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Gerrit, 29.11.2007

Ist Podcasting noch zu retten?

Vor über drei Jahren als hoffnungsvolles neues Online-Medium gestartet, fristet Podcasting heute ein Schattendasein zwischen Zweitverwertung und Stagnation. Wie konnte das passieren? Ein paar Gedanken über den drohenden Untergang des zeitversetzten Webradios.

Auf der New Media Expo in Las Vegas/USA wurde dieses Jahr Podcasting zu Grabe getragen. Eine traurige Angelegenheit, für alle Beteiligten. Aber wahrscheinlich die einzig richtige Reaktion auf das, was diesem jungen und aufstrebenden Medium in den letzten Monaten so alles widerfahren ist.

Podcastingrip

Natürlich ist das alles ein wenig polemisch, denn wer würde einer Technologie den klinischen Tod bescheinigen, die weltweit von Millionen von Menschen genutzt wird, und die wahrscheinlich jeder dritte Internetsurfer von Namen her kennt? (Genaue Zahlen habe ich nicht parat; dies ist ein Essay, keine Studie). Nun, es kommt darauf an, wie man den Tod definiert. Wenn eine Kombination aus »umgedeutet«, »missinterpretiert«, »überdeckt«, »veralltagt« und »corporatisiert« für einen Totenschein ausreicht – so sei es denn. Außerdem glaube ich persönlich, dass die Anzahl der »echten« Podcast-Nutzer ziemlich gering ist. Doch was sind »unechte« Podcasting-Nutzer, möchten Sie wissen? Ganz einfach: Lesen Sie einfach diesen Artikel, dann wissen Sie, was ich meine!

Zunächst einmal: Ich bin immer noch ein unfassbar großer Podcasting-Fan. Kein Wunder, habe ich doch in den Anfangstagen (Ende 2004 bis Ende 2005) dieses Medium durchaus mitgeprägt, teils durch mein Podcasting-CMS Loudblog, teils durch meinen eigenen privaten Podcast praegnanz.de/podcast und vielleicht auch ein bisschen durch die Mitbegründung des Vereins deutschsprachiger Podcaster e. V. Inzwischen bin ich jedoch nur noch Podcasting-Hörer – sieht man von gelegentlichen Gastauftritten in meinen Lieblingssendungen ab, die da wären: bits & so, Technikwürze und Werbeblogger.

Diese drei Beispiele sind übrigens gut: Es sind echte Audio-Podcasts. Und zwar nach der alten, ursprünglichen Definition: Regelmäßig oder unregelmäßig erscheinende Media-Dateien, die sowohl über eine Website, als auch über einen RSS-Feed zum Download-Abo angeboten werden. Besonders wichtig dabei: Es handelt sich immer um eine Serie von downloadbaren Dateien. Keine Einzelproduktionen, keine Streams. Diese Betrachtung führt uns direkt zu …

Todesursache Nr. 1: Podcasts, die keine sind

Wie schon gesagt: Podcasting ist in aller Munde. Doch weiß eigentlich jeder, wovon er da spricht? Natürlich nicht. Neulich nahm ich an einem Kundengespräch Teil, wo es darum ging, eine Corporate Website für ein großes B2B-Unternehmen zu konzipieren. Zögerlich schlugen wir vor, man könne ja über einen Corporate Podcast nachdenken – »Jaja, das haben wir uns auch schon überlegt! Ein Blog auf keinen Fall, da muss man ja ständig was schreiben. Aber so zwei, drei Podcasts auf der Seite würden das gut auflockern!«

Tja, was soll man sagen? Der Begriff »Podcast« steht de facto (zumindest im deutschsprachigen Raum) für eine Audio- oder Videodatei im Netz. Nichts von wegen Serie, regelmäßig, Feed, Download. Alles egal, Hauptsache es bewegt sich und/oder macht Krach. Das ist ein Podcast. Na, dankeschön. das hatten wir 1997 auch schon mit RealAudio und Konsorten.

Witziges Detail am Rande: Dort, wo man mit Fug und Recht von einem echten Podcast sprechen kann, ist man oftmals verschämt, das Wort in den Mund zu nehmen. Der lupenreine Kanzlerin-Podcast von Frau Dr. Merkel wird in den Medien stets immer nur als die »wöchentliche Videobotschaft« zitiert. Ein zu großes Fass würde man mit dem neumodischen Wort »Podcast« aufmachen, so scheint es.

Zwischenfazit: Der Begriff »Podcast« ist zwei Dritteln der Bürger nicht bekannt. Wer ihn kennt, der ordnet ihn mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit falsch ein.

Todesursache Nr. 2: Podcasts verlieren gegen Blogs

Äpfel und Birne soll man nicht vergleichen, dennoch liegt es hier mehr als nahe: In Deutschland sind Blogs und Podcasts fast zeitgleich in der Mainstream-Medienberichterstattung angekommen, vielleicht haben Blogs ein halbes Jahr Vorsprung. Auf jeden Fall steht außer Frage, welches der beiden Medien die auf Dauer größere Relevanz besitzt: Blogs arbeiten mit Vernetzung, Blogs sind durchsuchbar, Blogs können statistisch aufbereitet werden, Blogs können einen PR-Gau anrichten, usw. Tja, ein textbasiertes Medium hat es eben leichter, weil Texte semantisch erfasst, atomisiert, neu zusammengesetzt, woanders wiederverwendet und natürlich verlinkt werden können. Das macht sie flexibel und mächtig.

Blogs sind durch Kommentare und Trackbacks auch noch interaktiv. bei Podcasting ist der Weg zum Mitmachen durch den zeit- und ortsunabhängigen Konsum schwierig. (Eigentlich ist Podcasting gar kein richtiges Web2.0, weil die Vernetzung fehlt.) Natürlich gibt es Mischformen: Blogs, die ab und zu einen Audio- oder Videobeitrag bringen, auf den dann auch iTunes anspringt und ihn herunterlädt. Aber dies ist eher die Ausnahme. Die Nutzungssituation ist einfach eine andere. Blogs sind das Web-Medium Nummer Eins. Podcasting nutzt das TCP/IP-Protokoll nur als schnöden Übertragungskanal von Dateien.

Zwischenfazit: Wenn ich der Welt etwas Wichtiges mitzuteilen habe, dann schreibe ich das in mein Blog, dann wird das auch zeitnah gelesen und diskutiert. Ein Podcast verbreitet seine Inhalte zu langsam und ist zu umständlich in die vernetzte Webkommunikation eingebunden.

Todesursache Nr. 3: Der Unterwegs-Mythos

Glaubt man der zweiten Podcastumfrage von Alex Wunschel (und das sollte man tun), dann ist ganz klar: Die meisten Hörminuten verbringen die Podcast-Nutzer nicht etwa unterwegs mit ihrem iPod, sondern selbstredend zu Hause am Monitor.

Die Idee, dass man sich jeden Morgen seinen mobilen MP3-Spieler mit den frischesten Podcasting-Sendungen vollknallt und diese dann auf dem Weg zur Arbeit hört, ist definitiv überbewertet worden. Selbst als ich bis vor kurzem noch jeden Tag 75 Minuten Pendelzeit hatte, habe ich mir höchstens alle drei Wochen eine große Ladung an Sendungen auf den iPod gespielt. Von Aktualität war da keine Rede mehr – die ganzen Gewinnspiele waren immer längst vorbei.

Doch selbst wenn man sehr diszipliniert ist: Das regelmäßige Bestücken des MP3-Players mit frischen Tracks ist ganz schön aufwendig. Immer noch. Denn obwohl aktuelle Geräte inzwischen mit WLAN-Fähigkeiten daherkommen, sind sie nicht in der Lage, sich die Daten direkt aus dem Netz zu ziehen. Immer noch muss man den nervigen Umweg über den Rechner gehen, auf dem iTunes oder Juice zu laufen hat. Selbst ich als Mega-Enthusiast und Technikfreak habe da nicht immer Bock drauf. Wie soll es dann zum Mainstream werden?

Darüber hinaus halten es die HiFi-Hersteller immer noch nicht für nötig, in ihren Autoradios eine schlichte Klinkenbuchse an der Frontseite anzubringen, die es einem maßgeblich erleichtern würde, Podcasting im Auto zu hören. Krückenlösungen mit FM-Sender taugen nichts, und proprietäre iPod-Anschlüsse in hochpreisigen Automodellen sind auch nur bedingt zuträglich.

