Gerrit macht sich frei – Teil 3: Die steuerliche Erfassung

Gerrit und das Finanzamt

Ja, ich kann es bestätigen: Selbst das Finanzamt nutzt inzwischen moderne Kommunikationsformen wie beispielsweise E-Mail. Zumindest das Finanzamt Hofheim am Taunus. Nachdem ich vorletzte Woche formlos per Mail angekündigt habe, mich selbstständig zu machen, kam zwei Tage später schon ein dicker Umschlag mit diversen Unterlagen, die sich um die steuerliche Erfassung, vor allem im Sinne der Umsatzsteuervoranmeldung drehten. So richtig verstanden habe ich den Kram zwar noch nicht, aber offenbar muss ich jeden Monat per lustiger Elster-Software meine aktuellen Einnahmen und Ausgaben angeben. Da ich den Behörden im Allgemeinen vertraue, lasse ich mich sogar auf eine Einzugsermächtigung ein.

Komplizierter war da schon der vierseitige Fragebogen, vor allem, als es um die Frage nach dem geschätzten Umsatz im Laufenden und im nächsten Jahr ging. Wie soll ich das nur beantworten? Ich habe dann einfach ganz blöde mein aktuelles Gehalt hochgerechnet, zehn Prozent draufgeschlagen und mutig ausgefüllt!

Wichtig ist offenbar, dass man die Versteuerung nach dem Zuflussprinzip regelt, dass heißt: Steuern werden nur dann gezahlt, wenn das Honorar für meine Aufträge auch auf dem Konto angekommen ist, nicht etwa direkt nach Rechnungsstellung! Sollte für Freiberufler kein Problem sein – anders wäre es mehr als unfair!

Eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer habe ich mir auch mal geben lassen, denn das soll notwendig sein, wenn man Aufträge aus dem Ausland annimmt. Könnte ja auch mal vorkommen. Was es allerdings mit der Dauerfristverlängerung für die Abgabe der Umsatzsteuer-Voranmeldung auf sich hat, kann ich absolut nicht sagen. Ich habe das dann einfach mal beantragt, weil es gut klingt!

Generell war dieser Fragebogen für mich schon ein wenig kniffeliger als der Fragebogen des KSK. Andererseits bin ich bei beiden Behörden ja sehr zeitig dran und werde hoffentlich etwaige Fehler beim Ausfüllen noch rechtzeitig mitgeteilt bekommen. Mal sehen!

37 Kommentare

karen

kurz zur dauerfristverlängerung: du musst deine umsatzsteuervoranmeldung immer bis zum 10ten des folgemonats angeben und auch bezahlt haben. die verlängerung gibt dir dann noch mehr zeit, wie lang das ist, weiß ich wiederum nicht;)

viel spass noch beim freimachen,
gruß karen

Daniel

Man bekommt dann noch einen Monat länger Zeit. Man zahlt damit aber auch einen (ich glaube) geschätzten Beitrag im voraus. Wie ich das verstanden habe wird der dann im Dezember wieder ausgeglichen und im Januar zahlt man einen neuen.

Freddy

Daniel: Man zahlt während des Jahres grundsätzlich die gesamte Umsatzsteuer im Voraus. Darum heißt es ja auch »Umsatzsteuervoranmeldung«. Die »Umsatzsteuererklärung« ist im Mai des Folgejahres fällig. Dann wird Bilanz gezogen.

Die Fristverlängerung ist aber das: eine Fristverlängerung. Und sie kostet weder Gebühren noch Vorauszahlungen.

An Gerrit: Viel Spaß bei den ersten Schritten im Steuerrecht. Nur so viel: Als Gründer MUSST du in den ersten beiden Jahren monatlich steuererklären. Die Einkommensschätzung wollten sie von dir, damit du gleich anfangen darfst, die Einkommensteuer entsprechend vorzustrecken (kein Grund, bei der Schätzung optimistisch zu sein). Auch dürftest du die Grenze nicht überschreiten, die eine volle doppelte Buchführung bedingt, und bei Einnahmen-Ausgaben-Rechnung wird generell das Zuflussprinzip angelegt — und spätestens bei der Einkommensteuererklärung ist es ohnehin Pflicht (Hinweis: Auch bei Zu- und Abrechnen der Umsatzsteuerzahlungen! Ãœberweisungsdatum ist ausschlaggebend, nicht Steuerzeitraum!).

