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Gerrit, 12.08.2010

Mal ’ne differenzierte Meinung zu Streetview gefällig?

Es gibt eine ganz schön große Welle derzeit, was Google Streetview betrifft. Grundsätzlich kann man festhalten, dass die gesamte Netzgemeinde (also diejenigen Personen, die sehr viel Interaktion im virtuellen Raum betreiben und das Netz nicht nur zum Shoppen und Zeitung lesen verwenden) hochgradig angekotzt ist von der negativen Reaktion der »nixblickenden« konservativen Bevölkerung, die, von der Sensationspresse angestachelt, jetzt in Scharen gegen die Veröffentlichung der Streetview-Daten vorgehen möchte.

Ich persönlich finde Streetview insgesamt ein bisschen egal. Ja, man kann da mal kurz reingucken, sich über die Nützlichkeit freuen, und das ganze auch schnell wieder vergessen – ähnlich wie ich immer wieder vergesse, dass es Google Earth gibt.

Nicht in Ordnung finde ich jedoch die hämischen Reaktionen auf die geäußerten Ängste der Otto-Normal-Bürger. Das wichtigste Argument gegen Streetview ist offenbar die Angst, dass Einbrecher das eigene Haus und die Gegend via Browser in Augenschein nehmen können, und für erste Vorplanungen ihrer Einbrüche nutzen. Ich finde das keinen allzu blödsinnigen Aspekt. Mal ehrlich – wie gut kennt Ihr euch aus im Einbrecherbusiness? Warum wisst ihr alle so genau, dass diese Vorstellung Schwachsinn ist? Ich weiß es jedenfalls nicht. Natürlich wird Streetview nicht das einzige Instrument zur Observation sein. Aber zur ersten groben Sortierung und Sichtung kann das doch praktisch und zeitersparend sein.

Sehr viel gelacht wird über diesen Zeitungsbeitrag, wo die Streetview-Gegner im gesetzten Alter vor ihrem Haus abgelichtet sind. »Haha, wie blöd kann man sein!« Sehe ich anders. Streetview-Kritiker sind in der Regel nicht grundsätzlich dagegen, dass ihre Fassade von anderen Menschen fotografiert wird, sondern dass vollständiges Bildmaterial an zentraler Stelle, systematisch und korrekt verortet, erfasst und zur Verfügung gestellt werden. Das Foto mit den Rentnern in RP-online: Keine Ahnung, wo das genau ist. Kann quasi überall sein, und besonders viel Details kriegt man aus so einem Ausschnitt eh nicht heraus. Von daher ist das kein Widersprich.

Um das klarzustellen: Ich habe kein Problem mit Google Streetview, ich freu mich auf ein weiteres, womöglich nützliches Tool. Aber macht euch mal nicht zu sehr über die Bedenken und Ängste der Leute lustig! Die geballte Arroganz, die da aus dem Netz schwappt, ist nämlich manchmal nur schwer zu ertragen.

45 Kommentare

  1. Basti am 12. August 2010 #

    Da stehen volle Namen. Ca. 1 Minute googlen und schon weiß man, dass das wahrscheinlich der Mendelweg irgendwo zwischen 40 und 55 ist. Soviel dazu.

  2. Stefan am 13. August 2010 #

    Ich finde es eigentlich eher beängstigend, dass dieser aufgebrachte »Mob« wichtige Freiheitsrechte einschränken möchte, nämlich das ungefragte Fotografieren im öffentlichen Raum. Es geht ja in der ganzen Debatte auch weniger darum dass Daten gesammelt und zentral erfasst werden, das haben zig andere Anbieter schon zuvor gemacht (auch die WLAN Karten), sondern dass die »böse Datenkrake« Google hier zu Felde zieht.

  3. Gernot am 13. August 2010 #

    Wird es jetzt auch nur einen Einbruch mehr geben, den es ohne StreetView nicht gegeben hätte? Nicht-Einbrecher werden durch dieses Tool wohl kaum zu Verbrechern. Und wo sind die vielen Einbrüche durch Google Maps, wo immerhin eine Perspektive eingenommen wird, die man nicht einfach durch »vorbeifahren« selber bekommt? Das Einbruchsargument ist der Größte Schwachsinn, der in letzter Zeit gedruckt wurde, und das kann und sollte man durchaus so sagen, ohne die Leute zu diskreditieren, die diesen Mist glauben.

  4. Gerrit am 13. August 2010 #

    @Gernot: Die Einbruchsidee ist nichts, was man erst gedruckt lesen muss, um um darauf zu kommen. Es ist bei vielen Menschen ganz spontan die erste Sache, an die sie denken, wenn sie von Streetview hören. Ich teile diese Angst nicht, denke aber, dass man sie ernst nehmen muss und mit Fakten dagegen argumentieren, nicht mit Lästern und schwammigem Rumbehaupten.

  5. Michael am 13. August 2010 #

    Also ich weiß ja nicht, aber was kann denn ein Einbrecher bei Streetview sehen, was er nicht durch ein kurzes fahren durch die Straße auch sehen kann?

    Das hier viele Leute Angst haben, dass damit was passiert ist verständlich, vorallen ältere Leute tun sich schwer zu verstehen für was sowas gut sein soll und werden durch die Presse aufgeschreckt und bekommen Angst. Vorallem die extrem Einseitige Berichterstattung ist ein Problem, finde ich. In den Printmedien gibt es NUR negative Aussagen über Streetview.

    Die Leute, die dagegen sind haben sich das meist gar nicht mal angeschaut, oder glaubt ihr, dass die Rentner auf dem Foto wissen von was sie reden?

  6. Marcel Böttcher am 13. August 2010 #

    Mir geht es gar nicht um den gemeinen Bürger, der sich verunsichert in einer Initiative gegen Google stellt. Meine Vorwürfe richten sich an Politik und Medien.