Zwischenfazit: Unterwegs Podcasts zu hören ist immer noch ziemlich aufwändig und anstrengend. Dies ist kein würdiger Zustand und verhindert den Durchbruch des »anywhere, anytime«-Gedanken!

Todesursache Nr. 4: YouTube

Ende 2004 ist Podcasting so richtig gestartet, und bereits im Februar 2005 ging dann YouTube ans Netz, wieder einige Monate später viele, viele Nachahmer. YouTube hat mit dem ursprünglichen Podcasting eigentlich fast gar nichts zu tun:

  • Es gibt keine RSS-Feeds und keine downloadbaren Dateien
  • Die Videos sind im Flash-Format und von daher exklusiv im Browser abspielbar (wenn man nicht tricksen möchte oder kann)
  • Weite Teile der Videos sind Einzelbeiträge und/oder Mitschnitte aus dem Fernsehen

Natürlich gibt es in der YouTube-Szene eine Menge an hochgradig gut gemachten, regelmäßig erscheinenden Videoblogs, die locker auch als Podcasts (nach der alten Definition) durchgehen würden. Aber irgendwie juckt das niemanden mehr. YouTube guckt man am Rechner, und wenn man einen Dreiminüter zu Ende geguckt hat, ist der nächste nur einen Mausklick entfernt. Dies ist nicht das Konzept von Podcasting, wo man sich bestimmte Kanäle auswählt, diese automatisch runderladen lässt und irgendwann später offline guckt.

Obwohl es unterschiedliche Nutzungssituationen abdeckt, hat YouTube (und seine Nachahmer) ganz erheblich dazu beigetragen, dass Podcasting in Vergessenheit geraten ist. Es kann eben nur eine kleine Menge an multimedialen Internet-Techniken geben, die gleichzeitig »in« sind und den Mainstream beherrschen.

YouTube ist (im Gegensatz zu Podcasting) einfach zu bedienen, kurzweilig, zentralisiert, unkompliziert und unverbindlich. Offenbar sind das die Attribute, die zählen. Das merken auch einige große Consumer-Marken und bauen sich eigene, marketinggeschwängerte Online-Videoplattformen wie beispielsweise bmw-web.tv, eine Art Mini-YouTube, ausschließlich für Werbe- und Imagevideos des bayerischen Automobilherstellers. Hätten die sich mit einem ollen Corporate Podcast zufrieden gegeben, für das man regelmäßig Inhalte produzieren muss? Nein. Eine Kampagne ist ein einmaliges Ding, laufende Kosten und Mühen, die bei einem Podcast anfallen würden, sind unerwünscht.

Ganz böse verhält es sich mit Sevenload. Der deutsche YouTube-Klon bietet auf der Plattform eine Reihe Podcasts an, die ihren Namen nicht verdienen. Sie bestehen aus populären, echten Podacsts, die per Feed auf Sevenload aggregiert werden und dort per Flashplayer angehört werden können. Doch die Feedadresse wird nicht auf Sevenload hinterlegt, genausowenig wie ein Download-Link. Dafür muss man dann auf die originale Podcasting-Seite gehen (wenigstens hier hat man sich zu einem Link hinreißen lassen), auf der es dann die gleichen Inhalte plus Feed plus Download-Link gibt. Hier sieht man, wie auf den Plattformen das Online-Anhören gepusht, während das orts- und netzunabhängige Hören erschwert wird

Zwischenfazit: Das Zeitbudget für multimediale Inhalte aus dem Netz ist begrenzt. YouTube und Co. haben ihren Teil eingefordert und es sieht so aus, als ob das ursprüngliche Podcasting darunter gelitten hat, bevor es richtig groß werden konnte.

Todesursache Nr. 5: Stagnation der privaten Szene

Was waren wir high! Es wurde Brecht zitiert, der Bürgerfunk aus der Mottenkiste geholt, Demokratisierungs-Revolutionen heraufbeschwört und so weiter. Nachhaltig umgewälzt wurde dann alles in allem nicht viel. Annik Rubens herzt sich weiterhin tapfer durch Schlaflos in München, Thomas Wanhoff schwadroniert immer noch über die Wunderbare Welt der Wissenschaft und die Podparade sammelt unvermittelt das Beste aus der gemafreien Musikwelt.

Natürlich gibt es auch neue Shows von neuen Leuten. Natürlich liest man, dass die Gefühlskonserve einen Preis bei den BOBs gewinnt. Und selbstverständlich behauptet niemand, dass die privaten Podcast-Macher nicht wahnsinnig viel Freude mit ihren kleinen Projekten haben. Aber wichtig, groß oder global relevant ist das alles nicht. Die Zahl der aktiven Podcast-Sendungen liegt bei unter 2000 Stück (derzeit knapp 1800 bei podster.de), und wenn mich nicht alles täuscht, war diese Zahl auch vor einem Jahr schon aktuell.

Es tut sich nichts Spektakuläres, Alltag ist eingekehrt. Ich finde Alltag nichts schlechtes. Aber im Falle von Podcasting ist der Hype zu schnell eingebrochen, als das irgendjemand sich an die vermeintlich glorreichen Tage erinnern können wird. Es ist nur folgerichtig, dass der Podcastverband vor einigen Wochen seine Auflösung bekannt gegeben hat. Wo keine Träume und Ziele, da kein Verband notwendig. Podcasting ist ein bilaterales Geschäft, das von Einzelprojekten einzelner Leute getrieben wird. Eine Community aus Machern zu bilden, die sich gegenseitig zu Höchstleistungen hochschaukeln, das ist gescheitert.

Zwischenfazit: Wer reich werden will, macht einen virtuellen Pokerschuppen auf. Wer berühmt werden will, braucht eine krasse Rockband und eine MySpace-Seite. Privates Podcasting eignet sich nicht für die große Welle.

Todesursache Nr. 6: Die etablierten Medien

Im August 2005 hieß es im Oxford Dictionary of English: »Podcast – digital recording of a radio broadcast made available on the internet for downloading to a personal audio player.« Die ganze Szene hatte sich zurecht darüber aufgeregt. Podcasting könne man nicht auf die Zweitverwertung von Air-Inhalten reduzieren, schließlich gäbe es eine riesige Menge an Produktionen, die exklusiv für das on-demand-Medium erstellt wurden, allen voran natürlich die privaten Amateursendungen (siehe oben).

Haben Sie mal einen Blick auf die aktuelle Top 100 der iTunes-Podcasting-Charts geworfen? Eben. Die damals falsche Definition ist nachträglich doch noch zu einer de-facto-Wahrheit geworden: Geschätzte 85 Prozent sind recycletes Material von Radiostationen und Fernsehsendern. Das war immer die Horrorvorstellung der frühen Podcaster: Dass unser schönes neues revolutionäres Bürgermedium zu einem stumpfen Verteilungskanal für die Häppchenkost aus dem etablierten Mainstream wird.

Zugegeben, dies ist nicht der Tod des Mediums, aber der Tod der dazugehörigen Aufbruchstimmung, was die inhaltliche und konzeptionelle Seite angeht. Immerhin sind dies aus technischer Sicht echte Podcasts. Das ist ja schon mal lobenswert. Das ZDF hingegen hat ja mit der neuesten Inkarnation seiner Mediathek eher auf das YouTube-Featureset geschielt. Online angucken: ja, Download oder RSS-Abo: nein. Es wurde leider darauf verzichtet, sämtliche Inhalte auch als Podcast zur Verfügung zu stellen; Man bietet nur bei ganz vereinzelten Sendungen einen extrem gut versteckten Podcast-Feed an, der aber nicht innerhalb der Mediathek verankert ist.

Nicht so hinterm Berg halten die Rundfunksender mit dem Wörtchen Podcast. Bei jedem halbwegs längeren Wortbeitrag heißt es am Ende, dass man dieses schöne Stück auch »als Podcast« nachhören könne. Lobenswert, auf jeden Fall! Gemeint ist natürlich, eine einzelne Datei anzuhören und vielleicht sogar runterzuladen. Ob die Moderatoren wohl wissen, dass man sich das auch abonnieren kann und damit den On-Air-Betrieb prinzipiell ablösen könnte, gerade bei nicht so aktuellen Wissensthemen? Nun gut, bleiben wir auf dem Teppich. Zweitverwertung hin oder her – die Radiostationen sind zumindest näher dran am Podcasting als viele andere.

