Die eigene Homepage (und andere Träume)

Der Fall »Website«

Definition: Als Website bezeichnet man ein in sich geschlossenes Angebot im WWW, das sich meist durch eine einheitliche Domain-Adresse und eine einheitliche grafische Gestaltung auszeichnet. Eine Website besteht häufig aus mehreren HTML-Seiten.

Probleme: Dieses wunderbare Wort birgt gleich mehrere Fallstricke in sich. Das liegt vor allem daran, dass es sich bei »site« um einen astreinen false friend handelt: Eigentlich bedeutet es auf Deutsch nämlich »Platz« oder »Ort«, und nicht etwa »Seite«. Trotzdem wird »Website« und »Webseite« in Deutschland praktisch synonym verwendet. Der Ausdruck »Webseite« würde jedoch eine einzelne HTML-Seite innerhalb einer Website bezeichnen.

Doch nun zu Fehler Nummer zwei: Dadurch, dass wir zwar meist korrekterweise »Website« sagen, jedoch im Kopf dabei an eine »Seite« denken, machen wir das Wort automatisch weiblich. Die Website. Wenn wir uns an die englische Bedeutung erinnern, ergibt das wenig Sinn: Der Platz, der Ort usw. Konsequenterweise müsste es also im Deutschen heißen: Der Website. Das macht jedoch kein Mensch, auch ich nicht. Lediglich der deutsche Übersetzer des Science-Fiction Romans »Idoru« von William Gibson (Peter Robert) hat da ein bisschen sehr idealistisch gearbeitet. Ich bin da pragmatischer: Es klingt einfach zu fremdartig in unseren Ohren. Punkt.

Deutsche Synonyme für »Website«: Internet-Präsenz, Internet-Auftritt, Internet-Angebot.

Der Fall »Homepage«

Definition: Die Homepage ist die erste einzelne HTML-Seite, die man beim Aufruf einer Website zu Gesicht bekommt. Sie beinhaltet häufig eine Begrüßung des Besuchers, eine Inhaltsangabe oder aktuelle Highlights.

Probleme: Ich rege mich hier seit Jahren auf und predige gegen Wände, dass es sich bei der »Homepage« nicht um ein Synonym für »Website« handelt! Hier ist das Problem nicht eine falsche Übersetzung aus dem Englischen (der Begriff wird weltweit falsch verwendet), sondern eine Verschiebung der Relation des Wortes »home«.

Ursprünglich bezieht sich »home« nämlich auf das Verhältnis der Homepage zur gesamten Website. Sie ist der Anfangspunkt, um eine Website zu erforschen. Man wandert gleichsam zu Hause los, um einen Ausflug in die Weiten des Angebotes zu unternehmen. Nun sind die Menschen irgendwie und irgendwann dazu übergegangen, das »home« auf den Betreiber der Website zu beziehen. Quasi als virtueller Vorgarten, den sich die »Homepageersteller« (Unwort des Jahrzehnts) anlegen und regelmäßig pflegen. Das Prinzip von Web-Services wie Fortunecity, Xoom oder Tripod war ja genau das: Ein jeder baut sich sein kleines Heim im virtuellen Raum auf. Klar, dass sich dafür der bereits existierende Begriff »Homepage« wunderbar eignete. Und so wurde dieser kurzerhand umfunktioniert.

Inzwischen ist es zu spät, um an der Bedeutungsverschiebung noch etwas zu ändern. Obwohl ich es immer noch seltsam finde, dass sich Betreiber einer »Homepage«, die aus vielen einzelnen Unterseiten besteht, damit zufrieden geben, sprachlich gesehen nur eine »Homepage« zu haben. Denn das ist nun mal Singular und impliziert somit, dass es sich hier um eine einzelne Seite handelt. Nun gut. Ich meide das Wort jedenfalls seit geraumer Zeit und sage statt dessen lieber »Startseite« oder »Einstiegsseite«, dann weiß wenigstens jeder, was gemeint ist.

Der Fall »www.«

Definition: »www.« ist eine sogenannte Subdomain und stellt eigentlich einen Unterorder des Hauptverzeichnisses auf dem Webserver dar. Sie hat sich als Quasi-Standard etabliert, wenn es darum geht, Internet-Adressen zu kommunizieren. Bei fast allen Domains wird »www.« auf das Hauptverzeichnis des Webservers umgeleitet und ist dadurch eigentlich überflüssig.

