Peinliche Empfehlung vom Sponline

Die lachhafteste »Meldung des Tages«, die ich seit langem gelesen habe, zu finden bei Sponline, hier aus offensichtlichen Gründen nicht verlinkt:

Die Meldung des Tages: Nach einer Untersuchung der Web-Analyse-Firma »OneStat.com« nutzen die meisten Internet-User Bildschirm-Auflösungen von 1024 mal 768 Pixel (XGA) und mehr. Damit hat das alte Standard-Format 800×600 (SVGA) endgültig ausgedient und kann aufs Altenteil geschickt werden, wo das grobpixelige alte VGA schon seit langem auf Gesellschaft wartet. Immerhin: Nach Ansicht von »OneStat.com« ist diese Erkenntnis für Webdesigner wichtig. Die entwickeln Websites angeblich immer noch so, dass sie auf olle SVGA-Bildschirme passen. Also: Bitte sofort aufhören damit.

Wenn ich so einen Unsinn höre, rollen sich bei mir sämtliche Zehennägel hoch. Also, lieber Pressemitteilungen abschreibender Nachwuchs-Onlineredakteur: Die Kunde von kaum mehr messbaren 800×600er-Desktop-Anteil ist schon mehrere Jahre alt und wirklich, wirklich, wirklich nichts neues. Und die Schlussfolgerung, dass man deshalb alle Seiten größer aufblähen muss, ist wirklich, wirklich, wirklich falsch. Denn es gibt tatsächlich Menschen, die nicht mit dem Internet-Explorer auf Vollbild im Netz surfen. Selbst in der Spon-Redaktion muss es doch den einen oder anderen cleveren Menschen geben, der eines dieser neumodischen Internet-Handys besitzt oder schon mal eines gesehn hat. Und ICQ-User mit ständig präsenter Buddy-Liste am Bildschirmrand sind so selten nicht. Und es soll sogar Surfer geben, die sich ihre Bookmarkliste oder ihre History als Seitenleiste im Browser anzeigen lassen. All das sind Dinge, mit denen Webdesigner sich beschäftigen müssen. Und genau aus diesem Grunde werden wir, danke, mit Sicherheit nicht sofort damit aufhören, 800 Pixel Breite als Ausgangspunkt und Orientierung für unsere Arbeit zu betrachten.

13 Kommentare

Markus Wulftange

Welch wahre Worte. Die tatsächlich verfügbare Größe des Darstellungsfelds als Maß der Dinge zu nehmen, wäre sicherlich sinnvoller (vgl. Simon Collisons „The importance of window-width“).

Ach und Glückwunsch zum Erreichen des Spendenlimits. Hoffentlich gibt es bald einen knackigen Bericht zum neuen MacBook. Ich spiele auch schon mit dem Gedanken mir eins zu holen. Doch die Berichte über Verfärbungen und die hohen Arbeitstemperaturen schrecken mich etwas ab.

Haken

manche wollen oder brauchen auch einfach grosse buchstaben  …

Frank Hamm

Ich fensterle bei 1680×1050 (Bildschirm) und jedesmal ärgere ich mich, wenn mich eine Website zum Maximieren des Browsers zwingen will. Wenn ich grosse Buchstaben brauche (weil der Abend so lang war …), dann benutze ich Page Zoom (FF extension). Aber nur ich weiß halt wie spät der Abend davor war :-)

typneun

... und ich drück einfach apfel-plus. ;)

Elephas

Ja oder Strg + Scrollrad hoch , bei guten Seiten geht das Design dadurch nicht kaputt. Hier zum Beispiel.

Hondo

Auf spiegel.de zu schimpfen, zeugt zunächst einmal nicht eben von Größe. Völlig unabhängig davon, dass Matthias Kemp weit davon entfernt ist, sich als Nachwuchs-Redakteur titulieren lassen zu müssen. Empfehlung: einfach zwischendurch auch auf die Zwischentöne achten. Zumal die Meldung ja auch noch unmittelbar auf OneStat.com referenziert, die wiederum als große Kenner des Netzes dastehen wollen bzw. müssen, um weiter im Geschäft bleiben zu können.

Gerrit

Sorry, aber wenn ein Online-Newsdienst einfach eine Pressemitteilung voller veralteter Binsenweisheiten zitiert und dann auch noch völlig falsch interpretiert und falsche Schlussfolgerungen draus zieht, dann ist es völlig legitim, die Kompetenz des Redakteurs in Frage zu stellen, ganz egal, ob irgendjemand sich als »großer Kenner« darstellen möchte.

Hondo

Grundsätzlich richtig, aber nicht, wenn die Meldung mit einem durchgängig ironischem Unterton daherkommt. So lese ich das zumindest.

Gerrit

Meinst Du? Für mich klingt die Schreibe zwar betont locker und fluffig, aber nicht unbedingt ironisch. Aber stimmt – in diesem Falle hätte ich das natürlich falsch aufgefasst.

Hondo

Wie gesagt, der Kremp ist anundfürsich ein Kenner der Branche mit jahrelanger journalistischer Erfahrung. Ich kann den letzten Satz daher beim besten Willen nicht anders als augenzwinkernd-ironisch interpretieren. Whatever …

Christian Beier

Ich muss Gerrit aber schon recht geben. Auch für mich liest sich die Meldung wie abgetippt und mit ein paar schlauen Worten garniert.

Meiner Meinung nach ist es bzgl. der Auflösungs-Diskussion wichtig, nicht immer nur auf die Statistiken zu schauen. Sondern es gibt wie erwähnt immer noch die User, die nicht mit maximierten Browserfenster unterwegs sind und diese werden Statistikmäßig (leider) nicht erfasst.

Fabian

wenn man sich SPON mal mit meinem 150 ppi Display und vergrößerten Fonts im Browser anschaut, dann merkt man auch, warum die sowas schreiben: die Webdesigner von SPON haben keine Ahnung.

Siegfried

Hi,
auch von einer Breite von 800px auszugehen ist Blödsinn. Auch wenn nur als Richtlinie oder Anhaltspunkt. Am Besten geht man von gar keinen Gegebenheiten aus. Besonders deutlicher Denkanstoß: Wieviel Pixel breit ist denn die Webseite im Screenreader? Ein funktionales Design fragt nicht nach Anzahl Pixel, sondern nach Bedeutung. Die Bedeutung z.B. eines Teasers bleibt nämlich die Gleiche, egal, ob auf einem Text-only Monitor, einer alten VGA-Glotze, auf dem Lautsprecher, auf der Braille-Zeile, ausgedruckt auf Papier oder maschinell in eine Datenbank einsortiert. Teaser bleibt immer Teaser. Ãœberschrift bleibt immer Ãœberschrift, Fußnote bleibt immer Fußnote und Paragraph bleibt immer Paragraph. Eine Ãœberschrift wird nicht dadurch zur Fußnote, indem man ihre Breite von 800px auf 1024px aufbläht.

Ansonsten: Ich muß zugeben, daß man den Artikel auch ironisch auffassen kann.

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