Und bei der KSK bin ich auch nach 12 Jahren Designertum noch nicht vorstellig geworden. Du solltest beachten, dass man deren »Arbeitgeberanteil« auch dem Kunden in Rechnung stellen und somit auch ankündigen muss.

Max

Ich verstehe zwar nicht warum du unbedingt eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer für Aufträge aus dem Ausland brauchst, aber ich würde da mal zu einem Steuerberater gehen oder zu einem Juristen, der Sich damit auskennt. Denn soweit ich weiß, ist eine Umsatzsteuer-Voranmeldung ist nicht immer ratsam und mit sehr viel Aufwand und »Papierkram« verbunden.
Vielleicht ersparst du dir ja erstmal lieber das monatliche voraussichtliche Ausfüllen der Blätter und lässt dich davon befreien.
Wäre doch schade, wenn du noch weniger Zeit zum schreiben hättest!

Gerrit van Aaken

@Max: Um das monatliche Voranmelden komme ich nicht drumrum, das ist in den ersten Jahren Pflicht für jeden Freiberufler! Außerdem stehe ich ja nicht ganz ohne Ratgeber da, habe mir schon vor einiger Zeit den Ratgeber Freie von Goetz Buchholz gekauft  … Steuerberater und andere Abzocker lasse ich erstmal aus dem Spiel :-)

Florian

Außerdem stehe ich ja nicht ganz ohne Ratgeber da, habe mir schon vor einiger Zeit den Ratgeber Freie von Goetz Buchholz gekauft

Kennst Du ”ºParcours”¹ – Anleitungen zur Selbständigkeit für Künstler und Designer”¹, eine recht hilfreiche, nett gemachte Publikation, die von der Hochschule für Gestaltung in Offenbach am Main herausgegeben wurde? Ist als PDF auf deren Website zu finden (kostet aber 5€ Schutzgebühr).

Nicole Simon

arg

Dir ist schon klar, von wem der Ratgeber Freie finanziert ist? Und ich würde mitnichten mich nur darauf verlassen, aus dem einfachen Grund das besondere Dinge bei Dir mit ins Spiel kommen können.

Die Angabe Deines momentanen Gehalts ist schon mal ziemlich dumm – viel Spaß bei der Diskussion mit dem Finanzamt, warum Du nicht gleich diese Dinge auch abführst, die Steuerschätzung wird auf Deine Angaben aufbauen  …

Und speziell wenn Du vorhast ins Ausland zu verkaufen – man nehme nur die Ãœbertragung von Rechten und die daraus resultierenden anderen Gesetze  …

Eine Grundberatung bei einem sinnvollen Steuerberater ist Pflicht, vor allem bei Deinem momentan offensichtlichen Kenntnisstand. Das ist nicht Abzocke, sondern das sind Profis.

Ãœbrigens – genau aus diesem Grunde wurde m.E. diese Regelung der monatlichen Meldung eingeführt – zu viele Gründer sind dann am Ende des Jahres daran gescheitert das sie ups auch noch Steuern bezahlen mußten.

Einfaches Beispiel: Du hast Dir sicherlich noch keine Gedanken über sinnvolle Ansparabschreibungen in diesem Jahr gemacht und warum es in diesem Jahr sinnvoll ist  …

Es kann für Dich u.a. sinnvoll sein, das erste Jahr ohne Umsatzsteuer zu betreiben – aber wenn Du Dich gleich flugs dafür anmeldest, ist das Pflicht und keine Chance auf Veränderung.

Und KSK muß man auch dann dem »Arbeitgeber« sagen, wenn man nicht der KSK angehörig ist, aber das ist ein anderes Thema.

Anstatt sich nur auf ein paar Bücher zu verlassen, würde ich ganz dringend dazu raten, die entsprechenden Gremien für Gründer in Deiner Gegend aufzusuchen und Dir erklären zu lassen, welche Möglichkeiten Du hast.

Diverse Länder haben Programme laufen, in die man sich als Gründer eintragen kann bzw sich mit Fachberatung fördern lassen kann – all das weiß man nur vor Ort.

Philip

Kleinunternehmer müssen dies nicht und die Grenze im ersten Jahr liegt bei rund 7500 €....

Ist aber ein Problem, wenn du Kundne hast, die im Ausland die Mehrwertsteuer abführen wollen.

