Sollte man die User zu korrekter Browserbenutzung umerziehen?

Ich glaube, ich bin doch Autist! Diese Frage haben alle Teilnehmer nicht so verstanden, wie ich mir das gedacht hatte. Kein Wunder, sie war auch völlig missverständlich formuliert!

Meine Idee vom »Browserbenutzung« ist nicht die Wahl des Browsers, sondern der Umgang mit dem Browser. Also: Man verzichtet auf Website-Funktionen, die man mit Browsermitteln erreichen kann:

  • Kein »target: _blank«
  • Kein Drucken-Button
  • Keine »Zurück-Buttons«, die die history-Funktion verwenden
  • Nur lesbare URLs, bei denen man einzelne Verzeichnisse löschen kann

Also: Die User sollen bitteschön merken, welche Funktionen Aufgabe der Website oder Webapplikation sind, und welche Funktionen im Browser ausgelöst werden sollten.

Aber natürlich: Das war ganz schlechte Fragestellung von meiner Seite, sorry!! Dennoch hier die Antworten:


Die besten Pro-Antworten

Christian Boltz

Ja, wenn die Leute mit dem IE daherkommen und man »politische« Gründe gegen den IE hat. Mache ich z. B. bei der http://suse-linux-faq.koehntopp.de so. Und verwende die conditional comments mal gegen den IE – für irgendwas müssen die doch gut sein ;-))

(Trotzdem funktioniert die Seite mit dem IE ohne größere Probleme.)

Martin Zimny

Ein klares Ja, denn die Alternative hieße, sich weiterhin von minderwertigen Entwicklerfirmen denen die Interessen ihrer Kunden völlig egal sind (M$) auf der Nase herumtanzen zu lassen. Eine Aufklärung warum der IE6 so viele Fehler macht ist auf jeden Fall sinnvoller, als sich als Webdesigner permanent mit CSS-Hacks für den veralteten Browser herumzuschlagen. Das Netz wird erwachsen und seine User hoffentlich auch nach und nach.

ex

Pro. Allerdings nur in dem Fall, wenn ich der Ansicht bin das fruchtet auch beim Kunde und er will mehr darüber wissen, wie man zeitgemäß surft. Letztendlich fällt das auch nicht mehr ins Gesicht, wenn der Kunde ne neue Domain kriegt mit Webmail, MembersArea, Webalizer, etc. dann kann man ihm gleich noch nen neuen Browser aufquatschen.

Florian Eckerstorfer

Ja, auf jeden Fall. Zumindest seit IE7 erschienen ist spare ich mir das ganze em-Umrechnen und auch transparente PNGs setze ich hier und da ein. Wobei ich grundsätzlich versuche auch etwas ältere Browser zu unterstützen, also zB IE6. Einfach wei nicht jeder die Möglichkeit hat immer mit der aktuellsten Version zu surfen. Aber wie gesagt etwas älter, Dinosaurier wie IE4, Netscape und Konsorten spare ich mir.

Karen Bensmann

Zwar halte ich wenig davon, andere Menschen umzuerziehen, aber ich denke, dass die Verwendung veralteter Browser die Entwicklung von Websites stark ausbremst. Der Browserkrieg hat uns außer Ärger, Bauchschmerzen und Hacks nichts gebracht, man arbeitete mit veralteten aber »sicheren« Technologien. Ich denke, der richtige Weg ist die Verwendung von Standards, um die Browserhersteller zu korrekter Umsetzung zu erziehen. ;) Nichts hat die Entwicklung des Webs so lange stillstehen lassen, wie der verkrampfte Versuch, es jedem Browsernutzer und sei er auch noch so mies (also der Browser, nicht der User) recht zu machen. Deswegen: Leute, nutzt Browser, die die Standards korrekt umsetzen!

Benjamin Singer

Weltweit beträgt der Marktanteil des Microsoft-Webbrowsers mittlerweile »nur« noch 63,9 Prozent (Marktforschungsinstitut Janco, Stand 2007), von ehemals knappen 100. Grund hierfür ist vor allem die Entwicklung von Alternativbrowsern, wie dem Mozialla Firefox. Ich möchte im Folgenden zwei Argumente nennen, die gegen diesen Browser und für eine Umerziehung der Nutzer zu korrekter Browserbenutzung sprechen.

Der Internet Explorer ist kein guter Webbrowser.
Allseits ist bekannt, dass Webdesigner sich für nahezu jedes Projekt viel zusätzliche Mühe machen müssen, um ihre Seiten an diese Software anzupassen. Und das liegt in den meisten Fällen nicht an den Webdesignern, sondern an der schlechten, nicht zeitgemäßen Programmierung, die viele neue Features leider außen vor lässt. Ich denke hierbei vor allem an den Aspekt CSS. Es müssen sog. »Hacks« in die Websites eingebaut werden, um diese nur kompatibel für den Internet Explorer zu machen – und das, wo sie vielleicht in allen anderen gängigen Browsern einwandfrei ohne Hacks laufen und im Internet Explorer oft leider extrem verstückelt dargestellt werden. Dieser Aspekt raubt Webdesignern einiges an Zeit, die sie mit sinnvolleren Aktivitäten füllen könnten.

Als weiteren Punkt möchte ich die Monopolstellung von Microsoft und deren Browser eingehen, die mittlerweile, aufgrund der Entwicklung aufstrebender Browser, wie dem Mozilla Firefox, langsam nachlässt. Es macht den Anschein, die Programmierer des Microsoft-Browsers kümmerten sich einfach nicht um neue Webtechnologien, da diese oft einfach weggelassen werden (s.o.). Da der Internet Explorer einer der ersten und erfolgreichsten Browser überhaupt war, und standardmäßig auf allen Windows-PCs vorinstalliert ist – manche User wissen womöglich nicht einmal von Alternativen – hat er bis zum heutigen Zeitpunkt einiges an Marktanteil gewonnen und nur wenig verloren. Dies fördert die Entwicklung und das Aufstreben »kleinerer« Browser leider nicht gerade, weshalb solche sich immer neu im »Browserkrieg« messen müssen und sich nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen können.