Probleme: Einige Leute kommen damit überhaupt nicht klar, wenn sie zufällig eine Internet-Adresse sehen, die ohne die Subdomain »www« auskommt. Noch mehr Angst bekommen sie, wenn sie eine Subdomain wie »www2« entdecken. Häufig sind sie dann dermaßen verunsichert, dass sie sich nicht einmal trauen, diese Adresse in den Browser einzugeben, weil sie sich dann einen Virus einfangen könnten. Kein Witz.

Nun ist das an sich schon verständlich: Man könnte ja leicht denken, dass es sich bei »www.« um ein technisches Protokoll für Browser und Server handelt, welches aussagt: »Dies ist eine Adresse im World Wide Web.« Dabei ist es ganz anders; nämlich primär ein Erkennungssignal für die Menschen!

Die Server sehen in »www.« etwas ganz anderes: Sie erhalten die Anweisung, ein bestimmtes Unterverzeichnis des Webspace an den Browser des Benutzers auszuliefern. Da dieses Verzeichnis in 99,5% aller Fälle das gleiche ist wie bei Aufruf der reinen Domain ohne »www.«, ist die Angst der Leute komplett unbegründet.

Warum allerdings immer noch die meisten URIs mit »www.« kommuniziert werden, ist mir ein Rätsel. Denn nach über zehn Jahren World Wide Web sollten die Top-Level-Domains wie .de, .com, oder .net doch locker ausreichen, um eine URI als solche zu erkennen, der Mensch ist ja lernfähig. Und geht den Nordamerikanern und Briten das ewige »double-u-double-u-double-u« nicht langsam auf die Nerven?

Der Fall »Computerbild«

Die heroische Mission der großartigen Fachzeitschrift ComputerBILD ist es seit geraumer Zeit, mit den ganzen Fachausdrücken (die eigentlich gar keine Fachausdrücke mehr sind) aufzuräumen und sich eine kleine, autistische Sprachwelt zusammenzuschustern. Leider haben sie inzwischen die göttlichen »sprich: Kompjutähr«-Hinweise getilgt. Doch nach wie vor gibt es Betriebsprogramme, Verbesserungsprogramme und natürlich die Internetzugriffsprogramme. Klingt ein bisschen wie »Reichsdeputationshauptschluss« und ist im Vergleich zu »Browser« eine armselige Kopfgeburt. Während der englische Begriff sich der Sache vom Bauch her nähert, nämlich das Gefühl vermittelt, sich durch die vielen bunten Angebote des WWW zu bewegen, ist »Internetzugriffsprogramm« eine beamtendeutsche Umschreibung, und außerdem extrem schwammig: Denn ist mein FTP-Client nicht auch ein Internetzugriffsprogramm? Und mein eMail-Client? Und mein RSS-Reader? Das eigentliche Internetzugriffsprogramm ist nämlich versteckt im Betriebssystem und stellt die Datenverbindung zum Netz her, derer sich dann Browser und eMail-Client bedienen.

Was lernen wir daraus? Vorsicht beim Schaffen von neuen Ausdrücken! Oftmals trifft es die Sache nicht oder stellt eine Verschlimmbesserung dar.

Der Fall »Syndication«

Definition: Als Syndication bezeichnet man, wenn Inhalte einer Website nicht nur in HTML angeboten werden, sondern zusätzlich in Form eines streng genormten XML-Dokumentes. Die Inhalte dieser Datei können automatisch ausgelesen und verarbeitet werden und a) auf anderen Websites eingebunden werden. b) in Newsreadern angezeigt werden.

