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Gerrit, 03.04.2009

Kritik an der re:publica ’09

In einer nicht näher spezifizierbaren Reihenfolge:

  • Gefühlte 85 % der Vorträge wurden mit der falschen Zielgruppe vor Augen gehalten. Die Leute im Publikum wissen bereits, was Wikipedia ist. Sie wissen, wie der Status Quo der Blogosphere ist. Sie wissen auch, was Microblogging ist. Meine allergrößte Bitte an die Darbietungen im nächsten Jahr: Nehmt zur Kenntnis, dass die Zuschauer keine Lokalzeitungsredakteure sind, die erst eingeführt und überzeugt werden müssen, sondern Blogger und Webprofis, die eine Vision für die Zukunft oder zumindest einen anderen Blick auf die vertrauten Dinge erwarten!
  • Gefühlte 65 % der Darbietungen drohten in Lethargie und Halbschlaf unterzugehen. Wie kann man sich nur so uninspiriert und gelangweilt auf den Podiumssesseln herumfläzen? Das ist nicht cool und lässig, sondern unhöflich und arrogant gegenüber dem Publikum. Bühnensituation muss bedeuten: Jetzt Performance bringen! Das klappt tatsächlich auch mit ernsthaften Themen – Cory Doctorow bewies es mit seinem lebhaften und trotzdem seriösem Vortrag.
  • Ich finde es nicht so schlimm, wenn es auf einer Konferenz mal kein WLAN gibt. Es ist ja auch verdammt hart, für über 1.000 äußerst aktive User eine Funkinfrastruktur auf die Beine zu stellen. Man sollte aber im Vorfeld klar kommunizieren, dass es kein WLAN geben wird, und nicht die gesamten drei Tage lang so tun, als würde in Kürze alles besser werden.
  • Der Friedrichsstadtpalast war ein großer Fehler. Die Location war aus vielerlei Hinsicht ein Kommunikationskiller: Die Redner konnten das Publikum kaum wahrnehmen, die Distanz ist zu groß, die enormen Ausmaße der Bühne (auch wenn sie per Vorhang auf ein Drittel verkleinert wurde) schaffte eine leere und kühle Atmosphäre. Dagegen ist die Kalkscheune trotz/wegen der Enge und dem Bunte-Abend-Flair einfach die stimmigere Wahl.
  • Überhaupt, der ganze Größenwahn: drei oder vier Subkonferenzen, die irgendwie niemanden interessierten, dafür aber die Komplexität des Stundenplans gehörig nach oben schraubten und zu zehn parallelen Veranstaltungen führte, was dann die Wahl sehr schwer machte. Ich empfehle dringend, die re:publica wieder runterzudampfen, oder die Subkonferenzen deutlicher räumlich und organisatorisch abzutrennen.
  • Immer wieder peinlich: Englische Vorträge von Deutschen. Warum stehen wir nicht dazu, eine deutschsprachige Konferenz abzuhalten und das Englisch-Sprechen denen zu überlassen, die es können? Ja, man konnte auch das Englisch der Deutschen verstehen, so schlecht war’s natürlich nicht. Aber in ihrer Muttersprache hätten die entsprechenden Personen so viel mehr Charme, Wortwitz und Präzision zeigen können! Somit litten 95 % der Anwesenden unter einem 50 % schlechteren Vortrag, und so richtig glücklich werden damit auch die die 5 % Deutschnichtversteher nicht.
  • Ein bisschen Leid taten mir die Security-Jungs, die die ganze Zeit ihre Posten nicht verlassen durften – und das mit der sicheren Aussicht auf hundertprozentig gewaltfreie drei Tage mit der digitalen Elite Deutschlands.
  • Der inflationäre Gebrauch des Wortes »fail« macht die Tweets der Konferenzteilnehmer nicht origineller.
  • Die Monochrom-Performance habe ich entweder nicht verstanden, oder sie war sehr schlecht. Weiß nicht. Tendiere aber zu letzterem.

Fazit

Ja, irgendwie hat Fefe schon recht. Man muss zwar seine Rhetorik wegfiltern, aber prinzipiell sollte man seine Kritik ernst nehmen. Meines Erachtens braucht die re:publica im nächsten Jahr ein neues Konzept, intensiveres Briefing der Vortragenden und eine gehörige Komplexitätsreduktion. Weniger parallele Veranstaltungen, mehr Fokus auf die Zukunft und bitte nicht immer die gleichen Nasen auf der Bühne. Bitte kein Status Quo mehr, auch das gehört zum Shift!

