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Gerrit, 15.05.2006

Petition gegen Pseudo-Praktika

Keine Angst, in dieser Online-Petition geht es ausnahmsweise einmal nicht darum, dass Apple den Firewire-Anschluss für iPods zurückbringen soll, sondern um etwas viel Sinnvolleres:

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass Praktika von Hochschulabsolventen, die länger als drei Monate dauern und in dem Berufsbild abgeleistet werden, für das der Hochschulabsolvent ausgebildet wurde, in ein reguläres Arbeitsverhältnis umgewandelt werden. Begründung: Unzählige hochqualifizierte Menschen arbeiten ohne Entlohnung oder gegen einen Lohn, der unter dem Existenzminimum liegt. Solche so genannten Praktika dienen nicht der Aus- oder Weiterbildung.

Es ist tatsächlich wahr, dass sich haute haufenweise frischgebackene Diplomingenieure, Diplomdesigner und andere Hochschulabsolventen als beinahe unbezahlte Praktikanten verdingen müssen, nur um keine Lücke im Lebenslauf zu haben. Dagegen muss man was tun. Und obwohl ich kein Freund von Bürokratie bin – dies ist eine Ausnahme.

Zur Online-Petition direkt an den Bundestag (bis 14. Juni)

Macht mir keine Schande und füllt das aus!

13 Kommentare

  1. Nils Hörrmann am 15. Mai 2006 #

    Ich habe da mal eine Frage:
    Warum ist die URL dieser Petition irgendwas mit »itc.napier.ac.uk«, wo doch alle anderen Links auf der Seite »bundestag.de« beinhalten? Irgendwie kommt die das spanisch vor. Hast diese Petition mal jemand überprüft?!

  2. Gerrit am 15. Mai 2006 #

    die Adresse ist komisch, weil: »Das System öffentliche Petition des Deutschen Bundestages basiert auf einem System des Schottischen Parlaments und den dort gesammelten Erfahrungen.Im Rahmen eines Modellversuchs werden die Internetseiten öffentliche Petition von International Teledemocracy Centre an der Napier Universität in Edinburgh zur Verfügung gestellt.«

  3. Dan Reynolds am 16. Mai 2006 #

    Ich will selbstverständlich, dass alle Praktikanten ein ordentliches Gehalt bekommen… ich habe auch viel Praktikas unter mich. Jedoch habe ein bißchen Angst, dies durch Gesetze zu verregeln. Ich wette dir, dass das einfach zu weniger Praktikumplätze insgesamt führt!

    Oder?

  4. simon am 16. Mai 2006 #

    Aber genau darum geht es doch!
    Es kann ja nicht angehen, dass man nach fünf Jahren Studium erstmal sechs Monate (und mehr!) für 100 – 500 Euro arbeiten muss. Da liegt der BAFöG-Satz ja noch drüber!
    Obwohl natürlich nicht NUR die Arbeitsgeber die bösen sind, sondern auch diejenigen, die ein solches Praktikum annehmen  …

  5. Nini am 16. Mai 2006 #

    Zu Dan Reynolds’ Kommentar:
    Diese Befürchtung habe ich leider auch.
    Die Zustände an sich finde ich ebenfalls skandalös.
    Aber ob ein wohlmeinendes Gesetz da wirklich der richtige Weg ist?

    Und: weniger Praktikumsplätze bedeuten nicht zwangsläufig mehr Arbeitsplätze, oder sehe ich das falsch?

  6. Stefan am 16. Mai 2006 #

    Aber das wird Sachen vorbeugen, wie ich das gerade an meiner Freundin sehe:
    Praktikum bei einer großen Corporate-Design-Agentur, arbeitet da richtig mit für große Kunden (sehr bekannte Unternehmen bei) und bekommt 150 € im Monat für nen Vollzeit-Job … Ist zwar immerhin vor dem Studium, aber Unternehmen wie Jamba machen das ja noch extremer. Praktikum, 300 € und dann sind das Vollzeit-Jobs, nur eben ohne Kündigungsschutz etc.. Wenn das alles normale Arbeitsplätze wären, dann hätten wir schon nen paar Arbeitslose weniger …

  7. Christoph am 16. Mai 2006 #

    Die Petition weist doch erhebliche Lücken auf:

    * Wer mehrere Praktika hintereinander, je kürzer als drei Monate, ableistet, kommt nicht zu einem regulären Arbeitsverhältnis.

    * Wieviele Praktika werden zeitlich unbestimmt vereinbart? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Praktikum »überraschend« über drei Monate dauert?

    * Was ist ein reguläres Arbeitsverhältnis? Viele Akademiker fallen nicht unter Tarifverträge.

    Vor diesem Hintergrund fallen mir spontan folgende Probleme bei einer möglichen Umsetzung der Petition ein:

    * Ist ein Praktikum tatsächlich gleichwertig zu einem »regulären Arbeitsverhältnis«? Dient es nicht beiden Seiten auch sehr zum Kennenlernen? Ist es nicht gerade die Flexibilität, die Praktika für beide Seiten attraktiv machen?