    1. Sachliche Diskussion
    Ganz davon abgesehen, dass die Argumente mindestens fragwürdig sind, fehlt mir auch nur der Hauch eines Versuchs, diese auf stabile Beine zu stellen. Wie hat sich denn die Einbruchsquote in den USA, in Italien, Spanien, Frankreich, den Niederlanden, in Schweden oder Dänemark entwickelt, seit Street View dort eingeführt ist? Hat auch nur ein Täter angegeben, seinen Bruch ja jetzt so viel besser mit Street View geplant zu haben? Ich denke die mediale Berichterstattung hätte uns erreicht.

    2. Der Feind Google
    Okay, das Ausland ist ja viel zu Abstrakt. Bleiben wir in Deutschland: Wie hat sich denn die Kriminalität in Bonn, Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Köln, München und Stuttgart entwickelt? Diese Städte sind schließlich seit über einem Jahr durch die kölner panogate GmbH auf Sightwalk virtuell ziemlich genau so begehbar, wie Google das nun vor hat. Ach, dass es ein Pendant zu Street View in unserem Lande bereits gibt war aus der medialen Berichterstattung gar nicht bewusst?

    3. Die Öffentlichkeit
    Wer sich auf deutschen Straßen bewegt, muss jederzeit damit rechnen, fotografiert zu werden. Und das ist auch gut so. Andernfalls hätten Zeitungen & Co. große Schwierigkeiten, öffentliche Ereignisse zu dokumentieren. Wenn ich mich also dazu entschließe, durch das Rotlichtviertel zu laufen, kann ich als einer der Passanten morgen auf dem Titelblatt der Tageszeitung zu sehen sein. Dem muss ich mir bewusst sein. Ich bewege mich in der Öffentlichkeit.

    Nun ist es ja nicht so, dass Google etwas wirklich neues zeigt. Ja, die Perspektive aus 3m ist eine andere und ja, über die eine oder andere Hecke wird man mehr sehen können, als zuvor. Und wer sich genau hier in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt fühlt, kann und sollte Einspruch erheben.

    Ich kann absolut verstehen, dass sich Bürger verunsichert und durch Google bedroht fühlen. Ich erhebe allerdings erhebliche Vorwürfe gegen die Politik, die nun eine scheinheilige Debatte öffentlichkeitswirksam führt. Und die Medien, die zum Großteil nicht den Eindruck erwecken, sie würden das Thema allumfassend wiedergeben wollen. Es ist ein BILD-Thema und alle machen mit.

  7. Klaus am 13. August 2010 #

    das mit der Arroganz der Netzgemeinde stelle ich auch oft fest, nicht nur was Streetview angeht.

    Die Netzgemeinde hat ohne Zweifel Probleme über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen.
    Sie werfen das Anderen vor und handeln doch auch nicht anders als die Anderen.
    Sie sind genauso arrogant, dumm, ignorant, nett und offen wie alle Anderen auch.

    @Stefan Du gehörst auch zu einem »Mob«, wenn es drauf ankommen sollte. Wir alle tun das. ;)
    Ungefragtes Fotografieren von Menschen ist erlaubt, das ungefragte Veröffentlichen aber nicht.
    Schutz der Persönlichkeitsrechte heißt das und niedergelegt sind diese komischen Persönlichkeitsrechte in einem Schriftsatz mit dem merkwürdigen Namen »Verfassung«, manche sagen auch »Grundgesetz«. ;)

  8. peter. am 13. August 2010 #

    ich finde das einbruchsargument zieht nicht, weil man dann auch telfone verbeiten müßte, mit denen man einen einbruch verabreden kann, autos verbieten müßte, weil man damit zum einbruchsortfahren und die gestohlenen waren wegtransportieren kann… merkste wie abwegig das ist?

    ich sehe das problem auch darin, daß diese ganzen (oder sagen wir mal die meisten) leute die sich hier aufregen überhaupt nich wissen wovon sie reden. im zweifelsfall haben sie sich streetview noch nicht mal angeschaut. irgendwie typisch deutsch. technkgefahrenabschätzung vor fortschritt.

    ich weiß nicht wies den anderen geht, aber wenn man mal irgenwdoe gewohnt hat, wo es streetview gab, dann benutzt man es fast täglich.

  9. Usul am 13. August 2010 #

    Es wird immer wieder behauptet, man will wegen Google Street View Aufnahmen im öffentlichen Raum einschränken. Eigentlich ist das doch gar nicht so. Was man einschränken möchte (und auch sollte), ist das systematische Sammeln von öffentlichen Daten und dessen Katalogisierung. Das Politiker natürlich wieder übers Ziel hinausschießen, ist nichts neues.

    Es ist ein Unterschied, ob Daten für jeden frei verfügbar sind im Sinne von, er kann sie irgendwie telefonisch erfragen oder einfach hinlatschen und gucken, oder ob sie bequem von sonstwo und auch noch in Massen systematisch abfragbar sind (Stichworte Datenbank und Datamining). Scheinbar sieht aber kaum jemand diesen qualitativen Unterschied bei den verfügbaren Daten, der aber durchaus wichtig sein kann. Ob da irgendwas negatives bei rumkommt, sieht man leider meist immer erst hinterher.

    Früher galt mal das Gebot der Datensparsamkeit. Das ist wohl endgültig Geschichte. Gemacht wird, was geht.

  10. Gerrit am 13. August 2010 #

    @Usul: Exakt!

  11. Struwwelhitler am 13. August 2010 #

    German Angst.

  12. Johann am 13. August 2010 #

    Ich bin der Meinung, das man mit Google Earth/Maps viel besser ein Gebäude/Gelände auskundschaften kann. Bei Streetview sehe ich ja »nur« die Frontansicht de Hauses. Bei den anderen tools kann ich mir auch einen Einblick vom Gelände dahinter machen. Währe doch viel interessanter wenn ich wo einbrechen wollte.

