Gefühlt Geschafftes und tatsächliche Arbeit

Heute war mal wieder so ein Tag: Ich habe abends nur knapp 4 Stunden in meinem mite stehen – obschon jede Menge Projekte in der To-Do-Pipeline – und fühle mich, als ob ich ich kaum was geschafft habe.

Doch der Schein trügt: Ich habe eine halbe Stunde mit einer Kollegin über diverse vergangene, aktuelle und mögliche Projekte gesprochen, eine weitere halbe Stunde E-Mails mit Kunden ausgetauscht, ein Angebot geschrieben und mich über twitter und Rivva mit Netzpolitik beschäftigt.

Alles Dinge, die mich weiterbringen und insgesamt betrachtet zu meinem beruflichen Erfolg beitragen. Aber eben keine direkt abrechenbare Werte! Eine Sache, die man als Freiberufler lernen muss, ist es auch, gütiger mit sich selber zu sein, wenn es darum geht, den »Erfolg« eines Arbeitstages zu bewerten. Denn der bemisst sich nicht nur nach der Anzahl der abgerechneten Stunden, sondern auch nach den Antworten auf die Fragen:

  • Habe ich mögliche zukünftige Projekte wahrscheinlicher gemacht?
  • Habe ich mir Ärger mit Kunden erspart?
  • Habe ich mir zeitlichen Aufschub verschaffen können?
  • Habe ich mir Wissen angeeignet, das mich effizienter oder vielseitiger machen wird?

Und so weiter. Zeit ist zwar Geld. Aber auch Wissen ist Geld, und Organisiertheit ist Geld, und Ausgeruhtheit ist Geld.

Meine Aufgabe ist es, diese Faktoren in die emotionale Erfolgsbeurteilung meines Arbeitstages einfließen zu lassen. Denn dann bin ich glücklicher und kann abends besser loslassen und schlafe auch besser.

#tschakkka #self-coaching #ratelband

12 Kommentare

Marcel Böttcher

Gerrit, du bist doch ein Tier! Ich sitze gerade auf meinem Balkon und lasse den Arbeitstag langsam anfangen. Alles easy going ;-)

mds

Wieso notierst Du nur verrechenbare Stunden?

Ich notiere (fast) alle Arbeitsstunden, also beispielsweise auch Rechenstellung, Weiterbildung, usw. – schliesslich leiste ich diese Stunden auch und im Gesamten muss ich ein gesundes Verhältnis von verrechenbaren und nicht verrechenbaren Stunden erreichen.

Daniel

Du sprichst mir aus der Seele, Gerrit. Genau darüber unterhalte ich mich mit meinem Kollegen sehr oft! Danke, schön dass es nicht nur uns so geht!
Auch bei uns ist es so, dass sehr oft viele Stunden anfallen, die nicht direkt abrechenbar sind oder einem Projekt zugeordnet werden können.

Matthias E. Kryn

Seit »Die Firma« wissen wir doch, dass man alles abrechnen kann. Tss.

Christian

Sehr treffend formuliert. Sehe ich genau so.

Julian Schrader

Wenn man den ganzen Tag wie ein Wahnsinniger an den Projekten für Kunden gebastelt hat, sieht es zunächst unglaublich ernüchternd aus, wenn mite einem ein Total von 6h errechnet — doch wie du auch beobachtet hast, man muss die „kleinen Dinge zwischendurch“ mitrechnen! Wenn man das nicht vergisst, bleibt die Motivation erhalten :-)

Simon Wehr

In einem dieser unzähligen Akquise-und-Kalkulation-Bücher oder -Vorträge habe ich mal gehört, dass es für einen Selbstständigen Designer schon recht ordentlich ist, wenn man pro Arbeitstag durchschnittlich 4h abrechnen kann. Jede interne Kalkulation sollte das berücksichtigen.
Von daher hat du es genau richtig gemacht.
Trotzdem fällt es mir auch manchmal schwer zu glauben, wie viel man so den lieben langen Tag nicht auf die Rechnung schreiben kann.

Oliver Gassner

Mir geht es gerade so, dass ich einen tag wie wild Todos zappe um den anderen Tag kaum ›aus der Mailbox zu kommen‹.

Aber auch das muss man akzeptieren.

Andererseits führe ich an keiner Stelle zentral Buch über ›Stunden‹.

Einserseits schaue ich mir (so wie du es andeutest) an, ›was so passiert (ist)‹ und ob das in die richtige Richtung weist (Projekte, Akquise, neue Bereiche (Lernen).

Andererseits schaue ich, ob das dieses Jahr bisher eingenommen habe und rechne das ›Pi mal Daumen‹ hoch auf das Jahr. So hab ich in etwa im Ãœberblick, wie ich im Plan liege.

