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Gerrit, 18.07.2007

Gute Lucida, schlechte Lucida

Zurzeit frage ich mich, ob die Lucida überhaupt eine coole Webschrift ist. Ganz klar, eine Überarbeitung meines 3 Jahre alten Webschriften-Essays steht an, denn dort fehlt die Lucida gänzlich, obwohl dort mit der Bitstream Vera eine echte Exotin mit aufgelistet ist, die quasi nur unter Linux häufiger anzutreffen ist.

Anders die Lucida – man sieht sie in den letzten 3 Jahren wirklich häufig im Netz. Vor allem auf Apple-affinen Seiten, das ist richtig, aber durchaus auch woanders. Wobei man hier immer unterscheiden muss: Auf dem Mac heißt die Schrift »Lucida Grande«, unter Windows sollte man sie als »Lucida Sans Unicode« ansprechen. Auf letzterem Betriebssystem genießt sie eine Verbreitung von »nur« geschätzten 90 Prozent, weil sie meines Wissens in der Prä-XP-Zeit nicht Standard war und mit MS-Office nachgerüstet werden musste.

Hier einmal ein paar Screenshots der Lucida, einmal unter Mac OS X (Achtung: Schriftglättung »Mittel« für LCD-Monitore):

Und das gleiche unter Windows XP (Schriftglättung mit manuell kalibiriertem ClearType):

Was fällt auf?

  • In 14 Pixel ist die normale Lucida eine Platz sparende und gut lesbare Screenschrift, auf beiden Systemen.
  • Die Lucida besitzt in beiden Varianten keine echte Kursive, nicht einmal einen manuell angepassten Oblique-Schnitt, sondern wird wirklich richtig hässlich schräg gestellt.
  • Unter Windows sind die Buchstaben – gerade in höheren Schriftgraden – extrem viel dünner und kommen echt zierlich rüber, was mit dem Pixel-Grid und dem manuellen Hinting einzelner Schriftgrade zusammenhängt. Ist also so gewollt von Microsoft, während sich die Mac-Darstellung an den tatsächlichen Vektordaten des Fonts orientiert.

Was tun also? Mich ärgert die fehlende Kursive der Lucida maßlos, zumal es keine besonders hübschen Ausweichmöglichkeiten gibt. Man kann da zwar durchaus mit der Arial oblique experimentieren, wie ich es hier im Blog derzeit versuche, aber dolle ist das nicht.

Andererseits kann man sich doch mit der Lucida immer noch als moderner und cooler Webdesigner ein wenig von der Masse absetzen, da die meisten WYSIWYG-Traditionalisten und Ewiggestrigen noch gar nicht wissen, dass es außer Arial und Verdana noch weitere Serifenlose gibt, die man verwenden kann.

Eine Sache würde ich jedoch höchstwahrscheinlich nicht machen: Lucia in Schriftgraden von über 20 Pixel – hier fängt es irgendwie an, klobig und klumpig auszusehen. Fließtext okay, aber wenn’s größer wird, setze ich fast lieber auf Arial – mit 1px weniger Laufweite oder so. Wie seht Ihr das? Lucida-Fans oder -Gegner unter meinen Lesern?

30 Kommentare

  1. Michael Preidel am 18. Juli 2007 #

    Es gibt allerdings auch eine Lucida Sans mit einer echten Kursiven – ich nehme an, dass die bei mir mit Microsoft Office installiert wurde. Auf Rettet-Park-Babelsberg setze ich sie ein. Wer sie nicht installiert hat, sieht dann eben die schräggestellte Version.

  2. Gerrit van Aaken am 18. Juli 2007 #

    Hmm, die sieht mir verdächtig nach der kursiven Trebuchet MS aus … Muss ich mal gegenchecken!

  3. Michael Preidel am 18. Juli 2007 #

    Nein, das ist tatsächlich die Lucida Sans – die Trebuchet-Kursive sieht doch deutlich anders aus. Hier der direkte Vergleich.

  4. Gerrit am 18. Juli 2007 #

    Jaja, aber auf dem ersten Screenshot ist es in der Tat die Trebuchet MS, die da als italic fungiert (Mal das kleine g angucken!)

  5. Michael Preidel am 18. Juli 2007 #

    Du hast recht – ich hab das gar nicht mehr überprüft. Da muss ich jetzt wohl mal checken, auf meinem Powerbook (der Screenshot stammt vom Mac Pro) ist dort nämlich tatsächlich die Lucida  …

  6. Michael Preidel am 18. Juli 2007 #

    Ähem, wenn die Lucida Sans auf dem Mac Pro nicht aktiviert ist, kann sie auch nicht angezeigt werden – hier jetzt der Screenshot mit der Lucida italic.

  7. Gerrit am 18. Juli 2007 #

    Hübsch! Leider ist die Lucida Italic nicht sehr verbreitet wie es scheint – Microsoft Office kommt mir nicht auf meinen Mac!