    Zudem: Geht mal zu eurer Gemeinde und fragt dort nach einem aktuellem Grundstücksplan.
    In unserem Fall haben wir ein Aktuelles Luftbild bekommen auf dem ich sogar die Hundes***e auf unserem Rasen sehen konnte.

    Mein Fazit: Es geht doch nicht’s über eine kleine Tour mit dem Fahrrad durch die Straßen (Wenn ich Einbrecher währe)

  13. Bastian am 13. August 2010 #

    @Usul: grundsätzlich kann ich Deine Argumentation verstehen, allerdings war es zu früheren Zeiten auch üblich, sich im Telefonbuch mit Namen und Adresse listen zu lassen. Ebenfalls eine zentrale Datensammlung.

    Der einzige Unterschied, der heutzutage meiner Meinung nach besteht, ist der Faktor Zeit. Heute geht es schneller Daten auszuwerten und systematisch zu analysieren. Dafür hat man aber auch wiederum wesentlich mehr Daten zur Verfügung… möglicherweise wirkt sich dies auch wieder auf die Qualität aus. Im Endeffekt werden wir sehen, wohin das führt, aber eine effektive Gefährdung der Privatsphäre sehe ich hier nicht.

    Außerdem bezweifele ich ernsthaft, dass Street-View Gegner im Rentenalter, gehetzt von der Sensationspresse, eine objektive Sicht besitzen und die zentrale Datensammlung als Grund ihres Widerspruchs benennen!

  14. Marcel Böttcher am 13. August 2010 #

    @Usul: Ich möchte dir da komplett widersprechen. Zum einen weil du mit »was man einschränken möchte und sollte« von der Allgemeinheit sprichst, ohne diese gefragt zu haben. Und weil ich als Teil dieser Allgemeinheit da anderer Meinung bin.

    Daten (auch öffentliche) zusammen zu bringen kann (und so sehe ich das im Falle von Street View) enorme Vorteile bringen. Natürlich nicht im Allgemeinen (leider hast du eben nur diese allgemeine Perspektive angesprochen): Mein Kaufverhalten oder Bewegungsprofile sollten, selbst wenn diese öffentlich zugänglich wären, keineswegs zusammen gebracht werden. Bei Bildern der Öffentlichkeit (meine Hausfassade zähle ich zum öffentlichen Bereich) bin ich klar für ein Katalogisieren. Und wieso sollte das nicht ein (ja, wie böse) wirtschaftlich denkendes Unternehmen tun?

    Ich höre bei dir nur eine allgemeine Grundhaltung und eine diffuse Angst heraus, es könnte ja auch negative Seiten bringen. Ja, sich nicht zu bewegen ist natürlich sicherer. Dann jedoch bleibt man auf der Stelle stehen.

  15. Simon Wehr am 13. August 2010 #

    Wenn ich nicht will, dass ich mit meinem Gesicht erkennbar, mein Auto samt Kennzeichen oder meine Hausfassade in so einem Tool abgebildet ist, dann sollte ich die Möglichkeit bekommen, dem zu widersprechen. Ob das Frau Meier oder Herrn Müller lächerlich erscheint, sei bitte deren Problem.

    Man kann und konnte ja auch schon immer auf den Eintrag im Telefonbuch verzichten und bei Auskunft die Herausgabe der Daten verbieten.

    Diese Möglichkeiten des Widerspruchs sind (jetzt) vorhanden.
    Man kann widersprechen und das tun Leute. Ist doch eigentlich alles paletti, oder?

    Nochwas anderes:
    In einem Fachvortrag zum Thema Urheberrecht erfuhr ich folgendes: Wenn ich eine Hausfassade (zb. eines architektonisch bedeutenden) Gebäudes aus Fußgängerperspektive filme (und veröffentliche), ist das OK. Sobald ich mit Kamerakran, Aufbauten o.ä. anrücke, benötige ich (eigentlich) eine Drehgenehmigung samt Erlaubnis des Architekten.

    Wie sieht das bei StreetView aus?

  16. Thomas108 am 13. August 2010 #

    Man könnte ja auch proaktiv gegen Einbrecher vorgehen, indem man ein mehrsprachiges Schild an der Tür anbringt.
    Z.B. so in der Art:

    Liebe Streetview Beobachter:

    Die Balkontüre ist wie alle anderen mit einem Funkalarm ausgerüstet
    Der schicke »Marmor-Springbrunnen« ist nur aus Beton und fest verankert.
    Der Kellerschacht ist verschweißt.
    Der 3 Jahre alte Fernseher ist der einzigste im Haus, hat leider kein Full-HD und ist nur 32 Zoll groß.
    Ausserdem ist der kleine Minihund rechts auf der Wiese in Wirklichkeit viel größer und ein ausgebildeter Kamphund.

    ;-)

  17. kapeka am 13. August 2010 #

    Ich bin da auch hin- und her gerissen. Einerseits finde ich, dass Streetview einfach nur eine konsequente technische Weiterentwicklung dessen ist, was vorher mit mehr Aufwand möglich war.
    Andererseits verstehe ich auf rein emotionaler Ebene die Ängste der Gegner. Diese teile ich aber nur in Bezug auf Persönlichkeitsrechte und da leistet Google mit der Verpixelung bereits gute Arbeit.

    Teilweise erinnert mich die Argumentation der Gegner aber an das, was ich in Lessings »free culture« über die Anfänge der Fotografie gelesen habe: »Die haben kein Recht mein Eigentum einfach so abzulichten!« Diese Ängste gab es auch damals schon und wenn da nicht bewusst Einschnitte im Eigentums- und Persönlichkeitsrecht vorgenommen worden wären, dann wäre Fotografie bis Heute nur ein Spezialgebiet für Landschaftsfotografen. Das kann ja keiner wollen.