Probleme: Ich warte immer noch auf eine passende Bezeichnung für diese Technik. »Syndication« ist kein guter Ausdruck, um die Sache zu beschreiben, denn ein Syndikat ist nun mal primär ein (krimineller) Zusammenschluss von Wirtschaftsfirmen, um gemeinsam mehr Erfolg zu haben. Das mit dem »gemeinsam mehr Erfolg« trifft zwar teilweise zu, wenn man sich Verwendungszweck a) anguckt. Doch in 95% der Fälle werden Syndication-Feeds dazu genutzt, durch b) immer die aktuellen Inhalte einer Website ins Haus geliefert zu bekommen. »Update-Pusher« wäre also ein treffender Begriff, klingt aber doof. Vielleicht fällt uns da ja noch was besseres ein. Spätestens wenn in einem oder zwei Jahren die breite Masse der User den Mehrwert von XML-Feeds entdeckt, werden wir mit Sicherheit wieder lustige Überraschungen erleben. Vielleicht weiß ja ComputerBILD, wie man sprachlich damit umzugehen hat!

29 Kommentare

holli

hach Du sprichst mir aus dem Herzen. Ich bekomme auch immer das kalte Grauen, wenn ich Homepage höre, wo Website gemeint ist. Ganz schlimm finde ich auch Heimseite (ich verrate jetzt nicht, welche Mitbürger diesen Begriff sehr häufig verwenden).
Wegen des “www” sollte vielleicht noch erwähnt werden, dass eine Uri ohne www, nur dann aufgerufen werden kann, wenn das im WebServer auch so konfiguriert ist. Ich prädige das bei uns im Haus auch schon ewig, dass das standartmäßig gemacht werden soll, oftmals wird das aber schlicht weg vergessen.
Resume: Du hast mal wieder den Nagel auf den Kopf getroffen und eine sehr guten Artikel verfasst.

mistkerl

Worum gehts jetzt eigentlich? Um Erinnungen wo bestimmte Begriffe herkommen? Sprache ist gelebte Sprache. Bedeutungen und Schreibweisen von Wörtern ändern sich. Besonders, wenn ein Wort aus anderen Sprachen “importiert” wird. Dabei geht die Sprache manchmal sonderbare Wege (man denke nur an “Handy”) -manchmal in Unkenntnis der fremden Herkunfts-Sprache, manchmal auch einfach nur in besserer Handhabung eines Wortes begründet. Für mich war “Homepage” schon immer die gesamte Webpräsentation. Vielleicht rührt dies auch daher, daß vor ein paar Jahren zur Boomzeit von Geocities, Xoom und anderen sehr viele privaten Homepages aus nur einer einzigen Seite bestanden.
Ich ärgere mich im WWW über ganz andere Dinge. Daß diverse Personen Wortpaare wie “seit” und “seid” oder “wie” und “als”, “daß” und “das” nicht richtig verwenden können.

Martin

Da ‘site’ auch die Uebersetzung ’(die) Stelle’ hat, ist ‘die website’ nicht falsch.

Tom

Öhöm, ich habe viel gelernt :-), frage mich aber, ob das Beharren auf der Etymologie der jeweiligen Bezeichnungen und das strikte Einengen der Wortbedeutung und ihre Verwendungsmöglichkeit sehr viel Sinn ergeben. Wie “mistkerl” schreibt: “Sprache ist gelebte Sprache” und verändert sich als solche ständig. Und nur dann ist eine Sprache “gesund”!
Veränderungen passieren dann, wenn sich die Mehrheit der Sprecher einer Sprache auf eine bestimmte Bedeutung (idealerweise) einigen. Im Deutschen – wie in allen Sprachen – finden sich viele solcher vermeintlich falscher Konventionen.
Aber Bedeutungswandel (Bedeutungserweiterung, -verengung, -verschiebung, -übertragung, -verschlechterung, -verbesserung etc.) ist eine Veränderung, die in jeder Sprache ständig abläuft. Wieso heißt dieses elektronische Ziege-Klick-Gerät “Maus/mouse”? Weil es eben dem Nagetier ähnelt und deshalb metaphorisch auch als solches bezeichnet wird (genauso z.B. auch “web”). Ein (theoretische) metonymische Erweiterung (Teil-Ganzes-Relation) wie bei Homepage (zuerst bezeichnete sie nur die erste Seite, dann – angenommen – die ganze Internetpräsenz) wäre auch völlig üblich, vgl. fr. bureau ‘Schreibtisch’ > ‘Büro’, lt. pecunia ‘Vieh’ > ‘Geld’, engl. tea ‘Tee’ > ‘Zwischenmahlzeit am Nachmittag’, tongue ‘Zunge’ > ‘Sprache’, dt. Bein ‘Knochen’ > ‘Bein’, dt. Wand [zu winden] ‘das ‘Gewundene eines primitiven Flechtwerkbaus’ > ‘jede neue Bautechnik’, prägnant ‘schwanger, trächtig; voll, strotzend’ > ‘gehaltvoll, eindrucksvoll; gedrängt (im Ausdruck); knapp, aber bedeutsam’ usw.
Sicher habt ihr (Gerrit, Holli & Co.) tausendmal mehr Ahnung als ich in Sachen Website-Erstellung und den dazugehörigen Fachbegriffen, aber ich finde es etwas eitel, dann über solche scheinbaren Sprachverirrungen zu schimpfen (letztgenannte unterlaufen uns sowieso ständig; das ist nicht schlimm, sondern normal).
Ich finde auch Heimseite nicht schlecht. Wieso auch? Sagt vielleicht kaum jemand, aber der Begriff sagt auch nicht mehr oder weniger aus als das englische Pendant.
So lange wir uns alle verstehen, finde ich, hat die Sprache ihr Ziel erreicht.