Also bleibst du im ersten Jahr unter dem Umsatz, werde Kleinunternehmer. Im 2. Jahr darfst du sogar rund 1200 Euro Umsatz machen …

Philip

@Gerrit van Aaken:

Lass deine Steuerklährung am Jahresende bloß von einm Steuerberater einreichen, machen kannst du sie, nur lass dir einen Stempel von einem geben, da du dann ganze 12 Monate Zeit hast im 3. Jahr die Steuererklärung einzureichen …

Nur so als Tipp, mich hats auch etwas überrascht :P

Maximilian

Du wirst Dich noch wundern, wenn der erste EkSt-Vorauszahlungsbescheid kommt, und Du ja fröhlich Dein jetztiges Gehalt plus 10% angegeben hast. Teil das mal durch 4 für die 4 Quartale … ich hoffe Du hast genug auf der hohen Kante für die EkSt-Vorauszahlungen.

Ein Tipp von Unternehmer zu Unternehmer: Such Dir dringend einen Steuerberater. Das rechnet sich unter dem Strich auf jeden Fall, außerdem ist jeder Steuerberater für Fehler haftbar. Stichwort »Profis«.

Gerrit van Aaken

Hallo liebe Freunde, es ist ja toll, wie rührend Ihr euch um mich sorgt. Ich denke aber, dass ich nicht der Typ dafür bin, mich von vorneherein von einem wie auch immer gearteten Profi beraten zu lassen, wenn es nicht um Dinge geht, die wirklich kompliziert sind. Hey, ich gründe keine GmbH und ich mache auch keine Bilanz oder doppelte Buchführng oder so einen Kram. Der Deal ist einfach: Ich gebe alles wahrheitsgemäß und nach bestem Wissen und Gewissen an, und dann zahle ich den dafür vorgesehenen Betrag an Steuern und Versicherungen.

Ich halte nichts von irgendwelchen Steuertricks und Optimierungsmaßnahmen, sondern halte an dem Glauben fest, dass es für einen Staatsbürger auch alleine machbar ist, sich als Freiberufler selbstständig zu machen. Wenn ich auf die Schnauze falle, dann habt Ihr mich gewarnt. Aber ich liebe es, eigene Erfahrungen zu machen, selbst wenn ich dabei draufzahle. Das war es dann wert, und dann habe ich’s auch gelernt.

Diese Einstellung können viele nicht verstehen, das weiß ich, aber ich bin bisher immer gut damit gefahren!

Frank

Die Zeit kannst Du lieber in Akquise stecken – das Steuersystem checkt man als Laie eh nicht. Selbst für die Steuerberater ist es nicht ganz einfach, die jährlichen Änderungen des Systems nachzuvollziehen und die machen das 8 Stunden jeden Tag.

Du solltest beachten, dass man deren »Arbeitgeberanteil« auch dem Kunden in Rechnung stellen und somit auch ankündigen muss.

@Freddy: Wo steht das? Nie gehört. Der Kunde muss sich selber um die Künstlersozialabgabe bei entsprechenden eingekauften Dienstleistungen kümmern. Schliesslich ist er lt. Gesetz dazu verpflichtet.

Siehe auch hier: http://www.braunschweig.ihk.de/Merkblatt%20DIHK%20KSK.pdf

Stefan

Hi Gerrit!
Ich kann dir auch nur wärmstens empfehlen, dich eines Steuerberaters anzuvertrauen. Gerade beim ersten Jahresabschluss solltest du beim Fiskus einen ordentlichen Eindruck hinterlassen.
Dank Steuerberater konnten wir uns im ersten Jahr knapp 3.000 Euro sparen – Kosten für den Jahresabschluss lagen bei ca. 550 Euro – also wirklich nicht die Welt. Ohne dessen Hilfe wären wir nie auf die Idee gekommen, Privateinlagen (Kapital und Gerätschaften) mit in die Abschreibungen einzubeziehen oder Gründungsrückstellungen »anzulegen«.
Die monatliche Buchhaltung kannst du trotzdem selbst machen – und bei Fragen deinen StB konsultieren.

Webrocker

Gerrit,
ich drücke Dir die Daumen.
Nach 10 Jahren Freiberuflerei habe ich seit drei Jahren eine GmbH, kenne also beide Seiten. Und ich kann mich nur den anderen anschliessen: Hol’ Dir ne Beratung bei nem Steurberater.
Es ist löblich, dass Du Deine eigenen Erfahrungen machen willst und der Meinung bist, dass das mit den Steuern fair zugeht – aber wie die andere schon schrieben, kann man als Steuerlaie garnicht alles überblicken was sinnvoll und notwendig ist. Unser Steuersystem ist das komplizierteste weltweit, glaube ich. Und ganz im Ernst: Verwende Deine Zeit lieber mit dem, was Du richtig gut kannst und wofür Du bezahlt wirst – und überlasse den Steuerkram einem Profi.