    Daher halte ich diesen Argumentationsansatz für ungeeignet.
    Unberührt davon bleibt aber die Frage nach dem Datamining. Und da weiß ich wirklich nicht so recht. Technik, vor allem Informationstechnik, führt doch in der Regel dazu, dass Daten schneller und einfacher verfügbar sind. Musste ich früher im Telefonbuch suchen, und hatte ich in der Regel nur das Telefonbuch meines Ortes, so kann ich heute jede Telefonnummer in jedem einigermaßen weiterentwickelten Land innerhalb von Sekunden abrufen.

    Und so geht das in vielen Bereichen. Was ist an dieser Weiterentwicklung bei Google – die es in Maps ja schon gibt nur halt ohne Streetview – so anders?

    Da fehlen mir die allgemeinen Prinzipien im Umgang mit diesem Thema, die nicht auf eine »Lex Google« hinauslaufen nach dem Motto: Woanders ist das alles Ok, aber sobald Google ins Spiel kommt, ist das Böse. (Oder auch Lex Apple etc.).

  18. Torsten am 13. August 2010 #

    Ein Beispiel, warum ich Streetview nicht möchte:
    Die Personen A und B bewerben sich bei Firma X. Jetzt ruft der Personaler der Firma X schnell mal Google Streetview auf und sieht das Person A in einem schäbigen Mietshaus wohnt und Person B in einem netten gepflegten Einfamilienhaus. Natürlich ist die Fassadenbildinformation nicht geschützt. Er könnte ja auch hinfahren und es selbst anschauen und hätte dieselbe Information. Aber die Hemmschwelle und der Aufwand sind ungleich kleiner es zu tun. Das möchte ich nicht.

    Mal abgesehen davon hat Simon Wehr recht, dass die Kameras nicht auf Fußgängerhöhe sind und somit juristisch höchst fragwürdig ist, ob eine Aufnahme aus dieser Position erlaubt ist.

  19. Simon Wehr am 13. August 2010 #

    Ich bin mir andererseits recht sicher, dass google die rechtliche Lage in Bezug auf die Kameraposition überprüft hat.

  20. Merlin B. am 13. August 2010 #

    Du hast Recht, das Du sagst, dass man vor allem die Ängste der Menschen ernst nehmen muss. Viele kennen Streetview gar nicht und haben deswegen schon Angst davor. Zu der Idee mit den Einbrüchen: 90 % aller Einbrüche werden spontan geplant! Die Einbrecher fahren durch die Straßen schauen ob Licht brennt ein Auto in der Einfahrt steht etc. Man muss mit diesen Menschen sprechen und ihnen Streetview zeigen. Also ihre Angst vor den Unbekannten nehmen.

  21. Torsten am 13. August 2010 #

    Da sind sich die Gelehrten noch nicht einig …
    Zum Beispiel:
    http://www.golem.de/1003/73505.html
    http://www.golem.de/1002/73329.html
    Am Ende wird Google es wie gerade angekündigt einfach tun und es wird jemand Google verklagen. Und erst dann wird (womöglich nach mehreren Instanzen) eine Klarheit existieren, wenn wir bei der höchsten richterlichen Instanz in Deutschland angekommen sind, dem BVerfG.

  22. stk am 13. August 2010 #

    Naja, schauen wir uns das mal an:

    Bilder als Einbruchshilfen

    Kann man als gegeben voraussetzen, wenn man herausfinden moechte, wie die Nachbarschaft aussieht und ob es Deckung gibt. Vollstaendigerweise muss man hier aber anfuehren, dass diese Hilfestellung durch jedes Bild gegeben werden kann, das von oeffentlichem Grund aus unter Ausnutzung der Panoramafreiheit angefertigt wird. Boese Burschen, die vielleicht der Aktualitaet der StreetView-Daten nicht trauen oder irgendwo einbrechen wollen, wo StreetView noch nicht war, fahren einfach mit ihrem Kleinbus durch die Strassen. In der Dachreling sind Kameras, fertig.

    Grundsaetzlich muesste man nun also die Panoramafreiheit als solche in Frage stellen, weil damit tatsaechlich ja Einbrueche unterstuetzt werden koennten. Da haben wir aber wieder die Rechtsgueterabwaegung, und die schlaegt momentan — hoffentlich — immer noch in Richtung der vielen »fair users« aus, denen die Panoramafreiheit viel Stress spart.

    Einbruch an sich

    Bei uns im Landkreis gibt es fuer die Feuerwehren regelmaessige Tueroeffnungsworkshops, weil die auch beim Stichwort »Tueroeffnung mit Gefahr« alarmiert werden (z.B. hilflose Person in der Wohnung). Und da ist es in der Regel so, dass Tueren nicht brachial mit hydraulischem Rettungsgeraet geoeffnet werden, sondern mit einer Vielzahl huebscher kleiner Werkzeuge. Sogar Bump Keys findet man mittlerweile.

    Dass selbst die teuerste Tuer oft mit einfachsten Mitteln geoeffnet werden koennen, wissen Schluesseldienste und Feuerwehren schon lange. Einbrecher uebrigens auch. Und wenn die Tuer wirklich mal einen richtig guten Schliesszylinder hat, ist garantiert hinter dem Haus eine einfache Terassentuer, bei der an zwei Stellen die Schraubenkoepfe abgeschert werden koennen.

    Komischerweise schert sich darum kaum jemand.

  23. Usul am 13. August 2010 #

    @13 (Bastian)

    Das Telefonbuch ist ein geradezu hervorragendes Beispiel! Früher war es praktisch üblich, das jeder, der ein Telefon hatte, auch im Telefonbuch stand, gar keine Frage. Da gab es nur wenig Ausnahmen. Dann aber wurden Telefonbücher auf einmal »zugänglicher«, weil es sie auf CD gab, oder im Internet. Und auf einmal stieg auch der Mißbrauch, man bekam Anrufe von Unternehmen, die sich einfach der Daten bedient haben, oder andere unliebsame Anrufe. Man war auch exponierter, weil auf einmal Suchen nach dem Motto »der und der Vorname in dem PLZ-Gebiet« möglich waren, was in Papierform praktisch unmöglich war. Und siehe da, es kam »in Mode«, sich aus dem Telefonverzeichnis (Buch war es ja nicht mehr zwangsläufig) auszutragen.

