Das Zwölfzoll-Macbook, dritte Iteration

Schnellschuss-Reviews zu neu erschienenen Gadgets gibt es zuhauf. Doch wie bewährt sich ein Laptop im Langzeittest? In diesem Falle schreibe ich ein paar unsortierte Gedanken zu meinem MacBook auf, das ich seit Juli 2017 im regelmäßigen, wenn auch nicht ständigen Einsatz habe.

Ist das schicke MacBook mit nur einem USB-C-Port ein fantastisches Gerät, dass ich sehr liebe? Auf jeden Fall! Würde ich das Gerät jemandem empfehlen? Um Himmels Willen, nein! Dieses Paradoxon hat damit zu tun, dass das Gerät, auf dem ich diese Zeilen schreibe, in beinahe jeder Hinsicht perfekt für seine Einsatzzwecke geeignet ist. Da jedoch die Tastatur nicht 100% zuverlässig funktioniert – ohne, dass Apple hierfür eine Lösung anbietet – kann ich keine Verantwortung übernehmen, wenn jemand auf Grundlage meiner Empfehlung 1.500 Euro auf den Tisch legt und dann nicht vernünftig tippen kann. Ja, es ist so schlimm.

Beginnen wir aber mit dem Lobpreis: Das MacBook „adorable“ ist fantastisch leicht und hervorragend verarbeitet. Die Proportionen von Tastatur und Touchpad, die Gewichtsverteilung, das gesamte Look and Feel, sind phänomenal. Das Gerät erinnert mich konzeptionell an mein Vorgänger-Laptop für unterwegs, das Elfzoll-MacBook-Air – nur dass es noch flacher, noch leichter und noch leiser daherkommt. Es hat keinen Lüfter. Wie geil ist das? Sehr geil.

Der Retina-Bildschirm ist brillant, leuchtstark, gestochen scharf und verrichtet völlig ohne Probleme seinen Dienst. Eine besondere Umgewöhnung, wenn ich von meinem hochwertigem 5K-iMac wechsele, ist nicht notwendig.

Die Batterie-Laufzeit bei meinen typischen Tätigkeiten wie dem Vorbereiten von Folien, dem Sortieren und Bearbeiten von Urlaubsfotos, dem Programmieren von Webanwendungen, oder dem Schreiben von Blogartikeln ist stets ausreichend bis zur nächsten Auflademöglichkeit. Sechs bis sieben Stunden bekomme ich hin. Länger kann man sich eh nicht konzentrieren.

Die Tatsache, dass Apple dem Gerät nur einen einzelnen Datenport auf der linken Seite und eine Audio-Klinkenbuchse auf der rechten Seite spendiert hat, empfinde ich als befreiend. Klar, ein Adapter für sporadisch notwendige Konnektivität ist Pflichtutensil für unterwegs, aber so ein kleiner Universalhub ist weniger sperrig als das MacBook-Netzteil samt USB-C-Kabel, was man ja auch dabei haben muss. Beides passt zusammen in ein kleines Herrentäschle, und ich bin für klassisches USB, Ethernet, HDMI und SD-Karten gerüstet. Voll okay – im Alltag keine merkliche Einschränkung.

Zusammengefasst: Das MacBook mit 12-Zoll-Bildschirm ist mein perfektes Gerät für unterwegs und für gelegentliche Home-Office-Tage. Solltet ihr jedoch gesteigerte Wert auf die Zuverlässigkeit der Tastatur legen, lasst die Finger davon!

Die Tastatur des Todes

Ganz ehrlich? Ich hasse das Tippen auf meinem MacBook. Es ist ja schön, dass die Tasten etwas größer und die Spalten etwas kleiner sind. Und durch die neue Mechanik ist es sicherlich möglich gewesen, größere Terrassenakkus einzubauen. Soll mir recht sein. Doch trotz der dritten Revision dieses MacBooks ist es Apple nicht gelungen, die Unzuverlässigkeit in den Griff zu bekommen. Nur wenige Wochen nach dem Kauf war es die Taste 9, welche nur auf jeden zweiten Tastendruck reagierte. Nachdem sich das Problem nach einigen Tagen von selbst erledigte, fing im Oktober die Taste n das Spinnen an. Ich habe dann gelernt, was schlimmer ist als eine Taste, die jedes zweite Mal versagt: eine Taste, die jedes zehnte Mal versagt! Auf einem Buchstaben, den man doch ab und zu mal beötigt.

Auch jetzt noch ist das n eine Taste, die ab und zu Probleme macht. Zugegeben, ich habe die empfohlene Methode, das Gerät im 33,5-Grad-Winkel schräg über den Kopf zu halten und mit einem Abstand von 22,7 cm mit einem Luftdruck von 4,5 bar zu beschießen, aus Trotz nicht angewendet. Ein wenig hoffe ich auf einen Durchbruch seitens Apple, was die Zuverlässigkeitsforschung der Tastaturen angeht. Realistischer wäre aus meiner Sicht jedoch, dass Apple über kurz oder lang am liebsten auf eine Full-Touch-Tastatur gehen möchte, mit Tactile Engine für das Feedback. Mark my words!

tl, dr;

Kauft das neue MacBook nicht; es ist ein fantastisches Gerät mit einem tödlichen Konstruktionsfehler. Wen das nicht stört, der kann damit sehr glücklich werden und sogar so etwas wie Zuneigung entwickeln.

4 Kommentare

Hauke

sorry off-topic: Gern würde mich deine Meinung zum 5K iMac interessieren. Speziell wie du als Webdesigner/Entwickler mit dem erweiterten Farbraum umgehst.

Gerrit van Aaken

Ich weiß nichts von einem erweiterten Farbraum, hat mich auch nie interessiert. Als Webdesigner ist man besser beraten, wenn man sich in eher problematischen Farbräumen von schlechten Bildschirmen orientiert.

Der iMac 5K ist ein Bomben-Gerät – ich habe damit Null Schwierigkeiten und ausschließlich Freude!

Dan

Habe das 2016er 12 Zoll und kann deine “Zuneigung” zum Gerät gut nachvollziehen.
Es ist herrlich, mit dem Gerät zu reisen, ein Steckernetzteil von Aukey mit USB-C und USB-A und mehr braucht es nicht, um auf Reisen das Macbook und das iPhone zu laden.
Display und Formfaktor find ich wirklich schön.

Ein Tastaturproblem hatte ich bislang zum Glück noch nicht - ich achte aber auch penibel drauf, das bloß kein Krümel der Tastatur zu nahe kommt.
Ich hatte dafür mal einen leicht losen Bildschirm, das hat man nicht wirklich gesehen, sondern nur gemerkt. Glücklicherweise wurde dann das komplette Top-Teil getauscht - so war auch der Kratzer im Deckel weg ;-)

fwolf

Bzgl. der Tastaturproblematik: Ich erinnere mich vage, dass Louis Rossmann in einem seiner Videos was dazu gesenft hat. Falls die Suche auf YouTube oder Google-Site-Search zu umständlich ist, evtl. direkt anfragen?

Zum Thema Erweiterbarkeit: Also, wir ThinkPad/Dell/HP-Notebook-Jünger haben da eine phänomenale Lösung parat: Sie nennen es Dockingstation ;)

Man hat hier bei ThinkPad natürlich zig Anschlüsse, aber in Kombination mit einer anständigen Dock würde es mich auch nicht stören, nur die wichtigsten “on board” zu haben, also USB-Port, HDMI / DVI sowie Netzstecker.

cu, w0lf.

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