine Wärmepumpe funktioniert, deswegen hier ein kurzer Anriss:

Die Außeneinheit zieht sich über einen Ventilator Umgebungsluft heran und kühlt diese über einen Kompressor um einige Grad herunter. Die Wärme, welche man der Luft klaut, wird in einen Wasserkreislauf eingespeist. Dieses Wasser wird dann einerseits für die Fußbodenheizung genutzt, andererseits für das warme Wasser zum Waschen und Duschen.

Etwas entgegen unserer Intuition erscheint meist die Tatsache, dass die Wärmepumpe ja vor allem im Winter funktionieren soll, wenn es draußen sehr kalt ist. Die Umgebungsluft hat dann doch gar keine Wärme zum Entziehen! Nun, hat sie eben doch, denn es geht immer um die Temperatur-Unterschiede. Wenn es draußen –10°C hat, wird diese Luft eben auf –20°C heruntergekühlt, um mit den 10°C Unterschied dann den Wasserkreislauf von 20 auf 30°C anzuwärmen (das ist sicher eine sehr vereinfachte Beschreibung, aber ihr versteht vielleicht besser, was gemeint ist.)

Natürlich benötigt die Wärmepumpe eine ganze Menge Strom, um überhaupt die Ventilatoren und den Kompressor anzutreiben. Ja, das ist natürlich wahr. Der Stromverbrauch macht, sofern ich das vom ersten kompletten Jahreszyklus her sagen kann, ca. 750 Euro pro Jahr aus. Nicht ganz übel dafür, dass wir es den Winter über in allen Räumen dauerhaft angenehm warm hatten (siehe unten).

Der Nachteil einer Luft-Wasser-Wärmepumpe ist sicherlich eine gewisse Lautstärke der Außeneinheit, wobei man das differenziert sehen muss: Im Sommer, wenn man oft im Garten ist und sich generell das Leben draußen abspielt, läuft die Wärmepumpe lediglich 5–6 Stunden pro Woche. Nur im tiefen Winter, wenn man sowieso froh ist, schnell ins Haus zu kommen, läuft sie bis maximal 130 Stunden pro Woche, also sportliche 18,5 Stunden pro Tag, mit unterschiedlicher Intensität. Das Kompressorgeräusch variiert dabei absichtlich etwas, vermutlich, damit nicht zu lange irgendwelche Resonanzfrequenzen getriggert werden.

Eine weitere Eigenschaft der Wärmepumpe ist, dass sie keine furchteinflößend hohen Temperaturen erzeugen kann, ohne unwirtschaftlich zu werden. Das führt einerseits dazu, dass man keine ernstzunehmende Wärmflasche direkt aus dem Wasserhahn befüllen kann. Und es macht den Einsatz von normalen Heizkörpern schwierig, weil diese wesentlich heißeres Wasser benötigen, um ordentlich zu funktionieren. Dies ist einer (aber nicht der einzige) Grund für den vierten und letzten Bestandteil unseres Energiekonzeptes:

4. Fußbodenheizung überall

Eine Fußbodenheizung in einem gut gedämmten Haus hat den Vorteil, dass sie nur eine sehr moderate Wärme abgeben muss, um die ganze Wohnfläche angenehm zu beheizen. Frühere FBH aus den Siebziger Jahren befanden sich permanent im Krampfader-Modus und führten zu Schwitzfüßen. Bei uns ist der Boden immer sehr angenehm zu betreten, aber nicht aktiv heiß, was auch die Auswahl an geeignetem Parkett einfacher macht. Zusammen mit unserer Anwesenheit, den elektrischen Geräten und einem ordentlichen Auflauf im Ofen kann so das Haus komplett warm gehalten werden.

Wir schalten die Fußbodenheizung übrigens nicht gezielt ein und aus. Ebensowenig heizen wir einzelne Räume. Das Ding läuft einfach immer komplett durch, aber eben auf sehr, sehr kleiner Flamme (rhetorisch gesprochen). Selbst wenn wir Energie sparen wollten, indem wir morgens beim Verlassen der Räume die Heizung ausschalteten, so wäre die Restwärme am Feierabend immer noch zu 90% vorhanden und es müsste wieder „angefeuert“ werden, um die letzten 10% zu bekommen.

Das System ist extrem träge, aber auch in sich extrem sparsam, so dass der beste Rat für die meisten Nutzer sein dürfte: Heizung immer laufen lassen, die Thermostate in den einzelnen Räumen einmal nach Belieben einstellen, und den Rest macht die Heizung per elektronischer Steuerung automatisch, indem sie die Warmwasserzufuhr in den einzelnen Wasserkreisläufen für die einzelnen Räume nach Bedarf unterbricht. Ganz ehrlich – so stressfrei hatte ich mir das im Vorfeld nicht vorgestellt!

Das Stromhaus

Kein Gas, kein Öl kein Holz. Das einzige, was unserem Haus derzeit von Außen zugeführt wird, sind elektrischer Strom und Kaltwasser, sowie natürlich ein Datenkabel aus dämlichem Kupfer, aber das ist eine Geschichte für einen anderen Blogeintrag.

Ich bin sehr froh, dass wir mit dem universalen Energieträger „Strom“ nun selber entscheiden können, auf welche Weise unser Haus geheizt wird. Bock auf Atomstrom? Doch lieber auf Braunkohle setzen? Die Wasserkraft in Österreich fördern? Es findet sich sicher ein Stromanbieter mit dem passenden Energiemix. Ich bleibe auf jeden Fall flexibel und stimme mit meinem Geldbeutel ab. Hierzu später sicherlich mehr.

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