Die drei Langstrecken-Faktoren

Reichweite, Reichweite, Reichweite – kein anderes Thema steht so im Mittelpunkt, wenn es darum geht, Rechtfertigungen rauszuhauen, warum man denn immer noch kein E-Auto für sich geplant hat.

Dabei wird derzeit fast ausschließlich die Kapazität des Akkus als Reichweitenfaktor betrachtet. Aber es wäre viel klüger, sich noch weitere Faktoren anzuschauen, wenn man die tatsächliche Langstreckentauglichkeit eines E-Fahrzeuges bestimmen möchte. Aber fangen wir mal an:

1. Batteriekapazität

Die alte ZOE hat 22 kWh, der eGolf 32 kWh, der Leaf 2 kommt derzeit mit 40 kWh, der Hyundai Kona mit 64 kWh, Tesla-Fahrzeuge gar mit 75 bis 100 kWh. Eine große Batterie ist schon was Feines – allerdings auch mit Abstand der größte Kostenfaktor und der größte Energierucksack, den ein E-Auto bereits mit 0 Tachokilometern mit sich führt. Li-Ion-Batterien sind in der Herstellung ziemlich energieintensiv, und längst nicht alle Zellen-Hersteller setzen auf Ökostrom. Besser für Geldbeutel um Umwelt also, man entscheidet sich für eine Batterie, die ausreichend groß ist, nicht maximal groß!

2. Aufladegeschwindigkeit

Je schneller ich am Autobahn-Schnelllader Strom tanken kann, desto langstreckentauglicher wird mein Fahrzeug. Und da ist es dann schon entscheidend, ob ich nur maximal 22-kW-Wechselstrom nuckeln kann (wie die aktuelle ZOE), ob ich mit 70 kW an der Gleichstrom-Säule schlürfe (wie mit einem Hyundai oder Kia), oder ob ich gar mit über 100 kW am Supercharger mein Model S von Tesla druckbetanke. Lieber drei Ladestopps mit je 15 Minuten Wartezeit als ein Ladestopp mit zwei Stunden Wartezeit – oder so ähnlich. Große Akkus alleine helfen nicht, wenn man nur langsam laden kann. Es sei denn, man schafft die Wunschstrecke am Stück und(!) kann am Zielort bequem vollmachen.

3. Verbrauch

Ein sparsames E-Auto braucht weniger Akkukapazität für die gleiche Einzelreichweite. Eine Binsenweisheit. Doch kaum jemand weiß, was die einzelnen Fahrzeuge so verbrauchen. Sagen wir es vereinfacht: Unter 100 km/h hängt der Verbrauch vor allem von Antriebs- und Klimatechnik ab (z. B. Wärmepumpe). Über 100 km/h wird dann die Windschnittigkeit wichtiger. Das sparsamste E-Auto ist derzeit der Hyundai Ioniq mit seiner tiefgelegten Tropfenform. Die ganzen ach so modernen SUV-ähnlichen Fahrzeuge schneiden hier merklich schlechter ab. Und auch die fetten Tesla-Schiffe S und X bekleckern sich nicht gerade mit Ruhm, was den Verbrauch angeht, gleichen das eben über die riesigen Akkus und damit teuren Anschaffungskosten wieder aus. Für Einsteiger: Ein sehr guter E-Auto-Verbrauch liegt bei 11–14 kWh auf 100 km, ein schlechter bei 25–30 kWh.

Also, Leute: Bevor ihr zum riesigen Akku greift, checkt erstmal die anderen Faktoren, wenn es um die Langstreckentauglichkeit geht. Der Hyundai Ioniq hat sich da bereits entschieden, kommt mit nur 28 kWh aus, lädt dafür schnell und verbraucht wenig. Ein guter Deal. (Und ja, natürlich kommt bald das Facelift mit 39er-Akku. Dann wird das Ding noch mehr rocken.)

1 Kommentar

Christian

Hi, wie wichtig ist eigentlich die Reifengröße? Früher hatten e-Autos ja relativ schmale Reifen. Heutzutage, im e-SUV Alter, scheint sich ja darum keiner mehr zu kümmern.

Kommentar verfassen

Mit dem Absenden dieses Formulars erklären Sie sich damit einverstanden, dass ich die von Ihnen eingegeben Daten auf meinem Webserver speichere. Ihr Name, der Kommentartext und die angegeben Website werden für die anderen Besucher von praegnanz.de angezeigt. Ich gebe jedoch insbesondere Ihre E-Mail-Adresse nicht an Dritte weiter und nutze diese auch nicht zu Marketing- oder Statistik-Zwecken. Sie können alle Daten zu einem späteren Zeitpunkt wieder entfernen lassen.