Gedanken über Künstler und die Digitalkopie

Egal ob Regener oder Tatort-Autoren – man muss sich dieser Tage immer wieder wundern. Nicht zwingend aufregen oder verfluchen, aber ganz stark wundern, wie wenig die traditionell denkende »Autorenschaft« mal einen Schritt zurücktreten kann in der Situation rund um Urheberrecht und Digitalkopie, um sich das alles aus einer globaleren Perspektive anzusehen. Sie würde erkennen, dass ein Künstler eben kein automatisches Recht darauf hat, von seiner Kunst leben zu können. Warum auch? Wenn das so wäre, würden wir vermutlich alle Künstler werden!

(In einer alternativen Realität hätte ich vor 12 Jahren meine Design-Aufnahmeprüfung nicht geschafft. Und ich hätte mich als Musiker bezeichnet und meine grottenschlechten Songs auf Platte gepresst und alle verklagen lassen, die sie rippen und im Netz getauscht hätten. Nach heutiger perverser Praxis wäre das wohl irgendwie okay. Moralisch oder realitätsbezogen ist es nicht.)

Woher kommt diese Anspruchshaltung der Vollzeitkreativen? Sie werfen den Internet-Nutzern (sind sie selber eigentlich keine?) deren Kostenloskultur vor, treten aber selber für die selbstverständliche Vergütung Ihrer Werke ein, auch wenn diese unter Umständen gar nicht gehört werden.

Ich bin des 30 Jahre alten Pseudoarguments müde, nachdem sich die Kids alle ihre Songs/Computerspiele/Filme kaufen würden, wenn sie sie nicht kopieren könnten. Songs werden heute festplattenweise auf dem Schulhof getauscht. Ihr glaubt doch nicht wirklich, dass ein 13-Jähriger in der Lage ist, 120 GB an Musik tatsächlich zu hören? Und fürs gemeinschaftliche Backupen der digitalen Songdateien sollen fünfstellige Strafgebühren fällig sein?

Wenn vergütet werden soll, dann bitte nach tatsächlicher Nutzung, nicht nach reiner Verfügbarkeit. Spotify und Co. machen es derzeit vor. Aber die Menschen haben schon seit einigen Jahrzehnten die Möglichkeit, kostenlos und legal Musik zu hören, nämlich über das Radio. Das geht jetzt zwar alles ein bisschen gezielter und einfacher, und meinetwegen hat sich die Art und Weise, wie wir das Musikhören bewerten und zelibrieren, auch gewandelt. Aber grundsätzlich kostenlos Musikhören kann man seit den 1950er Jahren. Sollte das Internet und MP3 morgen verschwunden sein, hören die Kids halt wieder nur Radio und MTV und kaufen genauso wenig Musik wie aktuell. Hören und Bezahlen waren nie so direkt miteinander verbunden, wie uns die Musikindustrie immer glauben lässt. Wer es sich leisten konnte und wollte, zahlte. Wer nicht, nicht.

Und überhaupt: Künstler lebten in den letzten 80–90 Jahren in einer für sie extrem vorteilhaften historischen Sondersituation, die aber eine Übergangsphase darstellte: Sie mussten keine »Originale« mehr schaffen (in Form von Livekonzerten, Ölgemälden, Partituren …), sondern konnten auch mit der Herstellung von physischen Kopien Geld verdienen (Vinyl, CD, Notenblätter …). Diese Phase geht gerade vorüber, denn die physischen Kopien weichen den digitalen, und diese können technisch eben ohne nennenswerten Mehraufwand beliebig kopiert und verbreitet werden. Das kann man doof finden, oder auch einfach Fortschritt. Man kann die alten Zeiten (die gar nicht so alt sind!) und seine Sondersituation politisch zurückfordern, oder sich was anderes ausdenken.

Zum Beispiel könnte man sich alte und neue Formen für »Originalwerke« zu Nutze machen. Livekonzerte sind im Popbereich seit einigen Jahren stärker im Kommen als je zuvor (Deichkind macht damit 80% Ihres Umsatzes). Oder halt die handsignierte Superedition des neuen Albums, à la NIN. Oder was spricht gegen eine Versteigerung der Mastertapes eines beliebten Songs? Oder des Skizzenbuchs, wo dessen erste Textideen angeskribbelt sind? Auf jeden Fall Dinge, das das Herz eines Fans höher schlagen lassen.

Und genau darum geht’s: Lasst eure Fans die Mäzene sein! Eure Songs mögen zwar im Spartenradio gespielt werden, ihr mögt auch auf der 120-GB-Schulhoffestplatte mit dabei sein; doch richtige, geldwerte Anerkennung bekommt ihr eh nur von den richtigen Fans. Die sollen ruhig blechen, denn die machen es gerne und freiwillig und wissen, dass es eure Kunst sonst vielleicht nicht gäbe.

Übrigens: Wer als verkaufender Künstler auch noch Labels und Verlage umgeht, streicht statt 5 Prozent des Verkaufspreises bis zu 70 Prozent ein, je nach Vertriebsplattform. Es muss also nicht immer Massenmarkt sein. Manchmal reicht auch eine steile Nische, um auf seine Kosten zu kommen.

Trotzdem führt das alles, ganz klar, zu einem stärkeren Wettbewerb um die Gunst der Fans und deren Geld. Aber wer hat denn gesagt, dass man sich nicht anstrengen muss? Ganz ehrlich: Richtig gute Kunst wird immer seine zahlende Fans finden. Und schlechte Kunst, tja, die hat dann eben kein Anrecht darauf, seinen Schöpfer ernähren zu können. Flurbereinigung in einer vor Kultur sowieso strotzenden Welt.

Denn um Buntheit und Vielfalt in der Kulturlandschaft müssen wir uns nun definitiv keine Sorgen machen: Kultur zu schaffen ist ein Grundbedürfnis vieler Menschen, man muss das nicht zwingend professionell machen. Anders als früher nämlich, als man ohne Geld nichts publizieren konnte, ist das heutzutage viel einfacher möglich. Ergo: Hobbykünstler sein war nie so cool wie heute!

Meine Ideen zum Urheberrecht

Was ganz konkret das Urheber- und Verwertungrecht angeht; Dazu hätte ich übrigens auch noch ein paar Stichworte zu sagen:

  • Weil heutzutage viel mehr Menschen Urheber und gleichzeitig potenzielle Urheberrechtsverletzer sind, muss dieser ganze Rechtskomplex deutlich leichter zu begreifen sein. Dinge, die alle angehen, müssen einfach sein.
  • Urheberrecht und Verwertungsrecht sollten vereint werden. Sie werden eh ständig in einen Topf geschmissen, und ich sehe die Unterscheidung nur begrenzt ein.
  • Dieses vereinigte Copyright sollte für jedes Werk automatisch 5 Jahre gelten (sofern der Autor keine andere Lizenz dafür proklamiert).
  • Nach den ersten 5 Jahren kann das Copyright eines Werkes jeweils für 3 Jahre erneuert werden (gegen eine angemessene Verwaltungsgebühr), bis maximal zum Tode des Autors.
  • CC-Lizenzen und klassisches Copyright stehen als freie Wahlmöglichkeit nebeneinander. Verstöße werden mit fairen Methoden auch im Netz konsequent geahndet. Eine Deckelung der Strafgebühren muss dabei aber verhindern, dass Abmahnen ein Geschäftsmodell für Verwerter bleibt.
  • Die GEMA (und ähnliche Organisationen) muss umstrukturiert und vereinfacht werden. Sie sollte als Statistikdienstleister und Treuhändler fungieren, bei dem die Künstler nach Wunsch einzelne Songs anmelden können. Die GEMA-Vermutung muss sterben. Die Trennung zwischen Supermitgliedern und Fußvolk muss aufhören.

tl;dr

Von nichts kommt nichts. Alle Künstler müssen sich anstrengen, um Fans und Geld zu erhalten, indem sie mehr tun als nur Platten aufnahmen und Bücher schreiben: Selbstvermarktung wird zur Pflicht. Die Sorge um zu wenig Kultur ist unbegründet. Ein vereinfachtes Urheberrecht hilft, Missverständnisse und verhärtete Fronten aufzulösen.

