Vollelektrisch ans Mittelmeer (und zurück)

Mit einem gemieteten Model X kann man eine Reise wagen. Zum Beispiel nach Opatija in Kroatien. Hier mein kleiner Reisebericht über eine CO₂-arme Autofahrt ohne besondere Vorkommnisse.

Zuerst muss ich klarstellen, dass ich kein echter Autonerd bin. Weder zu Verbrenner- noch zu Elektrozeiten konnte mich ein Auto wirklich emotional begeistern. So ist für mich das Model X im Wesentlichen ein fahrbarer Untersatz, der für die Stadt viel zu groß ist, sich auch beim Fahren groß und schwer anfühlt, und bei dem viele Details überaschend unzuverlässig funktionieren, wenn man sich den Preis anguckt.

An dieser Stelle herzlichen Dank an die Firma eShare.one für das Zurverfügungstellen des Fahrzeugs. Unsere Webagentur entwickelt im Auftrag von eShare.one verschiedene Carsharing-Websites für Kommunen und Stadtwerke – doch es gibt auch einen vollelektrischen Fuhrpark, den man im Rahmen der sogenannten Schnuppermiete nutzen kann. Wer also Interesse hat, und aus dem Raum Dortmund kommt, kann dort gerne für ein paar Tage eine kleine oder große Elektrokarre mieten!

Zurück zum Auto. Vor ein paar Tagen wurde bekannt, dass Tesla möglicherweise in Zukunft gar keine Autos mehr an Privatpersonen verkaufen möchte, sondern sich ausschließlich auf Flotten und Sharing-Konzepte konzentrieren möchte. Und mit den Erfahrungen, die ich gemacht habe, deckt sich das ganz gut: Das Model X ist kein Fahrzeug, welches man unbedingt besitzen möchte. Es ist irrsinnig teuer, dafür gar nicht mal so geschmackvoll gestaltet und hat viele kleine Probleme, wie beispielsweise die umständlichen und ein bisschen lächerlichen Falcon-Wing-Doors, die bei jedem dritten Öffnen aus nicht nachvollziehbaren Gründen nur zur Hälfte aufgehen, und bei denen Regenwasser auf dem Dach beim Öffnen ins Fahrzeug hineinfließt (kein Scherz).

Gleichzeitig ist das Model X aber ein fantastisches Reisemobil, weil es wirklich viel Stauraum bietet und sich absolut stressfrei fahren lässt. Kurz gesprochen: Das Fahren ist besser als das Besitzen. Klarer Vorteil für Miet- und Sharing-Konzepte!

Die Reise von Dortmund nach Würzburg (Tag 1), dann von Würzburg nach Österreich (Tag 2), und dann von Österreich nach Kroatien (Tag 3) gestalteten sich außerordentlich reibungslos, und das liegt an zwei Faktoren: Zum einen steht etwa alle 100 km ein Supercharger in direkter Autobahnnähe, zum anderen kennt das Auto diese Supercharger und plant eine idiotensichere Route, die man garantiert auch wirklich genauso fahren kann.

Natürlich gibt es etwas zu meckern! Manche Supercharger-Locations sind an etwas verlassenen oder schrottigen Raststätten bzw. Industriegebieten, was den Aufenthalt mit einem Kleinkind erschwert. Die eingeblendete Maximalgeschwindigkeit (gemäß Google Maps) ist zu 80 Prozent der Zeit totaler Humbug, weil real aufgestellte oder eingeblendete Verkehrsschilder nicht beachtet werden. Der vieldiskutierte Autopilot ist aus meiner Sicht nicht vertrauenswürdig und keine echte Erleichterung, weil man trotzdem ständig aufpassen muss, wenn ein bisschen Verkehr auf der Straße ist. Insbesondere wenn man sich die wackelige Schema-Darstellung der umgebenden Fahrzeuge im Display anguckt, wo lustig die Fahrzeugtypen hin- und herspringen und die auch immer gefühlt ein paar Sekunden hinterherhängt.

Dennoch: Es ist vor allem die Zuverlässigkeit der Infrastruktur, und erst in zweiter Linie die große Batterie, die das Langstreckenfahren mit Tesla so entspannt macht. Man weiß einfach, dass das Aufladen in akzeptabler Zeit funktionieren wird. So banal, so wichtig! Inzwischen gibt es auch auf der besprochenen Strecke so manche Nicht-Tesla-Ladesäule, die man mit jedem Auto nutzen kann. Allerdings bleibt dabei immer eine Restunsicherheit, ob diese Säule überhaupt in Betrieb ist, und ob ich den Ladevorgang auch starten kann, ohne Mitglied bei irgendeiner Plattform zu werden. Und was es dann letztlich kostet.

Bei unseren jeweiligen Übernachtungsmöglichkeiten konnte ich dann schön über Nacht per Typ2-Kabel mit 16 kW aufladen. Im österreichischen Altenmarkt per kostenpflichtiger Website-Freischaltung an einer öffentlichen Ladesäule im Dorf. In Kroatien kostenlos direkt am Ressorthotel – sehr aufmerksam. Diese Ladesäulen habe ich aber spontan vor Ort ausfindig gemacht – es wäre auch ohne gegangen.

Für die vielen gefahrenen Kilometer war die Reise im Model X wirklich sehr angenehm. In der Stadt wäre ein solches Monsterauto ein echtes Hindernis. Es hat also für mich als Vorort-Bewohner schon einen Sinn, kleine bis mittelgroße Autos für die täglichen Besorgungen zu besitzen, und für längere Strecken ein größeres Auto zu mieten. Und derzeit muss das tatsächlich noch ein Tesla sein. Mit einem e-Niro von Kia wäre das alles zwar auch denkbar gewesen. Ich hätte es mich aber schlichtweg in diesem Sommer noch nicht getraut.

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