Sich nicht zu schade sein!

Manchmal erstaunt es mich, wie sehr meine Präsenz im Netz ihr Eigenleben führt und ein Bild von mir und meiner Arbeit schafft, das so gar nicht richtig existiert. So kommt es bisweilen vor, das mich befreundete Gestalter oder auch mir bisher unbekannte Agenturen fragen, ob ich denn Zeit für einen ganz kleinen Auftrag mit einem bescheidenen Budget hätte. Und ob mir das nicht zu popelig wäre. Und vor allem: Ob sie sich mich denn überhaupt leisten könnten …

So ein Blödsinn! Natürlich kann man sich mich leisten, denn ich bin nicht teurer als jeder andere professionelle Webdesigner. Nur weil ich eine bekannte Nase im Netz bin, ein paar Artikel veröffentlicht habe und alle paar Monate mal eine Redebühne erklimme, sind doch meine Bedingungen nicht plötzlich anders!

Ganz im Gegenteil: Ich freue mich sehr, wenn ich neben zwei langwierigen Projekten, die sich monatelang hinziehen, immer mal wieder kleine, schnelle Seiten hochziehen kann. Manchmal machen mir diese »U1000er-Jobs« sogar deutlich mehr Spaß, weil man sich oft austoben kann und schnell zu Ergebnissen kommt – ohne alles kaputt diskutieren zu müssen.

Also: Auch bei kleinen und möglicherweise nicht so prestigeträchtigen Projekten bin ich mir nie zu schade, mir zumindest die Idee und die Planung anzuhören. Und wenn mir’s gefällt, dann schiebe ich das gerne zwischenrein.

14 Kommentare

Rudi

Prima Einstellung. Dem kann ich entschieden beistehen!

Alexander Langer

Die Kunst ist es, diese U1000er auch rentabel umzusetzen und frühzeitig abzuklären, ob das Projekt wirklich schnell umsetzbar ist, oder ob der Kunde einem irgendwie »eigenartig« vorkommt und sich das Ganze dann doch länger ziehen könnte, als beabsichtigt.

Gerade bei den kleinen Projekten möchte man ja nicht erst einen Tag damit verbringen ein lückenloses Konzept als Vertragsgrundlage zu entwerfen, um sich gegenüber Eventualitäten abzusichern.

Was also tun, damit es nicht länger dauert und was tun, wenn es dann doch passiert?

Malte

Deine Wirkung ist wirklich wie von dir beschrieben. Du hast wahrscheinlich sogar eine Art Vorbildfunktion. Ich persönlich mag die kleineren Jobs auch lieber, denn die kann man allein machen. Aus meiner Sicht sind die dann nicht kompromissgeschliffen und auch von besserer Qualität.

Ein sympathischer Beitrag …

datenkind

Freilich machen solche kleinen Seiten Spaß, denn es werden in kurzer Zeit tolle Ergebnisse erzielt, die fix im Netz sind und Publikum erreichen.

Leider besteht aber auch zu oft das große Problem, dass gerade die sparsamen Kunden den größten Aufwand in Bezug auf nervliche Belastung und nach gemütslage ändernde Wunschäußerungen auftreten – Konzept hin oder her.

Hier sollte man sich nicht zu schade sein dem Kunden klar zu machen, was drin ist und was nicht, aber auch sich nicht zu schade sein im Notfall die Reißleine zu ziehen und Goodbye zu sagen.

Ich find’s gut, dass bekannte Persönlichkeiten in unserer Branche gibt, die für unsere Arbeit eine Lanze brechen, wo es nötig ist. Es gibt unzählige Webentwickler, die täglich einen hervorragenden Job machen und eben nicht im „Rampenlicht“ stehen. Ist ja auch nicht nötig.
Von daher finde ich es schade, dass dir so eine Art Unterwerfigkeitsmoral entgegengebracht wird. Sowas kann durchaus belastend sein.

Trotzendorff

Das liest man doch tatsächlich mal gerne. Scheint ja wirklich so zu sein, dass eine gewisse Distanz zwischen den so genannten Alphabloggern und dem Rest, beziehungsweise zwischen ihnen und der Welt da draußen (in diesem Fall den Kunden) entstanden ist. Respekt oder sogar Berührungsängste, wie man sie sonst eher von Promis kennt. Wäre interessant, mal herauszufinden, wie es anderen Bloggern damit geht.

Martin

Gerrit ist doch ein Promi…

Alexander Langer

Aber auch ein Netprom kann sich nicht allein von virtuellem Ruhm ernähren. Vielleicht möchte Gerrit der Welt nur mitteilen, dass er noch nicht ausgesorgt hat.

Gerrit

@Alexander Langer: Nja, schaden kann’s nie, oder? Aber glücklicherweise bin ich derzeit tatsächlich gut beschäftigt und muss mich nicht über mangelnde Aufträge beklagen. Danke der Nachfrage :-)

Laura

Das Sie sich auch nicht für weniger zeitaufwendige und prestigeträchtige Projekte nicht zu Schade sind und sogar Spaß daran haben finde ich sehr lobenswert und vorbildlich.

Alexander Langer

@Gerrit:

Was mich zu einer interessanten Frage bringt: Was machen eigentlich andere (also Mitleser hier und natürlich auch du selbst), wenn sie Anfragen ablehnen müssen? Ich hatte erst gestern selbst wieder den Fall, dass ich ablehnen musste, weil es zeitlich nicht gepasst hätte und man ja den Kunden (denen die man hat und dem Neukunden) auch gerecht werden möchte.

Kümmerst du dich wenn möglich um eine Weitergabe der Anfrage an deine Networker, wenn dir das Projekt für diese passend erscheint?

Hier unter den wenigen die im deutschen Raum mit Drupal arbeitet sieht es wohl so aus, dass wir uns ein wenig gegenseitig die Aufträge zumogeln. Das gahrt nur leider nicht immer in dem Umfang, wie wir es gerne hätten, weil eigentlich alle, die man so kennt, an ihren Auslastungsgrenzen operieren.

Gerrit

Wenn der Kunde danach fragt, dann empfehle ich ihm eigentlich immer eine Liste von vier oder fünf Leuten, die meiner Meinung nach dem Auftrag gewachsen sind, und mit denen ich auch schon selber gearbeitet habe.

Calanetta

Geht mir auch so. Ich bin zwar nicht im Web tätig. Kleine Projekte, bei denen ich schnell Erfolge sehe, mag ich aber deutlich mehr.

Arthur Mai

Das macht dich natürlich noch »interessanter«. Grundsätzlich geht man ja immer davon aus, sobald jemand mehr Publicity bekommt setzt er auch sein Stundenlohn höher an.

Ãœbrigens gut ausgewählter Begriff: »U1000er-Jobs«. ;-)

Flo

Finde ich eine gute Einstellung.
Echt großes Kino! ;)

Gibt viele andere die diesen Weg nicht gehen.

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