41 Kommentare

Vom Rhi

Hehe, da fällt mir ein, dass ich vor zwei Jahren eine Festplatte bekommen habe mit vielem Liedern von Element of Crime (unter anderem). Die habe ich aber noch nie angehört … keine Zeit und Lust…

Den ersten Teil deiner Ausführungen kann ich sehr gut nachvollziehen. Der zweite klingt fur mich nach Kompromiss zwischen alt und neu, ich denke, da musste sich mehr ändern. Ein guter Anfang wärs vielleicht.

Gero

Das erinnert mich an einen Vortrag, den ich letztes Jahr auf der re:publica 11 in Berlin gehört habe – siehe URL. Lang, aber sehenswert.

Till Kreutzer Wir sind der Urheber

lab

Mich wundert das nicht – schließlich geht es um ziemlich existenzielle Dinge: Geld/Existenzsicherung und Anerkennung. Und um Besitzstandswahrung. Ja, in den 80er war das schon toll. Da konnten man den Kunden sogar die selbe Musik zum zweiten Mal verkaufen – auf dem neuen Medium CD. Bei Kompilations sogar ggf. Zum dritten oder vierten Mal. Und das alles ohne zusätzliche Arbeit…

Wer sein Leben und Konsumverhalten auf solche Einnahmesituationen ausgerichtet hat, ist natürlich nicht von der Aussicht begeistert, bis ins hohe Alter die Ochsentour durch die Bierzelte der deutschen Provinz tingeln zu müssen. Das kann ich durchaus nachvollziehen.

Vermutlich braucht es für den Wandel zum »Digitalen Urheberrecht« eine neue Generation von Künstlern, die mit der Situation aufgewachsen ist.

Hall

Interessanter Gedanke: Wenn ich etwas erschaffe, soll ich Geld dafür bezahlen, dass ich es benutzen kann. Und ich soll etwas schaffen, was super ist (also keine »grottenschlechten Songs« machen) und gleichzeitig »Labels und Verlage umgeh»en. Ich soll ein guter Künstler sein und den Vertrieb machen, das Buch setzen, lektorieren, designen, mich um die Buchhaltung kümmeren, Öffentlichkeitsarbeit betreiben und weiterhin jede Menge Geld in die Hand nehmen bzw. eben die Zeit investieren. Und natürlich in sozialen Netzwerken unterwegs sein und natürlich all die Auftritte für »die Ochsentour durch die Bierzelte der deutschen Provinz« organisieren / absolvieren, weil live ja 80% der Einnahmen ausmachen muss.

Gerrit

@Hall: Nicht muss. Es steht natürlich jedem frei, Dinge an Dienstleister (=Verlage) abzugeben, gegen Schmälerung der eigenen Einnahmen. Ich beschreibe nur, dass die Digitalisierung die Möglichkeit eröffnet, als Künstler Dinge selber in die Hand zu nehmen. Vorher waren Verlage obligatorisch, heute sind sie fakultativ.

Thorsten

An diesem Beitrag ergibt eigentlich überhaupt nichts Sinn, aber er ist eine schöne Ãœbersicht über die unreflektierten »Argumente« der Netzgemeinde, die vor allem am eigenen Vorteil orientiert sind. Aber Punkt für Punkt:

1. Kein Musiker verlangt Geld für das Vorhandensein seines Albums, sondern dafür, daß es sich Menschen aneignen (und mutmaßlich auch nutzen).
Das sollte eigentlich ein ganz normaler Vorgang sein, denn wenn ich etwas haben möchte, das jemand anderem gehört, muss ich ich aller Regel dafür bezahlen. Warum sollte das gerade in diesem Fall anders sein?

2. Warum sollten Musiker kein Recht darauf haben, von ihrer Arbeit zu leben, wenn sie denn genutzt wird? Darf ich dann im Umkehrschluss auch deine Designs ungefragt und natürlich ohne zu bezahlen nutzen? Ich meine, wer sagt denn, daß du ein Recht darauf hast, von deiner Arbeit zu leben?
Eigentlich müßte man es fast auf den Versuch ankommen lassen, aber dafür sind mir die Zeit meines Anwaltes und mein Geld doch zu schade, zudem ich mir die Redaktionm gut vorstellen kann.

3. Die Fans als »Mäzen« der Musiker? Das gibt die Arroganz großer Teile der Netzgemeinde recht gut wieder, laut der ein Künstler noch froh sein soll, überhaupt etwas für seine Arbeit zu bekommen.
Und ja, es ist Arbeit und viel Zeit. Dazu kommen finanzielle Aufwendungen, denn abgesehen von der »Hardware« kostet die Produktion eines Albums selbst auf semiprofessionellem Niveau trotz allen technischen Forschritts noch immer eine fünfstellige Summe.

4. Das Ausschalten von »Zwischenhändlern« wie Plattenfirmen, um mehr vom Verkaufspreis einbehalten zu können, klingt in der Theorie wunderbar. In der Praxis ist die Wahrscheinlichkeit, ohne professionelle Promo-Arbeit überhaupt einem, größeren Publikum bekannt zu werden allerdings nach wie vor nahe Null, da sollte man sich auch von einer Handvoll Youtube-Wundern nicht täuschen lassen.
Ein Vertrieb sorgt dafür, daß die Musik überhaupt für potenzielle Hörer verfügbar gemacht wird, eine Promo-Agentur bringt sie bei den einschlägigen Medien unter, so daß es auch tatsächlich Rezensionen und im Idealfall weiterre Stories über den Musiker gibt. Eine Booking-Agentur verschafft auftritte. All das ist aber ohne Plattenfirma kaum zu bekommen.
Natürlich kann man auch im selbstvertrieb arbeiten. Aber ohne Promo-Agentur, das kann ich als Musikjournalist sicher sagen, sind die Chancen besprochen zu werden extrem gering, weil die Schreiber in der aktuellen Veröffentlichungsflut gar nicht mehr die Zeit haben, in jede Eigenproduktion auch nur rein zu hören. Ohne Booking Agentur kann man auch Konzerte buchen, aber mehr als einige Jugendzentren und Kneipengigs wird dabei kaum rumkommen. Und selbst der Weg in die meisten einschlägigen Download-Portale ist ohne Plattenfirma verschlossen.
Zusammenfassend könnte man an dieser Stelle sagen, daß man zwar vielleicht einen größeren Anteil vom Kuchen bekommt, aber der Kuchen dafür ungleich kleiner wird. Meistens ist das kein gutes Geschäft. Und einige etablierte Bands, die sich mal an Veröffentlichungen auf eigene Regie versucht haben, taugen dabei kaum als Gegenbeispiel, weil sie eben bereits etabliert waren.

Die Musikindustrie hat, wie auch andere Mediengenres wie Film und Software, in den letzten Jahren sich mehr als genug Fehler gemacht. Im Fall der Musikindustrie habe mich vor etwa drei Jahren mal ausführlich beschäftigt (Mein Senf).

