praegnanz.de v7 – Kirby Edition

Es ist eine alte Erkenntnis: Im Web und auch im Leben läuft alles in Wellen ab. Mal wird auf-, dann wieder abgerüstet, je nach Trend und persönlicher Situation. Für praegnanz.de heißt es nun gerade einmal wieder zurück zu den Wurzeln – mit einer klaren Fokussierung auf die Blogartikel und Kommentare. Hier sind einige Aspekte, die mir beim 2017er-Relauch wichtig waren.

vertraute Designelemente

Blogs brauchen keine Logos, aber ein (im weitesten Sinne) Designblog braucht zumindest eine deutliche Wiedererkennung, insbesondere wenn man da Wort Prägnanz im Namen trägt. Also führt kein Weg an der Nutzung des klassischen Grün vorbei: #009900ist mir zwar eigentlich etwas zu Dunkel und schwer geraten, aber jetzt geht’s auch nicht mehr anders.

Ebenso dabei: Der Schrägstrich, welcher Headline und Rubrik miteinander verbindet (diesmal in Form eines Non-Rectangular Headers), aber auch als Markierung von Zwischenüberschriften. Ich mag diese Anwendung des Schrägstriches. Wer mit mir bereits per Mail kommuniziert hat, kennt ihn auch von meiner Signatur:

Viele Grüße,
/Gerrit

neue Schrift

Zur hier verwendeten FF Tisa gibt’s eine kleine Geschichte zu erzählen. Als ich Ende 2012 das #webtypobuch geschrieben habe, war sie natürlich auch in der Liste der modernen Webfont-Klassiker vertreten. Aus reiner Schusseligkeit hat der Abschnitt mit dem Tisa-Miniportrait aber leider den Weg vom Manuskript in die Layout-Datei nicht mehr geschafft, und ich habe es zu spät gemerkt. Die Manuskript-Datei ist inzwischen irgendwie auch verschwunden, sonst hätte ich sie hier gerne zitiert :-(

Auf jeden Fall wollte ich schon sehr lange mit Tisa arbeiten, da sie so wahnsinnig freundlich-kraftvoll-warmherzig ist und sowohl in Headlines als auch im Fließtext fantastisch aussieht! Außerdem überträgt sie perfekt die Qualitäten der Georgia – die wahrhaft klassische praegnanz.de-Schrift – ins hochaufgelöste Webfont-Zeitalter.

Teaser auf der Übersichtsseite

Früher waren Blogs ja lediglich kurze Notizen über kleine Entdeckungen im World Wide Web, knapp kommentierte Linklisten, Web-Log-Bücher eben. Da diese Aufgabe längst von Twitter übernommen wurde, finden sich auf den meisten Blogs nurmehr längere Beiträge. Und von daher ist es selbstverständlich nicht mehr zeitgemäß, auf der Artikel-Übersichtsseite die einzelnen Artikel in voller Länge darzustellen, wie es bisher auf praegnanz.de der Fall war. Es ist 2017, und ich habe mir für ein Teasermodell entschieden! Die älteren Beiträge werden dabei automatisch gekürzt, aber bei den neuen Beträgen setze ich die Grenze selber.

neues CMS

Ja, es ist wahr: Textpattern ist nun auch an dieser Stelle offiziell Geschichte. Nach mehr als 13 Jahren der erfolgreichen und stressfreien Zusammenarbeit trennen sich unsere Wege. Das neue System musste selbstverständlich Kirby sein, auch wenn ich damit ein bisschen was riskiere. Wie viele wissen, ist Kirby ein dateibasiertes CMS ohne Datenbank, und damit relativ unorthodox; es ist daher noch nicht so richtig gut erprobt, wie sich das System mit über 2.000 Artikeln und fast 22.000 Kommentaren schlägt. Aber ich bin ja von guten Leuten umgeben: Freund des Hauses Bastian Allgeier ist Erfinder und Hauptentwickler des Systems, und das Kommentar-Plugin kommt von unserem Würzburger Mitstreiter Florian Pircher. Falls also Dinge schief gehen, weiß ich, was zu tun ist.