(Disclaimer: Ich habe selber einen Vortrag auf der re:publica gehalten, fühlte mich jedoch die allermeiste Zeit als normaler Teilnehmer der Konferenz und habe meinen »Sonderstatus« auch nicht ausgenutzt. Außer zwei kostenlosen Club Mate, die ich mir geholt habe.)

Update: Ach ja, die Twitterlesung! Die war überraschend lustig, das hätte ich nicht erwartet. Klar, wenn man sich die Arbeit macht und aus zehntausenden von belanglosen Tweets die absolut besten 100 Aphorismen und »Sitcom«-Sprüche heraussucht und kommentierenderweise vorträgt, ist das schon ein nettes Konzept. Danke!

23 Kommentare

  1. Marc am 4. April 2009 #

    re:pub…was? Digitale Elite? Naja, bestimmt wieder so eine Barcamp-Special-Session-Konferenz für teuer Geld und ohne tieferen Sinn. Mal wieder nix verpasst offensichtlich.

    Aber jetzt mal ernsthaft: Wie kriegt Ihr denn immer so Zeug mit und wer legt fest, dass dort die Elite ist? Ich habe mich bisher zweimal über solche – ähm- Veranstaltungen informiert, wenn ich doch mal was mitgekriegt habe. Dann jedes Mal vorher bei den Eintrittspreisen abgewunken und nach dem »Event« eh nur negative Kritiken gelesen.

    Ist das eigentlich so ein Networking-letztlich-gehen-alle-saufen-Kram? Oder lernt man da auch wirklich mal was? Mir erschließt sich der Sinn nicht wirklich.

  2. Moritz Gießmann am 4. April 2009 #

    Danke, jetzt weiß ich, dass ich nichts verpasst hab. Wollte zwar unbedingt hin, aber mein Zeitplan hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht. Gott sei dank. Wenn ich dafür noch Geld bazahlt hätte, wär’s ärgerlich gewesen. Dann lieber Barcamps.

  3. stk am 4. April 2009 #

    Signed. War meine erste re:publica, und ich war etwas arg ueberrascht, wie traege das dahinplaetscherte.

    Spass gemacht hat’s letztendlich trotzdem.

  4. Daniel Peters am 4. April 2009 #

    Kann dir bei den meisten Punkten nur beistimmen. Ich habe dieses Jahr gemerkt, dass es sich einfach nicht in meine Richtung entwickelt und werde daher nächstes Jahr eine kleine Kreativpause machen. Es gibt andere Events, die da weitaus mehr zu mir passen und die mir persönlich auch mehr bringen.

    Trotzdem war es toll einige Leute wiederzusehen. Allein dafür hat es sich fast schon gelohnt.

  5. stoerungsquelle am 4. April 2009 #

    also viel hab ich nicht verpasst, wenn ich bereits microblogging und wikipedia kenne ;)

  6. Matthias am 4. April 2009 #

    Sind die Umlaute in deinem Feed kaputt, oder liegt es an mir?

  7. Michael am 5. April 2009 #

    Hmm, dazu muß ich jetzt meinen Senf zugeben:
    Zur Sprachfrage: Es ist eine generelle Entscheidung, wie die Konferenzsprache sein soll – und daran müssen sich dann auch alle halten. Auch wenn sie natürlich in ihrer Muttersprache besser sind. Hast du schonmal das »Vergnügen« gehabt, Franzosen oder Asiaten auf internationalen Konferenzen zu hören? Dagegen ist das Englisch mancher deutscher Professoren Gold wert.
    Zur Grösse: Ab einer gewissen Größe wird man ohne parallele Sessions nicht mehr auskommen. Auch wenn kleinere Konferenzen netter sind, klappt das leider nicht immer.

  8. Fiete Stegers am 6. April 2009 #

    Beim Briefing der Redner und der Konzentration auf möglichst zukunftgerichtete Fragen stimme ich zu – man kann aber auch damit nicht verhindern, dass teilweise die banalsten Fragen aus dem Publikum kommen (Was tun? »Das gehört jetzt nicht hierher«?).

    Einer der Organisatoren meinte schon, man müsse überlegen, ob man nicht eine Schiene mit »Basis-Veranstaltungen« anbieten solle, die sich eher an Einsteiger wenden.

    Schlimmer als englische Vorträge war der Versuch einer angeblich englischsprachigen Twitterlesung.

