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Gerrit, 30.03.2006

Genialer Freefont: Charis SIL

Da ich leider zurzeit keine Zeit für meine ausführlichen Portraits freier Schriften habe, müsst Ihr mit kurzen Hinweisen vorlieb nehmen. Aber diese Schriftfamilie hat es wahrlich in sich!

Charis SIL

Die Charis SIL ist eine klassische Vierer-Familie mit regular, italic, bold und bold-italic. Die Formen sind kernig und bilden eine exzellent lesbare Barock-Antiqua. Nun gibt es wirklich keine Ausrede mehr, die »Times New Roman« zu verwenden. Zumal die Charis SIL als akademische Forschungsschrift so ziemlich alle obskuren Glyphen mitbringt, die man sich wünschen kann. Viel Spaß beim Runterladen und setzen!

(via Fontblog)

9 Kommentare

  1. Michael am 30. März 2006 #

    Moooment  … ist das nicht ein billiger Klon der ITC Charter? Sieht zumindest der Charter verdammt ähnlich :)

  2. Gerrit am 30. März 2006 #

    Jetzt wo du es sagst: Ja. Und es steht auch auf der Website:

    The design of the basic character set of Charis SIL is similar (but not identical) to Bitstream Charter, designed by Matthew Carter. The following notice accompanied the Charter fonts:
    (c) Copyright 1989-1992, Bitstream Inc., Cambridge, MA.
    You are hereby granted permission under all Bitstream propriety rights to use, copy, modify, sublicense, sell, and redistribute the 4 Bitstream Charter® Type 1 outline fonts and the 4 Courier Type 1 outline fonts for any purpose and without restriction; provided, that this notice is left intact on all copies of such fonts and that Bitstream’s trademark is acknowledged as shown below on all unmodified copies of the 4 Charter Type 1 fonts.
    BITSTREAM CHARTER is a registered trademark of Bitstream Inc.

    Jetzt weiß man nicht, welche Rechte Bitstream tatsächlich an der Schrift hat, denn wer war zuerst da? Bitstream oder ITC? Müsste man mal recherchieren, aber dafür hat man als Blogger ja so wenig Zeit …

  3. ingo am 30. März 2006 #

    schreib doch mal die erste zeile richtig »und>uns«? damit man nicht gleich ins stolpern gerät.
    ;-)

  4. Marc am 30. März 2006 #

    Wirklich nicht schlecht, wobei ich es schade finde, daß die Charis SIL ohne jegliches Kerning daher kommt. Wer InDesign hat, den mag das nicht so stören und die Charis ist auch nicht die problematischste aller Schriften, aber schade ist es trotzdem.

    Außerdem ist nur ein Subsatz der griechischen Buchstaben enthalten, was auch sehr schade ist, denn m.M.n. eignet sich die Charis wirklich recht gut für technische Anwendungen, wo man aber immer mal wieder gerade griechische Buchstaben braucht und nicht die kyrillischen. Auch dies finde ich schade.

    Übrigens und nebenbei: OT-Versionen für die »Delicios« und die »Fontin« sind verfügbar, wobei die OT-Version der »Fontin« leider ein Problem mit Unterlängen hat  … :(
    Ich hoffe, das wird noch korrigiert.

    http://www.josbuivenga.demon.nl/

  5. Julius am 30. März 2006 #

    Hübsche Schrift. Ich versuche aber gerade verzweifelt, sie anderthalbzeilig hinzubekommen, denn an sich ist sie ja schon fast zweizeilig. Rein rechnerisch müsste man als Zeilenabstand 75 % nehmen oder irre ich mich da?

  6. erik spiekermann am 1. April 2006 #

    Die schrift ist ein clone der Charter von Matthew Carter. Sie war zuerst bei Bitstream veröffentlicht und wurde dann für ITC lizensiert. Eine wunderbare schrift, besonders für niedrigauflösende medien. Leider haben die neuen herausgeber den urheber nicht gefragt. So kann man natürlich einfach mit „Freefonts” angeben: die hauptarbeit (vor allem die geistige) hat ja jemand anders gemacht.

    Outlines klauen und überarbeiten ist einfach, dumm und verboten. Wie immer im leben: wenn etwas völlig umsonst ist, kann was nicht stimmen.

  7. Gerrit am 1. April 2006 #

    Wobei eben diese Charis SIL sein Vorbild nicht verschweigt (Wie bei Interstate Blue Highway), sondern ganz klar beim Namen nennt. Und ist diese Lizenz, die ich gefunden habe, nicht eine Aufforderung zum Basteln und Weiterveröffentlichen? Ich blicke da immer noch nicht so ganz durch  …

  8. Stefan Lücking am 1. Juni 2006 #

    Was den Vorwurf des Diebstahls betrifft, sollte man hier etwas vorsichtig sein: Die Charter hat Bitstream Anfang der 90er unter einer sehr größzügigen Lizenz dem Unix X WIndow System zur Verfügung gestellt. Deshalb ist sie (wie z.B. auch Adobes Utopia) heute auf jedem Linux-System mit graphischer Oberfläche vorhanden.

    Die Lizenz erlaubt ausdrücklich, den Font zu modifizieren, solange die ursprüngliche Copyright-Notiz beigefügt wird. Dass SIL die Charter ausgebaut und unter einem anderen Namen veröffentlicht hat, ist also völlig legal.

    Mich hat bei der Lizenz gewundert, warum vorher noch niemand auf die Idee gekommen ist, die Version der Charter (oder auch der Utopia), die unter dieser großzügigen Lizenz freigegeben wurde, auszubauen.

  9. rabe am 11. März 2011 #

    Ich beschäftige mich mit arabischen Dialekten und brauche dafür geeignete Transkriptionsfonts. Charis ist dafür wirklich genial. Da Transkriptionen traditionell in kursiv geschrieben werden, die Übersetzungen und Erklärungen dazu in plain, braucht man Fonts in denen auch längere kursive Texte gut lesbar sind. Normalerweise ist das Kursive ja nur für kürzere Auszeichnungen gedacht. 2 Fonts habe ich gefunden, die auch kursiv gut lesbar sind: Die Adobe Goudy und die Charis SIL. Letztere hat auch als eine der wenigen Unicode Fonts überhaupt alle Zeichen, die ich benötige. Wichtig sind für mich insbesondere die »Dead Keys« oder »Combining Signs« wie sie genannt werden. Die sollten schon am richtigen Fleck sitzen und das tun sie allein bei Charis perfekt. Ein Zeichen das kein anderer Font bisher sauber darstellen konnte ist ein »d« mit einem Strich darunter und dann noch mit einem Punkt unter dem ganzen. Ich schreib das hier mal, damit man sehen kann wie katastrophal das in anderen Schriften rauskommt: ??? Man kopiere das Zeichen und schaue es sich in allen 4 Schnitten in Charis an. Da haben echte Profis dran gearbeitet. Charis ist für meine Zwecke ohne Alternative. Außerdem stellt einem SIL noch ein hervorragendes kostenloses Tool namens »Ukelele« zur Verfügung, mit dem man sich ganz einfach eigene Keyboard Layouts basteln kann, um an die begehrten und ausgefallenen Zeichen einfacher ranzukommen. Auch das ein wirkliches Profi-Tool. Im übrigen finde ich, auch wenn man einen berühmten Namen hat, kann man sich entschuldigen, wenn man jemand zu Unrecht öffentlich runtermacht.

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