Zwischenfazit: Podcasting als Sammelbehälter für komprimierte Funk- und Fernsehkonserven? Das hatten wir uns anders vorgestellt. Nun ist es so gekommen.

Gesamtfazit

Schon Wochen nach der Erfindung von Podcasting war vielen sonnenklar, dass sich der Begriff nicht halten würde. Dass Podcasting irgendwann in Form einer wie auch immer gearteten Software- oder Hardware-Blackbox verschwindet, wobei die Technik erhalten bleibt, es dem User aber egal sein kann, wie das zu funktionieren hat.

Offenbar sind wir noch nicht so weit. Wer wirklich zeitversetzt und offline konsumieren möchte, muss sich mit den Tücken der Technik auseinandersetzen. Der begriff Podcasting schwirrt immer noch sehr präsent durch die Radiostationen und PR-Agenturen, doch kaum jemand verwendet ihn korrekt.

Es ist ein diffuses Bild, das durch eine Mischung aus Unwissenheit, Marketing und Medienkonservatismus entstanden ist. Vielleicht steckt einfach zu wenig Geld im Podcasting, so dass kein Anreiz für die etablierten Medien besteht, das Thema wirklich groß und wichtig zu schreiben. Vielleicht ist die Hobbypodcasterszene nicht enthusiastisch genug gewesen, um Aufklärung und Wallung zu machen. Vielleicht ist es auch einfach unwichtig, wie und wann man Medien im Netz konsumiert, solange es irgendwie funktioniert. Vielleicht sollte ich mir nicht so den großen Kopf machen, sondern lieber regelmäßig meine zwölf Podcasts abrufen und anhören, und mich freuen, dass es sowas gibt.

Nur schade, dass nicht mehr Leute wissen, wie man Podcasting nutzt. Es ist ein tolles Medium, dessen ursprüngliche Idee völlig zu Unrecht so unbekannt ist, drei Jahre nach seiner Entstehung. Und das ärgert mich, wenn ich auch nicht wirklich weiß, was man anders oder besser machen könnte. Deshalb halte ich mich an die beste deutsche Tugend: Meckern! Ich hoffe, es war nicht zu lang. Dankes für die Geduld.

44 Kommentare

  1. Stefan am 30. November 2007 #

    Ich sehe das Problem im Wesentlichen in der mangelnden Softwareunterstützung der Idee. Ich bin ein Podcast-fan und habe mit WinAmp eine Reihe von Podcasts abonniert. WinAmp hat das ungeheuer umständlich und rudimentär integriert. Juice hat mich nie überzeugt. Leider habe ich bis heute als avancierter Nutzer noch keine gute Universal-software zur Musikverwaltung (nein, nicht iTunes, bitte!) gefunden.
    Ich setze immer noch große Hoffnungen in Songbird. Das wäre auch der einzige plattformübergreifende Player, dem ich es zutrauen würde, Podcasts endlich massentauglich populär machen zu können. Denn welche Software kann das denn heute schon mit einem beliebigen MP3-Spieler? Ich kenne keine.

  2. Deef am 30. November 2007 #

    Danke für diese treffende Analyse und die freundliche Erwähnung. Aber warum so traurig?

    Podcasting eröffnet jedermann die Möglichkeit, von zuhause aus mit geringem Aufwand eine für private Verhältnisse große Offentlichkeit zu erreichen. 100, 1000 oder 5000 Podcastabonennten zu haben, ist eine größere Hörerzahl als so mancher Bürgerfunker beim offenen Kanal hat. Die kleine Mediendemokratie dank Podcasting. Finde ich großartig!

    Es gibt keinen Grund unzufrieden oder enttäuscht zu sein. Einige wußten auch schon im Frühjahr 2006, dass keine Revolution in Sicht ist und erzählten es freimütig der Süddeutschen, deren verträumter Volontär gehofft hatte, ein paar punkige Internetrevoluzzer kennenzulernen und stattdessen auf Medien- bzw. Kommunikationsprofis traf, die mit ihren privaten Podcasts einfach ein bisschen Spaß haben wollten.

    Die Frage »Ist Podcasting noch zu retten« ist eine systemische, strukturelle. Sie geht an dem vorbei, was wichtiger ist als der Kanal: der Inhalt. Wer außergewöhnlichen, künstlerischen, mehrwertigen oder aus irgendeinenm Grund attraktiven Inhalt produziert wird ihn dank Internet immer an Rezipienten bringen. Unerheblich, ob via RSS, Blog oder XY-Firlefanz-Future-2.0-Kram für Smartphones. Toni Mahoni (keine Wertung ob das guter oder schlechter Inhalt ist) ist ein RSS-gefeedeter Videopodcast. Aber auch auf Youtube. Und bei Spreeblick im Blog. Und bei Fritz onair auf UKW. Der Inhalt zählt, nicht der Ausspielweg.

    Reden wir also nicht über Technik, Programme, Abonnierprozeduren, sondern konzentrieren wir uns darauf guten und zukünftig noch besseren Inhalt zu konzentrieren. Dann kommen auch mehr Hörer (die vielleicht nur via Flashplayer im Blog hören statt über Podcatcher – NA UND?).

  3. Jörg L. am 30. November 2007 #

    Ich erinnere mich dass wir bei fool.de im Jahr 2000 eine regelmäßige Audiokolumne hatten. Abonnieren konnte man das damals nicht, das Wort Podcast gab es auch nicht. Aber ich denke, eines wird gleich geblieben sein: Es ist viel aufwendiger zu produzieren als Text. Denn den Text muss man vorher auch noch machen.

  4. Ivo am 30. November 2007 #

    Im Großen und Ganzen kann man deiner Zusammenstellung durchaus zustimmen. Was ich persönlich als entscheidenden Faktor sehe ist der von dir angesprochene dritte Punkt. Es setzt sich immer das durch, was einfach ist. Und Podcasts sind eben nicht einfach. Zum Einen, weil ich sie erst auf einen MP3-Player übertragen muss [klingt einfach, ist aber ein entscheidener Schritt zu viel für die Meisten], zum Anderen, weil die Zeit des Konsums fehlt. Ich höre sie immer unterwegs – und ich bin viel unterwegs –, aber die Zeit reicht dennoch nicht aus. Ich persönlich kann mir keine Podcasts am Rechner selbst anhören, dazu bin ich durch andere Dinge ständig abgelenkt. Die Folge ist, dass ich mich von meinen [eigentlich gar nicht so vielen] abonnierten Podcasts getrieben fühle und das Ganze dann irgendwie auch nicht mehr so toll finde.

    Vielleicht ist es aber auch nur so, dass Podcast von Anfang an nur die Chance hatte, eine ganz ganz kleine Nische zu besetzen und die, die daran von Beginn an Spaß hatten, das immer schon falsch einschätzten?

    @Stefan: Ob man nun Apple mag oder nicht, aber iTunes als universale Musikverwalter ist momentan unschlagbar.

