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Gerrit, 04.02.2010

H.264 für weitere 7 Jahre kostenlos

Das ist mehr als eine Randnotiz: Das MPEG LA-Konsortium hat via Pressemitteilung bekannt gegeben, dass mittelfristig keine Lizenzkosten für das kostenlose Anbieten von H.264-Videos im Internet erhoben werden.

Das bedeutet, dass wir mindestens bis zum 31. Dezember 2016 (also fast sieben Jahre lang) gefahrlos Videos im Netz publizieren können, die mit dem technisch überlegenen H.264-Codec erstellt wurden. Voraussetzung: Der User muss nicht für das Video bezahlen, und die Auslieferung erfolgt über ein Internet-Protokoll (und nicht etwa über Post-Versand).

Für mich ist diese Regelung erstmal in Ordnung so. Sieben Jahre sind im Webdesign eine lange Zeit – und wer weiß, mit welchen Videoformaten wir uns 2016 herumschlagen werden. Kaum eine Website überlebt sieben Jahre ohne Relaunch. Von daher werde ich mich ab sofort noch verstärkt für solche Videolösungen einsetzen, die H.264 als Grundzutat verwenden. Ob das Abspielen dann nativ im Browser oder von einer Flash-Fallbacklösung vorgenommen wird, kann man ja schön kaskadieren, siehe Video for Everybody.

33 Kommentare

  1. Philipp Kruse am 4. Februar 2010 #

    Auf der einen Seite sehr löblich, dass wir hier nicht gleich zur Kasse gebeten werden und erst einmal mit dem schönen Codec arbeiten können. Auf der anderen Seite dürfte das die Entscheidung für einen einheitlichen Standard im Web weiter verlangsamen. An den grundsätzlichen Bedenken seitens Mozilla wird sich zudem wenig ändern – und ich kann sie ein Stück weit verstehen.

  2. Ludwig am 4. Februar 2010 #

    Wenn wir schon bei Erfreulichem sind – hier gibt’s noch was Positives (für Macs) zu »Video im Web«:

    In Flash Player 10.1 we are moving to Core Animation, which will further reduce CPU usage and we believe will get us to the point where Mac will be faster than Windows for graphics rendering.

    Video rendering is an area we are focusing more attention on — for example, today a 480p video on a 1.8 Ghz Mac Mini in Safari uses about 34% of CPU on Mac versus 16% on Windows (running in BootCamp on same hardware). With Flash Player 10.1, we are optimizing video rendering further on the Mac and expect to reduce CPU usage by half, bringing Mac and Windows closer to parity for video.

    via John Nack von Adobe am 3.2.2010

  3. Cedric am 4. Februar 2010 #

    @Gerrit: Es bestand Handlungsbedarf seitens der MPEG LA. Das die bestehende Regelung verlängert wird war abzusehen. Ob das jetzt gut oder schlecht für Videos im Web ist bleibt abzuwarten. Ich glaube aber trotzdem nicht das Mozilla einlenken und Ogg Theora/Vorbis über Board werfen wird. Opensource und so…

    @Ludwig: Jetzt wo alle gegen Flash schießen und Adobe seine Marktanteile gefährdet sieht, fangen sie an Ihr Plugin zu optimieren. Wundert doch keinen wirklich oder?!

  4. Thomas am 4. Februar 2010 #

    Diese Entscheidung ändert aber nichts an den Kosten für Sender und Empfänger und wenn ich das richtig verstanden habe, haftet auch der Empfänger, wenn der Sender etwas falsch gemacht hat, z.B. einen nichtlizensierten Encoder benutzt hat.

    Und sieben Jahre sind keine wirklich lange Zeit, MP3 ist immer noch der Standard, obwohl das Format uralt ist. Und es ist zu befürchten, dass der H.264-Nachfolger genauso mit Patenten durchsetzt ist wie H.264 selbst.

    H.264 ist keine Lösung, egal wie fortschrittlich er ist.

    Ich bin mal wirklich gespannt, wann der erste Patenttroll gegen die MPEG LA schießt und das Lizenzgebäude zum Einsturz bringt. Kann übrigens auch Theora passieren.

    Softwarepatente halt, behindern die Fortschritt und verhindern Wettbewerb.

  5. Gerrit am 4. Februar 2010 #

    Sieben Jahre sind eine verdammt lange Zeit. Und ich kann mich nicht ereinenrn, dass »klar war«, dass die Gratis-Phase verlängert wird.

    Die Geschichte mit den nicht-lizensierten Encodern und Decodern halte ich persönlich für eine vernachlässigbare juristische Spitzfindigkeit ohne praktische Auswirkungen.

