to facebook or not to facebook …

… das ist hier die Frage!

Derzeit kommt in meinem erweiterten Kundenkreis am laufenden Meter die Frage auf, ob man denn jetzt als Unternehmen bei Facebook sein müsse, und wie ich da behilflich sein könne. Man höre ja soviel, dass das total viel bringen würde, und man wolle doch nicht zu spät sein, der Zug solle nicht ohne sie abfahren. Etc.

Ich komme dann immer in Bedrängnis; Auf der einen Seite beherrsche ich natürlich die Kenntnisse, um Firmen technisch unfallfrei zu einer Facebook-Präsenz zu verhelfen. Doch abgesehen von der technischen Machbarkeit stellen sich bei einer solchen Situation immer weitere Fragen, die erst einmal geklärt werden müssen (was den Fragenden meist gar nicht klar ist):

  • Wie definiert man eine Facebook-Präsenz? Was soll dort passieren? Welche Leute möchte man dort erreichen und was will man tun?
  • Wer kümmert sich um die laufenden Facebook-Aktivitäten?
  • Und nicht zuletzt: Brauchen wir dafür überhaupt professionelle Unterstützung, oder sollte man das nicht lieber selber übernehmen, alleine der Authentizität wegen?

Fakt ist: Ich mache keine Social-Media-Beratung. Wer also von mir einen professionellen Rat möchte, wie er das Thema Facebook angehen sollte, bekommt keinen. Ich teile höchstens meine private Meinung mit, und die ist so:

Wenn ein Unternehmen nicht zumindest ein paar Ideen hat, was es auf Facebook machen könnte, sollte es lieber draußen bleiben.

Anders herum formuliert: Wenn ich einen konkreten inhaltlichen und konzeptionellen Plan vorgelegt bekomme, was gemacht werden soll, bin ich zu allen Schandtaten bereit. Design, Umsetzung, API-Apps, eingebundene iFrame-Websites-Konstrukte – alles kein Problem! Ich fummel mich gerne zurecht.

Sollte ich aber um inhaltlichen oder konzeptionellen Rat gefragt werden, würde ich meine Beratungstätigkeit immer auf die klassische Website beschränken. Da kenne ich mich aus, an das Medium glaube ich. Social Networks kommen und gehen, die Fans- und Followermechaniken ändern sich, die Methoden der Aktivätsanregung und -messung ebenfalls. Aber das ist alles reines Marketing, und sehr flüchtiges noch dazu. Da spiele ich gerne als Techniker mit, kann mich in diesem Rahmen auch durchaus begeistern, aber stehe doch nicht wirklich dahinter.

Der offen zugänglichen Website, mediengerecht und unabhängig, gehört sowohl Vergangenheit als auch Zukunft im Web. Derzeit scheint sich zwar für manche Branchen die Einrichtung einer individuellen »Homepage« nicht zu lohnen. Gerade junge Kneipen und Cafés sind mit einer gut aufgebauten und engagiert gepflegten Facebook-Seite tatsächlich besser beraten. Aber ich verwette meinen Popo darauf, dass hier die Unternehmer von sich aus das Konzept und die Umsetzung betreuen, oft sogar höchstpersönlich.

Denn wenn es einen Rat gibt, den ich trotz meiner Eigenschaft als Social-Media-Berater-Kritiker geben kann, dann diesen:

Nur wenn die Begeisterung eines Unternehmers für Social Media real und authentisch ist, kann es zum Erfolg führen.

Und in diesem Falle brauchen die Unternehmen auch keine großartige Hilfe. Denn eine Facebook-Präsenz einrichten, bitteschön, das kann jeder, der es wirklich möchte, auch ohne professionelle Hilfe. Falls nicht, sollte sie oder er sich das nochmal überlegen. Und wenn es um komplexere, nicht-standardisierte Facebook-Apps geht, mich gerne anrufen. Aber vorher – richtig – ein Konzept in der Tasche haben! Danke.

10 Kommentare

Steven

Konzept finde ich immer wichtig.
Auch, die Sache, wer schreibt oder wer nicht. Ich finde, wenn ich eine Präsenz von einem Unternehmen sehe, dann erwarte ich auch, dass dort ein Mitarbeiter bloggt,twittert oder wie auch immer und nicht ein Mensch, der mit der ganzen Sache eigentlich nichts zutun hat.

Und ganz ehrlich? – Ich denke mal jeder Unternehmer wird wohl irgendwie, sofern er schon weiß, was Social Media ist und sich damit beschäftigt wissen, wie man eine Fanpage oder einen Facebookaccount betreibt bzw eröffnet.

Webmagier

Wenn mich einer fragen würde, würde ich in Abwesenheit eines Konzepts durchaus auch eine fürstliche Entlohnung meiner Person als Existenzberechtigung für einen seelenlosen FB-Zombie akzeptieren.

fwolf

Hach .. du sprichst mir aus der Seele, Gerrit ;)
/signed.

cu, w0lf.