  5. Gerrit am 30. November 2007 #

    @Deef: Je länger ich an dem Text geschrieben habe, desto klarer wurde mir, dass Du natürlich recht hast. Scheiß drauf, ob Podcasting in den Medien groß ist, oder von vielen genutzt wird. Solange ich es nutzen kann und ein paar Leute damit happy sind, ist doch jedem gedient. Es ging mir mit dem Text auch nicht darum, anzuklagen. Sondern nur ein paar Beobachtungen aufzuschreiben. Jetzt bin ich das alles mal losgeworden. Nun kann ich wieder beruhigt meine Podcasts hören und weiterhin glücklicher Nutzer dieses Mediums sein :-)

  6. macx am 30. November 2007 #

    Danke für deinen ehrlichen Kommentar.
    Ja, der Podcast wird nicht mehr gehypt. Warum auch, vom Radio spricht auch keiner mehr, es wird nur genutzt. Lediglich ungewöhnliche Sendungen kommen mal in die Tageszeitung oder abends bei RTL. So gesehen ist das Medium Podcast erwachsen geworden. Aber nur so gesehen.
    Podcasting ist und bleibt kompliziert. Es ist alles andere als einfach. Die Technik hat dem »ursprünglich geplanten« Vertriebsweg (MP3-Player, unterwegs hören) den Gar aus gemacht. Trotzdem: Podcasts werden (mit Ausnahme von mir) am Computer gehört. Ich selbst, soviel zu mir, höre Podcasts ausschließlich unterwegs.
    Und nun kommen wir zum eigentlichen Punkt, warum du Podcasts nicht mit den anderen Vertriebswegen mischen solltest. Radio hat man an und hört nebenbei, erfordert keine große Aufmerksamkeit. TV und Videos (sevenload usw) schaut man sich an. Das geht mal eben schnell zwischendurch, in der Pause, zu Hause in der Freizeit. Beim Podcast sollte man aufmerksam zuhören, dazu ist das Medium gemacht. Und geht zumindest bei mir (ich bin ein Mann, sollte also typisch sein) nicht nebenher. Ich muss mich diesem Medium exklusiv widmen, sonst ist Podcast nichts weiter als Radio, was an ist, aber niemand wirklich zuhört.
    So gesehen, scheint die Prognose trübe. Aber hey, so lange mir pro Monat 24.000 Menschen zuhören (und auch wenn davon nur die Hälfe »wirklich« zuhört) habe ich mein Publikum gefunden. Was will ich mehr?

  7. Denny am 30. November 2007 #

    Ich für meinen Teil bin hin- und hergerissen: einerseits bin ich ein großer Pdocast-Fan und fände es gut, wenn dieses Thema stärker in den Medien präsent wäre, sich mehr Leute damit beschäftigen würden, damit man mit mehr Leuten darüber reden kann usw. Andererseits: man fühlt sich schon irgendwie ein klein wenig elitär, wenn kaum™ jemand weiss, was ein Podcast ist.

    Ich bin z.B. auch ein Fan von Ska. Hier ist es dasselbe: relativ wenig Leute kennen/hören Ska, und so fühlt man sich bei einem Ska-Konzert immer ein wenig erhaben, weil man weiss, dass die Masse es eben nicht kennt. Ist natürlich alles nur Quark, aber man fühlt sich irgendwie gut dabei.

    Ich finde, einen Mangel an guten, echten Podcasts können wir nicht beklagen. Insofern ist es doch okay, wenn die großen Player das Thema falsch verstehen.

  8. Gerrit am 30. November 2007 #

    @macx: Ich denke ganz exakt genau so!

  9. Elmar am 30. November 2007 #

    Nötig wären Player, die automatisch neue Podcasts abonnierter Feeds herunterladen, sobald sie in der Reichweite bestimmter WLANs sind.

    Am Rechner nebenbei kann ich keinen Podcast hören – ich konzentriere mich auf die Arbeit.

    Wie beim Webradio ist das Auffinden neuer Podcasts (zu) zweitaufwändig. Nötig wäre eine Bedienung analog zum Radio: Auf Knopfdruck erscheint der nächste Sender/Podcast. Ein weiterer Knopfdruck abonniert diesen. Über einen Filter ließe sich einstellen, was interessiert (Computertechnik, Musik, ...).

    Nicht egal ist das Medium, mit dem Informationen übertragen werden. Audio alleine erfordert neben der Information eine angepasste Form: Gut verständliche, angenehme Stimme, Sätze, die keine Schreibe sind und Kürze.

  10. Marco Zuber am 30. November 2007 #

    @ Stefan
    Was spricht denn gegen ITunes, ein für mein Empfinden doch sehr ausgereiftes Tool, welches mir die Arbeit mit Musik und ipod erheblich erleichtert. Habe ich da etwas verpasst oder bin ich einfach ein verbohrter Macianer. Im Ernst jetzt, was spricht gegen ITunes? Gibt es andere Tools die ich mal prüfen müsste?
    Gruss

  11. Hyperkeks am 30. November 2007 #

    Es gibt unendlich viele Podcasts da draußen, die ich einmal höre, furchtbar finde und abhake. Die Flut von unqualifizierten und / oder ununterhaltsamen Privatfunkern ist schon enorm. Aber nichts dagegen – man soll ja alles mal ausprobieren im Leben.

    Trotzdem habe ich so viele Podcasts aboniert, das ich gar nicht dazu komme immer alles zu hören. Und damit meine ich jetzt nur solche, die ich ganz grandios finde, von denen ich keine Ausgabe verpassen will.

    Hier ist gar nichts am sterben, oder muss gerettet werden. Ganz im Gegenteil – weg mit dem Hype. »Alltag« ist gut. Und wenn es dann 1000 Podcasts weniger gibt, na und? Sorry, aber die meisten davon wird man auch nicht vermissen.

    Wie oben schon jemand schrieb – es wird immer tolle Sendungen egal in welchem Format, welcher Technik, welchem Medium. Aber das ist doch auch völlig egal.

    > Habe ich da etwas verpasst oder bin ich einfach ein verbohrter Macianer.

    Nunja, ITunes Musikverwaltung ist z.B. fuchtbar, weil nicht selbst konfigurierbar. Du kannst es nur entweder ein- oder ausschalten, aber das wars dann auch (ein grundsätzliches Mac-Problem – man kann zu wenig selbst bestimmen, wie der Kram funtionieren soll).

  12. Sebastian Fastner am 30. November 2007 #

    Das ist ja ein sehr ernüchternder Artikel. Aber nur mut, es gibt sie noch, die Täglich-Podcasts-Auf-Das-Abspielgerät-Macher ;) Zumindest ich möchte das nicht auf meinem Heimweg missen.

  13. Markus am 30. November 2007 #

    Treffende Analyse! Der entscheidende Grund dürfte aber tatsächlich sein, dass der Weg vom Abonnieren eines Podcasts bis zum (mobilen) Anhören noch zu lang und kompliziert ist.

  14. frieda99 am 30. November 2007 #

    Der Text war auf keinen Fall zu lang! Ich find es eine gute Reflektion des aktuellen Standes. Allerding nach meiner Meinung etwas zu pessimistisch betrachtet (obwohl ich dazusagen muss, dass ich kein Hardcore-Podcastuser bin). Es ist wohl einfach so, das sich ein System nicht exakt so durchsetzt wie es ursprünglich von den Spezialisten konzipiert wurde sondern das es durch den (Massen-)Markt »geformt wird. Aus meinem begrenzten (weil kein Podcastpionier) Blickwinkel find ich es nicht schlimm, wenn Medienanstalten ihre Inhalte in Podcast einer Zweitverwendung zuführen. Damit kann ich nämlich den Zeitpunkt meines Konsums bestimmen. Und wenn der Weg zum Konsumenten evtl. doch noch geebnet werden sollte tritt das Medium Podcast (oder wie es dann auch immer benannt wird) aus dem Schatten der Zweitverwendung heraus.
    Ich benutze ein Symbian-Handy (mit der entsprechenden Anwendung »Nokia Podcasting«) und muss sagen, dass es eigentlich schon sehr simpel ist die Podcasts auf mein Handy zu bekommen. Die Podcasts werden per WLAN oder (wenn bezahlbar) Mobilfunk heruntergeladen. Das ganze funktioniert auch automatisiert im einstellbaren Intervall … Ich muss es nur noch anhören/schauen.
    Gerrit mach weiter so!

  15. Christoph am 30. November 2007 #

    Die besten Podcasts sind meines Erachtens – bis auf wenige Ausnahmen – die hier gescholtenen Zweitverwertungen aus dem Radio. Es handelt sich nämlich um professionell gemachte Sendungen mit tatsächlichem Inhalt, ich denke z. B. an den MonTalk vom WDR oder Wissenschaftssendungen des DLF. Ein Star-Podcast, der eigentlich Radiosendung ist, ist „Are We Alone?“ von www.seti.org.

    Viele private Podcasts ergehen sich in Selbstreferentialität (selbst heute noch), sind langatmig, haben wenig Struktur, Sprecher mit ätzender Stimme, erscheinen zu unregelmäßig, sind technisch unzureichend produziert oder alles zusammen. Ich habe vor drei Jahren Podcasts in der ersten Stunde entdeckt, höre zur Zeit aber nur noch einen „Amateur“-Podcast (bitsundso), und dessen Macher sind eben keine Amateure!