  6. Schepp am 4. Februar 2010 #

    Die relevante Frage ist: was macht eine Video-Darreichung kommerziell? Vielleicht allein schon die Tatsache, dass man mit einem Werbebanner auf seiner Seite Geld verdient?

    Ob Mozilla in die Rubrik »nicht zahlungspflichtig« fällt, sehe ich auch nicht als gesichert an. Denn hier wird ja eine Player-Applikation gebaut, nicht H.264-Inhalt.h

    Es wäre halt einfach besser, wenn Apple und Google auch OGG unterstützten und den Qualitätsrückstand durch Mithilfe bei der Entwicklung in die gewünschte Region schrauben.
    Und Nokia kann mit seinen Patentüberraschungs-Bedenken zu Hause bleiben und weinen. Das Risiko gibt es bei H.264 auch, und ich tippe, die wollen einfach eine sowieso eingebaute H.264-Bibliothek in Ihren Handys weiternutzen.

  7. Gerrit am 4. Februar 2010 #

    @Schepp: Es geht nicht um die Kommerzialität des Anbieters, sondern ob die Videos kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Wenn Du Pornoseiten hast, bei denen für den Zugriff auf die Videos bezahlt werden muss, ist das eine andere Sache. Aber wenn es frei heruntergeladen werden kann, ist H.264 okay.

  8. Schepp am 4. Februar 2010 #

    Gerrit hat Recht, hier steht’s:
    AVC Terms Summary

    For (b) (1) where an end user pays directly for video services on a title-by-title basis (e.g., where viewer determines titles to be viewed or number of viewable titles are otherwise limited), royalties for video greater than 12 minutes (there is no royalty for a title 12 minutes or less)

    Zahlen ist für den Anbieter also nur ab mehr als 12 Minuten Laufzeit angesagt und wenn der Videoabruf selbst etwas kostet (hat eigentlich Youtubes Begrenzung auf 10 Minuten Video damit was zu tun?)

    Und für Mozilla ist das »sold« aus der Passage relevant:

    …branded encoder and decoder products sold…

    Ohne »sold« keine Gebühren.

    Ändert aber nichts daran, dass ich eine breite Ogg-Unterstützung immer noch sinnvoller fände.

    PS: Zitat-Textile geht (visuell) nicht… sniff

  9. LeNom am 4. Februar 2010 #

    Gerrit, wo gibt es die Pressemitteilung? Auf der von dir verlinkten Seite kann ich die Informationen zur Verlängerung der Gratisphase nicht finden. Oder übersehe ich etwas?

  10. LeNom am 4. Februar 2010 #

    Pseudo-Edit: Hab die Pressemitteilung doch noch gefunden. :) Hier ist der Link: MPEG-LA-Pressemitteilung

  11. paul am 4. Februar 2010 #

    Das ist doch eine schöne Reaktion des Konsortiums auf deinen Blogpost von gestern! :)

  12. Heiner am 4. Februar 2010 #

    Die Video-for-Everybody-Seite crasht bei mir allerdings sofort und zuverlässig den Browser-Tab (Vista, Chrome 4.0).
    Falls das am Video liegt, sollte man es also besser irgendwie anders machen. :)

  13. marek am 4. Februar 2010 #

    »vernachlässigbare juristische Spitzfindigkeit ohne praktische Auswirkungen«?

    Abwarten, aber würde mich nicht wundern, wenn da erstmal abkassiert wird.

    Und dann musst du erstmal eine Lizenz für die kommerzielle Erstellung der Videos kaufen, was wird das wohl kosten?

  14. Gerrit am 4. Februar 2010 #

    @LeNom: Okay, da hatte ich den Link falsch gesetzt. Danke.

  15. Christian am 4. Februar 2010 #

    Mal angenommen, Mozilla sträubt sich weiterhin gegen H.264 in Firefox. Wäre es denn theoretisch denkbar, den H.264-Support per Plugin-Codec (nein, nicht so etwas Komplexes wie Flash) installierbar zu machen? Oder gibt es so was vielleicht sogar schon?

  16. Gerrit am 4. Februar 2010 #

    @Christian: Das klingt sehr clever. Das Plugin müsste jedoch – um nicht kostenpflichtig zu sein – den Decoder nicht selber mitbringen, sondern eine Verbindung zum Betriebssystem herstellen, weil ein H.264-Decoder nunmal Geld kostet, auch wenn das viele nicht wissen, weil er mit dem Betriebssystem mitgeliefert wird.

  17. Christian am 4. Februar 2010 #

    Zum Thema Ogg: Der riesengroße Vorteil von H.264 ist m.W., dass es den Decoder als Hardwarechip gibt, was gerade für schmalbrüstige / mobile Geräte ein Riesenvorteil gegenüber Software-Decoding ist. Oder gibt es Ogg auch in Hardware?