  9. r_r am 6. April 2009 #

    Für mich gabs da schon einige Höhepunkte. Monochrom fand ich sehr schräg, aber schon sehr lässig.
    Cory Doctorow war ein richtiger Klassiker!

  10. Hugelgupf am 6. April 2009 #

    Naja, also zu einem Punkt möchte ich noch was sagen:

    »Wie kann man sich nur so uninspiriert und gelangweilt auf den Podiumssesseln herumfläzen? Das ist nicht cool und lässig, sondern unhöflich und arrogant gegenüber dem Publikum.«

    Ich weiß nicht, ob ich mich da gelangweilt herumgefläzt habe (eher ziemlich nervös), aber bei anderen Vorträgen und Diskussionen ist mir (als Gast) etwas aufgefallen: Viele saßen mit Netbook, Notebook, Zeitung, iPhone, etc da und schauten nur auf ihr Gerät. Als Referent würde ich mich da gestört fühlen – natürlich ist es eine Web-Konferenz, aber müssen deshalb alle gelangweilt auf ihrem Netbook tippen? Einer saß in der Kalkscheune im großen Saal und hat seelenruhig den Freitag gelesen, während Peter Glaser seinen Vortrag gehalten hat… das würde ich als unhöflich gegenüber dem Referenten empfinden. Es beruht also doch ein wenig auf beiden Seiten.

    Bei »Aufgewachsen im Netz« war das glaube ich nicht allzu »schlimm«, da es eine Diskussion war, bei der man Fragen stellen konnte, und kein Vortrag, den man hinterher nochmal hätte nachlesen können. Natürlich kann man sich das (fast) alles noch auf make.tv anschauen – aber man kann bei der Diskussion keine Fragen mehr stellen ;)

    Mehr kann ich dazu aber nicht sagen, da ich nur am Donnerstag Nachmittag da war…

  11. Gerrit am 6. April 2009 #

    @Huglgupf: Mein Kommentar bezog sich ausdrücklich nicht auf die Session, auf der du auf dem Podium saßst (die habe ich nämlich mitverfolgt), sondern in erster Linie auf die Podien im Palast. Und natürlich hast Du recht: Das ständige Getippe und Getwittere muss für manch einen Vortragenden auch sehr unhöflich gewirkt haben. Andererseits: Wo es wirklich spannend und lebhaft zuging, dort wurde auch weniger getippert!

  12. jo am 7. April 2009 #

    @Gerrit: Die Anmerkungen, 85% der Vorträge seien für die falsche Zielgruppe gehalten worden, zeugt von einem recht gesunden Selbstbewußtsein. Mag sein, dass du dich gelangweilt hast. Ob das das beim großen Rest auch durchweg der Fall war, wage ich zu bezweifeln (Jimbo Wales ist geschenkt. Kann passieren sowas).

    Auch die Unterstellung, man habe kein WLAN anbieten wollen, finde ich reichlich dreist. Natürlich ist es nicht schön – wahlweise auch peinlich – dass es nicht geklappt hat. Den Veranwortlichen den Willen abzusprechen, finde ich aber reichlich daneben.

    Dito zum Thema Größenwahn. Wenn mich eine Subcon nicht interessiert, gehe ich da nicht hin. Auf der anderen Seite nehme ich an, dass sich die Teilnehmer der Privacy-Subcon durchaus über Plattform und Rahmen gefreut haben. Warum willst du die ausgrenzen?

    Auch das Fazit verstehe ich nicht so recht. Du möchtest einen Shift, hin zur Professionalisierung. Gradlinig Fokus Zukunft, auf wenig gradlinig Kunstperformances wie die von Monochrom könntest du verzichten. Auf der anderen Seite möchtest du aber zurück zur Kalkscheune, allerdings nicht zum Status Quo.

    Klingt irgendwie nach kommerziellem Business-Barcamp und Abgrenzung von der Basis/den über Babykotze bloggenden Nutzern. Wäre schade, wenn die re:publica diesen Weg gehen würde. Wobei, Cem scheint sowas zu planen.

    @Marc: Die Behauptung, es handele sich bei den Teilnehmern um eine »Elite«, bzw. »selbsternannte Elite«, lese ich insbesondere bei Leuten, die damals im Sandkasten schon Aussenseiter waren. Schade eigentlich, aber nicht das Problem derer, bei denen sich social nicht nicht auf software und commerce beschränkt.