Gerrit

@tom:
Ich finde Deinen Gegenpol zu meinem Artikel sehr schön, denn er zeigt, dass man auch pragmatischer an die Sache ran gehen kann. Ich pendele da immer zwischen der Erbsenzählerei im stillen Kämmerlein und der Praxis da draußen. Vielleicht ist es auch einfach das Portiönchen Klugscheißerei, die für uns Geeks manchmal notwendig ist, um zu zeigen, wie viel wir wissen und wie lange wir uns schon mit der Thematik befassen. Nun denn, nachdem ich dieses »Manifest« geschrieben habe, fühle ich mich auch viel wohler und kann deutlich entspannter in die Diskussion gehen. Auch ’ne Form des Dampf ablassens!

goncourt

Du schreibst: “denn ein Syndikat ist nun mal primär ein (krimineller) Zusammenschluss von Wirtschaftsfirmen, um gemeinsam mehr Erfolg zu haben.”
Was ist dann eigentlich der Syndacus? ;-)
Nein, mir hat der Artikel gefallen. Bei “www” frage ich mich, ob das nicht auch – geschichtlich – im Zusammenhang mit dem Konzept von Tim Berners-Lee gesehen werden muß: dieser hatte seinerzeit befürchtet, daß Firmen wie Netscape das Netz völlig unter proprietäre Fittiche nehmen würden. Er bestand auf “WWW” als einem universalen Netz, das nicht an eine spezifische Plattform gebunden ist. Die Einbindung in den (die?) URI kann ursprünglich auch von daher motiviert gewesen sein (abgesehen von dem von Dir genannten technischen Aspekt).
Zu Tom: Es gibt ein Forum, dessen Moderator bei jeder passenden Gelegenheit sagt: “Es gibt keine Webseiten”. Man sollte “Dokument” sagen, was vermutlich korrekter ist. Ganz habe ich das nie verstanden. Man kann dem pragmatisch entgegenhalten, daß “Seite” sehr wohl eine passende Metapher für das einzelne “Dokument” ist, klingt besser und erspart einem das Tippen von 3 überflüssigen Zusatzbuchstaben.

dante

applaus
du hast es auf den punkt getroffen.

Brümmer, K

Eine schöne Auflistung von Wörter der virtuellen Welt, die zu häufig falsch verstanden und falsch gebraucht werden.
Was jetzt nur noch fehlt, wäre ein Absatz darüber was denn Web-Services wirklich sind ;-)

Karsten

Neben den Web-Services gibt es ja noch ein absolutes Highlight, das unbedingt erklärungsbedürfig ist: Portal.
Unendlich viele Kunden wünschen sich eine »Homepage mit Portalcharakter«.