  18. Fla am 4. Februar 2010 #

    Hier noch ein Pflicht-Artikel zu diesem und den letzten Posts zu Flash/HTML5/Video etc. Endlich mal ein erwachsener Beitrag und nicht diese ganze Kinderkacke, die zu dem Thema überall gepostet wird. LESEN!!!

    Flash/HTML5/Video

  19. Willi am 5. Februar 2010 #

    »(…) nicht diese ganze Kinderkacke, die zu dem Thema überall gepostet wird. LESEN!!!«

    Wie bitte? Ich glaub, du solltest mal deinen Ton überdenken.

  20. Simon am 6. Februar 2010 #

    @Christian:
    Ogg ist ein Containerformat, H.264 ein Videokompressionsstandard… das eine hat mit dem andern nichts zu tun.

    Für den freien Audiocodec Vorbis gibts es eine freie Referenzimplementierung ohne FP-Berechnungen speziell für Hardwarechips. Wenn Nachfrage da ist, werden da auch relativ schnell Chips in großen Mengen verfügbar sein.

    Viele MP3-Player unterstützen Vorbis ja auch … ich nehme mal nicht an, dass die da einen riesigen Prozessor drin haben nur um Vorbis extra zu dekodieren.

    An der Audio-Front ist Vorbis durchaus konkurrenzfähig, sowohl die Spezifikation, als auch die einzelnen Implementierungen sind sehr gut.

    Theora (der freie Videocodec) könnte von der Spezifikation in ähnliche Qualitätsregionen vorstoßen wie H.264, allerdings war der derzeitige Encoder nicht wirklich gut. Der neuere Refernzencoder 1.1 ist von der Qualität erheblich besser.

    Ich hoffe, dass sich Vorbis/Theora + MKV-Container auf Dauer durchsetzen werden. Wenn die MPEG-LA gedacht hätte, sie hätte im Web bereits gewonnen, hätte sie wohl kaum die Lizenzbedingungen gelockert.

    Ich denke auf Dauer wird jeder Browser zumindest einen Vorbis-Decoder mitbringen, weil alle Audioinhalte auf Wikipedia/Wikimedia ebenfalls in Vorbis sind. Nachdem sich die Benutzer an die nativen Bedienungselemente gewöhnt haben, wird nicht jeder wieder zurück zu Flash und ähnlichen Krücken wollen.

  21. Willi am 6. Februar 2010 #

    Die Theora-Unterstützung kann man am Mac sehr leicht systemweit nachrüsten (Quicktime-Plugin), für Windows gibt es bestimmt auch ähnliches. Schade nur, dass das bei mobilen Geräten nicht so einfach ist, sonst wäre die Lösung für mich sehr naheliegend.

  22. Onno Tasler am 6. Februar 2010 #

    Soweit ich weiß unterstützt ffdshow Theora. Und da ffdshow ein Direct-Show-Codec ist, müsste unter Windows nach der Installation ebenfalls systemweit Theora zur Verfügung stehen.

  23. Simon am 6. Februar 2010 #

    Vorsicht! Die Installation eines Codecs in das Multimedia-Framework des jeweiligen Betriebssystems heißt nicht, dass Browser das auch nutzen können.

    Zumindest bei Firefox und Chrome weiß ich, dass sie explizit nicht die jeweiligen auf dem System vorhandenen Codecs benutzen wollen, weil sie dann mehr oder weniger die Sicherheits-Verantwortung für das komplette Multimedia-Subsystem gegenüber ihren Benutzern übernehmen müssen.

    Außerdem scheint dieser Weg nicht mit dem Sicherheitsmodell von Chrome (k. A. beim Firefox) verienbar zu sein.

    Im Endeffekt werden die Video-Seiten – vor allem YouTube – darüber entscheiden wie es weitergeht:

    - Wenn diese Seiten Vorbis/Theora anbieten, ist das Rennen gelaufen: Adobe und die MPEG LA haben verloren, die restlichen Browser-Hersteller, deren Software noch nicht Vorbis/Theora dekodieren kann, werden die Unterstützung nachrüsten.

    - Wenn diese Seiten H264 anbieten, dann werden wir uns noch in 15 Jahren (bis vermutlich alle Patente abgelaufen sind) mit Flash-Fallbacks rumärgern müssen.

    In diesem Licht sollte man auch die Ankündigung des Konsortiuns verstehen: Solange noch nicht überall die Entscheidung gefallen ist, welcher Browser, welche Seiten welches Format unterstützen werden, möchte man den eigenen Standard im guten Licht dastehen haben.
    Denn wenn die Video-Seiten/Browser-Hersteller sich für Vorbis/Theora entscheiden, ist das erhoffte Abkassieren Geschichte.