    Eintritt in Berlin war übersichtlich, da kann man auch mal über die oder oder andere Sache hinwegsehen, die nicht so gut gelaufen ist. Finde ich. Wenn man lieber das Rundum-Sorglos-Paket mit professioneller Tagungsbetreuung will, zahlr man wohl eher 800 Euro/Tag und nicht 80 Euro für 3 Tage.

  13. jo am 7. April 2009 #

    Ach, was mir auf dem Heimweg noch eingefallen ist: Ist es nicht auch ein klein wenig widersinnig, einerseits Fokus, Professionalisierung und anspruchsvollere Themen zu fordern, bzw. sich von der »Basis« entfernen zu wollen, auf der anderen Seite aber die vermeintliche Herausbildung einer der realen Welt entrückten Elite zu kritisieren?

  14. Ole am 7. April 2009 #

    Das sind genau die Gründe, warum ich solche Veranstaltungen meide. Sie kosten in der Regel einen Haufen Geld (Webinale == 2000,- EUR ?), aber was nimmt man dafür wirklich mit, was lernt man? Ich lerne 1000 mal mehr, wenn ich täglich meine 50 Blogs lese, Dinge ausprobiere, etc.

    Allerdings ist der soziale aspekt solcher Veranstaltungen natürlich nicht zu verachten. Man kann endlich die Leute kennenlernen, von denen man lernt, indem man ihre Blogs liest… ;-)

  15. der blogcrafter chris am 7. April 2009 #

    auch wenn fefe deinen beitrag auf der pr09 als brigitte-style verbrät, ich mochte ihn und er erheiterte mich. war nämlich durch den witz und charme einfach eines der wenigen lichtblicke auf der konferenz.

    kritiken hagelte es ja zur genüge, auch ich hielt mich da nicht zurück. du beleuchtest aber noch ein paar punkte, die ich völlig vergessen hatte. danke, ich stimme dir da vollends zu. leider. denn die re:publica könnte etwas sehr gutes sein.

    ich möchte, dass sie wieder kleiner und nur in der kalkscheune stattfindet, das hatte mir letztes jahr wesentlich besser gefallen.

  16. Torsten Kärsch - make.tv am 7. April 2009 #

    Insgesamt war es eine gute Veranstaltung. Das »Problem« mit den englischsprechenden Deutschen ist mir auch aufgefallen. Die Kalkscheune war sicherlich intimer, aber der Friedrichsstadtpalast konnte mit dem riesigen Foyer (=Aufenthaltsraum) punkten.

    Wir (make.tv ) hätten gerne beständiges Internet gehabt…

    Bei der Twitterlesung waren wir zum Glück online, die ganze Show gibts hier:
    http://make.tv/republica2009/show/18632

  17. Ralf Bendrath am 8. April 2009 #

    1) Ich war einer der englischsprachigen Deutschen im Friedrichstadtpalast. Wir haben das auf englisch gemacht, weil die Leute von der PrivacyOS-Subkonferenz da im Publikum saßen, und die kamen wirklich aus ganz Europa. Ist halt das selbe Problem wie beim CCC-Kongress: Für ca. 10% TeilnehmerInnen, die nicht deutsch können, macht man ca. 50% der Events auf englisch. Anders bleibt es leider ewig eine rein deutsche Veranstaltung.
    2) Mit »Elite« kann ich nichts anfangen – das kommt doch vor allem von Leuten, die nicht da waren. Für mich war es immer eine Konferenz der Leute, die sich für die digitale Gesellschaft interessieren. Allerdings sollten Markus und Johnny nächstes Mal etwas mehr dafür sorgen, dass auch Leute eine Chance bekommen, die ihnen noch nicht bekannt sind. Aber »Bekannte von Markus und Johnny« != »Elite«.
    3) Die Subkonferenzen haben nicht »niemanden« interessiert. Im Gegenteil. Wenn es dich nicht interessiert, ist das nicht das Problem der re:publica oder der Subkonferenz-Teilnehmer. Deines auch nicht, du musst ja nicht hin gehen. Eigentlich ist es also gar keines. Obwohl – mich hat sehr gestört, dass das PrivacyOS über alle drei Tage parallel zur »normalen« rp lief, so habe ich von beiden viel zu viele Slots verpasst. Hier hätte aber rigideres Timing und durchgehend parallele Sessions in allen Tracks schon viel gebracht.
    4) Das WLAN. Ja, peinlich, klar. Aber ich hatte diesmal eh vor, den Laptop überwiegend im Hotel zu lassen. Ich fahre nicht mehr auf Konferenzen mit echten Menschen, um dann in einen Bildschirm zu starren. Daher: »Bier ist das neue WLAN«.