Philipp

Hi,
zuerst ein großes Kompliment:
Du sprichst mir echt aus der Seele!
Sehr schöner Artikel, hab ich sehr gerne gelesen :o)
Eine kleine Korrektur habe ich da allerdings noch:
Du bezeichnest das »www.« als »Unterorder des Hauptverzeichnisses auf dem Webserver«. Da du ja alles pragmatisch siehst, könnte man das fast als richtig bezeichnen :o)
Vorrausgesetzt, das ein DNS Eintrag für eine gesamte Domain auch auf einen Rechner zeigt, kann man subdomains auch tatsächlich auf verschiedene Ordner deuten lassen. Eigentlich ist eine subdomain aber nichts anderes als ein FQ-DNS-Name. Dieser kann eine Domäne bezeichnen, oder auch einen Computer. Deuten jetzt *.xyz1.de auf die ip 333.333.333.333 (Utopisches Beispiel, funktioniert natürlich nicht) dann kann der Besitzer des Computers mit der IP 333.333.333.333 tatsächlich auch subdomains nutzen. Ist allerdings ein DNS Eintrag der Form xyz1.de eine Domäne, dann könnten www.xyz1.de und www2.xyz.de usw. vollkommen andere physikalische Geräte sein.
Lange Rede (habe selber vergessen worums ging) kurzer Sinn:
Eine Subdomain ist kein Unterverzeichnis, sondern gegebennenfalls der Name des Servers.
Trotzdem, toller Artikel!
Gruß
Philipp

René

ich denke, Begriffe sind immer schwammig. Ich habe mir aber über viele Begriffe auch bisher wenig Gedanken gemacht, daher steht im meiner Seite noch `Homepage von …´.
Aber betrachten wir mal Home = Zuhause. Für mich ist mein Zuhause die ganze Wohnung – einschließlich Keller / Boden – und nicht nur der Korridor. Und da ist der Begriff doch passend.
Aber letztendlich: Namen sind Schall und Rauch. Das, was dahinter steht, ist bedeutent wichtiger, als ob da Hompage, Webseite, Internetpräsenz oder weiß der Geier da steht …

uli

guter aufsatz, der einem vor allem in erinnerung ruft, wie schludrig man inzwischen mit streng formulierten termini umgeht.
vorsicht mit dem internetzugangsprogramm im betriebssystem. es geht eigentlich um übertragungs- und transportprotokolle. ein programm im sinne von »app« sollte man sich nicht darunter vorstellen.

Aristoteles Pagaltzis

Zu den Korrekturen bzgl. DNS und Domains noch einige weitere zum Thema »Homepage«.
Der Begriff wurde mitnichten von »Heimseite der Präsenz« auf das »Heimpräsenz des Betreibers« umfunktioniert, sondern stand schon immer für letzeres.
Unter Unix besitzt ein jeder Benutzer ein Home-Verzeichnis; der Ort, in dem seine Dateien liegen (abseits der strikt davon getrennten Systemdateien). Nun waren Unix-Systeme zu Zeiten vor dem Massenzulauf aufs Internet eine recht gastfreundliche Angelegenheit; mit dem Kommando »finger« konnte man zB Informationen über einen Benutzer eines Systems einholen, wobei man auch den Inhalt der ».plan«-Datei aus dem Home-Verzeichnis des Benutzers zu sehen bekam, sofern dieser eine angelegt hatte. Viele nutzten das als übrigens eine Art Tagebuch; Blogs sind also weitaus älter als das Web selbst. Wie dem auch sei, diese übliche Haltung der Offenheit führte dazu, dass die ersten Webserver schnell mit einem Feature ausgestattet wurden, dass es Benutzer erlaubte, Inhalte im Web zu publizieren: man musste nur Dateien in ein Verzeichnis »public_html« im eigenen Home-Verzeichnis ablegen.
Nun begibt es sich, dass man unter Unix angeben kann, dass ein Dateipfad relativ zum eigenen Home-Verzeichnis sein soll, indem man diesen mit »~« einleitet, zB »~/Mail/« fürs eigene Mailverzeichnis; will man sich auf das Home eines anderen Benutzers beziehen, zB von »hugo« hängt man das an die Tilde an, zB »~hugo/.plan«. Natürlich wurde diese Notation auch fürs Web übernommen — und daher stammt das mittlerweile weit weniger übliche URL-Schema »http://example.com/~user/«, die Fremden Zugriff auf die in «~user/public_html/« liegenden Dateien gewährte.
Die meisten legten dort ein paar Informationen über sich ab; der Begriff »Homepage« als Bezeichnung für das Ergebnis bot sich von selbst an. Natürlich konnte man dort nicht nur eine Seite, sondern beliebig viele ablegen. Der Begriff »Homepage« ist also seit der ersten Stunde so schwammig wie heute. Die wahre Aufweichung besteht darin, jede beliebige Eingangsseite und später auch ganze Websites als Homepage zu bezeichnen. Ursprünglich bezog sich der Begriff ausschliesslich auf die persönliche Präsenz eines bestimmten Benutzers.