    @14 (Marcel)

    Ich meinte die Allgemeinheit nur in dem Sinne, das bei kaum einer Datensammlung vorab erstmal Vor- und Nachteile abgewägt werden. Streetview ist ja da nur ein Beispiel von vielen. Die Vorteile von Streetview sind »überschaubar«, sag ich mal vorsichtig ausgedrückt, das es keine Nachteile hat, bezweifle ich mal massiv, sorry. Aber hat das mal jemand ordentlich abgewägt, geprüft? Die Diskussion wird (leider) recht polemisch geführt, auf beiden Seiten.

    Man kann natürlich auch sagen, typisch deutsch. Kann sein. Aber die »einfach mal machen« Mentalität andere ist auch nicht der Weisheit letzter Schluss, zumindest nicht in jedem Bereich.

  24. Hyperkeks am 13. August 2010 #

    @Torsten (18)

    Bei deinem Beispiel ist nicht Streetview das Problem, sondern die Firma, bzw. der Personaler, der jemanden nicht einstellt, weil er in einem sozialschwachen Umfeld lebt. Weil das einfach mal nichts über seine Qualifizierung aussagt.

  25. amendch am 13. August 2010 #

    @Torsten

    Wenn ein Personaler seine Mitarbeiter wegen des Wohngebietes auswählen möchte kann er dies bereits heute tun, da es bereits Kataloge gibt, in denen durchschnittliches Einkommen etc. einzelner Wohngebiete vermerkt sind.

  26. Sascha am 13. August 2010 #

    Ebenfalls @Torsten (18):
    Die von Amendchen (25) erwähnten Kataloge werden teilweise bereits dafür genutzt um bei Anrufer in Bestell- bzw. Servicehotlines aus bestimmten Wohngebieten weiter hinten oder weiter vorne in die Warteschleife einzusortieren.

    Während ich Gerrits Anmerkungen durchaus nachvollziehen kann, ärgern einfach die Kommentare von Politikern und Medien, die sich außerhalb des Sommerlochs sonst nie mit solchen Themen beschäftigen (oder womöglich hinter Projekten wie dem digitalen Personalausweis, der Krankenkassenkarte oder der Volkszählung stehen – wobei ich nicht im Einzelfall sagen will dass diese schlecht sind). Meine Theorie ist übrigens, dass die Hälfte der Leute die sich jetzt so aufregen in einem Jahr verärgert sind, dass sie ihr tolles Haus nicht ihren Kollegen zeigen können… Mal sehen wann dann die Wiedereinblendung von zuvor gesperrten Häusern gefordert wird! ;)

    Richtig ist jedenfalls den überforderten und unbedarften Bürger über die Vorurteile aufzuklären (s. Streetview als Einbruchshilfe und so ein Quark) und zwar über Vor- und Nachteile! Nur leider ist eine differenzierte Meinung eines nicht so technikversierten Menschen in der derzeitigen Stimmung gar nicht möglich!

  27. Florian Schroiff am 13. August 2010 #

    Simon sprach oben davon, dass Gesichter und Autokennzeichen in Streetview veröffentlicht werden. Das ist nicht der Fall: Gesichter und Autokennzeichen werden unkenntlich gemacht.

  28. Manuel am 13. August 2010 #

    Danke Gerrit, dass auch mal jemand vom Fach versucht, die Bedenken von »Otto-Normal-Bürgern« nachzuvollziehen.

    Ich verstehe viele dieser Bedenken. Ich finde es im Gegenzug sogar seltsam, dass die Bedenken, gerade in Bezug auf die Einbruchproblematik, von der Netzgemeinde meist ins Lächerliche gezogen werden. Denn natürlich ist Streetview ein willkommenes Werkzeug für zwielichtige Gestalten, geeignete Objekte für ihre »Unternehmungen« zu finden.

    Meine Eltern wohnen bspw. in einem alleinstehenden Haus. Mir ist nicht wohl dabei, wenn jedermann sehen könnte, auf welchen Wegen man zum/ins Haus gelangt. Mit Streetview ist es doch so, dass sich Einbrecher noch nicht mal mehr die Arbeit machen müssen, Gegenden abzufahren, um nach potenziellen Objekten Ausschau zu halten. Ich persönlich kann die Bedenken diesbezüglich absolut nachvollziehen.

  29. Salim am 13. August 2010 #

    Ich bin der Meinung das die Diskussion eigentlich nicht um Street View an sich geht sondern um Google, dafür ist Google zu sehr ein reiz Thema für die sogenannten Datenschützer das es zwangsläufig zur Diskussion kommen muste.

  30. Tom am 13. August 2010 #

    Ich möchte ergänzen, dass einer der Gründe weshalb man sich über den im Text genannten Zeitungsartikel amüsiert der ist, dass das betroffene Haus gar nicht an der Straße liegt.

    Das Mietshaus ist von der Straße aus also gar nicht sichtbar und würde so oder so in StreetView nie auftauchen – was eindeutig darauf schließen lässt, dass hier Menschen von den Medien instrumentalisiert werden.

    Diese Leute haben klar erkennbar kein ernsthaftes Ansinnen bzgl. StreetView. Weder in Sachen Datenschutz, noch Einbrecher oder sonst. Sie werden von Medienjuppies öffentlich zum Affen gemacht.