Trotzdem kommt diese Diskussion für mich immer wieder an einen relativ simplen Punkt, an dem alle Scheinargumente, warum man in der heutigen Zeit die Uhr nicht zurückdrehen kann, warum der Bedarf gestillt werden muss uws., in den Hintergrund treten: Wenn ich nicht bereit bin, für die Nutzung von einem Inhalt, den jemand anderes geschaffen hat und für den er bezahlt werden möchte, eine Gegenleistung zu erbringen, warum verzichte ich dann nicht einfach auf diesen Inhalt?

Gerrit

Punkt 1:

Vergütung nach realer Nutzung ist cool, das schreibe ich ja auch. Und ich schreibe ebenfalls, dass man unrechtmäßige Verbreitung ahnden sollte. Die Unverhältnismäßigkeit der jetzigen und zukünftig geplanten Methoden der Kontrolle jedoch prangere ich an.

Punkt 2:

Darf ich dann im Umkehrschluss auch deine Designs ungefragt und natürlich ohne zu bezahlen nutzen? Ich meine, wer sagt denn, daß du ein Recht darauf hast, von deiner Arbeit zu leben?

Du nutzt mein Design bereits kostenlos. Denn du guckst es dir an. »Nutzen« ist nicht das Gleiche wie »Mich als Autor ausgeben«. Der Vergleich von Musik und Webdesign hinkt an dieser Stelle; Ich werde von meinen Auftraggebern bezahlt, bin Dienstleister und biete keine eigenen Produkte an, wie es Musiker tun.

Und ich schreibe ja, dass es das Urheberrecht weiterhin geben soll. Bitte mal genau lesen!

Punkt 3:

Hier werden wir nicht zusammenkommen. Ich fordere tatsächlich mehr Demut von den Künstlern. Dies ist eine weltanschauliche Frage.

Punkt 4:

Alles richtig. Klar braucht es für bestimmte Dinge weiterhin Dienstleister (auch das schreibe ich implizit.) Ich sage im Wesentlichen, dass es im Gegensatz zu 1960, 1980 und auch 1998 nun überhaupt möglich ist, sich auf eigene Faust eine Basis-Bekanntheit aufzubauen. Ich rede auch von Autoren, Bloggern, Podcastern usw., nicht nur von Rockbands.

Klar, fünfköpfige Rockbands werden es in Zukunft schwerer haben, weil hier mehr »Esser« und mehr materieller Aufwand am Start sind. Dann gibt es halt in Zukunft weniger von der Sorte, das ist der Lauf der Dinge. So entwickelt sich die Kulturlandschaft. Wenn man Musik und Kultur als »Markt« bezeichnet, muss man auch die Regeln eines Marktes akzeptieren, und seine Veränderungen mitgehen.

Abgesehen davon: Ich beobachte gerade Rick Tick Evil, eine fünfköpfige Rockband, die derzeit am Bekanntwerden ist. Klar investieren die Kohle und Zeit in Produktion und Vermarktung, aber sie betrachten es erstmal als Hobby und haben unfassbare Freude an dem, was sie tun. Die Frage, ob sie davon leben können, stellt sich hier erstmal nicht.

Thorsten

1. Die Bezahlung für Nutzung auf Verlangen müßte man mittelfristig regeln. Allerdings, und das ist ja das eigentlich Kernargument bei Regener, gilt der Künstler ja sofort als raffgieriger Spießer, wenn er für seine Arbeit tatsächlich auch bezahlt werden will.

2. Ich schaue mir dein Design an, aber ich nutze es nicht im engeren Sinn. Ich habe ja nicht um dieses Design gebeten, wenn du so willst. Abgesehen davon könntest du mich für diese Nutzung bereits indirekt bezahlen lassen, wenn du z.B. die WVWort beanspruchen würdest.
Aber wenn ich es, ohne dich zu fragen, verwenden würde, dürfte sich deine Begeisterung doch auch in Grenzen halten, oder?

3. Warum sollte ein Künstler Demut zeigen? Ich fordere doch auch nicht von einem Handwerker Demut oder daß er sich meinen Preisvorstellungen bezüglich seines Produktes unterwirft.
Diese Haltung basiert doch letztendlich nur auf der Mentalität, daß Kulturschaffende (egal auf welchem Medium) letztendlich gar nicht richtig arbeiten. Nach dem ich im Musikbereich auf verschiedenen Ebenen Einblicke habe und hatte, würde ich dem deutlich widersprechen. Gerade wenn man Erfolg haben will, muss man einiges an Zeit, Arbeit und nicht zuletzt Geld investieren.

4. Für 99,9% aller Musiker ist die Musik nur ein Hobby und wird auch nie mehr werden. Aber auf diesem Niveau sind die Möglichkeiten einfach begrenzt, was Veröffentlichungen oder auf Auftritte angeht. Wenn man diese Schwelle überschreiten will, steigt die Investition exponentiell.
Sensationen »aus dem Nichts« gab es übrigens schon immer. Metallica wären ein Beispiel, die sich unter den frühen Tape-Tradern schon lange einen Namen gemacht haben, bevor sie ihren ersten Vertrag in der Tasche hatten. Bob Seger war in Detroid schon ein Star, bevor ihn irgendjemand im Rest der Welt kannte. Und heute sind es eben Musiker wie Kate Nash oder Lilly Allen, die über Youtube auf sich aufmerksam machen.
Aber, und das ist ein großes »Aber«, letztendlich ist der Kakalysator immer noch der Plattenvertrag, denn diese Aufmerksamkeit unter der kommerziellen Schwelle hat ja jeweils nur zur Entdeckung durch professionelle Verwerter geführt und erst danach wurde damit auch Geld verdient.

Der entscheidende Punkt ist aber ein anderer und damit sind wir wieder beim Grundsätzlichen: Wenn jemand etwas besitzt, was ich haben möchte, gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder werden wir uns über den Preis einig und ich erstehe es oder wir werden uns nicht über den Preis einig und ich muss auf dieses »Etwas« verzichten und er auf mein Geld.
»Er verkauft es mir zu dem Preis, den ich zu zahlen bereit bin oder ich nehme es mir so« ist aber keine Option und außerhalb von immateriellen Gütern kämen die meisten auch kaum auf die Idee, es so zu handhaben.
Oder gehst du auch zum Tischler und zahlst ihm (wenn überhaupt) den Materialwert für ein Möbelstück, wenn er es dir nicht zum gewünschten Preis verkaufen will? Sagst du ihm auch, daß er doch froh sein muss, daß du den Schrank überhaupt haben willst und er die Arbeit ja aufgeben kann, wenn er nicht bereit ist, sie nur zum Spaß zu machen?

Gerrit

Meine alten Blogdesigns stehen zur freien Verfügung, kannste nehmen: http://praegnanz.de/goodies
Das aktuelle Design nicht.

Hörst du mir zu? Ich schreibe nicht, dass das Urheberrecht abgeschafft werden soll! Kaum jemand schreibt das. Ich fordere auch keine Legalisierung der unberechtigten Nutzung. Andere tun das, ich nicht.

Und bitte verkneife dir wetere Handwerker-Beispiele. Sobald ein Tischler in der Lage ist, ohne Ressourcen, Kosten und Zeit beliebig viele Schränke herzustellen und zu verbreiten, können wir da weiterreden.

Thorsten

Das kann ein Musiker aber genau so wenig. Zwar ist der Materialaufwand pro Kopie minimal bzw. in digitaler Form nahe Null, aber die Aufwendungen an Zeit, Arbeit und Geld die in das Master-Exemplar fließen sind es nicht.
Um da überhaupt zur schwarzen Null (Break Even) zu kommen, bedarf es bei semi-professioneller Produktion bereits einiger tausend verkaufter Einheiten. Verdient hat der Musiker dann aber noch immer nichts.