    * Käme eine solche Regelung, wäre es nicht ein leichtes, sie durch befristete Arbeitsverträge, Leiharbeit oder dergleichen zu umgehen?

    * Müßte man in diesem Fall nicht auch einen Mindestlohn festlegen? Oder wäre das nicht vielleicht der direktere Weg, die »Ausbeutung von Praktikanten« zu verhindern?

    * Man könnte idealerweise dann auch gleich einen Arbeitsanspruch für junge Akademiker festlegen. Damit der Mindestlohn bei den Praktika nicht dazu führt, dass mangels angebotener Praktika die Absolventen doch wieder (hungrig) auf der Straße stehen.

    * Das wäre dann allerdings die Krönung der Eliteförderung mit der Gießkanne: Freie Studienplatzwahl bei längst nicht kostendeckenden Studiengebühren, Einstellungsanspruch und Mindestlohn. Finanziert aus Steuern, die von der Masse der nicht-akademischen Werktätigen aufgebracht wurden, die im Durchschnitt fast 10 Jahre eher angefangen haben zu arbeiten und für die die genannten Segnungen nicht existieren. Na bravo, sehr sozial!

    * Mir ist bewußt, dass ich die Intention der Petition sehr weit interpretiere und ziemlich überzeichne, aber »wehret den Anfängen«!

  8. André Fliß am 16. Mai 2006 #

    Habe ich zwar auch unterzeichnet, würde mir allerdings wünschen, dass die Petition allgemeiner ausgeführt wäre. Z.B.: Firmen dürfen pro Jahr abhängig von der Anzahl der festangestellten Mitarbeiter nur eine bestimmte Anzahl an Praktikantentagen nutzen. Also z.B. pro zehn festangestellte Mitarbeiter ein Praktikantenvolumen von 365 Tagen. Wie diese Arbeitsstunden/-tage aufgeteilt werden (also auf wie viele Praktikanten pro Jahr), bleibt der Firma überlassen (so kann man z.B. entweder ein Jahrespraktikum anbieten, oder mehrere Praktikanten für je drei Monate einsetzen). Damit würde man Firmen, die aus zwei festangestellten (z.B. Webdesignern) und 5 oder mehr »Dauerpraktikanten mit vielleicht Aussicht auf Übernahme aber dennoch volle Arbeit ableistend bei keinem oder wenig Geld« bestehen, wirkungsvoll einen Riegel vorschieben. Auch sollte eine solche Regelung unabhägig von einer Berufsausbildung gemacht werden. Denn oft kommt man (z.B. im Medienbereich) als Quereinsteiger oder gänzlich über Praktika in den Job.

  9. Nick Blume am 16. Mai 2006 #

    Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie es sein wird mit den Praktika. Aber es ist ein wichtiges Signal, daß es so nicht mehr weitergehen kann … mit der Ausbeutung und nur 200 und 400 Euro. Siehe auch hier.

  10. hukl am 17. Mai 2006 #

    Also ich finde und fand diese Art von Praktika auch schon immer anmaßend. Meine Konsequenz war eben solche erst gar nicht anzutreten. Gerade in der Gestalterbranche ist das zudem auch vollkommen unnötig wenn man nicht gerade eine steile Agenturkarrieren anstrebt, allerdings möchte ich die Agentur sehen die einen wirklich guten Gestalter nicht anstellt nur weil er zu wenig Ausbeuterpraktika gemacht hat. Keiner meiner bisherigen Arbeitgeber hat mich nach Praktika oder Zeugnissen gefragt weil, so wie ich sie verstand, ebenso den Eindruck hatten das diese Dinge nicht wirklich aussagekräftig seien.

    Ich finde einmal kann man so ein unterbezahltes Praktikum im Leben machen, am besten während man noch bei den Eltern wohnt, da kommt es eh nicht so aufs Geld an und wenn man Glück hat bringt es sogar wirklich was für den eigenen Horizont und man lernt erste wichtige Leute kennen die einen später davor bewahren noch mal ein Praktikum machen zu müssen. Ich weiß allerdings nicht ob das nur auf die Gestalterzunft anwendbar ist. Es gehört auch eine große Portion Willen dazu nicht in diese Ausbeutermühlen reinzugeraten, sicher auch etwas Glück aber man kann, und so habe ich das auch schon ein – zwei mal gemacht, den Damen und Herren explizit den Vogel zeigen und sagen »Das gebotene Gehalt ist deutlich zu wenig für die zu erwartende Arbeit«. Danach bin ich gegangen und hinterließ die Herrschaften mit unsicherem Blick. Bei einem mal wurde ich zwei Monate später angerufen und gefragt ob ich interesse an einem anderen Job hätte  …

    Mein Rat: Selbstbewusster auftreten. Wenn die Leute an Quallität interessiert sind lassen sie meist mit sich reden, wenn es ihnen nicht um Quallität geht ist der Job vermutlich eh Scheiße.

    Natürlich muss man manchmal auch einfach Geld verdienen aber dafür eignen sich, um sich mal auf den Post rückzubeziehen, diese

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