  18. Toi am 9. April 2009 #

    Das mit der »Digitalen Elite« hättest du aber ruhig weglassen können…

  19. Markus am 9. April 2009 #

    Danke für die Kritik, auch wenn ich vieles nicht teilen kann.

    1. Ein WLAN war geplant und wir haben es mit derselben Gruppe organisiert, die auch schon die beiden vergangenen re:publicas erfolgreich mit WLAN bespielt hat. Dieses Mal ging leider einiges schief und uns als Veranstalter wurde fälschlicherweise die ganze Zeit suggeriert, dass das WLAN bald kommt. Am dritten Tage lief es dann endlich. Das ist unglücklich gelaufen, aber erklärt unsere Kommunikationspolitik. Wir haben echt dran geglaubt, dass die Probleme in den Griff zu bekommen seien, weil uns ständig erählt wurde: »Gleich läufts endlich«.

    2. Klar ist die Kalkscheune gemütlicher. Aber wie Du vielleicht feststellen konntest, hätten wir mehr als 1/3 der Teilnehmer auschließen müssen. Aus Veranstaltersicht ist das ein ungelöstes Problem: Macht man einfach zu oder versucht allen Interessenten einen Zutritt zu ermöglichen und nicht nur den Frühbuchern. Wir haben uns dafür entschieden, den Friedrichstadtpalast dazu zunehmen. Mir hat es gefallen und die Meinungen sind da geteilt.

    3. NIcht alle Teilnehmer sind Webprofis wie Du und ich. Wir haben die Situation, dass ein wachsender Teil der Besucher nicht so tief in der Materie stecken und das Programm alle bedienen muss. Deshalb ist es auch so vielfältig. Ich teile nicht die Ansicht, dass 85% der Vorträge mit der falschen Zielgruppe im Auge geführt wurden. Den Vortrag von Jimbo Wales fand ich persönlich auch etwas misslungen, aber Du kannst Dir sicher sein, dass ich ihn richtig gebrieft habe und er eigentlich auch über Open-Government als Schwerpunkt reden sollte. Trotzdem hab ich viel Feedback von Menschen bekommen, die nicht so tief in der Materie stecken und sich über den Talk sehr freuten. Aber wir schauen, dass wir beim nächsten Mal im Programm die Talks besser ausweisen in »Beginner« und »Fortgeschrittene«.

    4. Fefes Kritik? Mag ja sein, dass die Hintergründe nicht so bekannt sind: Ich hatte vor dem letzten Chaos Communication Congress eine kleine Meinungsverschiedenheit mit ihm, weil er als Teil des Programmteams viele politische Talks abgelehnt hat mit der Begründung, das sei alle Meta und interessiere niemanden. Insofern finde ich es eher belustigend, dass er der re:publica vorwirft, zu wenig Politik zu bringen (wir hatten mehr Politik als auf dem 25C3) und wir stattdessen auch Talks wie Deinen rein nehmen, um viele Facetten abzubilden.

    5. Zu den Subkonferenzen: wie Dir vielleicht aufgefallen ist, waren der PrivacyOS und die re:health räumlich getrennt und die IBM-Subkonferenz in der Lounge des Friedrichstadtpalast. Reichte das nicht als räumliche Trennung? Mit der BpB und der Aktion Mensch hatten wir Partner für Subkonferenzen, die unsere Programmpunkte gesponsert haben und die deshalb im großen Saal der Kalkscheune liefen.

    6. Deutsche Speaker auf englisch: Da gab es drei und Ralf hat die Gründe auch schon genannt. Sonst vermeide ich es auch, Deutsche Redner auf englisch sprechen zu lassen. 3 aus 180 Teilnehmern sind meiner Meinung nach nicht unbedingt eine Grösse für Deine These.