  8. Boris am 18. Juli 2007 #

    Ich finde die Lucida(s) durchaus angenehm lesbar, hatte sie früher auch mal als Schrift im Blog eingesetzt. Sie erschien mir aber nach einiger Zeit als etwas zu fett auftragend, weswegen ich sie im jetzigen Layout nicht mehr habe. Wobei das »fett auftragend« gerade in der feiner wirkenden Windows-Variante eher auf die Kompaktheit zurückzuführen ist.

  9. typneun_ms am 18. Juli 2007 #

    Lucida-Fan! Allerdings nur auf Mac. Man fühlt sich als Macianer auf Lucida-Websites irgendwie gleich zu Hause …

  10. Dennis Horn am 18. Juli 2007 #

    Bin auch großer Lucida-Fan, allerdings habe ich mich genau wegen des schlechten Aussehens letztens erschreckt, als ich eine Seite in über 20 Pixeln Schriftgraden geschrieben habe. Da bin ich auch umgestiegen.

  11. Philipp am 18. Juli 2007 #

    Wenn ich mich da richtig erinnere ist vor allem die Lucida Sans Unicode ohne Kantenglättung ein äußerst hässlicher Anblick. Damit wird es leider deutlich erschwert, eine solche Seite Kunden unterzujubeln, die das nicht aktiviert haben – meiner Erfahrung nach sind das nicht wenige.

  12. DrWatson am 18. Juli 2007 #

    Ja, die Lucida läuft als Fließtextschrift recht ökonomisch, und obwohl sie für meinen Geschmack ja doch ein bisschen weniger fett sein könnte ist ein ganz netter Anblick — am Mac. Von mir aus mag es ja dieses und jenes Argument für die Windows-Art der Schriftdarstellung geben, ich finde es aber einfach nur grausam, wie dort Schriften verunstaltet werden. Da dies aber bei allen Schriften passiert ist das kein Argument gegen die Lucida, und deshalb verwende ich sie gerne als Verdana-Alternative (die in bestimmten Schriftgraden auch am Mac hässlich sein kann).

  13. poms am 18. Juli 2007 #

    >Wenn ich mich da richtig erinnere ist vor allem die Lucida Sans Unicode ohne Kantenglättung ein äußerst hässlicher Anblick.

    Ja, deshalb wird Sie von mir auf „Kundenseiten“ nicht eingesetzt.

  14. Mimo am 18. Juli 2007 #

    Ich bin für die Tahoma und die Verdana.

  15. Brutos am 18. Juli 2007 #

    Cleartype FTW!
    Nein, ich finde das die Mac Kantenglättung schrecklich aussieht, aber jeder hat seine eigene Meinung.

  16. Sven am 18. Juli 2007 #

    Lucida Fan und auf dem Serif-Sektor ungebrochener Georgia (auch gerne in der kursiven)-Fan. (Allerdings bin ich auch auf Cupertino-Geräten zuhause :))

  17. Konstantin am 18. Juli 2007 #

    ach, mit negativen letter-spacing schaut die Lucida in großen Schriftarten gar nichti so übel aus.

  18. Yannic Walter am 18. Juli 2007 #

    noch ein Lucida Fan.
    Allerdings nur unter OS X.
    Cleartype gefällt mir garnicht, die Schriften sehen immer so dünn und »brüchig« aus..

  19. Florian am 18. Juli 2007 #

    Lucida Grande auf OSX ist eine wunderbare Webschrift, imho.
    Wer mit der Darstellung der LSU auf Win nicht zufrieden ist, muss sich eben der Frage stellen, ob plattformübergreifende Konsistenz bedeutet, dass alle das nominell gleiche (LG, LS, LSU, sans-serif) bekommen, oder ob es nicht doch besser ist, jeweils das beste verfügbare (LG, Tahoma, Verdana, sans-serif o.ä.) zu servieren.

    Dass Apple die Italic nicht mitlizenziert hat: wirklich schade!
    Aber: Nicht jede Webgestaltung braucht zwangsläufig eine Kursive. Auszeichnungen lassen sich ja auch durch Farbe, Hinterlegung, (kompletten, deutlichen) Schriftwechsel und vieles mehr bewerkstelligen. Bold gibt es ja immerhin.

    Nur: Die Kombination mit Arial oblique stößt mir immer wieder unangenehmn auf. Die ist leider so knapp daneben: Auch ’ne Sans, ähnliche Strichstärke – aber halt so gar nicht humanistisch-schlank. Und das beißt sich.

    Das Thema (Lucida Grande vs. Lucida Sans) wurde übrigens auch bei Typophile schon einmal beleuchtet.

  20. Jörg L. am 18. Juli 2007 #

    Die Beispielbilder von Michael Preidl ergeben für mich leider nur ein Bildchen, das sagt »Hotlinks sind böse«.