    Ich stimme voll zu, dass das Hauptproblem des Podcast als zeitversetztes Radio darin besteht, dass Podcasts weitgehend manuell auf den MP3-Spieler gebracht werden müssen und dieser sich dann nur schlecht mit dem Autoradio verbindet.

    Ein wesentliches weiteres und generelles Podcast-Problem, das oben leider nur angedeutet wurde, sind die fehlenden GEMA-Rechte. Selbst bei Radiosendungen fehlt daher die Musik.

  16. johnny am 30. November 2007 #

    Auf die große Gefahr hin, mich mal wieder unbeliebt zu machen: Es fehlt mir ein Faktor und der nennt sich »wirtschaftliche Chancen«. Bitte beachten, dass ich von Chancen, nicht Zwängen rede.

    Man kann viele Dinge als reines Hobby betrachten und machen und es ist super okay, wenn ein persönlicher Podcast seine 100 Hörer gefunden hat und alle damit zufrieden sind. Funktionieren Podcasts aber ausschließlich und nur als Hobby (oder eben als Drittverwertungskanal der »Großen«), werden sie auf Dauer einfach ein bestimmtes »Aufwandsniveau« nicht überschreiten können. Das Übersetzen eines Interviews bspw., aufwändigere Produktionen mit vielen Schnitten und Sounds, Reportagen, die nicht an einem Nachmittag zu machen sind, vielleicht sogar diverse Formatangebote, eine passende Site zum Podcast … all das können (Hobby-)Podcaster nur deshalb selten leisten, weil es einfach enorm zeitaufwändig ist und nicht etwa, weil sie es inhaltlich oder technisch nicht könnten. Das macht man alles nicht mal eben an einem netten Abend, wenn man vielleicht auch noch ein Leben, einen Job und eine Familie hat.

    Podcasts laufen Gefahr, zum CB-Funk der Neuzeit zu werden. Nettes Spielzeug für Enthusiasten.

    Gäbe es auch nur die geringste Chance für Wenige, dass sich höherer Aufwand evtl. durch größere Aufmerksamkeit (und damit vielleicht auch weitergehende »Relevanz«) auch ökonomisch auszahlen könnte, so wäre der Wettbewerb größer und die Qualität würde steigen (in den Bereichen, die das wollen). Denn Podcasts, egal ob Audio oder Video, können für Wirbel und Aufmerksamkeit sorgen, ein gutes Beispiel dafür ist der Clip zum Thema Videospiele, den Matthias Dittmayer (http://www.youtube.com/watch?v=R9JRm3iQQak) gemacht hat: Das Ding geht durch viele klassischen Medien und bekommt viel Interesse, weil es klasse gemacht ist und Hand und Fuß hat und nicht nur für einige von Belang ist. Aber wie oft kann man diesen Aufwand als Amateur betreiben? Wöchentlich? Ich glaube nicht.

    Offene Kanäle und Bürgerradio haben leider, leider auch nicht wirklich funktioniert, wieso sollte es bei Podcasts anders sein? Sollte Google (oder jemand anderes) ein für die Zuschauer/ Zuhörer ertragbares Modell zur auch nur teilweisen Refinanzierung von Podcasts anbieten, kann sich das alles schnell ändern, glaube ich.

    Aber nochmal: Der Aspekt fehlt m.E. im Artikel, er ist nicht der einzige Grund. GEMA etc. sind auch enorm wichtige Faktoren, Podcasts mit Musikexpertise würden ebenfalls einen Schub geben können.

  17. Gerrit am 30. November 2007 #

    @Johnny: Ich stimme größtenteils mit Dir überein – diese Punkte haben in meinem Artikel vielleicht noch gefehlt. Aber wozu hat man eine Kommentarfunktion, wie?

  18. Norman am 30. November 2007 #

    Hallo Gerrit!
    Zunaechst: Respekt fuer Deine Muehe! Ich konnte es jetzt nur »ueberfliegen«, aber am Wochenende wird es in Ruhe gelesen, das Lesezeichen ist gesetzt.

    In vielen Punkten, vor allen Dingen in punkto itunes-Charts, Zweitverwertung, etc. stimme ich mit Dir schonmal spontan ueberein.

    Aber einen wesentlichen Kernsatz hat der Johnny gebracht: »Podcasts laufen Gefahr, zum CB-Funk der Neuzeit zu werden.«
    Bingo! Als jemand, der in den 80ern mit dem CB-Funk in Beruehrung kam, dabei gewisse Kanaele wohlweislich gemieden hat und dann in den Neunzigern zum staatlich-lizensierten Funkamateur »aufgestiegen« ist, kann ich diese Metapher in Anbetracht so mancher Podcasts nur unterstuetzen.

    CB-Funk ist laut Definition »Jedermanfunk« und das sollte Podcasting von der Sache her auch sein. Aber das »CB« wird unter Spoettern auch gerne mit »Children`s Broadcasting« uebersetzt. Was natuerlich nicht heissen soll, dass ich etwas gegen junge Podcaster/innen habe, im Gegenteil. Aber …
    Mehr demnaechst :)

    Schoenen Abend und Gruss aus Guetersloh
    Norman

  19. radio-g am 1. Dezember 2007 #

    Schöner Artikel, obgleich ein bisschen düster im Abgang. :-)

    Ich habe auch nichts gegen den einkehrenden Alltag im Podcasting. Ehrlich gesagt bin ich froh, dass in diesem Zusammenhang ein Aussiebvorgang, und ja, auch ein Podcaststerben einsetzt.

    Ich mache mir manchmal die Mühe podster.de nach mir bisher unbekanntem Material zu durchforsten. Es ist grauenhaft. Der CB Vergleich sitzt.

    Am Ende überzeugen Qualität, gut aufbereitete Themen, der Blick nach außen (weg von der Nabelschau, außer bei weiblichen Podcastern), Regelmäßigkeit und der nötige Aufwand bei der Produktion. Letzterer lässt sich mit einiger Übung gering halten.

    Podcasting wird wohl ein Nischenmedium bleiben. Mit etwas Glück und Geschick aber eine Edelnische.

  20. Thomas am 1. Dezember 2007 #

    Hallo!

    Vielen Dank für diesen Essay und auch für die vielen Kommentare, was in einem Podcast so gar nciht möglich gewesen wäre. haha!

    Naja, werde mir hierzu auch meine Meinung machen und beizeiten posten. Bitte weitermachen, ich bin begeistert.

    Thomas

  21. Manuel Maisch am 1. Dezember 2007 #

    Sehr aufschlussreiches Essay. Es werden Gründe genannt, wieso dass sich viele Hörer von Podcasts abwenden und warum der Hype nicht angehalten hat.

    Podcasting ist ein Bürgermedium. Und was haben Sich die Bürger so zu erzählen? Eben nicht viel. Frau Meiers Podcast wird nach den ersten paar Episoden langweilig. Und wenn jeder meint, er sei der geborene Entertainer, ist das leider auch ein Irrtum.
    Es haben also nur die Podcasts Erfolg die A) konsequent über ein Nischenthema berichten und dazu interessante Inhalte liefern (z.B. Fotografie) und B) gut präsentiert werden. Alles andere tut man sich nicht an. Und da verwundert es auch nicht, dass viele Leute »nur« TV-Sendung als Podcast abbonniert haben: Man kennt den Inhalt, das Thema und interessiert sich für GENAU diese Sendung und weiss im Voraus, was man vorgesetzt bekommt.

    So sieht es zumindest bei mir aus.

  22. Thorsten am 1. Dezember 2007 #

    Grundsätzlich kann ich den Ausführungen hier folgen. Aber, was ich nicht verstehe ist: hat denn wirklich jemand geglaubt, dass sich die »Etablierten« die Butter vom Brot kratzen lassen? Podcasting als Alternative oder gar Konkurrenz zu Radio und Fernsehen? Das würden die doch niemals zulassen!