Und es gibt genug Bands, selbst im gehobenen Indy-Bereich, deren kommerzielles Potenzial sich gerade mal auf diesen Punkt beschränkt und die neben der Musik noch einem »normalen« Beruf nachgehen (müssen). Da können einige hundert Nicht-Käufe wegen Downloads zwischen Break Even und Verlust entscheiden.

Du möchtest das Urheberrecht nicht abschaffen, aber zu Lasten der Kulturschaffenden stark einschränken, aber auf welcher Grundlage?
Im Prinzip sagst du es bei deinen Designen doch selbst: Du willst bestimmen, wann du sie zur freien Verwendung herausgibst. Warum gestehst du anderen Kreativen nicht das Gleiche zu?

Vlad

Hmmm Gerrit,

ich verfolge zwar auch die »Diskussion« rund um das Urheberrecht, kann aber beim besten Willen nicht erkennen, dass jemand gefordert hat, dass jeder von seiner kreativen Arbeit leben muss und noch weniger wurde gefordert, dass die Urheber bezahlt werden, auch wenn man deren Werke nicht konsumiert.

Das einzige was ich erkennen kann und da schließe ich mich der Forderung an: wer etwas konsumieren will (egal ob Buch oder Musik) der soll bitte dafür zahlen bzw. die Lizenz des Urhebers akzeptieren und respektieren.

Habe ich kein Geld mir Bücher zu kaufen, dann leihe ich mir diese von Freunden aus oder besorge mir ein Bibliotheksausweis … das Buch von einer Tauschbörse zu ziehen ist da keine Alternative, die ich gutheiße. Mittlerweile kann man sich sogar E-Books ausleihen … und durch die VG Wort bekommt der Autor auch ein paar Kröten, wenn das Buch in der Bibliothek ausgeliehen wird.

Das gleiche gilt für Musik. heutzutage bekommt man Stücke für 99 Cent und weniger und das ohne DRM. Als ich damals noch Platten gekauft habe, da zahlte man in der Regel noch 20-25 Mark für eine LP und ca. 10 Mark für eine Single. Sicherlich, auch wir haben kopiert, aber das ging in der regel nur in kleinen Kreisen und auch nur dann wenn du selber was anzubieten hattest: Du hast Platte A, die Freund B kopiert und er hat Platte C, die du dann kopierst.

Heute werden dann locker mal mehrere hundert Songs in der kompletten Bekanntschaft verteilt.

Auch das Beispiel mit Radio ist imho unglücklich, da dies natürlich nicht kostenlos ist. Die Künstler bekommen hierfür schon das Geld über die Gema.

Zitat:

Nach den ersten 5 Jahren kann das Copyright eines Werkes jeweils für 3 Jahre erneuert werden (gegen eine angemessene Verwaltungsgebühr), bis maximal zum Tode des Autors.

Was du vorschlägst ist Enteignung. Ersetze bitte in deinem Zitat das Copyright durch Haus, Wohnung, Auto oder irgendein Sammlerstück.

Wir hatten hier in Europa kommunistische Länder in denen Enteignungen breit praktiziert wurden. Ich kann mich nicht erinnern, dass es diesen Ländern dadurch besser gegangen ist. Im Gegenteil, die hinken Jahrzehnte hinter dem Westen.

Zitat:
CC-Lizenzen und klassisches Copyright stehen als freie Wahlmöglichkeit nebeneinander.

Das ist schon jetzt so. Ob du was unter »normale« Lizenz, unter CC oder OpenSource stellst bleibt dir als Urheber überlassen. Das jetzige Urheberrecht schützt auch OpenSource und dazu gab es schon Gerichtsurteile.

Nur was zum Schluss, es kommt nicht von ungefähr, dass die entwickelten Industrieländer auch ein starkes Urheberrecht haben. Urheber sind nicht nur Künstler sondern auch Autoren und somit auch Wissenschaftler und Ingenieure.

Das sog. Geistige Eigentum … Urheberrecht ist ein Teil davon … gibt den Kleinen (Autoren, Künstler, einzelne Wissenschaftler etc.) Rechte und Sicherheit, damit Sie gegen die Großen (Verwerter) überhaupt bestehen.

Nur wer die rechtliche Sicherheit hat, wird auch Zeit, Mühe und Vorarbeit investieren und etwas entwickeln. Meinst du das z.B. irgendein Wissenschaftler mal 10-15 Jahre seines Lebens investiert und du dann so locker lässig sagst: »Ätschbätsch, nach 5 Jahren ist deine Urheberschaft u.U. vorbei und von deiner Arbeit sollen deine Kinder keinen müden Cent bekommen«.

Reduziert man die Schutzfristen, dann freuen sich die Verwerter, da sie dann z.B. Bücher und Werke rausbringen können, von denen der Autor dann keinen müden Cent bekommt.

Anatol Broder

Ich möchte mich in meinem Kommentar auf Musik und Erwachsene beschränken.

Gerrit, ich stimme dir in drei konkreten Punkten zu: (1) der Rechtskomplex muss vereinfacht werden; (2) die CC-Lizenzen müssen als vollwertige Alternative wasserdicht funktionieren; (3) die Gema-Vermutung muss sterben.

Denn erst wenn Musiker die alten juristischen Pfade verlassen können, werden sich neue realitätsnahe Geschäftsmodelle etablieren. Was ich übrigens gerne sehen würde, wäre eine Statistik der deutschen Komponisten mit einem Einkommen über 100 Tausend Euro aufgeteilt nach Gema-Mitgliedschaft (J/N).

Natürlich wird auch künftig kein erfolgreicher Musiker 70 Prozent seiner gesamten Einnahmen in die eigene Tasche stecken. Es sind immer mehrere Nichtmusikanten am Erfolg beteiligt. Ohne fremde Hilfe schafft es keiner von den Tonlieferanten auch nur eine gescheite Pressemeldung herauszugeben.

Ich finde den »relativ simplen Punkt« von Thorsten sehr überzeugend. Das ist auch mein Lieblingsargument in der Diskussion. Ich verzichte einfach auf Musik, die ich mir nicht leisten kann. Dafür bringt mir ein wachsames Ohr in der gemafreien Szene mehr, als ich überhaupt Freizeit habe. Mein Leben ist echt gut vertont.

J. Lippmann

Der Ansatz, nach Abspielen und nicht nach Besitz eines Musikstückes zu bezahlen, ist der richtige.

Es gibt Bands, die ich seit Jahren immer wieder höre und für deren CDs ich damals nur einen Sonderpreis bezahlt habe. Die haben gar nichts davon, dass ich die immer höre.

Meine MP3-Player sollten in der Lage sein, im Laufe des Monats eine gute Statistik darüber anzufertigen, welche Stück welcher Band ich gespielt habe. Und dann wird mir Ende des Monats eine Liste mit Bands gezeigt, die ich zu soundsoviel Prozent gehört habe. Und dann wird automatisch ein monatlich von mir festgelegter Betrag auf dieses Bands anteilig verteilt. Also sozusagen ein automatisiertes Flattr-Modell.

Damit wäre jedem daran gelegen, so weit wie möglich verteilt zu werden. Und eine Band, die ich immer wieder höre, würde auch immer wieder neu Geld von mir bekommen, nicht nur einmal für den Kauf der Datei.

Es sollte auch kein technisches Problem sein, dass mein MP3-Player mich darauf hinweist, dass Band X gerade etwas mehr Geld für ihr neues Album braucht, wenn ich mich durch mein Hörverhalten als Fan ausweise. Und dann werden die bei der nächsten Monatsabrechnung eben noch mit ein paar EUR extra bedacht, wenn mich das interessiert.

So könnte das was werden, die Mittelsleute wären einigermaßen raus, ich habe keine Scherereien mit Albumkäufen oder Preissuchen und es wird immer wieder belohnt, gute Musik gemacht zu haben.