Es gibt also im Prinzip nur die Möglichkeit, möglichst viele Internetnutzer von alternativen Browsern zu überzeugen.
Gäbe es nur noch wenige Nutzer, müsste Microsoft sich erst einmal wieder gegen die Konkurrenz beweisen, um Kunden zu gewinnen. Würden sie somit eine – möglicherweise – bessere und zeitgemäßere Version dieser Software veröffentlichen, könnten Webdesigner auch ihre Zeit, die sie ansonsten mit Überlegungen, wie man die Seite nun Internet-Explorer-gemäß modifizieren könne, stattdessen mit Sinnvollerem füllen.


Die besten Contra-Antworten

Martin Lange

Ganz klare Antwort: Nein! Jeder User soll selber entscheiden, ob und in wie fern er welchen Browser verwendet. Klar hat jeder Browser Vor- und Nachteile, der Webdesigner sollte aber darauf achten, dass JEDER mit JEDEM Browser ein für ihn vernünftiges Ergebnis erhält. (Wenn man ein guter Wegdesigner ist, schafft man das auch meistens) Keineswegs sollte man z.B. die Gruppe der IE Nutzer aussperren.

Florian Tolk

Nö, das ist 90er.

Ernsthaft: die User, die bewusst einen Browser nutzen suchen sich da schon ihr Lieblings-Programm aus und werden sich auch von einer profanen Empfehlung nicht Ihre Meinung verderben lassen. Die Anderen wissen nicht oder wollen nicht wissen, wie man überhaupt einen Browser installiert. Da nützt eine Empfehlung gar nichts.

Im Übrigen sollte man sich vor Augen führen, dass der Betreiber einer Seite selbst die Inhalte vertritt. Und selbst die sind da ja meistens beratungs-resistent.

Cedric Kastner

Auch wenn man es sich manchmal als Web-Entwickler wünscht: Definitiv nicht, nein! Jeder Benutzer hat eigene Präferenzen und das nicht nur bei der Browser-Auswahl. Wie würdest Du es denn finden, wenn man versuchen würde dir beizubringen statt Illustrator lieber FreeHand zu verwenden? Stattdessen sollte man eher versuchen die Benutzer mit Argumenten davon zu überzeugen einen anderen Browser zu verwenden. Mit Mundpropaganda erreicht man meistens mehr als damit den Benutzer zu etwas zwingen zu wollen. Darüber hinaus widerspricht man damit dem Grundsatz der Barrierefreiheit.

Lothar Baier

Man sollte niemand, der die Pubertät hinter sich gelassen hat, umerziehen. Weil das, wie die Psychologen und die Mütter berichten, nämlich gar nicht geht. Aber natürlich darf ich meinem Kunden zeigen, dass die Website, die ich gerade für ihn gestaltet habe, in meinem Firefox noch viel schöner aussieht und noch mehr Dinge kann (z.B. Hovereffekte, runde Ecken ohne Grafiken, Transparenzen etc.), als auf seinem Internet Explorer 5.5. Und siehe da, vielleicht läßt er sich ja überzeugen. Aber umerziehen? Nä, das geht gar nicht.

Schnurrbart

Ich denke es ist ein wichtiger Schritt seine persönlichen Kunden davon zu überzeugen, dass manche Browser besser mit den Empfehlungen des W3C umgehen als andere. Was man aber nicht machen darf, ist es seinen Besuchern vorzuschreiben, welcher der bessere Browser ist. In vielen Fällen spielt es sich nämlich so ab, dass veraltete Browser entweder bewusst eingesetzt werden oder aber es keine Möglichkeit gibt auf einen anderen Browser umzusteigen. Wenn nun also die Information durch lästige Mitteilungen wie die, dass man doch bitte den einzig richtigen Browser benutzen soll, noch weiter in den Hintergrund gesetzt wird und das dann auf fast jeder Seite zu sehen bekommt, dann hat man irgendwann überhaupt keine Lust mehr darauf, sich überhaupt noch auf solchen Erzieherseiten aufzuhalten. Es gibt genug Seiten, die über die verschiedenen Vorteile von Browsern informieren, daher sollte man sich nicht selbst anmaßen, die Entscheidung der Benutzer zu untergraben.

André Huf

Nein, kein Mensch weiss wie man Technologie korrekt benutzt. Ich weiss auch nicht was Du darunter verstehst. Ausserdem: hätte man z. B. eine 303 korrekt als E-Bass Ersatz benutzt wäre nie Acid entstanden. SMS war doch auch ursprünglich anders gedacht. Wobei ich jetzt nicht genau weiss wie sich das auf einen Browser übertragen lässt.


Sonstiges

Sasan Seyfi

Uneingeschränktes Ja! Systemvoraussetzung: Tastatur + Maus mit leitfähigem Obermaterial und dann via nicht-deaktivierbarem Javascript Tasern bis der Arzt kommt. Stromstöße zwischen 15 und 450 Volt (je nach Vergehen) mit Infobox sollten ausreichen um binnen weniger Sitzungen korrektes Userverhalten zu erreichen.

Steffen Voß

Was ist denn »korrekte Browserbenutzung«? Ich wußte nicht, dass Schäuble sich da auch schon etwas überlegt hat.