    Podcasting war von Anfang an eine Nische! Hörer-/Seherzahlen die über einige Hundert hinausgehen werden immer zu den Ausnahmen gehören, so sehe ich das! Und das eine zeitlang jeder Dummschwätzer ein Audioblog machte und nach fünf Folgen einstellte ist jetzt (Gott sei dank) zu Ende! Meines Erachtens war das ein Hauptgrund, warum gerade neue Podcast-Konsumenten allzusehr nach den Angeboten der etablierten Medienunternehmen griffen/greifen.

    Leute, es gibt (mittlerweile) genug echtes und gut gemachtes Radio und Fernsehen zum downloaden … Das ist eine direkte Folge des Podcast-Hypes und auch gut so. Nur, wer jetzt ähnliche Inhalte als Podcast verbreiten will wird wenig erfolgreich sein, weil er nicht die Technik, das KnowHow und am allerwenigsten die Zeit dafür hat!!!

    Meine Meinung: Was wird aus dem Podcast? Echtes privates Podcasting überlebt in der Spezialisierung. Dabei macht es keinen Unterschied ob am Monitor oder mobil mit dem iPod, ob schöne Stimme oder nicht. Hier kommt es auf den Inhalt und die Sympathie an. Der Rest wird ein Downloadangebot von etablierter Stelle sein – für mich allerdings nicht wirklich Podcasting! Mein Fazit daher: Podcasts mit Inhalten, die durch die öffentlichen Medien Radio und Fernsehen nicht angeboten werden, werden überleben. Die übrigen werden auf die Dauer langweilig und mangels Masse eingestellt. Sollte ein Podcast über ein bestimmtes Verbreitungsniveau (Hörerzahl) kommen, so werden das die etablierten Medien aufgreifen und Konkurrenz machen (leider). Damit verfällt auch z. B. die Idee mit podcasting Geld zu verdienen.

    Nehmt Podcast doch einfach als das was es ist: ein Hobby und Spass für die Macher! Die Konsumenten und die Anzahl derer sind beim Podcasting eher zweitranging, das ist nicht unser Geschäft, auch wenn es die Streicheleinheiten des Podcasters sind! Für einfache Unterhaltung oder Vertreibung der Langeweile gibt es zwei Konzerne mit gesetzlich verordneten Auftrag und sehr viele weitere die behaupten es noch besser zu können …

    In diesem Sinne einen frohen Advent, Thorsten

  23. Stephan Magnus am 2. Dezember 2007 #

    Superartikel, und aus meiner Sicht trifft er (leider) die Sache auf den Punkt. Bei manchen Sachen bin ich ungern erfolgreicher Prophet, siehe:

    https://www.xing.com/app/forum?op=showarticles&id=1266446&articleid=5036112#5036112

    Fakt ist, die Downloadzahlen vieler Pioniere (ich bin bei »Das Abenteuer Leben«) gehen runter, alles was es an Wachtum gibt, wandert an »klassische Medien«. Wir hatten uns das ursprünglich anders gedacht: Eigentlich sollten wir mit der wachsenden Bekanntheit von Podcasts so in der Hörerzahl steigen, dass dies bessere Konzepte und Technologie mitfinanzieren würde (in unserem Fall durch Verkauf von eBooks, eSeminaren und mehr klassischem Seminargeschäft).
    Daraus wurde aber nichts: erstens steigt die Bekanntheit von Podcasts nicht besonders und zweitens wachsen da wenn andere.
    Die Ursache? Wurde oben schon dargestellt. Podcasts sind nicht wirklich Web 2.0, keine direkte Interaktivität, bis auf die Tags auf unserer Plattform keine Vernetzung und außerdem ist die Produktion viel aufwendiger als bei Blogs. Also in Zukunft eher Blogs, die auf Podcasts und auf YouTube-Sachen verweisen. Aber das bedeutet tatsächlich das Ende des ursprünglichen Konzepts.

  24. Thomas Wanhoff am 2. Dezember 2007 #

    Der Hype war eine Frage einer besonderen Wahrnehmung, und der angebliche Tod ist es ebenfalls. Sowenig, wie Podcasts im Podcastsommer2005 tatsächlich was ganz Großes waren, so wenig sind die tot. Denn sie leben als Radio zum Mitnehmen weiter, und nicht schlecht. Das war mal eine der Ursachen für die Erfindung des Podcastings: Dass man das Radio mitnehmen kann. In Deutschland haben wir eine nicht so ausgeprägte Hörkultur wie in England oder den USA, wo BBC, NPR, CNN und Co. podcasten dass es nur so kracht. Dass die Downloads runtergehen bei den privaten, ist natürlich: Sie haben nicht die Mittel, neue Zielgruppen zu erschließen, und profitieren nur von der Berichterstattung in den Medien übers Podcasten an sich. Ich pendele immer noch bei 3000-3500 Hörern und halte mich wacker in iTunes, und das ist für mich ein Indikator (und nicht etwa podster und Co., wo sich leider alle ganz lieb haben oder ganz fürchtlerich anscheißen, nur eben nicht an die Hörer denken). Und: Es gibt schlicht kaum gute Podcasts, vor allem wenige die nicht von Sendern produzierte sind. Ganz so tot ist das also alles nicht. Vielleicht eben nicht mehr so neu. Gruß aus Kambodscha, wo Podcasts wegen der geringeren Datenmenge gerne verwendet werden – für Youtube reicht die Bandbreite nicht.

  25. markus am 2. Dezember 2007 #

    Hi Gerrit,
    ich finde deine Bestandsaufnahme zutreffend und ziemlich vollständig. Aber die Frage ist: »Na und?«

    Wir sind mittlerweile im Tagesgeschäft angekommen, der erste Hype ist vorbei – Gottseidank – und Alltag ist eingekehrt. Endlich muss man sich nicht mehr ständig anhören, dass Weißnichtwer jetzt einen Ich-aber-jetzt-auch-Podcast macht, nein: Die Leute, die jetzt noch dabei sind – oder jetzt anfangen – tun dies aus besserem Grund. Sie wissen, dass sie damit voraussichtlich keine Rockstars werden, wissen aber auch, dass sie ihre sehr spezielle Zielgruppe mit ihrem sehr speziellen Programm sehr gut erreichen können. Es sind atomisierte Inhalte für ein ebenso atomisiertes Publikum. Reichweiten damit zu generieren, die jenseits einer homoöpathischen Dosis liegen (Zitat Alex) bleibt schwierig. Für Hintergrundgedudel erfordert das Medium viel zu viel eigenes Engagement beim Zuhörer, angefangen von der persönlichen Programmauswahl bis hin zum Abonnieren eines Feeds: Das macht echt Arbeit und fordert Eigeninitiative. Aber dafür kann sich der Podcaster immerhin sicher sein, dass diejenigen Hörer, die er erreicht, ganz bewusst und mit voller Absicht zuhören. Das ist doch schon mal was! Welche Radiomoderator kann das heute noch von sich behaupten?

    Wenn ich mir was wünschen dürfte für die technische Entwickung in Zukunft: es muss einfacher, einfacher, einfacher werden, einen Podcast zu hören.
    Und wenn ich mir noch etwas wünschen dürfte: Die Podcaster sollten weniger Zeit mit Gejammer und Selbstreflexion verbringen, sie sollten weniger auf Statistiken schielen und die dadurch eingesparte Zeit und Energie für das eigene kreative Produkt verwenden.

    Viele Grüße,
    markus

  26. Dieter am 3. Dezember 2007 #

    Der private Podcast hat es schwer gegen die optimal produzierten Podcast der Medien und Video (Pod)casts. Aber ein Hype findet immer zur Normlität. Itunes unde Ipod arbeiten optimal mit Podcast. Auch nach so langer Zeit kein Mitbewerber in Sicht.

  27. Alex Wunschel am 3. Dezember 2007 #

    Hallo Gerrit, ich war in Ontario mit dabei als Podcasting »beerdigt« wurde.

    Einen gaaaanz wichtigen Punkt hast du vergessen: Richtig ist (und das hat Michael in seinem Blog-Eintrag wie auch auf dem Kongress klargestellt):

    »PODCASTING IST TOT – ES LEBE DER DIGITAL MEDIA ENTREPRENEUR!«

    Das man ohne Struktur, Inhalt, Investment, Disziplin und Marketing nicht gegen klassisch redaktionelle Formate ankommt und auf Dauer allenfalls eine kleine »Audio-Community« beschallen kann, das war uns doch von Anfang an allen klar.

