Neues Stadtlogo für Würzburg

Meine Stadt Würzburg bekommt ein neues Corporate Design, heißt es auf der offiziellen Stadt-Website. Ein Grund zur Freude? Ich weiß nicht recht.

Logo W�rzburg

Zunächst ziemlich unorthodox, dass man zwar ein komplettes Corporate Design in Aussicht stellt, aber (zunächst) nur das Logo veröffentlicht. In meinem Empfinden kann das nicht gut gehen, denn erst im Kontext von Design-Anwendungen kann ein Logo überhaupt so verstanden werden, wie es gemeint ist. Ich hoffe doch nicht, dass man sich auf das Niveau herabbegibt, auf dem man isoliert ein Logo bastelt und dann später drumherum ein paar »passende« Briefbögen und Visitenkarten definiert. Ein modernes und professionelles Corporate Design ist immer als Gesamterscheinungsbild zu sehen, in das ein Signet von Anfang an mit eingebunden ist und parallel entwickelt wird.

Aber auch isoliert betrachtet kann ich dem Signet nicht viel abgewinnen, und zwar aus zwei Gründen:

1) Inhaltlich zuviel des Guten: 6 oder 7 Bauwerke als »Skyline«, dazu der unvermeidliche stilisierte Main, und dann zusätzlich noch die Spiegelung der Festung Marienberg von der anderen Flussseite. Ein Wunder, dass das Müllheizkraftwerk und die s.Oliver-Arena fehlen, denn sonst ist ja jedes Bauwerk vertreten.

2) Keine Stilsicherheit bei der Ausgestaltung: Der Trennstrich zwischen Bild- und Wortmarke hängt einfach mal irgendwo in der Gegend herum, die Schrift ist viel zu mager, hell und nichtssagend gewählt, so dass die Bildmarke komplett übermächtig erscheint.

Grundsätzlich finde ich die Idee der Bildmarke ja gelungen: Eine »Doppel-Silhouette« mit dem Main dazwischen! Doch visuell hätte man das weniger komplex machen können, und ein geübteres Händchen bei der Typografie hätte sicher auch nicht geschadet. Nun ja, man wird sehen, was an weiteren Elementen nachkommt. Auf die Frage, wer denn das neue CD, welches bis Februar 2010 fertig gestellt sein soll (als ob es so etwas wie ein fertiges CD gäbe) baut, weicht die FAQ ganz schön aus:

Die Marketingabteilung des städtischen Eigenbetriebes Congress-Tourismus- Wirtschaft hat in enger Zusammenarbeit mit der Pressestelle der Stadt Würzburg und dem Fachbereich Zentraler Service das Projekt gesteuert. Grafiker Markus Westendorf erstellte über 50 verschiedene Entwürfe für ein einheitliches Erscheinungsbild und das CTW Grafikbüro wird auch für die Gestaltung von Vorlagen und Anpassungen weiterhin zuständig sein.

Nennt mich konservativ, aber ich finde ja den jetzigen Schriftzug, welchen man auf der Website links oben begutachten kann, absolut nicht übel …

17 Kommentare

David

„Nennt mich konservativ, aber ich finde ja den jetzigen Schriftzug, welchen man auf der Website links oben begutachten kann, absolut nicht übel …“
Hm… Eine markante Serifenschrift, weiß auf grünem Hintergrund. Das kommt mir bekannt vor. ^^

Ich finde den aktuellen Schriftzug auch gelungen, in dem Websiteheader wirkt er allerdings etwas an die Wand „geklatscht“.

Weist Du, welche Schriftart für das neue Logo verwendet wird?

Jörg L.

Du magst halt das Grün. :-D
Und nun musst Du befürchten, dass man in Zukunft auf rot und grau setzt.

Martin

Hmm… irgendwie erinnert mich das Logo eher an den Kreml als an Würzburg ;)

paul

Muss ja ein toller Designer sein, der 50 Entwürfe vorlegt …

@David: Die Schrift ist die Linotype Finnegan Regular, bei der immerhin die Ãœ-Pünktchen angepasst wurden – die sind im Original nämlich meterweit vom U entfernt.

DP

Ich kenne zwar weder Würzburg noch dessen Skyline, aber ich mußte sofort an eine Moschee und dgl. denken …

Hätte da »Ankara« oder »Istanbul« daneben gestanden, hätte ich es ohne groß darüber nachzudenken sofort geglaubt :-/

Da Stefan aus F. an der I.

@DP: mir ging es genauso – aber OK, jeder hat bei Logos andere Assoziationen..

dani

Sieht aus wie das Disney-Schloss

Simon Wehr

Schön auch der Text zum Auswahlverfahren. Wir machen einfach mal einen Haufen Logos und lassen das Volk entscheiden, welches es am hübschesten findet. Ich denke, so kann selten etwas Neues das Licht der Welt erblicken. Selig eine Stadt, die ein ordentliches Wappen hat und selbiges stolz vor sich her tragen kann (darf). (Siehe Mainz)

Cedric

50 Entwürfe hat der guet Herr Westendorf abgeliefert? Kein Wunder das nichts ordentliches bei herum gekommen ist. „Quantität statt Qualität” lautete wohl das Motto…

Da Stefan aus F. an der I.

@Georg: naja, der Designbote findet’s gut… Ich nicht so.

Simon

Der Trennstrich zwischen Bild- und Wortmarke hängt einfach mal irgendwo in der Gegend herum

»Fällt dem Gestalter nichts mehr ein, macht er noch ne Linie rein.«

Gerrit

»Wenn der Designer nichts mehr weiß, macht er’n Kreis!«

Perun

»Hast du sonst nix drauf, mach’nen Verlauf.«

:-)

der nächste bitte.

Tyco

@8 Ja, ich hatte auch zu allererst die Assoziation mit dem Disney-Schloss. Eigentlich hatte ich auch erwartet, dass der Vergleich irgendwo in der Kritik vorkommt. ;)

Claus

Mir gefällt die Bildmarke. Wenn man da ein paar Türme weggelassen hätte, wäre es nicht besser geworden. Das hätte die einzelnen, abgebildeten Gebäude herausgestellt. So wird der Aspekt »Stadt« deutlich stärker betont.

Was den Strich angeht, stimme ich der Kritik aber voll zu.

Don

Wenn man solche Sachen macht, ist es meistens der Weg, das man von etwas Komplexen(=die ganze Information) zu etwas abstrakt Einfachen kommt.
Doch manchmal ist das wegrationalisierte Produkt daraus schnöder und langweiliger, als eine wirkliche Eingebung, ein –Bild was man sofort im Kopf sieht.
Dh. Konstruktion ist immernoch langweiliger als Eingebung – wirklich Idee. Nur wirklich begabte und fähige Leute, die sich mit der Materie auskennen und soweit kommen, können da eine höhere Ebene erreichen.
Trotzdem ist das Logo ganz OK, weil es denke ich, den Horizont des Designers wiederspiegelt, man sieht, das er sich Mühe gegeben hat.
Viel Menschen haben zudem Angst(wie ich auch) – bzw. sind an Geld und sonstige Umstände gebunden – ihre wahren Ideen Preis zu geben. Man scheut vor dem luftlehren Raum, wenn irgendwas nicht genau ins Gefüge passt, den Erwartungen gerecht wird.

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