Pflege & Deployment

Selbstverständlich habe ich darüber nachgedacht, wie ich mit dem Erstellen von neuen Inhalten und dem Anpassen des Stylings verfahren soll. Da bei Kirby sowohl die Inhalte als auch die Templates und die Konfiguration im Filesystem enthalten sind, bietet es sich an, alles komplett über git versionszuverwalten und einen wie auch immer gearteten Workflow für das Deployment aufzusetzen. Immerhin habe selbst ich eine gewisse Nerdehre zu retten! Dabei habe ich bisher leider noch keine perfekte Lösung gefunden:

  • Unser selbstbetriebener Gitlab-Server ist schon gestresst genug und muss nicht noch mit 120 MB Binärdaten in Form von Bilddateien belastet werden.
  • Der cloudbasierte Gitlab.com-Server bietet zwar auch private Repos an, aber die dort frei verfügbaren Runner ließen sich nicht zu einem FTP-Sync auf meinem Shared Hosting bewegen.
  • Ein Dropbox-Workflow mittels Uberspace-Hosting hätte grundsätzlich funktioniert, aber leider macht der Linux-Filewatcher standardmäßig bei 10.000 Dateien Schluss, und ich habe über 50.000 Einzeldateien im Projekt.
  • Ein echter virtueller Server kommt für mich als Admin-Laien nicht in Frage.

Ich bin von daher für jegliche Vorschläge offen, wie ich meine Website cool und stressfrei pflegen, deployen und versionskontrollieren kann.

To-Do

Es fehlen noch ein paar Kleinigkeiten, insbesondere eine Volltextsuche, die ich wahrscheinlich über Google Custom Search abwickeln werde, sowie eine manuell gepflegte Liste mit Top-Artikeln, die in der linken Spalte platziert wird, auf eine Weise, die ich mir noch ausdenken muss. Und natürlich sind noch lange nicht alle Browser und Bildschirmgrößen hinreichend getestet. Hier bin ich natürlich auf eure Hilfe angewiesen mit sachdienlichen Hinweisen.

Ich hoffe, euch gefällt die Grundidee der neuen praegnanz.de-Seite! Ich für meinen Teil habe mich noch nicht satt gesehen und liebe das Schriftbild der Tisa heiß und innig. War ’ne gute Entscheidung!

16 Kommentare

Peter

Bei mir läuft seit vielen Jahren eine filebasierte Bloglösung aus eigener Werkstatt ohne Probleme. Ist immer nett in den Logs anzusehen, wie die Hintertüren bekannter Blogsysteme gesucht werden und/oder versucht wird, die DB zu kapern :-)

Dass die Startseite nur noch Teaser oder die Artikel kurz anreisst, finde ich sehr gut. Ist aus meiner Sicht viel benutzerfreundlicher. Auch das pflege ich schon sein Jahren so und habe es nie bereut.

Vielleicht. lassen sich unsere Blogs ja auch nur schwerlich vergleichen, aber den eingeschlagenen Weg finde ich richtig. Vel Erfolg!

Dr. Rößner

Ein paar Fragen zum Umstieg:

Wieso hast Du dich von TXP verabschiedet, wenn es doch eine schmerzfreie Zusammenarbeit war? Zudem wird Textpattern ja nach wie vor weiterentwickelt. Gerade erst vor ein paar Monaten kam ja eine neue Version heraus.

Was sind die Vorteile eines dateibasierten CMS ohne Datenbank? Wie muss man sich das vorstellen (wie Unix?) - also dass Artikel, Kommentare etc. alles in Dateien vorliegen?

Wenn Du sogar für Kommentare extra ein Plugin brauchst sehe ich das etwas kritisch… das ist doch Hausmannskost welche bei einem CMS standardmäßig inkludiert sein sollte, oder nicht?

Seit mehr als 10 Jahren kennst Du dich mit TXP aus. Kennst sozusagen jeden Winkel, jeden Befehl, jeden Kniff. Einfach mal Lust gehabt etwas neues im eigenen Alltag zu beackern?

Ingo van Peeren

Zwar etwas off-topic: ich habe es jetzt nur auf die Schnelle in Firefox und Chrome (jeweils aktuell) gesehen, aber es gibt noch 2 CSS-Probleme ab 1440 Pixel Breite:

Die Navigation lässt sich nicht anklicken. Ich vermute da etwas mit Positionierungen, z-index etc. Aber ein Deaktivieren des padding-top: 10vw; für .main reicht schon.

Die grüne Diagonale im Footer wird oben abgeschnitten.

Michael

Ich verwende https://www.deployhq.com/ um von einem privaten Repository auf Github einen Deploy per FTP auf meine Shared Hosting Seite zu machen.
Das erste Repository ist dabei sogar kostenlos und die Deploys liefen dabei bei mir bisher zuverlässig und problemlos.

Gruß,
Michael

Gerrit

@Dr. Rößner: Ich wollte in der Tat einfach was Neues probieren. Textpattern kann man heutzutage keinem Kunden mehr anbieten. Die sogenannte „Weiterentwicklung“ besteht ja im Wesentlichen daraus, den Code für neue PHP-Versionen fit zu machen. Es ist ein System aus einer anderen Zeit.