  21. Jürgen Siebert am 18. Juli 2007 #

    Lucida Grande ist die Mac-OS-X-Systemschrift. Apple liefert diese Schrift mit jedem Rechner, damit sich der Schreibtisch (Finder), Menüs, Dialogboxen und die mitgelieferte Software mitteilen können. Eine kursive Version ist für diese Jobs nicht vorgesehen, wird also auch nicht gebraucht (fett sehr wohl, und daher gibt es auch eine Lucida Grande Bold).
    Als Webdesigner würde ich nicht auf eine Schrift setzen, die technisch und lizenzrechtlich (ein Lucidas Grande pro Mac OS X) limitiert ist. Genauso rate ich dringend davon ab, Drucksachen mit Systemschriften anzufertigen (zum Beispiel Arial) ... die neuerdings gar keine (kostenlosen) Systemschriften mehr sind (in Windows Vista).
    Dass Apple selbst die Lucida Grande auf seiner frisch redesignten US-Website einsetzt, kommt einem Schuss ins Knie gleich: Wegen der fehlenden Kursiven werden längere Texte zu Pixel-Wüsten ohne jede Struktur: http://www.apple.com/pro/profiles/sammon/

  22. Heiner am 18. Juli 2007 #

    Nervig bei der Lucida unter Mac OS X (Windows: keine Ahnung) ist, dass der Gedankenstrich (–) zu kurz und der Bindestrich (-) zu lang ist, sodass beide nicht zu unterscheiden sind. Merkwürdig.

  23. Tobsen am 18. Juli 2007 #

    Wer mehr Lucida unter OS X will:

    /System/Library/Frameworks/JavaVM.framework/Versions/1.xx/Home/lib/fonts

  24. Ralf Herrmann am 18. Juli 2007 #

    Die gleich langen Binde- und Gedankenstriche sind bei Systemfonts standard. Das steckt eben keine typografische, sondern eine Interface- bzw. Programmierer-Denke dahinter. Nur hier ist auch so etwas paradoxes wie der »hyphen-minus« als offizielles Unicode-Zeichen denkbar.

    Die Lucida ist schon okay. Als ich noch auf PC unterwegs war, hat mich immer tierisch genervt, dass Super-Duper-CSS-Seiten neben Grande und Lucida Unicode auch »Lucida Sans« als Font vorgaben. Da springt bei vielen Designern die PostScript-Variante an, und dann kann man wirklich gar nix mehr lesen.

    Ralf

  25. Steffen am 19. Juli 2007 #

    Die Lucida ist schon eine erfreuliche Abwechslung um sonst tristen Webtypografie-Alltag. Nur wie schon angesprochen unter Win kann man sie kaum einen Geschäftskunden unterjubeln, da wirkt sie einfach ein bisschen zu schwach und verspielt auf die meisten.

  26. gitarrengewitter am 19. Juli 2007 #

    ich find die lucida wirkt etwas holperig. ich bevorzuge tahoma, arial und verdana und zusätzlich für vista die candara falls es mal was besonderes sein soll.

    zum thema schriftglättung am mac:
    http://www.typografie.info/typowiki/index.php?title=Microsofts_ClearType-Schriften&redirect=no

    ich persönlich finde die schriftglättung am mac ziemlich grausam, da hat microsoft seinen job eindeutig besser gemacht.

    und übrigens gerrit: screenshots vom WIN-PC sehen unter osx nochmal etwas blasser aus. unter XP sieht die schrift noch etwas knackiger aus, m.e. genau richtig.

  27. Lu am 19. Juli 2007 #

    Ich finde Deinen Idee, den Artikel zu Schriften zu überarbeiten, gut! Es ist ein wertvoller Beitrag für alle Webgestalter, wenn auch nicht ganz aktuell. Die WinVista Schriften sollten meiner Meinung nach auch Erwähnung finden!
    Die Lucida wirkt auf Deinem Mac-Screenshot bold!

  28. Michel am 19. Juli 2007 #

    Gerrit, die Arial oblique kommt im Gegensatz zur Lucida Grande ein wenig groß daher. (Sieht man sehr schön beim ›a‹ und ›e‹) Sollteste ‘n bisschen verkleinern, es sei denn dann kommt die böse Arial-Matsche raus.

  29. P.J. am 20. Juli 2007 #

    Vielleicht ist ja bald die Corbel verbreitet genug, dass man sie in Webseiten einsetzen kann (und zugleich hoffen, dass sie ein großer Teil der Besucher auch sieht). Die wäre eine schöne Alternative zur Lucida. Sie sieht – wo vorhanden – auch auf Macs mehr als passabel aus.

  30. HSC am 17. Juni 2009 #

    Ja, sehe ich auch so. Nur Verwendung auf Apple affinen Seiten ist sinnvoll. Das Antialiasing am Mac ist für mich in der Default-Einstellung zu weich, die scharfe Einstellung für CRTs passt zu meinen LCDs perfekt.

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