    Dies zeigt nicht nur wie schlecht diese Menschen informiert sind: es zeigt auch wie sensationsgeil die Holzmedien agieren. Jeder Mensch der diese Leute interviewt und ohne Hilfe bis 3 zählen kann, muss doch eigentlich sehen, dass das Haus gar nicht an der Straße liegt.

    Es ist nicht Schuld der Öffentlichkeit wenn sich einzelne über Schwachsinn lustig machen. Wer den Schaden hat brauchte für Spott noch nie zu sorgen.
    Nein: Es ist Schuld des deutschen »Qualitätsjournalismus«, dass der Blödsinn überhaupt gedruckt wird.

  31. Stefan am 13. August 2010 #

    @Klaus
    > Ungefragtes Fotografieren von Menschen ist erlaubt, das >ungefragte Veröffentlichen aber nicht.

    Weshalb es von Google ja auch nicht gemacht wird. ;)

  32. David am 13. August 2010 #

    Danke für diesen sachlichen Artikel. Ich sehe das ähnlich: mir persönlich ist es egal. Sehr interessant finde ich, dass hier von der „Internetgemeinde“ fast einstimmig für den Dienst argumentiert wird (Bedenken gegenüber Google galten werden ja selten akzeptiert). Angenommen, das BMI würde morgen ebenfalls mit Kamerawagen durch die Straßen fahren, und den gleichen Dienst anbieten, der Aufschrei wäre riesig. Dieses Vertrauen in einen internationalen Konzern ist sehr beeindruckend.

  33. nico am 13. August 2010 #

    Ein Aspekt wurde hier bisher nur kurz angesprochen, der meiner Meinung nach aber das größte »Potential« hat: Die Kameraposition.
    Mit (soweit ich weiß) 2.50m sehen die Streetview Kameras deutlich mehr, als ein Fußgänger oder Autofahrer. Da ein Sichtschutz an Grundstücken meistens nur 2m oder 2.2m Hoch ist bekommt man über Streetview mehr Informationen als man normalerweise hätte. Dass man diese auch über Google Earth hätte ist was anderes, aber da ist die Qualität meistens schlechter. Hiervon ausgenommen sind LKW Fahrer, die sitzen meistens hoch genug.

    Hätte Google auf Aufnahmen auf »normaler« Höhe, also z.b. 1,90m gemacht wäre das Argument weg, auch wenn es bisher nur selten angesprochen wurde.

    Andererseits müssen sich viele auch an die eigene Nase fassen: Wo hat Google denn das Geld her, um die Mitarbeiter und Fahrzeuge zu bezahlen?? Verdient, erarbeitet und fast jeder Internetnutzer half und hilft mit.

  34. Marc am 13. August 2010 #

    Ich sehe den Einspruch gegen die Abbildung des eigenen Hauses oder Grundstücks in Streetview auch als eine Art Spamvermeidung. Der Vergleich mit den Telefonbüchern in Beitrag 23 (Usul) ist da sehr treffend. Sobald irgendwelche Daten katalogisiert, aufbereitet und öffentlich für jeden verfügbar gemacht werden, zieht das eine Welle von Diensten nach sich, die unter Benutzung der Daten Geld verdienen wollen. An dubiose Nutzungen wie Einbruchsvorbereitungen denke ich hier noch gar nicht mal. Also – ich möchte keine ungefragte Post von diversen Handwerkern, Gärtnern oder sonstigen Dienstleistern bekommen. Deshalb sehe ich Streetview etwas kritisch.

    Außerdem, so genial, wie der Hype es manchmal vermuten läßt, finde ich Streetview auch gar nicht. Irgendwie wird da auch ganz schön die Werbetrommel für Google gerührt, möglicherweise nicht ganz unabsichtlich.

  35. Frank'n'furter am 13. August 2010 #

    »Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten.« Nach dem Motto – um mal bei dieser Einbrecher- und potentieller neuer Arbeitgeber-Diskussion zu bleiben – sieht es dann wieder schlecht aus, wenn ich mein Haus in Streetview erblinden lasse (oder wie auch immer das aussehen soll). Der bauerngleiche Einbrecher denkt erst recht: »Aha, da ist wohl was zu holen.« und der bauerngleiche Arbeitgeber denkt ebenso: »Der hat was zu verbergen. Wer weiß, was der sonst noch so verbirgt. Oijoijoi.«

    Letzte Anmerkung:
    Wer nicht strippen will, ist potentiell verdächtig. Im Datensammelwahn ist in der spontanen Reaktion unserer Gesellschaft eben diese mittlerweile wieder beim mittelalterlichen Mob angekommen. Wo ist die nächste Kräuterhexe, die von der Mehrheit an den Pranger gestellt wird? »Du hast kein Kreuz an Deiner Tür, buhlst du etwa mit dem Teufel?« Google ist erst Heilsbringer, dann wird’s verteufelt. Da lass ich mir doch lieber den ernsten Schäuble mit all seinen wundersamen Stripper-Ideen kommen, als so’n bunten Haufen, mit buntem Logo und bunten Bildchen, ne? Bei denen weiß man ja erst recht nicht was los ist… Und aus Deutschland kommen die ja auch nicht, oder? Was wollen die eigentlich hier?

    Willkommen im globalen Dorf.

  36. doob am 13. August 2010 #

    das ist die nächste diskussion, die zeigt, dass unsere gesellschaft in der weiter zunehmenden mehrheit aus alten menschen besteht. das eigene haus ausschließen zu können reicht nicht, am liebsten ganz untersagen. leider war das auch nicht die letzte diskussion, die wir führen müssen.

    andererseits: man sollte in alte-leute-zeitungen inserieren mit »ich entferne ihr haus aus streetview« – der- oder diejenige wird sich ›ne goldene nase verdienen.