Gerrit

Ahhhh. Das ist natürlich eine ganz neue Sichtweise aucf die Dinge! Dankeschön. Nun komme ich tatsächlich ins Grübeln. Vielleicht sollte ich nicht mehr gar so streng mit den Leuten sein?

Teichhase

Ein paar Anmerkungen von mir zum Fall »www.«:
Websites ohne »www.« entsprechen nicht dem Standard. Ein FQDN besteht aus einem Host, einer Domain und einer TLD. Das »www.« ist der Hostname.
Siehe:
http://www.ietf.org/rfc/rfc1594.txt, Absatz 5.2:
Ein FQDN besteht aus einem Host, einer Domain und einer TLD.
http://www.ietf.org/proceedings/03mar/I-D/draft-ietf-dhc-host-option-considerations-02.txt,
Nr. 2. – 3. Definition
http://www.ietf.org/rfc/rfc1535.txt, Backround
... these include the host, domain, and type. Example: foobar.company.com
http://www.ietf.org/rfc/rfc1035.txt
»www.« ist eine sogenannte Subdomain und stellt eigentlich einen Unterorder des Hauptverzeichnisses auf dem Webserver dar.
WWW ist auch keine Subdomain. Wenn man www.www.xyz.de hat, wäre das zweite www eine Subdomain.
Bei www.xyz.de ist das erste www. der Hostname.
Die Applikation, welche in dieser Domain genutzt wird, sollte normalerweise vor die (Sub-)Domain gesetzt werden. Also ftp.xyz.de, www.xyz.de, gopher.xyz.de, wais.xyz.de, mail.xyz.de usw.
Verwendet ihr irgendwo einen Mailserver, der nur z.B. meine-domain.name oder gmx.net heisst? Nein, immer mail.meine-domain.name bzw. mail.gmx.net (oder auch smtp/pop/imap/...). Das ist der gleiche Grund.
Davon abgesehen, gefällt mir die Schreibweise ohne »www.« auch besser, da es einfach kürzer ist.
Viele Grüße
Teichhase

SilentWarrior

Ein kleiner Hinweis der Vollständigkeit halber:
Die Amerikaner/Engländer sagen nicht »double u double u double u«, sondern »triple double u«. Ist zwar auch dämlich, aber immerhin nicht so lang. Warum eigentlich nicht gleich »hexa u«? Verstehe einer die englische Sprache…

Sven Rautenberg

Der gute Teichhase liegt mit seinen Ausführungen zum DNS leider falsch.
Ausführliche Diskussionen/Korrekturen gibts unter http://forum.de.selfhtml.org/?t=106495&m=660054

Malte

Zum Thema »www« habe ich vor ein paar Wochen folgende URI gefunden:
http://no-www.org/

Jan

Falls es jemand interessiert,
die Neuseeländer (und Australier?) sind da ganz kreativ und drücken Webadressen verbal ähnlich pragmatisch wie wir deutschen aus: aus
›double-u-double-u-double-u‹ wird ›dub-dub-dub‹
:)

B. Scheuert

Dieses DENGLISCH ist nichts für mich. Ich versuche möglichst deutsche Fachbegriffe zu nehmen, dann ist Eure Website das gesamte Web. Das was Ihr Website nennt ist übersetzt die einzelne Webseite.

Die Personen, die ihr Web in Deutsch veröffentlichen liegen teilweise gar nicht so falsch mit dem was sie da veröffentlichen.
Ihr verwendet englische Fachbegriffe in deutschen Texten, wöfür es aber deutsche Ãœbersetzungen gibt. Entweder deutsch oder englisch, aber Kauderwelsch ist nicht meine Welt und ich werde bei den mir bekannten Fachausdrücken bleiben.