Camel

Schön, da lassen wir unsere Bilder und Bücher gleich für 100 Jahre schützen, womit der Antik-Wert (aktuell 30 Jahre; siehe Ebay) gesichert wäre. Man stellt man also damit in der Zukunft sicher, dass der Kunstmarkt nur noch den reichen Künstlern gehört. Gut so. Weiter so!

Peter

Hallo Gerrit,

diesen Beitrag finde ich super, ehrlich. Ich finde deine Designentwürfe nämlich recht schön. Da ich selbst nicht designen kann, freut es mich sehr, dass ich in Zukunft jeden Entwurf von dir nach fünf Jahren übernehmen darf. Danke, das kann ich sehr gut gebrauchen.

Peter

Selbstredend nicht nur deine alten Blogdesigns, versteht sich, die interessieren mich eher weniger. Sondern alle deine Entwürfe, auch die, die du für Kunden gemacht hast.

Oda

Ich finde es merkwürdig wie hier die gefolgert wird, dass die hohen Kosten für Marketing und Produktion ein restriktives Urheberrecht erfordern. Wahrscheinlich verlieren wir bei »Lockerung« des Urheberrechtes nur die Künstler die sich durch aufwändiges Marketing oder hohe Produktionskosten definieren. Auf erstere kann ich ganz sicher verzichten. Bei letzteren bin ich mir nicht ganz sicher, wäre aber bereit ein Experiment zu wagen (hier möchte ich erwähnen, dass mir die »Demo«-Versionen grosser Songs meist mindestens genauso wie die »produzierten«-Versionen gefallen, manchmal sogar langfristig besser)

Hier wurde auch der Vergleich mit Wissenschaft und Technik bemüht. Was dem Künstler die Urheberschaft ist dem Erfinder das Patent. Erfinder werden übrigens nach spätestens 20 Jahren »enteignet«. Trotzdem blüht der technologische Fortschritt. Zudem muss jedes Patent eine ausreichende Schöpfungshöhe nachweisen. Ich lehne mich zurück und denke darüber nach wie die Entsprechung in der Welt der Musik und Literatur aussehen würde.

Hans

Zwei Einwände:
Weder Radio noch MTV sind kostenlos…:-)

Ansonsten würde mich beim Querulanten-Langweiler Sven R. interessieren, ob er tatsächlich jedes seiner wahrscheinlich 100-150 Logic/Protools-Plugins bezahlt/gekauft hat.

Und was mich am meisten an dieser Diskussion nervt:
1. Dass ständig, permanent, immer wieder die Lüge verbreitet wird, die Piraten würden das Urheberrecht abschaffen wollen ( nur in der SZ diese Woche zwei mal).
2. Dieses unsägliche Rumgejammer. Anstatt mal in die Puschen zu kommen und sich zu überlegen, wie man als Musiker heute Geld verdienen kann, wird permanent unsauber argumentiert und gejammert. Dabei kann man Geld verdienen. Ich selber kenne mindestens 5 Personen, denen das sehr gut gelingt. Noch nie war es so einfach, Musik zu produzieren und zu vertreiben. Das gefällt einem Dinossaurier wie Sven R. nicht. Na und? Der darf aber in der SZ flennen, dass er zwei Kinder hat. Die hat die Schleckerverkäuferin auch. Aber hey: der gesellschaftliche Wert der Arbeit von Sven R. ist in seinem Selbstverständniss natürlich ungleich höher. Warum eigentlich?

Gerrit

@Peter: Go for it! Weblayouts weisen eh nach aktuellem Rechtsverständnis keine Schöpfungshöhe auf und sind nur schwer schützbar. Ich begrüße das, weil es uns unsägliche Rechtsstreits erspart. Siehe Apple vs Motorola vs Samsung vs Google vs Andere Trivialpatentärsche.

Mit anderen Worten: Webdesigner sind Dienstleister, keine Künstler. Der Vergleich ist Quatsch!

Karsten

Um zur Analogienvervollständigung beizutragen:
Webdesign nach Kundenauftrag entspräche Jingle/Firmenhymne etc. nach Kundenauftrag

Vielleicht geraten dann die Vergleiche weniger schief.

Vlad

@Oda,

Zitat:
»Hier wurde auch der Vergleich mit Wissenschaft und Technik bemüht. Was dem Künstler die Urheberschaft ist dem Erfinder das Patent. Erfinder werden übrigens nach spätestens 20 Jahren »enteignet«. Trotzdem blüht der technologische Fortschritt. Zudem muss jedes Patent eine ausreichende Schöpfungshöhe nachweisen.«

Nicht ganz, man kann den Patentschutz auf 25 Jahre ausweiten.

http://de.wikipedia.org/wiki/Patent#Ende_des_Patentschutzes

Du machst aber mit den Patenten ein weiteres Fass auf.

Wissenschaftler und Tüftler veröffentlichen aber auch Bücher, Aufsätze etc. Hier greift auch der Urheberschutz. So kann sich ein Wissenschaftler sicher sein, dass er auch nach 25+ Jahren als Urheber anerkannt wird und kein anderer sich mit seinen Federn schmücken kann.

Bezahlung muss nicht immer in Geld stattfinden: Ruhm, Anerkennung etc. gehören eben so dazu.

Und auch wenn der Patentschutz nach 20-25 Jahren ausläuft gilt man auch weiterhin als der Erfinder.

Markus

Ein Kollege hat mir ne DVD mit all deinen Undsoversity-Workshops gegeben und ich habe verdammt viel gelernt. Hatte deshalb bis eben ein schlechtes Gewissen. Danke Gerrit. Ich darf dann jetzt auch seeden, oder?

Gerrit

@Markus: Witzig, dass Ihr alle komplett ignoriert, dass ich in meinem Stück nicht geschrieben habe, dass ich das Urheberrecht abschaffen will. Schreibe ich so undeutlich?

Markus

Klar, du hast aber auch ein duzend andere Sachen geschrieben. Aber schon klar, wenn es einen selbst betrifft, ist es natürlich was anderes.

lab

@Vlad: Lustig, dass auf einmal der Vergleich mit der Wissenschaft »ein anderes Fass« sein soll – wer hat denn den Vergleich eingeführt??

Tatsächlich stellt sich die Frage, warum kreative Künstler (in Sachen des Schutzes ihrer kreativen Leistung) so viel besser gestellt sein sollen als kreative Techniker. Tatsächlich liegt es wohl eher daran, dass Techniker und Wissenschaftler i.d.R. gut dotierte Jobs in den Unternehmen haben, in denen sie arbeiten. Was wiederum die Frage aufwirft, ob nicht die Produktionsbedingungen in der »Kunst-Branche« das eigentliche Problem der Künstler sind…

Eine veränderte Umwelt fordert eben eine Anpassung – die Konsumenten haben das bereits erkannt. Man kann nun mal inzwischen Musik verlustfrei und – wenn man sich etwas clever anstellt – auch risikolos kopieren. Damit haben sich die Machtverhältnisse zwischen Produzent und Rezipient radikal verschoben. Der Konsument muss nicht mehr alles kaufen, was ihm vorgesetzt wird, egal ob zum überteuerten Preis, egal ob er die selbe Musik schon einmal gekauft hat (Stichwort LP & CD), egal ob auf einer CD ein Hit und 19 mittelmäßige Stück drauf sind. Er kann sich die Musik erst einmal kopieren – von Freunden oder über das Netz. Illegal?
Mag sein. Wird aber trotzdem gemacht (und wer von uns kann behaupten, noch nie gegen Verordnungen verstoßen zu haben, die ihm nicht fair (oder einfach unpassend) erschienen – nicht die roten Ampeln oder Geschwindigkeitsbeschränkungen vergessen…)?