    Der Grabstein gehört damit meines Erachtens als Mahnmal mit auf das Grab von Bertolt Brecht. Und dort soll er jeden mit Mikrofon, Spitzhacke und Schaufel bewappneten Pilgerer daran erinnern, dass man manche Dinge eben nur ändern kann wenn man sich mit zumindest einigen Gesetzen der Massenmedien unterwirft.

    Nicht umsonst war ein weiteres Credo der inzwischen zu New Media Expo umbenannten Konferenz:

    »IF YOU ARE THE MEDIA, ACT LIKE BIG MEDIA!«

    In diesem Sinne: Willkommen bei Podcasting 2.0

    Alex

  28. Christoph am 3. Dezember 2007 #

    Wieso lese ich beim Wort „Zweitverwertung“ so häufig einen negativen Unterton mit? Ich zahle eine stattliche Rundfunkgebühr und möchte dafür erwarten können, Radiosendungen (am besten auch TV-Sendungen), die ich verpasst habe oder zum Ausstrahlungstermin nicht hören (sehen) wollte, später zu einem selbstgewählten Zeitpunkt nachzuholen.

    Auch aus Sicht der Anbieter ist Zweitverwertung doch nicht anrüchig. Wieso eigentlich die Nummerierung? Ist die erste Ausstrahlung wertvoller? Ich sehe eher eine parallele Darbietungsform des Inhalts.

    Schließlich: Wenn ich eine geniale PHP-Funktion für die Website eines Kunden schreibe und diese dann (ggf. leicht abgewandelt) einem anderen Kunden ebenfalls verkaufe, ist das nicht auch Zweitverwertung? Soll ich mich dann schämen?

    Genial ist hier übrigens die Möglichkeit, dieses Texteingabefeld (in Safari 3) größer aufzuziehen. Danke!

  29. Gerrit am 3. Dezember 2007 #

    Hehe, das macht Safari 3 mit jedem Textarea-Feld, ich hab nix gemacht :-)

  30. Willi am 6. Dezember 2007 #

    Meine Podcast-Euphorie des letzten Jahres hat sich mittlerweile auch etwas gelegt, obwohl ich immer noch einige höre und sehe (ich hoffe, Video-Podcasts sind hier eine akzeptierte Bezeichnung?).

    Ich finde es zwar überhaupt kein Problem, Podcasts zu empfangen: iTunes lädt sie automatisch runter und synchronisiert sie mit dem MP3-Player. Allerdings finde ich es sehr schwierig, überhaupt neue Podcasts zu finden. Die meisten Podcasts sind die erwähnten recycleten Inhalte (gähn) und irgendwelche Amateur-Aufnahmen, in denen Stubenhocker über ein 9€-Mikro von ihrem Wellensittich berichten. Den Hype konnte ich bei Podcasts von Anfang an genauso wenig verstehen wie bei YouTube: wen interessieren die Probleme von lonelygirl_15 oder die Meinung von Klaus aus Unterhinterwalden, der sich über seinen Postboten ärgert?

    Die wirklich interessanten Podcasts kann man doch an einer Hand abzählen (oder ich bin einfach zu doof, sie zu finden).
    Wer triviale Amateursendungen konsumieren will, kann das ja gerne tun, aber das hält kein Format am Leben. Meiner Meinung nach zeichnet nicht die Masse, sondern die Elite das Format Podcasting aus.

    Außerdem halten sich die meisten Podcasts leider nicht sehr lange, was vielleicht auch an den mangelnden Verdienstmöglichkeiten liegt. Ich habe „Filme und so“ früher geliebt, aber seit Annik weg ist, ists einfach langweilig geworden (sorry, Timo). Das Konzept von Ehrensenf (kein echter Video-Podcast) war zwar recht schnell erschöpft finde ich, aber erst seit die Moderation gewechselt hat, sehe ichs nicht mehr. Genauso mit toptrnds.

    Zudem sind die meisten Podcasts ja sehr subjektiv, und wenn man als Zuhörer/Zuschauer andere Meinungen vertritt, kann es einem den Podcast auch leicht verleiden, selbst wenn es sich dabei nur um Lapalien handelt: wenn ich mir im grundsätzlich sehr interessanten Technik-Podcast der amerikanischen HT-Guys in jedem zweiten Satz anhören muss, wie toll doch die Blu-ray Disc sei, dann bestell ich mein Abo irgendwann eben ab.

    Eigentlich wollte ich gar nicht so viel schreiben, aber wenn man mal angefangen hat …

    ich sehe mir jetzt die neueste Folge von Mahalo Daily mit Veronica Belmont an, bis dann!

  31. Willi am 7. Dezember 2007 #

    In Anbetracht des in Deutschland weit verbreiteten Missverständnisses des Wortes war Microsofts Bestreben, den Begriff „Podcast“ durch den Begriff „Blogcast“ zu ersetzen, vielleicht doch gar nicht mal so schlecht …

  32. volker am 9. Dezember 2007 #

    selbst deutschlandfunk (dradio.de) macht jetzt werbung für apples ipod. ein grund mehr von diesem möchtegern monopolisten nichts zu kaufen. der eigentliche punkt ist das alles apple völlig überteuert ist.

    ich frage mich was herr & frau jedermann davon hält wenn ihnen ein podcast zum herunterladen angepriesen wird.

    es ist einfach nur dummheit englische ausdrücke einfach 1zu 1zu übernehmen. in anderen nicht verdenglischten ländern wird der entsprechende ausdruck der eigenen sprache benutzt. da muß ich so weh es auch tut computerbild loben, die versuchen immer eine ins deutsche übersetzung zu finden und erklären das fremdsprachige wort.

    frage : wieviel geld und arbeitskraft sowie werbeagenturen hat apple angesetzt um den ausdruck podcast zu verbreiten, zu einem »tempo-taschentuch« zu machen?

  33. Gerrit am 9. Dezember 2007 #

    @Volker: Mit der Entstehung des Wortes hat Apple wirklich nichts zu tun. Dass sie sich nicht dagegen wehren, wenn jemand (=Adam Curry) die Promo-Arbeit für sie erledigt, das ist ja wohl nur verständlich.

  34. Deef am 9. Dezember 2007 #

    »Von Abnutzungserscheinungen keine Spur, zumindest nicht bei stark involvierten Nutzern – das ist eines der Ergebnisse der aktuellen Podcast-Studie von House of Research, die der Frage nachgeht, wie sich die Nutzung dieses Angebots im Zeitverlauf entwickelt hat.«

    hier lang:
    http://www.radioszene.de/news/Podcast_HOR_081207.htm

  35. Gerrit am 10. Dezember 2007 #

    Diesem House of Research traue ich nicht über den Weg. Außerdem reden die auch nur davon, dass Leute mit sehr hohem Involvement nicht weniger podcast-affin werden. Die allgemeine Stagnation können die auch nicht wegdiskutieren!

  36. Falk T. Puschmann am 17. Dezember 2007 #

    Hallo Gerrit, Hallo an die Runde,

    ich persönlich denke, dass es derzeit einfach ein absolutes Überangebot gibt, dass immer schwieriger zu durchschauen ist. Gerade wenn man nicht eine explizite Nische sucht, ertrinkt man. Bzw. viele kleine aber feine Projekte kommen ohne Online-Marketing kaum noch zum Hörer.

    Ich gebe Dir Recht, dass es vieles gibt, was sich auch zu unrecht Podcast schimpft. Sollte letztendlich der Hype langsam wieder abflachen, kann uns allen das nur einen Qualitätszuwachs bescheren. Bzw. die Machete, die den Weg durch den Angebotsdschungel schlägt.

    Die mangelnde Interaktivität beim Podcasting gegenüber Blogs, etc. ist schon immer eine Sache gewesen. Bei SF-Radio haben wir damals auch festgestellt, dass es nicht reichte, eine Sendung auf die Seite zu stellen und eine E-mail-Adresse dazuzupacken, sondern da musste eine möglichst einfache Kommentierungsfunktion hin und wenn möglich gleich mit Community & Co. damit ab und an mal was zurückkam. Hört der Hörer unterwegs – und das haben uns gerade in der Anfangszeit, als wir 2003 von RealMedia auf MP3 umstiegen sehr viele Hörer gepostet – dann ist das mit der Interaktivität noch schwieriger, weil er ja bewusst wenn er wieder zuhause daran denken muss ein Feedback zu geben.