Warum macht ihr Eure Webs denn eigentlich nicht komplett in englischer Sprache???

Gerrit

Na, werter Herr Scheuert, dann gucken Sie sich doch auf ihrer eignen Heimseite mal die obere Navigation an. »Friends« und »Contact«, wie? Machen Sie sich mal nicht zum Affen hier, wenn Sie nich einmal Ihr eigenes Crdeo einhalten können.

Jens Meiert

Meine zwei Cent:

Zu »Website«: Die deutsche Variante »Webseite« ist mittlerweile ein absolut gebraeuchlicher und IMHO spaetestens auch dadurch absolut legitimer Begriff fuer ein Internetangebot.

Warum? »Website« ist noch nicht wirklich in unserer Sprache angekommen und ist, wie auch schon so bemerkt, in keiner Form »richtiges« Deutsch. Und zudem besteht keine echte »Verwechslungsgefahr«, wenn man »Webseite« als Ausdruck fuer ein ganzes Angebot verwendet – wer benutzt dieses Wort denn schon fuer ein einzelnes Dokument (!), bitte ehrlich, wer?

(Nebenbei, just gestern fiel mir auf, dass in Steve Krugs »Don’t Make Me Think« – gutes Buch, deshalb von mir auch nochmal rausgeholt – auch immer von »Webseite« die Rede ist. Auch wenn dort sowohl die Begriffe »Website« als auch »Webseite« fuer ganze Webseiten verwendet werden.)

Zu »Syndication«: Meines Wissens hat der Begriff im Angelsaechsischen ebenfalls wirtschaftlichen Hintergrund, so dass er im Zusammenhang mit dem Internet nur neue Bedeutung erhaelt. Und somit sind »Syndizierung« und »syndizieren« offensichtlich passende Ausdruecke im Deutschen. Auch wenn sie fuer Neulinge nicht unbedingt so leicht verstaendlich sind – aber darum scheint es in diesem Thread auch nicht zu gehen.

Criena

> Ich meide das Wort jedenfalls seit geraumer Zeit und sage
> statt dessen lieber »Startseite« oder »Einstiegsseite«,
> dann weiß wenigstens jeder, was gemeint ist.

Wobei die Startseite auch die Seite sein kann, die der Browser beim Starten als erstes öffnet. ;-)

Tobias

Fall www.
Ich glaub den Englischsprachigen soll das double-u-double-u-double-u-dot- auf die Nerven gehen. Denn so ist eine mündlich verbreitete URI von vorn herein groß angekündigt und die Aufmerksamkeit der Zuhörer geschärft (Radiowerbung). So gesehen ist es eigentlich bedauernswert, dass das deutsche wewewe so dermaßen schnell auszusprechen geht.

Chris

Sehr guter Artikel. Noch eine Bemerkung:

Laut Duden heisst es »E-Mail«, nich eMail.
Ich glaube letzteres wurde von IBM durch den
ganzen »eBusiness-Wahn« ins Leben gerufen.

Ralph

Habe zur Zeit keinen Text

Suchmaschinenoptimierung Köln

Cool, bin zufällig auf den Thread gestoßen, war sehr interessant zu lesen was noch vor 2 Jahren mit diesen Begriffen abging, ‘zurück in die zukunft’:) Thx!

Steffene

LoL, was soll man da noch sagen.

Artikel auf jeden Fall super ;o).

Ich glaub wir Deutsch machen uns viel zu heiß. Wir versuchen Wörter zu definieren für die es einfach keine konkete Definition gibt.
Das gesammte Internet ist ein Haufen englischer Erfundener Werbe- und Fachbegriffe.
Wir Deutsche stellen nun den Anspruch, dass das alles in unsere Sprache einwandfrei übersetzt werden muss!
Mmh, wie bei Spielfilmen, da wird das dann ja sogar gemacht – versucht.

Fragt mal einen Spanier, Norweger oder Russen, die übersetzten nicht , die lernen Englisch.

Ein normaler User kennt doch garnicht den Unterschied zw. Begriffen, Namen etc. wie: »google«, »ebay«, »www«, »blog«, »link« usw..
Solange das so ist wird sich nix ändern.

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