Nils

Tach Gerrit,
Aber ich liebe es, eigene Erfahrungen zu machen, selbst wenn ich dabei draufzahle. Das war es dann wert, und dann habe ich’s auch gelernt.
Genau das ist auch meine Einstellung. Steuerbüro fragen, worauf man achten soll und wie man seine Ordner zu führen hat (Du hast eh nur eine Einnahmen-Ãœberschuss-Rechnung). Ansonsten den eigenen Weg gehen und sich ausschließlich um das kümmern, was man kann und wofür man sich selbständig gemacht hat.

Herr Steuerberater

Bei 28.000 Euro Jahresgehalt wären das wohl 600 Euro pro Monat für 4 Monate EkSt-Vorauszahlungen. Also 2400 Euro. Denke ich. Viel Spaß bei 9.600 Euro EkSt-Jahreszahlungen. ;)

Stefan

Die Einzugsermächtigung würde ich ganz schnell rückgängig machen. Manchmal kommt es vor, dass das Finanzamt Schätzungen für Zahlungen vornimmt und diese ganz und garnicht der aktuellen Situation entsprechen. So werden mal kurzerhand ein paar hundert Euro vom Konto gesaugt.

Das kannst Du natürlich durch plausible Erklärungen rückgängig machen, aber das Geld ist erstmal für einen Monat weg.

Hast Du einen günstigen Steuerberater im Bekanntenkreis? Dann empfehle ich Dir dringenst diesen einzusetzen. Gerade, wenn es mit Anschaffungen, Abschreibungen etc. losgeht.

Grüße und viel Erfolg,
Stefan

Andy

Du wolltest uns mit diesem Bild doch nur auf deinen bevorstehenden Geburtstag hinweisen, oder?

Andreas Chudowski

Aaaaaaaaaaaah!

Ich kann das gar nicht mit ansehen, wie jemand so gutgläubig (nicht böse gemeint) in sein Finanzamt-Desaster rennt. Geh BITTE (!!!) zu einem Steuerberater!

Liebe Grüße von jemandem, der schon sehr viel Stress mit dem Finanzamt hatte.

Nick Blume

Das ist schon sehr abenteuerlich (außer die Auftragsplanung läuft saugut), das aktuelle Gehalt + 10 Prozent drauf (als Selbständiger!) und dazu noch Einzugsermächtigung. Es gibt immer verschiedene Möglichkeiten für die Steuererhebung für das Finanzamt – bei Fragen immer zum Steuerberater! Das spart Geld – auch wenn du den Steuerberater zahlen musst.

Aber mal sehen, du kommst immer durch, Görry, gell?

Nick Blume

Die ersten beiden Jahre musst du KEINE Umsatzsteuer anmelden, vorausgesetzt du bleibst im 1. Jahr unter 17.500 Euro (ob hochgerechnet oder ganz) um im 2. Jahr unter 50.000 Euro, und im 3. Jahr dann musst du die Umsatzsteuer in deine Rechnungen »einführen«.

Was auch nicht schlecht ist, sind »Existenzgründerseminare«. Die sind gut bei der hiesigen IHK – und nicht so teuer, aber sehr sehr sinnvoll.

Gerrit

Macht mal alle ein bisschen locker, ich komme zurecht! Bitte, lasst es mich einfach mal so durchziehen, wie ich das für richtig halte, ich bin doch schon groß! Der Staat will mich nicht betrügen, und ich betrüge ihn auch nicht. Alles gut, kein Krieg in Sicht!

Nick Blume

1, 2 und 3. Krasse Fälle, wo man genau gucken muss.

Naja, die »Angst« vor dem Finanzamt ist oft unbegründet, so schlimm ist es auch nicht, aber es ist manchmal verrückt. Obacht, Gerrit. ;) Es ist ja auch alles gut, wollte nur sichergehen, daß du kein Laie bist. ;)

Birger

Geh zu einem Steuerberater.

