SimpLiCo

Fujitsu Siemens möchte ganz gerne Oma-kompatibel sein. Deshalb hat man sich dort SimpLiCo ausgedacht. Das ist ein neues Heimcomputer-Konzept, welches speziell für eine unerfahrene und ältere Zielgruppe konzipiert wurde. Die Kombination aus Hard- und Software bietet eine recht erfrischende Herangehensweise in der Bedienung der Betriebssystemoberfläche.

Was zunächst aussieht wie eine Art Meta-GUI für Windows-Anwendungen, stellt sich nach intensiver Recherche als umgebaute Linux-Distribution heraus. So steht es geschrieben im Handbuch:

SimpLiCo basiert auf einem GNU/Linux System. Es beinhaltet u.a. Software unterschiedlichster Open-Source-Projekte wie Debian, KDE, Gnome, Linux-Kernel, CUPS und viele andere.
...
Wir bedanken uns an dieser Stelle ausdrücklich bei der engagierten Arbeit tausender freiwilliger Programmierer, die es erst ermöglicht haben, dass Sie ein System wie SimpLiCo nutzen können.

Ich würde gerne mal so einen SimpLiCo Rechner ausprobieren. Auch wenn ich mich nicht direkt zur Zielgruppe zähle, so finde ich die Herangehensweise interessant und den Verzicht auf Windows halte ich für mutig und charmant. Gutes Karma!

Gefunden habe ich das Ganze übrigens im neckermann Katalog, wobei hier die Wörter Linux und Windows komplett verschwiegen werden, genau wie auf der Website von Fujitsu Siemens. Man will dem unbedarften Kaufinteressenten wohl nicht mit hässlichen Namen von komplizierten Betriebssystemen verwirren. Blöd nur, dass der kundige Fachmann zunächst komplett verwirrt wird, denn ein eigenes Betriebssystem mit Dutzenden von Anwendungen traut man dann dem Konzern doch nicht so recht zu. Um es nochmal klar zu sagen: Die ganze Software von SimpLiCo sind natürlich übliche Verdächtige der Open-Source-Szene, mit anderem (deutschen und drolligen) Namen versehen und wohl auch ein wenig an der Oberfläche modifiziert. Unter der Haube werkeln jedoch Linux, OpenOffice, Firefox und Co. Das De-Branding ist in diesem Falle völlig legal – denn Fujitsu Siemens stellt den modifizierten Quellcode zur Verfügung.

Schwierig wird es natürlich, wenn der Nachbarsjunge Support leisten soll, und für den tollen neuen Drucker kein Linux-Treiber vorhanden ist.

19 Kommentare

Frieder

Also dass das n Linux ist erkennt man als Pinguinfan sofort :) und auch der Tux bei »plaudern« lässt darauf schließen.
Insgesamt finde ich die Idee wirklich sehr gut, vor allem ist ein Linux sehr viel einfach auf spezielle Bedürfnisse zuzuschneiden und dann auch sehr viel »sorgloser«. Kein Emailanhang der nicht geöffnet werden darf weil sonst alles sofort verseucht ist etc ….
Desweiteren ist der Nachbarsjungensupport (sollte er dennoch benötigt werden, was ja eigentlich nicht Sinn der Sache ist) nicht unbedingt schlechter, nur müssen die Leute nun auch wirklich etwas von der Materie verstehen und nicht nur Windows try&error Methoden drauf haben ;)
Und für den Drucker etc. haben die lieben Jungs auch gleich noch eine Liste bereitgestellt, welche Drucker unterstützt werden. Sollen die Hersteller die kein Linuxtreiber zur Verfügung stellen doch zur Hölle fahren xD

Enrico Reinsdorf

Ich finde die Idee, einem speziellen Computer für die ältere Zielgruppe zu konzipieren sehr, sehr gut. Da ja scheinbar an vieles gedacht wurde. Den Kommentar meines Vorschreiber finde ich wieder mal sehr einseitig auf ein Betriebsystem eingeschränkt. Klar wird der Neffe nicht unbedingt ein Linuxprofil sein, genauso wie ich mich zwar in meinem Auto gut auskenne und kleiner Reparaturen machen kann. Aber ich kann nicht jedes Auto zum Laufen bringen ;-) Und der Kommentar, dass die Drucker-Hersteller von linuxlosen Treiben zur Hölle fahren, zeigt mir wieder wie eingeschränkt die Sichtweise ist.