Statt sich hinzustellen und immer wieder nur »Haltet den Dieb« zu rufen, könnte das Problem an illegalen Downloads längst Geschichte sein, wenn sich die Musikindustrie nur einigermaßen geschickt verhalten hätte. Mit hohem Verfolgungsdruck gegen kommerzielle Anbieter, attraktiven Angeboten auch für monetär nicht so gut gestellte Nutzer (Stichwort Streaming) und besonderen Extraeditions mit nicht-kopierbaren Goodies regelt sich das ziemlich schnell, meine ich (natürlich wird es immer eine gewisse Anzahl an Kopien geben).

Aber nein, stattdessen wird mit Inbrunst und hoher Emotion fröhlich aneinander vorbei geredet – die Kommentare hier sind ein gutes Beispiel. (Der Brief der Tatort-Drehbuchschreiber auch.) Einige scheinen ja so sehr zu wollen, dass Gerrit das Urheberrecht abschaffen will, dass sie von akuter Leseschwäche befallen werden, wann immer er das Gegenteil schreibt.
Warum ist das so? Ich glaube ja, dass liegt an der von der Verwertungsindustrie geschickt eingesetzten Begrifflichkeit »geistiges Eigentum«. Das ist ein schöner Begriff, der dann schon zwangsläufig zu Begriffen wie »Diebstahl« oder gar »Raub« oder »Enteignung« führt. Tatsächlich gibt es keine sinnvolle Analogie zwischen Ideen, immateriellen Gütern und Gegenständen – es gibt kein »geistiges Eigentum«! (Außer vielleicht dass was man im Kopf hat aber niemandem mitteilt.)
Niemand möchte gern bestohlen, beraubt oder enteignet werden – so lassen sich die Künstler schön emotionalisieren und mobilisieren. Für eine konstruktive Diskussion schadet es aber eher.

Thorsten

Nicht ganz falsch, aber trotzdem umschiffst du den entscheidenden Punkt. Wenn ich mit den Bedingungen, zu denen mir jemand etwas anbietet, nicht einverstanden bin, dann muss ich darauf verzichten. Und wenn genug Menschen auf das entsprechende Produkt verzichten, wird der Anbieter seine Bedingungen verbessern müssen, wenn er es an den Mann bringen will.

Aber ich muss dann eben auch bereit sein, darauf zu verzichte. Denn es zwingt mich auch heute schon niemand, etwas zu bestimmten Konditionen zu kaufen. Ich habe immer die Wahl »Nein« zu sagen. Das gibt aber immer noch niemandem das Recht, es sich einfach zu nehmen, wenn der Besitzer es eine nicht zu genehmen Bedingungen verkaufen will. Und an diesem Punkt landen wir wieder und wieder und wieder, egal wie viele Nebelkerzen drumherum gezündet werden.

Ãœbrigens hat dem Autoren auch niemand vorgeworfen, das Urheberrecht abschaffen zu wollen. Aber wie so oft werden, mit eher begrenzten Kenntnissen der Materie, Behauptungen aufgestellt und es wird gefolgert, daß am Ende die Urheber und die Verlage zurückzustecken haben, damit man selbst das was man will zu den Bedingungen bekommt, zu denen man es will. Sonst sind die anderen böse und raffgierig und sitzen auf ihren Pfründen…usw.

Markus

Es ist verboten.
Die Zeiten haben sich geändert.
Man kann es nicht verhindern.
Die Gesetze müssen sich ändern.
Blah. Blah. Etc. Etc. Etc.

Da sind sich ja alle einig. Aber Die große Frage, um die sich doch alles dreht ist:

<b>Müssen sich die Rechteinhaber von uns und den Gesetzen zu ihrem eigenen Schutz bevormunden lassen, weil sie es nicht besser wissen und sowieso nichts dagegen tun können oder sollen sie den Preis ihrer Arbeit (oder ihrer Hobbies) selbst bestimmen dürfen.</b>

Egal ob digital oder nicht – jedes Produkt lässt sich kopieren und vervielfältigen. Musiker haben nur das Pech, daß sich ihre Arbeit besonders einfach, schnell und vor allem billig vervielfältigen lässt.

Ihr Pech denken die meisten. »Hätte der Jung sich mal lieber einen richtigen Beruf gesucht.« Oma und Opa denken das selbe und die müssens ja wissen.

Oda

@Vlad: Ich hoffe Du hast Deine eigene Quelle gelesen. Patentschutz endet nach maximal 20 Jahren. Die Ausnahme gilt nur für Medikamente wo ein längliches Zulassungsverfahren die frühere Verwertung verhindert.

Wissenschaftliche Ergebnisse, die publiziert wurden haben keinerlei Schutz. Jeder darf in seiner eigenen wissenschaftlichen Arbeit die Ergebnisse eines jeden anderen Forschers benutzen. Die Angabe der Quelle dient zuerst dazu die Zuverlässlichkeit der Ãœbernahme zu dokumentieren. Bevor jetzt wieder der Haarspalter kommen; ja der umgebende wissenschaftliche Aufsatz ist urheberrechtlich geschützt. Aber die Essenz, in einem physikalischen Traktat z.B. die Formeln sind public domain. Und ja, vollständige Quellenangaben gehören zum guten wissenschaftlichen Arbeiten, zuallererst aber um die Ãœberprüfbarkeit der Ergebnisse zu gewährleisten.

Es ist also nicht so, dass dem Gegenstand »geistiges Eigentum« die Eigenschaft inne wohnt, dass er auf immer mit seinem Schöpfer verbunden ist. Richtig ist sicherlich, dass die meisten Forscher und Erfinder nicht davon ausgehen von Erfindervergütungen und Lizenzeinnahmen ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Hier knüpf ich an Markus an; ja die Zeiten haben sich geändert. Die Reaktion kann aber nicht sein die Schutzfristen uferlos auszuweiten um ein Einkommen für Urheber wie vor X Jahren zu ermöglichen.

Ich bin eher auf der Seite von Gerrit: Schutzrechte sollten auch bei kreativen Werken aktiv aufrecht erhalten werden müssen und nach einer überschaubaren Frist verfallen. Wer sein Werk in die Öffentlichkeit entlässt sollte sich mit dem Gedanken anfreunden, dass die Öffentlichkeit es auch aufnimmt.

Vlad

Lieber Kai,

wenn du möchtest, dass dein Angriff auch Wirkung zeigt, dann solltest du auch bitte richtig lesen was ich geschrieben habe … sonst könnte ich den Verdacht hegen, dass du trollen möchtest … ich habe den Schwenk zur Wissenschaft gemacht in Bezug auf Urheberrecht und Oda sprach von Patentrecht. Gehört zwar zum »Geistigen Eigentum« ist aber trotzdem andere Baustelle.

Soweit verstanden? Danke.

Vlad

@Kai,

»Der Konsument muss nicht mehr alles kaufen, was ihm vorgesetzt wird, egal ob zum überteuerten Preis«

netter rhetorischer Trick. Noch nie war der Konsument gezwungen irgendetwas zu kaufen. Er hatte immer die Wahl es zu kaufen oder es zu lassen.

»Eine veränderte Umwelt fordert eben eine Anpassung […] Mag sein. Wird aber trotzdem gemacht (und wer von uns kann behaupten, noch nie gegen Verordnungen verstoßen zu haben, die ihm nicht fair (oder einfach unpassend) erschienen – nicht die roten Ampeln oder Geschwindigkeitsbeschränkungen vergessen…)?«

Um bei deinem Beispiel mit roten Ampeln zu bleiben. Klar, viele Menschen verstoßen gegen die Verkehrsordnung, aber niemand würde auf die Idee kommen Ampeln oder die 30er Zone vor der KiTa abzuschaffen.