Julia

»Ich denke aber, dass ich nicht der Typ dafür bin, mich von vorneherein von einem wie auch immer gearteten Profi beraten zu lassen, wenn es nicht um Dinge geht, die wirklich kompliziert sind.«

»Das Logo mach’ ich dann mal schnell in WordArt und die Website schustert mein Neffe zusammen, der hat da so ein Programm  …«

Kolja

Mutig, Gerrit, wirklich – Respekt. Natürlich kannst Du es auch alleine ohne signifikante Blessuren schaffen – aber die Chancen, (i) viel Geld zu verschenken, (ii) manche Dinge unnötig zu komplizieren und (iii) wertvolle Zeit für Aberwitziges zu vernichten sind wirklich äusserst hoch. Gerade wenn Du schon groß bist, solltest Du rechtzeitig Rat einholen ;-)

Wie auch immer – ich wünsche Dir viel Erfolg und wenig Scherereien

johannes

ich hab auch keinen steuerberater und komme wunderbar klar. auch wenn ich dabei manchmal ein bißchen ins schwitzen komme.
man sollte immer im hinterkopf behalten: beim finanzamt sitzen auch nur menschen – und wenn was schiefläuft und man (scheinbar) böse und anonyme briefe von denen bekommt, dann packt man seinen kram ein, fährt nach hofheim, geht zu seinem sachbearbeiter, spricht mit ihm und macht alles wieder klar. da braucht man keinen steuerberater und kein schweres geschütz dazu …

Gerd

Hallo Gerrit! Also Unterhaltungswert hat das ganze ja schon. Ich hoffe, das du klar kommst oder diesen Blog weiter führen wirst. Aber dem Finanzamt so zu vertrauen ist echt gefährlich, weil sie dir nie deine Vorteile, sondern nur deine Pflichten mitteilen. Ja, aber sehr mutig, muss schon sagen.

Viel Glück und halt uns auf dem Laufenden!

Gerrit

Nur der Vollständigkeit: Es ist ja nicht so, dass ich nicht seit vier Jahren meine Steuererklärung machen würde, und dabei auch stets einen ordentlichen Anteil an selbstständiger Tätigkeit mit angegeben habe – neben einer erklecklichen Anzahl an privaten Versicherungen. Bin also nicht völlig unerfahren udn weiß, dass man sich damit ein paar schöne Tage Arbeit machen kann. Allerdings ist es auch ein befriedigendes Gefühl, einen Ãœberblick über seine Finanzen zu bekommen, wenn man das alles selber macht. Ich werde sehen. Falls ich auf Probleme stoße, kann man immer noch den Profi dazu holen, aber zunächst versuche ich es selber. Ende der Diskussion.

Holger

Ich bin seit fast vier Jahren Freiberufler und habe seitdem auch noch nicht ein Steuerberatungsbüro von innen gesehen. Mit ein bißchen Recherche im Internet und gesundem Menschenverstand kann man das schon alles gut hinbekommen. Natürlich gehen einem dadurch vielleicht tolle Abschreibungsmöglichkeiten durch die Lappen, aber mir macht das knapp die Hälfte. Ich möchte mein Geld mit dem verdienen was ich kann und nicht mit Steuerabschreibungen (Achung: Ãœbertreibung!)

Nichtsdestotrotz möchte ich dir raten, nochmal zu deinem Finanzamt zu gehen und die Umsatzschätzung für das laufende und kommende Jahr deutlich zu reduzieren. Dadurch ersparst du dir keine Steuerzahlung, aber du verschiebst sie auf den nächsten Sommer und verringerst das Risiko, falls es in diesem oder dem nächsten Jahr nicht ganz so laufen sollte, wie du es erwartest.
Und die Einugsermächtigung würde ich bei der Gelegenheit auch zurückziehen. Ich habe bisher immer meine Steuern selber überwiesen und mag das Gefühl, alles in der Hand zu haben.

Das gilt im Ãœbrigen auch für meine Steuern. Wenn man alles selber macht was Steuern und Finanzen angeht, bekommt man ein sehr gutes Gefühl dafür und weiß seine Lage auch besser einzuschätzen …imho.

Viel Erfolg,
Holger

Sven

»vor allem, als es um die Frage nach dem geschätzten Umsatz im Laufenden und im nächsten Jahr ging. Wie soll ich das nur beantworten? Ich habe dann einfach ganz blöde mein aktuelles Gehalt hochgerechnet, zehn Prozent draufgeschlagen und mutig ausgefüllt!«

Juhu, gleich im ersten Gründungsjahr schon enorme Umsätze! Das wünscht man sich natürlich, aber gibts Anzeichen für Auftragsdrohungen von Kunden?