  20. Henrik am 14. April 2009 #

    Hmm, ich frage mich ob einige Sprecher und Organisatoren das ganze nicht einfach als konstruktive Kritik auffassen können. Denn diese Kritik kommt eben von aussen, den Besuchern, den Zuhörern, den zahlenden Gästen, den Usern eben.
    1.) das mit dem WLAN mag ja alles doof gelaufen sein, ABER dann hätte man bei einer lediglich 3 Tage dauernden Veranstaltung und nach ca. sagen wir mal 2-3 Stunden Tagungsverlauf das ganze schon abblasen sollen. So ist es auf eine ganz schlechte Kommunikation und PR aller Beteiligten herausgelaufen (siehe niemals leere Versprechungen machen und immer ehrlich bleiben).
    2.) Warum. Das ist die Kernfrage. Warum MUSS es denn so Riesengross sein? Warum muss ich denn wirklich alen gerecht werden? Warum diese vielen Subkonferenzen, die alle Kommunikation kaputt gemacht haben? Warum muss es in der Wirtschaftskrise so überkandidelt sein? Warum muss ich so viel dafür ausgeben bzw. als gast so viel zahlen? Warum?
    Hätte es nicht auch eine kleinere Veranstaltung getan oder von mir aus auch zu EINEM Thema 2-3 kleinere?!
    3.) Deutsch vs. Englisch. Ich denke das ist eher das kleinste problem, oder?! Als Organisator kann man es nun mal nicht jedem recht machen. Entweder man macht einen CfP und gibt einige Richtlinien vor oder man bekommt alles. Wo soll die Veranstaltung hingehen? Wenn man Fachpublikum und angehendes ansprechen will sollte das anders aussehen als bei einer Wald& Wisenveranstaltung.
    4.) Vergleich zum CCC-Congress. Nun, es gibt sehr viele paralellen im Aufbau und der Nutzung gegebener Strukturen. Da hätte man nach den Erfahrungen der letzten Jahre wirklich mehr erwartet!
    5.) Qualität != Quantität. Auch die Qualität und der Inhalt der Vorträge war oftmals (ich will nicht sagen immer) eher Durchschnitt, die redner haben sich eher selbst gern reden gehört oder wenn die Möglichkeit bestand auf Kosten von Fragen aus dem Publikum mehr als zu oft Worte wie »das ist mir doch egal« oder »Ach, der ist sch***« oder »kommen Sie bitte nacher mal zu mir. ich hab da nen Job für Sie« zu hören.

    Fazit: nächstes mal das ganze bitte etwas kleiner, eine Aufteilung z.B. in einen Advanced und einen Pro Bereich (oder wie man das aufteilen möchte), die Technik bitte einen tag vorher fertig haben, bessere PR Planung und Durchführung und Vortragsmässig nicht wieder die ollen Kamellen von letztem Jahr wieder aufwärmen.

    P.S.: Ein Wort noch zu dem System von make.tv: ich bin DAVON an sich sehr angetan. Auch in der grossen Not, das man keine Internetanbindung hatte, hat man zumindest mit dem Ton soweit aushelfen können, das man über ein iPhone gestreamt hat. Es ist aus dieser Sicht gesehen ein schnelles, flexibles und Anwendungsfreundliches System. Weiter so! Ich hoffe das System von make.tv noch öfters anzutreffen (mit besserer Infrastruktur dann aber versteht sich).

  21. Gerhard am 15. April 2009 #

    „Für ca. 10% TeilnehmerInnen, die nicht deutsch können, macht man ca. 50% der Events auf englisch. Anders bleibt es leider ewig eine rein deutsche Veranstaltung.“ (Ralf Bendrath)

    Und schließt dabei die sicherlich nicht gerade wenigen Teilnehmer die über keine ausreichenden Kenntnisse dieser Fremdsprache verfügen von der Teilnahme aus.

  22. Gerhard am 15. April 2009 #

    Ich habe gerade versucht mir die Aufzeichnungen von der re:publica anzuschauen. In den ersten Minuten sind nur in einem beeindruckenden Stimmengewirr ziemlich planlos herumsteuernde Menschen zu sehen. Wurde auf der Bühne noch etwas anderes gemacht als irgendwelche Rechner zu reparieren? Dafür ist mir meine Zeit wirklich zu schade.

  23. kluelz am 19. April 2009 #

    >Wenn man lieber das Rundum-Sorglos-Paket mit professioneller Tagungsbetreuung will, zahlr man wohl eher 800 Euro/Tag und nicht 80 Euro für 3 Tage.

    Ja, das sind dann aber auch Fachtagungen mit Infos, die man nicht eh schon kennt. Ich verstehe sowieso nicht, wieso da Leute 3 Tage Einnahmeausfall hinnehmen um zu einer als Tagung angekündigten BloggerTwittertreffen zu fahren um sich anzuhören, was eh jeden Tag den ganzen Tag in die Blogs und Tweets gepostet wird.

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