»dass liegt an der von der Verwertungsindustrie geschickt eingesetzten Begrifflichkeit »geistiges Eigentum«.«

Auch nicht richtig. »Geistiges Eigentum« ist keine Erfindung der Plattenlabels sondern geht in Teilen bis ins 14. Jahrhundert zurück:

http://de.wikipedia.org/wiki/Geistiges_Eigentum#Mittelalter

Europa hat seinen Aufstieg u.a. dem »Geistigen Eigentum« zu verdanken.

Vlad

@Oda,

ich habe schon die Quelle gelesen und deine Aussage korrigiert: was auch richtig ist.

»Ich bin eher auf der Seite von Gerrit: Schutzrechte sollten auch bei kreativen Werken aktiv aufrecht erhalten werden müssen und nach einer überschaubaren Frist verfallen. Wer sein Werk in die Öffentlichkeit entlässt sollte sich mit dem Gedanken anfreunden, dass die Öffentlichkeit es auch aufnimmt.«

Wenn man etwas von anderen fordert, dann sollte man zumindest aus reiner Höflichkeit begründen, warum man das fordert.

Was versprichst du dir, von den so kurzen Schutzfristen … die nicht einmal die Piraten fordern (siehe http://wiki.piratenpartei.de/Bundesparteitag_2011.2/Antragsportal/Q025). Die Piraten geben sich zufrieden mit Lebzeit des Urhebers + 10 Jahre.

Kürzere Schutzfristen bewirken lediglich nur das zwar weiterhin Geld gemacht wird, aber der Urheber in die Röhre guckt.

Die Problematik um die illegal kopierten Werke (Videos, Musik, Bücher) betrifft in der Regel die ganz aktuellen Werke. Niemand saugt sich doch ein 5+x Jahre altes Musikstück oder Film … zumindest nicht in nennenswerter Anzahl.

Auch wenn ein Werk unter Schutzfrist steht, kann ich es dennoch »weiterverarbeiten«. Ich kann einen Song covern, aus Büchern zitieren und Fotos verwenden … ich muss mich nur um die passende Lizenz kümmern. Wo ist das Problem?

Noch einmal kurz zu deiner weiteren Aussage:

»Wer sein Werk in die Öffentlichkeit entlässt«

Gilt das auch für z.B. Häuser, die stehen auch in der Öffentlichkeit? Nach 5 Jahren ist jedes Haus für jeden öffentlich zugänglich, oder wie soll ich das verstehen?

Hans Knoblauch

Ach bitte, die Rechteindustrie hat Jahre lang abgesahnt, jetzt ist eben ihr Geschäftsmodell passe.

Lächerlich solchen Trollen, wie den Tatort Autoren (deren Ergüsse ich nicht sehen, aber zahlen muss) Aufmerksamkeit zu schenken.

Gerrit

Schade, dass keiner die Kompromisse und Details in meinem Text erkennen mag oder darüber zu diskutieren bereit ist. Statt dessen geht es offenbar immer nur um Alles oder Nichts! Bloß keinen Fußbreit der gegnerischen Seite.

Wenn jemand nach 5 Jahren (oder auch 10 oder 15 Jahren, um die genaue Anzahl geht es mir nicht) immer noch nennenswert Geld mit seiner Schöpfung verdient, kann er sich ja auch locker eine geringe Verwaltungsgebühr leisten und die Schutzfrist bis zu seinem Tode verlängern. Wenn er selber aber keine Erlöse mehr mit seinen Werken erzielen kann (weil der Markt das einfach nicht mehr hergibt), dann kann mit großer Wahrscheinlichkeit auch kein anderer daraus Erlöse erzielen. Und dann kann man die Dinge auch freigeben.

Ich finde es einfach nicht fair, wenn auch noch die Urenkelkinder eines Menschen davon leben können, dass Uropa irgendwann mal ein paar gute Ideen hatte. Außerdem sind Markenzeichen und ähnliche Dinge selbstredend davon nicht betroffen. Ich rede hier vor allem von dem jetzigen Urheberrecht, das automatisch alles Geschaffene eines Menschen betrifft, welches eine Schöpfungshöhe besitzt, wobei dieser Begriff teilweise höchstgradig bizarr interpretiert wird.

Florian

Ich tue mich ehrlich gesagt schon immer schwer mit der Verkürzung des Copyrights auf x Jahre.

Wenn John Lennon einen Song namens ›Imagine‹ schreibt, dann sollen ihm alle Rechte daran auch bis zu seinem Tod zustehen, ohne dass er alle x Jahre in ein Amt rennen muss, um Fristen zu verlängern!

Alles andere fühlt sich falsch an, sorry.

lab

@Vlad 1: Du hast von den Ergebnissen der Arbeit der Wissenschaftler gesprochen – und da geht es nun mal nicht um den Wortlaut ihrer Forschungsberichte, sondern die Essenz der Erkenntnis. Und die wird – ausreichende Schaffenshöhe vorausgesetzt – über das Patentrecht geschützt. Ansonsten ist natürlich die Forschung ein gutes Beispiel für den Segen der Weitervrewendung: gerade in der Wissenschaft ist das Arbeiten mit den Ergebnissen anderer der Normalfall (»Schultern von Giganten«) – und zwar völlig ohne die Möglichkeit für den ursprünglichen Entdecker, es zu verhindern. Ein Großteil des wissenschaftlichen Fortschritts wäre ohne dies gar nicht möglich.

@Vlad 2: Konsumenten … müssen nicht…
Sicher können sie auch Kaufverzicht üben (wobei sich die Frage stellt, was das dann den Künstlern nutzt) – darum ging es mir aber nicht. Ich beschreibe nur – ohne moralische Wertung – die Ist-Situation und die daraus resultierende Verschiebung des Machtgleichgewichts zwischen Konsumenten und Produzenten.

@Vlad 3: Der Vergleich mit den roten Ampeln schlägt auch fehl, da ja auch ich gar nicht fordere, das Urheberrecht abzuschaffen. Aber auch zum Forcieren der Verkehrsregeln sind nicht alle Maßnahmen angemessen. Oder findest Du, dass z.B. alle privaten Autos eine Blackbox eingebaut bekommen, die zwecks Auswertung möglicher Verkehrsverstöße kontinuierlich ihre Daten an die Polizei meldet? Am besten in Verbindung mit Videokamera und Mikrofon in jedem Wagen..? Ich bin sicher, das würde die Anzahl von Verkehrsverstößen nahezu auf Null senken. Wie wär’s?
Der Wikipedia-Eintrag schreibt vor allem, dass der Begriff umstritten ist. Im übrigen (das zum Thema genau lesen) schreibe ich auch nicht, dass die Plattenlabels den Begriff erfunden haben (aber interessant, dass Du darauf kommst…), sondern dass sie ihn einsetzen um die Diskussion zu emotionalisieren.

@Vlad 4: Und wieder schade – statt auf meine Lösungsvorschläge einzugehen, argumentierst Du kleinteilig gegen Details, die Du glaubst gelesen zu haben. Aber wenn Du jede Gegenrede gleich als »Angriff« wahrnimmst, wird das wohl nichts mit einer Lösung.

Don

hm, ich versteh eigentlich nicht wirklich so viel davon (im rechtlichen Sinne) würde aber persönlich sagen:
Künstler sein ist schwer :).
Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit. Steht auf der Sezession in Wien.

Leute die wirklich was zu sagen haben, dringen durch, das ist so. Normal ist ein Künstlerdasein ja meinsten so:
Ãœbern, Lernen usw. dann eigene Sachen machen, Auftreten, Bekannt werden, Geld damit verdienen.
Von der Kunsthochschule kommen etwa 2%, deren Namen noch ab und an Auftauchen, noch weniger, die unvergesslich werden.