  37. Zippo am 14. August 2010 #

    @Klaus »Ungefragtes Fotografieren von Menschen ist erlaubt, das ungefragte Veröffentlichen aber nicht.«

    Doch ist es unter bestimmten Bedingungen:

    »Ohne die nach § 22 erforderliche Einwilligung dürfen verbreitet und zur Schau gestellt werden:
    1.
    Bildnisse aus dem Bereiche der Zeitgeschichte;
    2.
    Bilder, auf denen die Personen nur als Beiwerk neben einer Landschaft oder sonstigen Örtlichkeit erscheinen;
    3.
    Bilder von Versammlungen, Aufzügen und ähnlichen Vorgängen, an denen die dargestellten Personen teilgenommen haben;
    4.
    Bildnisse, die nicht auf Bestellung angefertigt sind, sofern die Verbreitung oder Schaustellung einem höheren Interesse der Kunst dient.«

    http://bundesrecht.juris.de/kunsturhg/__23.html

    Das heißt Google bräuchte die Personen eigentlich gar nicht unkenntlich zu machen.

    Viele Grüße von Zippo!

  38. Max am 14. August 2010 #

    Mein Großvater ist 75, dass heisst er zählt zu den Alten. Vor 15 Jahren war er mal in Paris. Als europäische Hauptstadt ist sie schon im Katalog von StreetView registriert. Zusammen mit meiner Großmutter hatten sie ein Hotel genutzt, was günstig, sehr gut aufgeräumt und mitten im Zentrum war. Damals ging man noch ins Reisebüro um eine Reise dieser Art zu planen, deshalb hatte er keine Bestätigungsmail mehr mit dem Namen des Hotels. Als wir letztes Jahr planten gemeinsam Paris zu besuchen, kam natürlich die Idee auf, dieses Hotel wieder ausfindig zu machen. Wenn man jetzt nach einem Hotel in Paris sucht, dann findet man unendlich viele.
    Dank des Erinnerungsvermögens meiner Großmutter und dem Rechner meines Opas, versuchten wir nun das Hotel zu finden. Die Straßenkreuzung und das Viertel waren noch so halbwegs bekannt. Wenn man dann durch die Straßen von Paris ›geht‹ und dabei nach rechts und links schauen kann, ohne dort zu sein, wisst ihr wie toll das ist. Ich bin damit aufgewachsen, aber meine Großeltern kennen das Internet erst seit 4/5 Jahren. Natürlich hatten sie schon mal mit einem Computer gearbeitet, aber diese virtuelle Verknüpfung war unbekannt. Wie wir so durch die Straßen gingen, erinnerten sich meine Großeltern an die U-Bahnstation, von da aus 100 m bis zur Kreuzung und dann einmal 360° drehen. Tatsache, da war das Hotel, einfach den Namen von der Fassade abgelesen, gegoogelt und festgestellt, dass es viel zu teuer war.
    Trotzdem hatten wir es mit einfachen Mitteln und ohne großen Aufwand gefunden. Das Beste daran war die Begeisterung meiner Großeltern für dieses Thema. Danach sind sie ihre Amerikareise vor 10 Jahren mit Google Earth nachgefahren. Auch dafür kann man Google nutzen.
    Man braucht Google StreetView nicht, aber es ist eine gigantische Bereicherung für Alt und Jung.

  39. Don am 14. August 2010 #

    Meine Meihnung zu Streetview:
    Alles was neu ist macht Angst, und wenn man Angst hat, fängt man an zu moralisieren.
    Internet ist irgenwie noch ein Spielzeug, man möchte damit »spielen« und zu dem Spielen gehört auch solche Sachen wie »Streetview«.
    Diese Datamining-Geschichten beängstigen mich auch teilweise weil ich das so (im Sinne von »Verbildlichen«) in meiner eigenen Vergangenheit noch nicht erfahren hab.
    Aber schaut man sich den Menschen an, so möchte er doch auch in Gewissen Sinne diese Dinge. Der Dämon wurde schon geweckt, die totale Offenlegung persönlicher Dinge: Umfeld, Heim, Freunschaft, Beziehung, Kleider, Essen, Erbstücke usw..
    Es geht nicht um die Daten, es geht um Verknüpfung der Daten weil dort ein höher Sinn erwartet wird: das Ganzen, was mehr als die Summe der Teile ist?

  40. Paul am 14. August 2010 #

    Man sollte die Sachen meiner Meinung nach grundsätzlicher betrachten.

    Gewissermaßen ist das Thema schwierig, da es auf öffentlichen Straßen stattfindet. Öffentliche Straßen selbst sind eine fragwürdige Sache. Wären alle Straßen privat, dann wäre das überhaupt kein Thema, da der Eigentümer entscheiden darf.

    Das Fotografieren von privaten Häuserwänden aus öffentlichen Plätzen heraus verletzt niemandes Rechte, da es ohnehin einsehbar wäre. Nur wenn man sich in ein fremden Haus befindet, dann muss man sich nach dem Eigentümer richten. Beispiel: Museen

    Die einzige Frage, die man sich zur Streetview Frage zu stellen hat: Welche deiner Eigentumsrechte hat Google verletzt?

    Klar, man könnte sagen, dass man sich in der Privatsphäre eingeschränkt fühlt, aber das ist nur ein abgeleitetes Konzept, und dies ist kein Recht, dass im luftleeren Raum steht. Privatsphäre ist möglich, indem man sein Eigentum vergrößert/ neu definiert und sich darin »abschottet«. Man kann ja eine große Mauer bauen oder eine lange private Einfahrt vor sein Grundstück pflastern, damit man von der Straße nichts vom Haus sieht. Ein Eindringen in das Grundstück würde die Rechte der Eigentümer verletzen, aber das hat google nie gemacht und wird es auch nie tun.

    Jedes Individuum hat das gleiche Recht (sollte es zumindest haben). Wir dürfen auf öffentlichen Plätzen fotografieren, also darf das auch google (eine Gruppierung von Individuen) . So einfach ist das. Was mit dem Bildmaterial geschieht, spielt dabei ersteinmal keine Rolle. Genauso wie die Größenordnung irrelevant ist. Nur weil sie groß sind, sind sie nicht automatisch »böse«.