Früher hatte ich auch berechnungen, wieviel ein Kunde ›bringt‹, sowohl pro Stunde als auch pro Jahr und habe daraus eine Art ›Kundenranking‹ ermittelt. Das hat am Anfang meiner Freiberuflichkeit geholfen, unprofitable Dinge gegen bessere Optionen einzutauschen udn zu wissen, was als erstes weg muss. (Es kann ja etwas, was zwar einen niedrigen Stundensatz, aber eine hohe Auslastung bringt, dennoch 50% des Jahreseinkommens ausmachen, das will man dann nicht zwingend ›kicken‹.)

Fazit: »Tage« scheinen mir eine zu kleine Einheit, um sie zu ›bewerten‹.

Der Alex

Dann kann ich echt froh sein, dass ich nach 3-monatiger Selbständigkeit durchschnittlich 5 Stunden pro Tag abrechnen kann. Habe ca. 100 Std. im Monat. Weiterbildung am Wochenende und Hardware pflegen / neue Programme lernen / Bücher lesen nicht eingerechnet.

Ich bin auf jeden Fall alles in allem SEHR zufrieden, diesen Schritt gewagt zu haben. Mache zwar verhältnismäßig wenig Web-Design / Umsetzung, aber mit normaler Grafik- / Layoutarbeit bin ich auch echt zufrieden…

So long – und weiter an die Arbeit :-)

Julia

mds (2) möchte ich zustimmen: auch ich halte für sinnvoll, die projektunabhängigen, nicht-verrechenbaren Stunden mit zu erfassen. Einen Kunden »Yolk« habe ich mir dafür eingerichtet, auf den ich all diese Zeiten tracke.

Weiterbildung, Akquise, Büro, Steuer etc – gerade in diesen Bereichen liegt meiner Erfahrung nach viel Optimierungspotential. Erfasse ich auch diese Stunden, kann ich bspw. auf Basis wirklicher Daten, nicht Schätzungen, entscheiden, ob es sich nicht vielleicht doch lohnen würde, sich auf die Suche nach einem Buchhalter zu begeben. Oder auch, ob man sich nicht angewöhnen sollte, Angebote, Rechnungsschreiben etc. von vorneherein mit einzukalkulieren, ins verrechenbare Budget.

Davon ab: dein »Zeit ist zwar Geld. Aber auch Wissen ist Geld, und Organisiertheit ist Geld, und Ausgeruhtheit ist Geld.« trifft es sowas von perfekt. Danke für dieses public #selfcoaching!

Monika Weber

Finde du hast total recht. Es gibt noch so viel mehr Sachen die man machen muss, aber irgendwie nicht in die Arbeitszeit einberechnet. Was auch noch hinzu kommt: »ah das ist ja nur ne kleinigkeit, das mach ich mal schnell« ist fast immer falsch ;-) meistens sitzt man doch länger dran und denkt dann boah hab heute nichts geschafft, war ja alles nur kleinkram. In wirklichkeit ists dann doch nicht so klein nur wird einem das kaum bewusst.

Manche Sachen wie Arbeitszimmer staubsaugen ect. sind ja eigentlich auch Arbeit nur denkt da nie einer drüber nach.

Alexander Langer

Als ich noch in Knechtschaft mein Geld verdiente habe ich auch nicht eingerechnet, wenn ich mir interessehalber privat ein Fachbuch geschnappt und geschmökert habe. Hätte mir auch keiner bezahlt.. ;-)

Das Schöne an der Selbständigkeit ist ja eben, dass man alle Freiheiten hat. Ich halte meine produktiven und projektbezogenen unproduktiven Stunden soweit fest. Wenn ich jetzt aber noch darüber hinaus das Lesen von News, Forenbeiträgen, Blog-Posts, etc. die irgendwie evtl. mal relevant sein könnten festhalten wollte, würde ich am Tag zwei Stunden lang nur im Mite verbringen – das kann es ja auch nicht sein.

Buchhaltung ist, wenn es einem ordentlich erklärt wurde, man ne ordentliche Software und einen Ansprechpartner hat, beiliebe kein Hexenwerk. Das Interesse an meinen Zahlen, was habe ich an Rechnungen draußen, was habe ich noch an Projekten (und ausstehenden Rechnungen), was befindet sich in der Acquise, mit welchem Kunden mache ich wieviel Umsatz, … das sind Sachen die ich nebenbei auch mal so festhalte, um einen Ãœberblick zu haben.

Nach den Projekten werden dann Angebot und Wirklichkeit abgeglichen. Zunächst ist es wichtig überhaupt quantifizieren zu können wie gut man Tätigkeiten planen kann und womit man den lieben langen Tag verbringt. Dann kann man sich auch gezielt Gedanken über Optimierungen machen.

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