S5 – Schlanke Präsentationen per Browser
17. März 2005
Ein Unding, dass ich da noch nichts drĂŒber geschrieben habe. Aber spĂ€t ist definitiv besser als nie. Also, was zur Hölle ist nun schon wieder S5? Computerfreaks und Web-Designer lieben AbkĂŒrzungen. Eric Meyer ist beides und daher liebt er extreme AbkĂŒrzungen. S5 steht fĂŒr »Simple Standards-Based Slide Show System«. Man kann also BeamerprĂ€sentationen verfassen und gestalten, ohne Powerpoint oder Keynote zu verwenden. PrĂ€sentiert per Browser. Und fĂŒr Leute, die ein wenig HTML beherrschen, auch ganz einfach zu erstellen.
Wie wird das gemacht?
Folgende Merkmale zeichen S5 aus:
- Die eigentlichen Inhalte der PrÀsentation bestehen aus einer einzelnen XHTML-Datei.
- Gestylt wird das Ganze ĂŒber eine Handvoll von externen CSS-Dateien.
- Die Aufteilung in mehrere Folien und die gesamte Navigation (inkl. Weiterschalten, Direktzugriff auf alle Folien und Tastaturkommandos) erledigt eine externe JavaScript-Datei.
Wie kann ich das nutzen?
Jeder mit ein wenig HTML-Quellcode-Erfahrung kann S5 nutzen. Die Vorgehensweise ist folgende:
- Ich lade mir kostenlos das kleine S5-Paket herunter. Dies enthÀlt eine leere BeispielprÀsentation mit zwei Beispielseiten.
- Ich schaue mir das Paket an. Es ist eine HTML-Datei und ein Ordner ui.
- Ich kann nun in dieser HTML-Datei meine PrĂ€sentation einfĂŒgen. Es werden die bekannten Basis-Tags von HTML verwendet. h1 bis h6, Bullet-Listen, AufzĂ€hlungslisten, usw. Der Quellcode ist superschlank und enthĂ€lt lediglich einige div-Container zur Gliederung. Ich erkenne an der Struktur sofort, wie der Quellcode aufgebaut ist, und kann ganz einfach neue Folien hinzufĂŒgen.
- NatĂŒrlich können auch Bilder verwendet werden. Es empfiehlt sich, dafĂŒr einen externen Bilderordner anzulegen.
- Wenn ich das Standard-Layout gut finde (eher unwahrscheinlich), bin ich jetzt schon fertig.
- Wenn ich umstylen möchte, gehe ich in die CSS-Dateien, die sich im Ordner ui befinden. (Zum Live-Manipulieren von CSS empfiehlt sich natĂŒrlich Firefox mit der Developer-Toolbar)
- Das warâs schon!
Magie!? Wie kommt die Navigation zustande?
Ganz einfach: Das JavaScript von S5 ist extrem mĂ€chtig. Bei Aufruf der Seite im Browser wird das gesamte HTML-Dokument gescannt und in HĂ€ppchen zerteilt. Eine Navigation wird aus den Abschnitts-Ăberschriften automatisch generiert. Hier wird deutlich, wie sinnvoll ein semantisch gegliederter HTML-Quellcode sein kann. Er macht aus einem Einzeldokument durch skriptgesteuerte Manipulation eine komplette, benutzerfreundliche PrĂ€sentations-Website, die man mit beliebigen Inhalten fĂŒttern kann. Auch die Steuerung per Tastatur (wie man das bei Beamer-VortrĂ€gen gewohnt ist), wird ĂŒber JavaScript realisiert.
Was sind generell die Vorteile?
Es gibt einige GrĂŒnde, die fĂŒr den Einsatz von S5 sprechen. Es gibt auch GrĂŒnde dagegen. Doch wir wollen hier mal nicht so negativ sein :-)
- S5 ist kostenlos: Eine PrÀsentation kann mit einem simplen Texteditor erstellt werden. Mehr braucht man nicht. Es gilt lediglich eine CreativeCommons-Lizenz zu beachten.
- S5 ist flexibel: Die Beamer-PrĂ€sentation kann mit einem entsprechenden Stylesheet exzellent fĂŒr den Ausdruck auf Papier optimiert werden. Und wer eine PrĂ€sentation in verschiedenen GewĂ€ndern benötigt, um sie verschiedenen Zielgruppen zu zeigen, kann das auch problemlos tun.
- S5 ist webbasiert: Man stellt seine PrÀsentation, so wie sie ist, ins Web. Und schickt den Link per Mail.
- S5 ist barrierefrei: Wer sich die PrĂ€sentation am eigenen Rechner ansieht, kann SchriftgröĂen und Kontrast per Browsereinstellungen oder eigenen CSS-Regeln so verĂ€ndern, wie er es braucht.
- S5 ist schlank: Die Datenmengen fĂŒr den Text sind vernachlĂ€ssigbar. Allein die Bilder sind potenzielle Datenfresser.
FĂŒr wen ist S5 eine Option?
Mit Sicherheit nicht fĂŒr Computer-Laien! S5 ist nicht angetreten, um die Kernzielgruppe von Powerpoint oder Keynote abzuwerben. Beide Programme bieten umfangreiche Methoden, Grafiken und Texte per WYSIWYG zu verbinden und somit umfangreiche und gutaussehende PrĂ€sentationen zu basteln.
S5 ist fĂŒr Leute, die die Vorteile von Websites mit den Vorteilen einer folienbasierten PrĂ€sentation verbinden wollen. Quasi ein Hybrid aus einer Website und einer BeamerprĂ€sentation. Die man auch noch exzellent drucken kann. Und die fĂŒr HTML-Coder extrem einfach herzustellen ist. Und die im Ăbrigen auch Eindruck schinden kann.
Wer als Webdesigner seine gesamte KundenprÀsentation bereits mitten im richtigen Medium (also im Browser) prÀsentiert, sammelt schon mal Kompetenzpunkte. Der Kunde muss ja nicht wissen, dass der Herr Designer keineswegs 35 Folien per Hand angelegt und verlinkt hat, sondern einfach alles in eine Datei reingehackt und spÀter global gestylt hat.
NatĂŒrlich ist das ein bisschen nerdig. Und ideologisch sowieso. Aber es ist elegant und kompatibel. Und nicht zuletzt sollte erwĂ€hnt werden, dass der Opera-Browser bei S5-PrĂ€sentationen sein schon lange eingebautes Opera Show System anwirft, welches die PrĂ€sentation noch komfortabler und hĂŒbscher macht. Na? Neugierig geworden?
Noch viel mehr Info auf deutsch gibt es beim geschĂ€tzten Kollegen Eric Eggert auf yatil.de/s5. Hier kann man sich auch eine aktuelle, eingedeutschte beta-Version ansehen: Sehr hĂŒbsch!
Ach ĂŒbrigens: Templates fĂŒr S5 zu gestalten könnte fast so cool sein wie ein ZenGarden-Layout zu entwerfen. Kommt gleich mal auf die FSM-Liste (»FĂŒr SpĂ€ter Mal«).