    Google verhält sich absolut rechtens und ist moralisch korrekt. Was hier anzuprangern ist, ist die Heuchelei der Politiker und die Vorschläge der Gemeinden, eine google Gebühr einzuführen. Sie haben sich moralisch disqualifiziert, nicht google.

  41. Lukas am 14. August 2010 #

    Kennt ihr aus diversen Science/Fiction Filmen auch diese 3D-Darstellung von was-auch-immer, aber z.B. von der Erde? Ein Klick genügt dem Bediener und die Darstellung zoomt zu dem anvisiertem Ort. Ich finde das faszinierend und ich bin davon überzeugt, dass ich damit nicht alleine bin.

    Nun fängt ein Unternehmen an an unserer Zukunft zu schrauben und führt ganz klar den Fortschritt voran. Aus welchem Grund stößt man damit auf Unverständnis?

    Ich verbinde mit Google StreetView absolut nichts negatives. Ich kann auch keine Nachteile in der offenlegung aller Daten finden – Beispiel: Schweden. Die Schweden hacken sich auch nicht gegenseitig die Köpfe ab oder bestehlen sich gegenseitig wie vom wilden Affen gebissen. Auch mit StreetView nicht.
    Mir stellt sich an dieser Stelle die Frage, wieso dieses Beispiel in Deutschland nicht funktionieren sollte. Sind wir irgendwie anders als die Schweden? Sind wir nicht in der Lage uns zu entspannen?

    Muss die Nachkriegsgeneration erst komplett überholt werden, bevor wir anfangen können normal zu werden?

    Mich stört es einfach – dieses paranoide Hab-acht…

  42. highpicsel am 16. August 2010 #

    Vielleicht ein hilfreicher Beitrag zur hiesigen Diskussion, wenn man sich erstmal mit den grundlegenden gesetzlichen Regelungen rund um das Fotografieren und Filmen in der Öffentlichkeit bzw. an öffentlich zugänglichen Plätzen befasst.

    http://tinyurl.com/panoramafreiheit

    Wenn ich mit einem über 10 m hohen Hochstativ und darauf befestigter ferngesteuerter Kamera Immobilien aufnehmen will, dann brauche ich unabdingbar zunächst die Genehmigung des Grundstückbesitzers oder Imobilieneigentümers in Form eines »Propertyrelease«. Dies stellt sicher noch den einfacheren Teil dar, da überwiegend Auftraggeber und Eigentümer eine Personalunion bilden ;-) und diese Genehmigung meist bei Auftragserteilung direkt über den Kunden abgefragt werden kann.
    Doch sind auf den Bildern zum Beispiel andere benachbarte Grundstücke erkennbar, so wirkt das für einen solchen Auftrag verständlicher Weise schon ganz erheblich verkomplizierender. Vorrausgesetzt man ist sich dieser Lage bewusst und ist nicht so kaltblütig es zu ignorieren ;-)

    Die Kamera auf den Google-Autos ist demnach definitiv per technischem Hilfsmittel zu hoch angebracht als das sie von der Regelung zur allgemeinen Panoramafreiheit gedeckt ist. Ein durchaus bedeutender Unterschied zum Beispiele eben zu den schon vorhandenen und weiter oben erwähnten Betrachtungslösungen in Düsseldorf oder Köln.
    Ich kann mir also auch nicht vorstellen, wie weiter oben mal angeklungen, daß Google da irgendeine »pauschale« Vereinbarung oder Lösung gefunden hat, die seine Aufnahmelösung (Höhe der Kamera) für ganz Deutschland in irgend einer Form genehmigt.

  43. Paul am 16. August 2010 #

    @ highpicsel

    Egal wie hoch das Stativ ist, Google befindet sich auf einer öffentlichen Straße, sobald das Foto geschossen wird. Ich sehe da ehrlich gesagt kein Problem. Das Problem hat eher der Hausbesitzer, der seine Mauer hätte höher bauen sollen. Der Erdgeschossbewohner hätte auch ein/ zwei Stockwerke höher ziehen können. Er ist natürlich nicht gegen ein 10 m Stativ gewappnet :D

    Wenn es da so eine Regelung geben sollte, dann finde ich sie echt unangebracht.

    Wünscht du dir nun, dass google eine Vereinbarung hätte treffen sollen oder stellst du es nur klar?

  44. Anne am 17. August 2010 #

    Verständliche Bedenken hin oder her – irgendwie erinnert das Verpixelnlassen von Häusern doch sehr an die weißen Flecken und fehlenden Straßen auf den DDR- und Sowjet-Landkarten. Oder?

  45. highpicsel am 17. August 2010 #

    @paul

    >Egal wie hoch das Stativ ist, Google befindet sich auf einer öffentlichen Straße, sobald das Foto geschossen wird.

    Öffentliche Straße hin oder her oder ob Du es angebracht findest oder nicht, von der Panoramafreiheit wird nur die Aufnahme ohne weitere Hilfsmittel auf Augenhöhe gedeckt. Siehe unter dem angegebenen Link bei »Kriterium „an öffentlichen“«. Ich habe mir das ja nicht einfach aus den Fingern gesaugt ;-)

    Oder auch nochmal hier zum nachlesen http://www.fotocommunity.de/info/Panoramafreiheit

    >Wünscht du dir nun, dass google eine Vereinbarung hätte treffen sollen oder stellst du es nur klar?

    Ich versuchte nur in meinem laienhaften Verständnis von vorhandenen rechtlichen Regelungen darzustellen, daß Google wohl unter den gegebenen Umständen und rechtlichen Vorgaben nicht damit rechnen kann eine »pauschale« Genehmigung über die Köpfe vieler weiterer betroffener Rechteinhaber hinweg erhalten zu können.

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