Jörg Liermann

Und SimpLiCo heißt? – Simpler Linux Computer?

Es heißt doch immer, »Seniorenteller« kann man nicht verkaufen?

Schnurrbart

Ich finde die Farben recht unpassend gewählt. Es sieht eher wie ein Kinderspielzeug als ein seriöses Element zum Umgang mit dem Computer aus. Wenn ich mich ständig mit solchen Farben konfrontiert würden sehe, wäre das sicherlich das beinahe Ende für meine Augen. Auch erscheinen Elemente wie die analoge Uhr rechts unten ziemlich klein für normale Augen und auch die Aufteilung sieht eher hingeklatscht, als gut überlegt aus.

Kann mir jemand sagen, was mit Telegramm gemeint ist? E-Mail steht ja schon da und Chat wird ja mit Plaudern untergebracht.

Ansonsten ist Idee und Grundkonzept erstmal recht akzeptabel und ich denke mal in den richtigen Programmiererhänden wird das Teil sicherlich auch erwachsenenkonform.

at

@ Schnurrbart:
»Auch erscheinen Elemente wie die analoge Uhr rechts unten ziemlich klein für normale Augen«
Wer weiße Schrift auf gelbem Grund lesen kann, sollte mit der Uhr auch keine Probleme haben.

lockhead

Weiß auf gelb ist nicht wirklich eine gute Wahl mich wundert es zudem das sich der Magenta Riese noch nicht gemeldet hat …

Desweiteren kann das alles auch am Screenshot liegen und man sollte beachten das Senioren eine deutlich veränderte Farbwahrnehmung haben.

Peter

Das Interface erinnert mich etwas an etwas, das der geneigte Linux/Gnomeuser durchaus heute schon ausprobieren kann:
http://beatnik.infogami.com/Gimmie
Ist leider noch recht unfertig, aber das Potenzial kann man erahnen.

Jens Grochtdreis

Die Idee ist klasse. Doch warum versauen sie uns den Spaß mit dem Fokus auf eine Zielgruppe? Ich möchte mir auch eine solchen Computer ohne Reue kaufen.
Wenn ich mir derzeit Linux installiere – mal ganz ab davon, daß mein WLAN nicht verstanden wird und es deshalb für mich irrelevant bleibt – werde ich an Software erschlagen. ICh benötige aber keine 100 Editoren und 200 Spiele und 20 verschiedene Office-Pakete. Ich will auch nicht hin und wieder in die Konsole gehen, um einer Installation den letzten Kick zu geben. Umgekehrt finde ich es bei Windows erbärmlich, daß man sich erstmal einiger Tools bedienen muß, um unliebsame Services und Spionageattacken loszuwerden. Bei Vista kann ich dann eventuell keine Musik-CDs mehr hören, weil Redmond das so will.

Warum gibt es nicht einfach für alle ein Betriebssystem, das einfach nur funktioniert, das man nicht dauernd streicheln muß? Und nun sagt nicht OS X, das trifft es leider auch nicht.
Derzeit sind alle Betriebssysteme noch meilenweit von einfacher Bedienung entfernt.

Torsten

Der Nachbarsjunge kann dann zumindest keine dummen, unnützen Tools und Virenschleudern mehr installieren wie er das sonst gerne macht. Dass allerdings bestimmter Drucker (und v.a. Scanner) außen vor blieben, ist schon problematisch (Gegenfrage: wie viele Senioren kennen das Wort Scanner? okay …).
@jens: ich kenne das Problem von Mandriva o.a., die x Programmgruppen in y Ausführungen installieren – am besten so etwas simples wie Ubuntu (oder, weniger verhärmt: Kubuntu) installieren, und bloß der Versuchung widerstehen und keine zusätzlichen Pakete installieren – das sollte es eigentlich sein.