    Meine persönliche Erfahrung ist, das die Hörer immer passiver werden. Da wird lieber in Communities gegangen und anders kann ich mir Sinn un Zweck von Diensten a la Twitter kaum erklären. Es muss schnell und einfach gehen und heute ist es auch kein Problem mehr, sich weltweit austauschen … das Internet macht die Welt zum Dorf, in dem jeder jeden kennt :-) naja übertrieben.

    Bin auf jeden Fall sehr gespannt in welche Richtung sich das entwickelt. Für mich sind Podcasts heute vor allem ein Marketing-Mittel und ein Vertriebskanal.

    Viele Grüße an die Runde,

    Falk

  37. Ralf »Searge« Pappers am 17. Dezember 2007 #

    Hallo zusammen, Hallo Gerrit,

    habe erst heute Deinen Artikel gelesen, da ich einfach kein Blog-Leser bin. Aus meiner Sicht, und ich bin fast von Anfang an dabei gewesen, so ist Podcast eine Möglichkeit Nischen abzudecken.

    Beispielsweise das alte WDR1. Da gab es eine unglaubliche Vielfalt an Musikrichtungen und es machte Spaß auch einmal etwas anzuhören, woran man normalerweise nicht gedacht hatte. Seitdem es 1Live heißt ist es, aus meiner Sicht, der langweiligste Sender der Welt geworden. Die Gedudelmusik dort muss ich mir überall anhören. Mit der Podparade oder der Musikbühne (http://podcast.degatron.de) habe ich erst wieder die Möglichkeit erhalten andere Stile kennen zu lernen. Oder mein pers. Interessengebiet die Phantastik. Da gibt es nicht viel, aber es gibt etwas, was man in den »normalen« Medien nicht geboten bekommt.

    Von daher denke ich das die Podcaster, die durchhalten werden, Nischenprodukte anbieten werden, wenn sie eine gewisse Qualität bieten. Sei es vom Unterhaltungswert oder von der Produktion. Und damit haben sie ihren Bestandanspruch auf jeden Fall. Von den technischen Bedingungen einmal abgesehen, über die wir uns nicht zu unterhalten brauchen.

    Gruß »Searge«
    degatrons Radio

  38. andré am 21. Dezember 2007 #

    Sehr guter Artikel. Respekt! André (Ex-Podcastra)

  39. Thomas am 23. Dezember 2007 #

    Danke für den hervorragenden Artikel.
    Zum »unterwegs«-Aspekt: Die »HiFi«-Hersteller trifft nur eine geringe Schuld, denn es gibt inzwischen durchaus preiswerte und gute Autoradios mit USB-Anschluss, aber welches neuzeitliche Auto hat noch einen normalen Radioschacht? VW verlangt für eine iPod- oder USB-Schnittstelle in einem Golf zusätzliche 332.- Euro! Dabei wäre es doch eine Marketingidee, über spezielle $Automarke-Podcasts Inhalte für die jeweiligen Zielgruppen anzubieten.
    Weiterer Technikaspekt: Die breitere Nutzung von exhanced Podcasts würde Podcast-hören erheblich einfacher machen, denn bei aller Leidenschaft höre ich stundenlange Episoden von Happyshooting oder Bitsundso nicht komplett und hätte gerne die Möglichkeit, nach Inhalten zu navigieren.
    Grundsätzlich ist da wohl einiges bei der Vermarktung schiefgelaufen: Der Name »Podcasting« dürfte etliche Hersteller (wegen der Namensnähe zum iPod) davon abgehalten haben, sich damit zu beschäftigen; die Gem# hat am eigenen Ast gesägt; Endgerätehersteller haben zu spät reagiert (vgl. Fritz!Mini) usw.

  40. Timur am 24. Dezember 2007 #

    Naja ich hatte ehrlich gesagt nicht erwartet das Podcasting sich wirklich durchsetzen kann. Interessant wäre es gewesen wenn Schulen etc. durch Podcasts Ihre Schüler informieren würden, mir fallen noch sehr viele Gebiete ein in denen man Podcasts nutzen könnte ganz aussterben wirds wohl nicht, aber durchsetzen wird es sich erst recht nicht.

  41. A am 26. Dezember 2007 #

    Moin, Gerrit,
    Tagchen, liebe Leute,

    Gerrit’s Artikel ist eine bestechend genaue Beschreibung der derzeitigen Situation in der (deutschen) Podcasting-Szene. Auch ich finde den Artikel hervorragend.

    Es kann aber doch niemanden wirklich überraschen, dass zurzeit offenbar eine Konsolidierung stattfindet und Podcasts den »Elchtest« absolvieren und ihre Alltagstauglichkeit unter Beweis stellen müssen.

    Die Frage nach dem Nutzwert für den Konsumenten muss beantwortet werden.

    Warum vergräbt sich die Szene denn jetzt auf einmal in Selbstmitleid? Das Medium bietet doch tolle Chancen! Und die Zeit für Podcasts in Deutschland ist noch nicht gekommen …

    Es handelt sich doch um eine Web 2.0-Technologie, bei der es um Communitys und Vernetzung geht. Und gerade die blieb – zumindest in Deutschland – bislang offenbar aus.

    Statt privaten und vielfach irrelevanten Smalltalk zu publizieren, sollte man anfangen, die ungeheuere Manpower der Podcaster zu bündeln und einfach relevanten und qualitativ hochwertigen Content zu erzeugen. (teiweise gibt es ihn ja auch schon!)

    Es ist doch klar, dass sich Podcasts gegen bereits Etabliertes behaupten müssen! Ihr tretet gegen Profis an, liebe Leute!

    Auch ein tragfähiges Geschäftsmodell sollte entstehen, denn niemand wird auf Dauer aus reinem Idealismus heraus agieren (und produzieren) wollen.

    Und was die Technik angeht: da würde ich doch gar nicht so schwarz sehen: wenn große Firmen wie Nokia den Empfang von Podcasts über Wifi u.ä. in ihre Produkte einbauen, so ist dies sicherlich als positives Zeichen zu werten!

    Und warum eigentlich nur Podcast pur? Warum keine Verknüpfung mit Blogs, Webradios, Portalen etc.?

    Ein Podcast ist keine heilige Kuh, sondern ein neuer, spannender Vertriebsweg, der sich nicht nur auf die sog. Zweitverwertung reduzieren lassen sollte.

    Also: einfach mal locker durch die Hose atmen, liebe Puritaner!

    Hören wir doch auf zu jammern und beginnen wir, endlich tragfähige Visionen zu entwickeln, die uns alle voran bringen!

  42. Helmut am 28. Dezember 2007 #

    Am Ende ist es wohl einfach so das man Podcasts schlecht mit Werbung pflastern kann und daher keine reich und berühmt werden kann.
    Daneben gibt es recht interessante Nischenprodukte, die ihre Zielgruppe finden. Ich höre regelmäßig Chaosradio und GEO Audio zum Beispiel, ja und auch den Deutschlandradio Podcast.

  43. Thomas am 29. Dezember 2007 #

    Hallo! Habe mir mittlerweile auch Gedanken gemacht, gut, nicht wahr?

    http://www.triedel.de/wordpress/?p=37

    Thomas

  44. OverFlow am 16. August 2013 #

    Lustiger Beitrag im Lichte der aktuellen Entwicklung betrachtet. Podcasts haben wohl einfach eine längere Anlaufzeit sowie das Zeitalter der Smartphones gebraucht. Mittlerweile gibt’s in den meisten neueren Autos auch eine Bluetooth Schnittstelle für Audio Übertragung und die ganze Software in dem Bereich kann man nun auch als »advanced« bezeichnen. Auch die Anzahl und Themenvielfalt ist drastisch gewachsen.
    Ich jedenfalls höre kaum am Rechner aber immer unterwegs in der Bahn meine Sendungen. Momentan 5 verschiedene regelmäßig sowie weitere sporadisch je nach Thema. (Hoaxilla, Skeptoskop, Raumzeit, NSFW, TrekCast…)

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