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Gerrit, 28.05.2009

Typekit will ausgewählte Webfonts cross-browser-fähig machen

Zunächst dachte ich an eine weitere JavaScript/Canvas/Flash/ImageMagick-Krückenlösung, aber offenbar wird das frisch angekündigte Typekit einen anderen Weg gehen:

  • Sie stellen einen zentralen Server bereit, auf dem willige Schriftanbieter ausgesuchte Fonts lagern können.
  • Typekit kümmert sich (höchstwahrscheinlich) um eine webfähige Konvertierung der Schriften in abgespeckte Subsets und EOT für Internet Explorer.
  • Webdesigner können (zahlender?) Kunde von Typekit werden und binden in ihre HTML-Dokumente eine externe JavaScript-Datei ein (wahrscheinlich mit einem Token als Parameter).
  • Die Browser schmeißen ihre Webfonts-Engine an und stellen Webtexte in Schriften dar, die nie ein Mensch zuvor in einem Browser gesehen hat.

Das ganze wird in einem Blogeintrag von Jeffrey Veen ein wenig wage angedeutet – in den dazugehörigen Kommentaren wird schon wild über technische Details spekuliert. Zusätzlich interessant ist auf jeden Fall dieser Flickr-Screenshot von der geplanten Website

Was das genau bedeutet, muss man sich erst einmal in Gedanken durchspielen.

  • Man wird wohl Kunde bei Typekit werden müssen, um das Ganze zu nutzen. Das bedeutet ein wenig gefühlte Abhängigkeit.
  • Zentraler Server bedeutet gleichzeitig auch technische Abhängigkeit. Natürlich wird es Fallback-Lösungen geben, aber ein bisschen fade schmeckt es natürlich schon.
  • Typekit kümmert sich mit allen technischen Finessen um die saubere Konvertierung von regulären Fonts in echte, brauchbare Webfonts. Das ist sehr hilfreich, denn auch wenn Safari & Co prinzipiell alles an OT-Fonts darstellen, was man Ihnen vorwirft, kann eine Ladezeitenoptimierung und vielleicht sogar ein screenoptimiertes Kerning nie schaden.
  • Dass sich Typekit (möglicherweise) um eine EOT-Konvertierung kümmert, um das ganze auch im Internet Explorer (hier übrigens ab Version 4 oder so) zu ermöglichen, klingt extrem verlockend.
  • Und das Wichtigste: Durch die Kooperation mit den teilnehmenden Schriftenhäusern gibt es endlich eine Rechtssicherheit, und man muss als Webdesigner nicht in irgendwelchen Grauzonen agieren.

Ich bin sehr gespannt auf weitere Typekit-Details und werde auf jeden Fall weiter berichten!

(via Stopdesign, wer hätte das gedacht?)

6 Kommentare

  1. Björn am 28. Mai 2009 #

    Ich bin auch sehr gespannt. Bisher war es mir der Aufwand nicht wert, bei meinen Projekten Ansätze wie typeface.js oder andere einzusetzen. Auch wegen Performanceinbußen oder die Behinderung beim Markieren von Texten.

    Die von Dir genannte technische Abhängigkeit vom Fremdserver kam mir auch gleich in den Sinn. Bin aber auch zuversichtlich, dass man einen Fallback haben wird.

    Ganz nah dran wären wir mit dieser Fast-Lösung.

    Dann bin ich mal auf Deine Berichte zu weiteren Details gespannt :-)

  2. Eric Eggert am 28. Mai 2009 #

    Naja, der Fallback-Mechanismus ist ja bei @font-face schon eingebaut, es wird eben dann auf die nächste Schrift der Kaskade zurückgegriffen, ganz im Extremfall auf die Times.

    Und dass ist auch ein bisschen das Problem, dass ich mit dem System habe. Fällt der Server mal aus, dann sehen Kunden vielleicht stundenlang meine Seite anders, für diesen Fall muss ich eigentlich auch planen.

    Noch ist es aber nicht so weit, dass wir uns darüber Gedanken machen können, vielleicht wird es ja möglich sein gegen $$$ die Dateien auch auf dem eigenen Server zu hosten. Wenn das JS aber erst nach dem einladen des Inhalts ausgeführt wird, so scheint mir im Moment bei dieser Lösung auch das im Moment bei Cufón zu beobachtende Austauschen der Schrift unvermeidlich. Man wird sehen müssen wie sich das entwickelt…

  3. Fabian Neumann am 28. Mai 2009 #

    Aus technischer Sicht klingt es ganz interessant. Und wie du schon schreibst, kann es einem Webentwickler/designer einiges an umständlicher Arbeit abnehmen, was die korrekte Einbindung von Webfonts angeht.

    Grundsätzlich jedoch finde ich es fragwürdig, ob wir eine technische Lösung für eine nicht-technisches Problem brauchen. Die Foundaries sollen aus dem Knick kommen und ordentliche Lizenzen anbieten.

    Lasst mich eure Fonts bezahlen, evtl. in einem Webfonts optimierten Format runterladen und erlaubt mir die Nutzung auf meinen Websites (pro Domains z.B.). Wenn ein Besucher meiner Site den Font dann aus seinem Browsercache fischt ist das sch***egal, solange er damit keine Dokumente veröffentlicht. Und wenn doch, verklagt ihn meinetwegen — so machen es Image-Anbieter, die Musikindustrie etc. doch auch.

    Aber versucht nicht krampfhaft die Verbreitung der Fontdateien durch irgendwelche technischen Maßnahmen zu verhindern. Das hat in der Geschichte noch nie geklappt und macht es für die alle involvierten ehrlichen Parteien nur schwieriger.

    Ich finde, Typekit riecht noch zu sehr nach Kopierschutz und DRM. Bin aber, wie vermutlich alle, gespannt auf Details.

  4. Thomas Riemer am 29. Mai 2009 #

    Da hätte ich auch Probleme mit der Abhängigkeit.
    Wenn ich für meine Abhängigkeit auch noch bezahlen muss, dann verzichte ich lieber…
    Gutes Webdesign bedeutet ja nicht zwingend, dass man alles nutzt was es gibt, sondern kann auch bedeuten, dass man mit wenig Mitteln viel erreicht….

  5. Ralf Herrmann am 29. Mai 2009 #

    Lasst mich eure Fonts bezahlen, evtl. in einem Webfonts optimierten Format runterladen und erlaubt mir die Nutzung auf meinen Websites (pro Domains z.B.).

    So wird es auch kommen – zumindest wir werden es wohl für unsere Fonts genau so anbieten.
    Diese Rent-a-Font-Modelle sehe ich nicht als das Font-Lizenz-Modell der Zukunft, sondern einfach als eine zusätzliche Option, z.B. für einen Blogger, der sich seinen Font nicht auf alle Ewigkeit lizenzieren muss, sondern eben vielleicht nur für 3 Monate und dann einen anderen nimmt.

  6. pawel am 3. Juni 2009 #

    Ich finde es bei Javascriptframeworks charmant, dass ich sie auch über ein CDN einbinden kann. Gleiches wäre für Webfonts natürlich auch toll, da es für die Nutzer Ladezeiten verringert, wenn der Webfont auch schon mal auf einer anderen Seite benutzt wurde.

    Ich bin zwar neugierig, wie die Lösung von Typekitaussehen wird, halte aber von der Weiterentwicklung von @font-face mehr.

    PS: Ab der Version 8 werden .eot-Dateien vom Internet Explorer nicht mehr unterstützt.

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