Andy

Von »ubuntu« hat man zumindest den Kern komplett übernommen – »bunt« ist es ja auf jeden Fall ;o)

simon

Ich finde den Ansatz sehr gut. Das muss man mal so stehen lassen.

Ob die GUI auch entsprechend »Oma-kompatibel« ist, wage ich dann doch zu bezweifeln (s.o.).
Ich habe mal mit meiner Mutter (3x Oma) vorm PC gesessen. Seit dem habe ich eine ungefähre Ahnung, was es heißt, ein System so zu gestalten, dass Menschen ab 55 ohne irgendwelche Computeraffinität damit umgehen können.
Aber am Beispiel meiner Mutter habe ich auch gelernt, dass KÖNNEN weniger das Problem ist.
Das WOLLEN ist die große Herausforderung. (»Ach, was soll ich jetzt noch son Zeug lernen  …«)
Und somit haben wir das Experiment beendet, noch bevor sie den Umgang mit der Maus sicher beherrscht hat.
(Ja, das muss man lernen! Wir vergesssen das immer.)
Den vollelektronischen Backofen mit Touch»screen«, Bratautomatik etc. bedient sie übrigens im Schlaf, was obige These belegt.

Nathanael

Interessant ist auch die Tatsache, dass es einen (recht hohen) Preis gibt, in dem immer der komplette Installationssupport inkl. Einrichtung der Internetverbindung etc. vorhanden ist.

Andreas H.

Die Aussage von Simon kann ich nur Unterstützen. An der Hochschule merke ich andauernd das selbst (junge) Stundenten nicht WOLLEN.
Zur Bennenung: Ich finde den Ansatz SEHR GUT! Was soll den »Firefox, Chat und Mail« sein? Ob die Namen nun gut, drollig oder schlecht sind, kann man zur Diskussion stellen, aber dass es jemand gewagt, das zu ändern hat finde ich gut.

ill66

finde den ansatz auch sehr gut bzw. ausbauenswert ;)
haha, aber was für ein beloppptes »werbe»bild auf der fujitsu-seite! wen soll DAS denn ansprechen??^^
ein bisschen seriöser könnte die oberfläche allerdings tatsächlich daherkommen und der einwand mit der winzigen uhr stimmt auch.
die farben sind schon ein bisschen grob.

frei runterladen kann man die sich aber nicht, oder?

bluehilltec

Die Farben sind wie bei diesem kinderspielzeug wo man vier farbige Schaltflächen hat und nach betätigen dieser eine Ton ertönt. Kennt ihr das?

Mit klick auf die Uhr erscheint eine Uhr in digitaler Form. Das ganze ist in richtig großer Schrift. Weißer Text auf gelben Grund ist in der Tat eventuell für einige User problematisch.

Was in der Werbung immer fehlt, ist das für den recht gesalzenden Preis auch jemand nach Hause kommt und einem das Gerät anschliesst.
Ich will nicht meine Eltern erleben wenn sie »das Internet selber in den Computer bekommen wollen«.

Mark

Super Idee – sowas will ich für meinen Daddy!!!!

Jürgen

Die Idee ist nicht neu, vielleicht sogar »übernommen« worden. Die Lintec Ag hatte vor Jahren bereits einen solchen Senioren-PC (Lintec Senior) konzipiert und gebaut.
Da der Appetit bekanntlich beim Essen kommt, hat der Senior dann sofort riesige Probleme, wenn er eigene Programme installieren will  … Ich bin seit zehn Jahren im Bereich der Seniorenbildung tätig und weiß, dass die Generation 50+ keine besondere Gattung ist und auch keinen solchen PC braucht. Was den Älteren zuerst genommen werden muss sind Berührungsängste. Sie müssen wieder den spielerischen Umgang, das spielerische Lernen lernen.

derwisch

> Die Farben sind wie bei diesem kinderspielzeug wo man
> vier farbige Schaltflächen hat und nach betätigen dieser
> eine Ton ertönt. Kennt ihr das?

Senso. Gibt’s das nicht irgendwo als Computerspiel (als Teil von gcompris oder so)?

crazylifeblog

LOL, hat aber sicher Potenzial, gibt genügend ältere Menschen, die mit dem PC überfordert sind.

Kommentar verfassen