»Was es allerdings mit der Dauerfristverlängerung für die Abgabe der Umsatzsteuer-Voranmeldung auf sich hat, kann ich absolut nicht sagen. Ich habe das dann einfach mal beantragt, weil es gut klingt!«

Dauerfristverlängerung: Du kriegst einen Monat mehr Zeit zur Abgabe der Umsatzsteuervoranmeldung, und als Gegenleistung zahlst du in den 11 Monaten jeweils 1/11 deiner von dir selbst geschätzten Umsatzsteuer (später ist es 1/11 der Umsatzsteuer des Vorjahres).

Mit anderen Worten: Durch deine großzügige Schätzung (Gehalt + 10%) bei deinem zu erwartenden Umsatz und dem Antrag auf Dauerfristverlängerung hast du dich jetzt schon mal festgelegt, dem Staat – ohne dass du auch nur einen Euro echten Umsatz machst – Geld zu geben. Solch einen Liquiditätsverlust kann sich ein junges Unternehmen eigentlich aber nicht leisten.

Du wärst besser gefahren, auf die Dauerfristverlängerung zu verzichten. Dann zahlst du nämlich nicht monatlich den Festbetrag, der aufgrund deiner eigenen Schätzung entstanden ist, aber vielleicht nie reinkommt, sondern basierend auf realen Umsätzen deren Umsatzsteuer (und kannst verauslagte Vorsteuer gegenrechnen).

Mein Tipp: Dauerfristverlängerung ganz schnell widerrufen, das macht nur Ärger. Du kriegst es hin, nach Ablauf eines Kalendermonats innerhalb von 10 Tagen die Summe deiner vereinnahmten und verauslagten Umsatzsteuern zu bilden und mit Elster zu melden.

Es ist übrigens nicht verboten, als Existenzgründer als voraussichtlichen Umsatz zunächst einfach nur 0 Euro anzunehmen.

Und basierend auf diesen 0 Euro kann man dann natürlich auch Dauerfristverlängerung beantragen. 1/11 von 0 Euro sind ebenfalls 0 Euro, man spart sich also im ersten Jahr dadurch zunächst Umsatzsteuerzahlungen.

Aber die Frage ist halt, ob das in jedem Fall so sinnvoll ist. Wer Anschaffungen plant, der will ja doch eher die Vorsteuer rasch wieder erstattet bekommen, und das funktioniert bei Dauerfristverlängerung eben nicht, weil erst am Jahresende abgerechnet wird.

Gerrit

Erst einmal vielen Dank an alle, die sich die Mühe gemacht haben, hier knallharte Tipps und Tricks zu beschreiben!

Es ist übrigens nicht verboten, als Existenzgründer als voraussichtlichen Umsatz zunächst einfach nur 0 Euro anzunehmen.

Das ist genau der Punkt, um den es mir geht: Rumtricksen mag ich nun mal nicht, auch wenn es legal ist. Ich bin auf eine dauerhafte Beziehung mit dem Finanzamt aus, da ist Ehrlichkeit eine gute Ausgangsposition. Außerdem: hab ich etwa Lust, bei der Einkommensteuererklärung am Jahresanfang alles auf einmal zu bezahlen? Wenn ich halbwegs realistisch schätze, dann kriege ich am Ende womöglich noch Geld zurück!

Außerdem vergessen die meisten, dass Einkünfte nicht gleich Gewinn nicht gleich Umsatz ist: Sämtliche Ausgaben und vor allem Sonderausgaben habe ich natürlich abgezogen, bei der Schätzung. Darüber hinaus weiß meines Erachtens keiner von euch, was ich denn eigentlich verdient habe bei 3st. Insofern bitte keine Pauschalverurteilung und keine Weißsagung bezüglich meines baldigen Bankrotts. Das werden wir ja dann früh genug sehen :-)

(Unglaublich, dass meine Texte offenbar immer noch so stark polarisieren. Ich will das eigentlich gar nicht, ehrlich!)

werther

Nicht vergessen: Deine Umsatzsteuer Id Nr gehört zwingend in Dein Impressum.

I.Müller

Viel Glück in der Selbstständigkeit und maximale erfolge.
Gruß

Micha

Ihr seid doch alles Buchhalter :)

Andi

Was für Leistungen bietest du eigentlich genau an? Freie Berufe und die KSK sind weitestgehend auch nur für Künstler gedacht. Wenn du dein Photoshopkunstwerk zu HTML weiterverarbeitest fällst du schon nicht mehr in die historische Definition von freien Berufen, auch wenn viele Finanzämter das durchgehen lassen

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