  24. Fabian Neumann am 7. Februar 2010 #

    Und zum Relaunch 2017 kodierst du dann alle Videos auf deiner schönen kostenlosen Video-Plattform um?! Für mich ist diese Regelung erstmal nicht in Ordnung so.

  25. Gerrit am 7. Februar 2010 #

    @Fabian: 2017 gibt es nur noch Essen aus Tuben und fliegende Autos. Aussagen über Videocodecs sind viel schnellebiger. Umkodieren ist Ehrensache, das macht Youtube auch alle zwei Jahre.

  26. Willi am 7. Februar 2010 #

    »- Wenn diese Seiten H264 anbieten, dann werden wir uns noch in 15 Jahren (bis vermutlich alle Patente abgelaufen sind) mit Flash-Fallbacks rumärgern müssen.«

    Der Video-Tag unterstützt mehrere Videoquellen. Klar, man muss dann alle Videos in H.264 und Theora kodieren. Aber kleine Sites haben ja nicht so viele Videos und große Sites sollten auch die dafür notwendige Rechenkapazität besitzen. Scheint mir die bessere Lösung zu sein als externe Plugins zu bemühen.

  27. Simon am 8. Februar 2010 #

    @Willi

    Dann ist nur die Frage, ob sich überhaupt noch jemand die Mühe mit Vorbis/Theora macht, wenn er im Flashplayer die gleiche H264-Datei verwenden kann wie im <video>-Tag.

    Aus Sicht des Web-Designers sieht es doch so aus:

    Entweder: H264 <video> + Vorbis/Theora <video> + Flash-Fallback = 2* Codieren, 3 verschiedene Codepfade.

    Oder: H264 <video> + H264 Flash-Fallback = 1 * Codieren, 2 verschiedene Codepfade.

    Was wird der hart arbeitende Designer wohl tun? :-)

    Wenn H264 die Oberhand bekommt, können wir uns
    a) noch Jahrzehnte mit Flash rumärgern und/oder
    b) die nächsten Jahrzehnte noch zusätzlich andere Formate bereitstellen. Und wer garantiert, dass wir da bei 2 verschiedenen Formaten schon am Ende der Fahnenstange sind? Gerade aus den Anfängen der MP3-Player haben wir doch gesehen, dass jeder Hersteller am liebsten nur sein eigenes Format unterstützt hätte.

  28. Schepp am 8. Februar 2010 #

    Folgender lesenswerte Telepolis-Artikel fasst alle Aspekte und Szenarios sehr gut zusammen:

    HTML5 und die Zukunft von Video im Netz
    Der neue Webstandard HTML5 ermöglicht es, Videos im Browser ohne Zusatzplayer abzuspielen. Doch welches Videoformat dafür eingesetzt wird, ist noch nicht entschieden – im Wettstreit zwischen dem Open Source Codec Ogg Theora und dem proprietären, lizenzpflichtigen H.264 scheint letzterer die Oberhand zu gewinnen

  29. Willi am 8. Februar 2010 #

    @Simon: Wozu der Flash-Fallback? Selbst Microsoft will auf HTML5 setzen. In zwei, drei Jahren sollte die HTML5-Verbreitung hoch genug sein, dass wir auf ältere Browser verzichten können sollten.

  30. Gerrit am 8. Februar 2010 #

    @Willi: Aber nur in Deiner Fantasie! Ich unterstütze noch heute bei allen Kundenseiten den IE6 von 2001. Fallbacks wird es noch sehr lange geben!

  31. Don am 10. Februar 2010 #

    <video>theHistoryOfFlashAsVideoPlayer.mov<video>

  32. flying sheep am 15. Februar 2010 #

    Ist der IE6 in Europa wirklich noch relevant? Wenn man sich die Statistiken ansieht, sind es unter 8%, Tendenz fallend: http://gs.statcounter.com/#browser_version-eu-daily-20091029-20100215

    @Theora & co.: Das einzige Problem ist Googles derzeitiges Favorisieren von H.264… Wie wird es mit dem Firefox weitergehen, wenn Youtube plötzlich nur noch HTML5-Viedeo mit diesem Codec unterstützt? Richtig: gar nicht. Firefox wird für Linux-Nerds wie mich bleiben, der Rest nutzt Chrome.

    PS: Firefox wird nie H.264 unterstützen, das haben einige Devs klargestellt.

  33. wolff am 20. Februar 2010 #

    Kleine Randnotiz von einem Opera-Nutzer:

    Opera setzt seine Video-Implementation auf GStreamer auf (siehe Introducing video). Zumindest unter Linux ist damit Unterstützung für H.264 trivial nachzurüsten. Wie es unter Windows und Mac aussieht, weiß ich nicht.

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