Die Power und den ewigen Drang, etwas zu erschaffen, kommt ja vom Künstler, er ist der Auslöser für die Arbeit. Und, wie Picasso mal gesagt hat: Wenn ich ein Bild gemalt hab, interessiert es mich nicht mehr…auf der andern Seite verstand er es auch, seine Bilder zu vermarkten.

Aber es ist schon so, es geht um den Prozess, nicht um das Produkt im eigentlichen Sinne. Es geht darum Spass an der Sache zu haben und dafür bezahlen wir auch. Wir bezahlen für Lebensenergie, für Bereicherung unser Sinneswelt.
Wenn man es live erlebt, wenn man in ein Konzert geht, auf eine Ausstellung meinetwegen oder sonstiges.

Von den Geldern des Urheberrechts bekommt Mozart nix mehr oder Beethoven oder sonstver verstorbenes. Jedes Geld, was von einem Mäzän oder Liebhaber kommt ist natürlich gerne gesehen..

Ist es nicht schön, überall bekannt zu sein? Das jedermann meine Songs, Lieder oder sonstiges was ich geben möchte mitbekommt?

Ich würde mich vll. auch wundern, wenn ein Produzent meine Lieder von YT oder sontwo einfach runternimmt oder meine Fans verklagt. Ich würde ihn aber auch irgendwie einfach machen lassen, dann könnte ich mich auf die Arbeit konzentrieren :)

André

Hallo Gerrit,
Ich habe zwar eine längere Ausführung als Erwiderung auf deinen wichtigen Beitrag verfasst, aber da die meisten Argumente bereits tiefgreifend erörtert sind, bleibt mir nur eines: der einleitende Teil deines Textes ist in einer unerträglich polemischen Art à la Springer-Presse verfasst (sprich Stammtischniveau). Zu den weitere Ausführungen stehe ich positiv. Wie man es besser macht zeigt das vorzügliche Antwortschreiben von »http://www.ccc.de/de/updates/2012/drehbuchautoren«

Hans

Es können sich auch alle Menschen als Künstler bezeichnen. Weder Regner noch die Tatortautoren fordern Geld nur fürs Künstler sein, sondern für die Produkte, die sie herstellen.

Wenn jemand »120GB Musik« hat und die eh nicht hört, wieso hat er sie dann runtergeladen?

Für Leistungen muss man zahlen. Wenn man unbedingt einen Song haben möchte hat er ja offenbar einen Wert, sonst würde man ihn nicht haben wollen.
Ein Künstler hat natürlich kein »automatisches Recht darauf hat, von seiner Kunst leben zu können«, aber ein Künstler hat ein Recht, dass er am Erfolg seiner Kunst beteiligt wird. Hat er keinen Erfolg bekommt er nur wenig oder kein Geld, wenn aber viele sich für die Kunst interessieren bekommt er zu Recht viel Geld.

Womit Regner in jedem Falle Recht hat ist, dass hier in Deutschland der Künstler wie Dreck behandelt wird. Kunst wird hier nicht geschätzt und das ist auch einer der Gründe wieso Musik und Filme und Fernsehformate hier anderne Ländern um Jahrzehnte hinterherhinken (was von Downloader auch gerne kritisiert wird)

Uwe Heisterberg

@Thorsten
Jetzt komm doch hier nicht mit Argumenten! Musiker haben sich wie Dienstleister zu verhalten. Es gibt eine Aufwandsentschädigung für das Schaffen eines Werkes und dann ist gut. Das Vervielfältigen und die Distribution kosten ja quasi nichts. Warum sollten Musiker, deren Werke von zig Millionen Menschen konsumiert werden, das vielleicht sogar über Jahrzehnte, mehr verdienen, als der dienstleistende Webdesigner? Die sollen doch froh sein, ihr Hobby zum Beruf gemacht zu haben. Ausserdem steht es diesen ganzen unglaublich reichen Künstler Assis ja frei um Spenden zu bitten.
Das ein Ackermann mit seiner harten Arbeit Millionen verdient finde ich ok, aber doch bitte nicht irgendwelche Musiker, die schaffen doch keine materiellen Werte, das lässt sich doch alles umsonst kopieren.

Hans Hansen

»Warum sollten Musiker, deren Werke von zig Millionen Menschen konsumiert werden, das vielleicht sogar über Jahrzehnte, mehr verdienen, als der dienstleistende Webdesigner?«

naja weil es zig millionen menschen konsumieren? über jahrzehnte? angebot und nachfrage? mal von gehört? oder möchtest du das abschaffen? kommunismus? joa, war eine extrem »kreative« zeit damals *gg viel polka, schlager, marschmusik und so …

niemand muss die musik kaufen.

Roland

Wäre die Nutzung jedes Mal mit einer Vergütung verbunden, würde der Konsument die Qualität genauer beurteilen: bezahlt (und gehört) wird das, was gefällt.
Ich habe die Zeit von Vinyl und später CD noch selbst erlebt. Hatte zeitweise eine Sammlung von beinahe 1.000 Langspielplatten. Spannend ist dabei: schon damals gab es sehr wohl die Möglichkeit, Musik auf Band (Tonband, Kassette) zu kopieren. Käufer waren also durchaus darauf bedacht, die Künstler zu unterstüzen.
So halte ich es heute auch noch: gekauft wird, was wirklich gefällt. Und da beginnt das eigentliche Problem: von der Musikindustrie wird nur wenig Gutes, Eigenständiges veröffentlicht. Das Meiste ist Allerweltsgedudel, »Künstler« bzw. »Stimmen« sind häufig beliebig austauschbar. Songs, die früher mal ein mehr oder weniger großer Hit waren, werden auf »modern« getrimmt und auf schlechte Art und Weise neu produziert in der Hoffnung, dass die jüngere Generation das Original nicht kennt. Die ältere Generation hingegen ahnt, dass der Interpret das »gewisse Etwas« des Songs nicht erkannt und es ihm überhaupt an jeglichem Feingefühl für gute Musik fehlt.
Der Musikindustrie fehlt häufig der Mut, unbekannte Künstler, die eigene Ideen, eine erkennbare Stimme und/oder einen eigenen Stil haben zu produzieren und zu promoten. Und diese Künstler existieren! Sie tingeln durch (Musik-) Kneipen, verkaufen während ihrer Konzerte ein paar auf eigene Kosten produzierte CDs. Einige können davon zumindest Leben, andere betreiben Ihr Hobby als Zweitjob.
Das Problem Urheber-/Verwertungsrecht würde gar nicht in dem Umfang existieren, wenn der Verbraucher erkennen könnte, dass der Künstler etwas Eigenständiges, Einzigartiges geschaffen hat. Die Massenproduktion der Musikindustrie lässt den Verbraucher jedoch nur noch eines erkennen: dass es sich eben um Massenproduktion handelt, Songs, die innerhalb weniger Stunden geschrieben und unter Zeitdruck produziert werden und die nicht viel Wert sind. Ein paar Euro für eine Raubkopie ist mancher bereit zu zahlen, mehr ist aber auch nicht drin. Der Verbraucher ist halt doch nicht ganz so doof wie erhofft.
Statt also einfach zu behaupten, es würde ohnehin nur noch »geklaut« und rumzujammern und die Gesetzeslage anzuprangern, sollte die Musikindustrie und Künstler sich um die Qualität ihrer Produkte bemühen. Dann wäre auch mit Musik wieder das »große Geld« zu verdienen – ganz ohne Diskussion um Urheber- und Verwertungsrechte.

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