Marjeta

Danke für diese offenen Worte. Mir geht es genauso und ich könnte jeden einzelnen Satz genau so unterschreiben.

Viele Grüße einer sonst eigentlich stillen Leserin
Marjeta

Fox

Kunden nennt man in dieser Branche auch Auftraggeber, weil diese oftmals nicht wissen, was sie genau wollen (http://spiekermann.com/auftraggeber-oder-kunde/). Man muss ihnen also helfen; beratschlagend zur Seite stehen.

In diesem Zusammenhang finde ich die Aussage »Aber vorher – richtig – ein Konzept in der Tasche haben!« sehr befremdlich. Welcher Auftraggeber hat denn schon ein fertig ausgearbeitetes Konzept in der Tasche?

Gerrit

@Fox: Ich wollte mich mit diesem Artikel positionieren. Zusammengefasst lautet die Aussage: Im Bereich Social Media bin ich reiner technischer Dienstleister, quasi ein tumbes Werkzeug.

Das Konzept in der Tasche kann ja gerne von einer anderen, beratenden Agentur kommen.

Oliver

Sehr schöne Beitrag. Eigentlich war ich ein Befürworter von Facebook und Konsorten, aber neulich wurde ich von einem Projekt eines Bekannte eines besseren belehrt, dass das (zumindest Facebook für ihn) verschenkte Mühe ist. 1500 Fans und eine miserable Conversion von weit unter einem Prozent. 99% der »Fans« melden sich nur, wenn es was zu gewinnen gibt, wenn es Neuigkeiten vom Unternehmen sind (neue Artikel etc.), interessiert es so gut wie keinen und Eigendynamik entwickelt die Seite auch nicht. Das ist eine ziemlich frustrierende Situation. Dies ist leider auf den meisten Fanseiten, die ich daraufhin angeschaut habe festzustellen. Aufgrund dieser Erfahrung würde ich jedem Kunden, der mich momentan nach Facebook fragt, abraten. Hat irgendjemand einen Kunden oder eine eigene Präsenz bei FB, die irgendeinen ROI bringt?

ctn

@Webmagier: Selten so gelacht. Ich habe es noch nie erlebt, dass jemand den Kern von missratenen Facebook-Auftritten so schön auf den Punkt gebracht hat. Danke!

Lukas

@Oliver: Facebook kann sich durchaus lohnen. Ist aber einfach Projektabhängig. Wer über Facebook Solartechnik bewerben will, hat sicher schlechte Karten.
Ich betreue u.A. eine Tanzschule. Und bei diesem Projekt geht auf Facebook die Post ab!

Matthias Kampmann

@gerrit: sehe ich im grunde genauso.
bei lichte betrachtet ist facebook ja nichts anderes als »nur« ein weiteres kommunikationsmedium (oder besser kanal) mit bestimmten systemisch bedingten eigenarten, die wiederum zur ausprägung gewisser sozialer eigenarten führen (netzwerk-effekt).
wenn man als beispiel mal ein eher eindimensionales und etabliertes kommunikations-medium wie ein Buch dagegen hält ergibt sich ja die gleiche aussage.
ich gehe ja auch nicht zu einem setzer/druckerei OHNE ein geschriebenes buch und sage: »mach mir mal ein buch (ohne inhalt/mit blindtext)«.
es kommt immer auf den content bzw. die redaktionelle strategie an. das jeweilige medium gibt immer nur seine systemisch bedingte eigenschaft/dynamik dazu.
die ist bei facebook erheblich und komplex (sozial) und in der redaktionellen strategie entsprechend zu berücksichtigen. aber ganz ohne geht es nicht.

an der stelle geht die leistung auch eher in den bereich public-relations/marketing (was für mich heut ein und das selbe ist).
das kann ein frontend-entwickler natürlich nicht leisten. insofern ehrlich und richtig, dem kunden das zu kommunizieren.
nichtsdestotrotz ist der bereich der redaktionellen betreuung/strategie- und content-entwicklung etc. ein bereich für eine wichtige und legitime dienstleistung.
an der stelle bedarf es einfach eines kommunikationsprofis.

die entsprechenden entscheider in unternehmen verstehen einfach (noch) nicht, dass es im falle von facebook um kommunikation und nicht um IT/Programmierung oder gar tricks etc. geht.

wenn dem kunden das nicht zu vermitteln ist, würde ich so ein job-angebot – auch als kommunikations-profi – nicht wahrnehmen, da man auf der basis mit einer sozialen-kampagne für den Kunden nicht erfolgreich sein kann und der dienstleister ja letztlich auch am erfolg der kampagne gemessen wird. somit ist gerrits aussage und vorgehen auch einfach nur klug und nachhaltig richtig für die eigene geschäftliche entwicklung.

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