Dass heutige CMSe üblicherweise kei Kommentarsystem von Haus aus mitbringen, hat schon seine Richtigkeit. Kommentare auf Websites haben sich nicht bewährt und triefen vor Hass und Spam, diese Website ist eine fantastische Ausnahme. Das klassische Blog von 2005 mit Pingbacks, RSS und Kommentaren ist beinahe tot. Diese Features im Core eines CMS rumzuschleppen macht keinen Sinn. Für ein gutes CMS ist es außerdem egal,ob ein Feature per Plugin oder per nativer Funktionalität daher kommt. Ich bevorzuge den Slim Core!

Warum Dateien? Weil es geht! Weil Migrationen und Versionen einfacher sind, weil es minimalistischer ist. Weil ich ein Nerd bin und im Texteditor bloggen kann!

Gerrit

@Michael: Ich habe eben einen Test mit DeployHQ gemacht – sieht super aus! Allerdings macht es aus meiner Sicht keinen Sinn, den Content-Ordner hiermit zu deployen, weil er sich ja auf dem Server durch die Kommentare verändert. Es müsste also einen Rückkanal geben, der die Content-Änderungen in das gitlab-Repo committet …

Dustin

Hallo Gerrit,

sind deine Essays, deren (sogar wiederholten) Konsum ich immer sehr genossen habe, dem Relaunch jetzt auch zum Opfer gefallen? Und Font-Reviews hattest du doch auch mal, oder?

Viele Grüße,
Dustin

Gerrit

@Dustin: Sind alle noch da, allerdings findet man sie nicht so richtig, da nicht gesondert verlinkt. Kommt noch!

Kevin

Bis auf die kleineren Schwierigkeiten zur Umstellung bin ich ganz begeistert!

Als Nutzer deines RSS-Feeds bin ein wenig verwundert, dass in einem mir nicht ganz erkannbaren Muster dein Feed immer wieder komplett als ungelesen angezeigt wird.

Hat das was mit der Umstellung zu tun?

Gerrit

@Kevin: Danke für das Lob. Der Feed ist ein bisschen am Kippeln gewesen, weil ich noch die internen Orderstruktur angepasst habe, und sowas natürlich am offenen Herzen durchführe – sonst macht’s ja keinen Spaß!

Daniel

Dateibasierte Lösungen waren vor einigen Jahren eher Regel als Ausnahme (Nutze ich aktuell auch für ältere Blogeinträge, allerdings selbst gebaut). Solange keine Funktionalitäten außer der vorgegebenen Darstellung erwünscht sind, passt das schon. Den Hype darum verstehe ich allerdings überhaupt nicht.

Gerhard Großmann

Drei Kleinigkeiten (ungefragte Ratschläge): Nimm als letzte Fallback-Schrift für Codebeispiele nicht „fixed“, sondern „monospace“. Dann bekommen auch die Leute eine dicktengleiche Schrift, die weder Menlo noch Consolas installiert haben.

Wenn du dem Website-Body als background-color ein #fff verpasst, wird der Artikeltext so wie Header und Footer mit weißem Hintergrund angezeigt. Andernfalls mit der Default-Farbe des Browsers, was durchaus ein helles Grau sein kann (man sieht dann unschön die weiße Box, in der das Aldusblatt am Ende eines Textes steht).

Drittens könntest du die Schriftgröße im Kommentarfeld ebenfalls auf die Standardgröße von 1.1875em setzen. Im Moment ist sie mit .8421052632em deutlich kleiner (= sechzehn Neunzehntel, genau der Kehrwert der Standardgröße. Zähler und Nenner vertauscht?)

Gerrit van Aaken

@Gerhard: Danke! Habe die beiden ersten Hinweise beherzigt. Bei der Schriftgröße in der Kommentar-Textarea allerdings stehe ich erstmal zu meiner bewussten Entscheidung, die Schriftgröße wegen der besseren Übersichtlichkeit bei längeren Kommentaren kleiner zu halten.

Tino

Du hättest ja wenigstens mal einen Redirect für den Atom Feed einrichten können ;) Normalerweise wärst du nun aus meinem Feedreader geflogen. Aber ich mag deine Artikel, also hab ich die URL von Hand aktualisiert. Was nun für ein System hinter dem Feed steckt ist mir dabei herzlich egal, so lange es funktioniert.

Gerrit van Aaken

@Tino: Wenn ich wüsste, was es alles für Feed-Adressen gegeben hat! Das waren über die Jahre so viele verschiedene URLs! Kannst du mir sagen, welche URL es bei dir war?

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