Facebook nun nativ auf dem iPhone

Die meisten werden es mitbekommen haben: Die vielverhasste offizielle iPhone-App von Facebook ist vorgestern in einer neuen Version erschienen, welche deutlich besser reagiert, sich flüssiger bedienen lässt und insgesamt weniger crappy ist als bisher. Dies wurde mutmaßlich durch einen Technologiewechsel erreicht: Während die alte App im Wesentlichen eine Ansammlung aus diversen HTML-Webviews darstellte, die in einen nativen App-Mantel gehüllt waren, kommt die neue Version 5.0 komplett als nativ entwickeltes Produkt daher.

Da liegt es natürlich nahe zu behaupten, dass man grundsätzlich auf HTML und JavaScript verzichten sollte, wenn es um diese Art von Smartphone-Apps geht. Die Verbesserung ist nämlich im Falle der Facebook-App tatsächlich recht dramatisch.

Man darf jedoch nicht vergessen, dass die alte Facebook-App nicht einfach mit HTML-Webviews gearbeitet hat, sondern – großer Unterschied! – mit schlampig hingerotzten HTML-Webviews. Die unfassbare Trägheit war nämlich meistens beim Nachladen von Inhalten zu beobachten, und bei der fehlerhaften Zuordnung von Nutzerbildern, und beim kaputten Anzeigen von Nachrichten. Dinge, die eigentlich mit der Wahl der Client-Technologie nicht viel zu tun haben.

Zugegeben: es ist natürlich nicht möglich, mit reinen Webtechnologien die gleiche visuelle Eleganz und Flüssigkeit einer nativen App zu erreichen. Und in diesem Fall (Facebook hat ja genug Kohle) ist nativ auch genau der richtige Weg! Ich möchte nur betonen, dass man sich – entgegen anders lautender Meinungen – mit einer komplett neu geschriebenen und akribisch auf Performance optimierten HTML/JavaScript-Version ebenfalls deutlich von der verkackten alten Version hätte absetzen können.

Nicht immer geht es nur um die Wahl einer bestimmten Technologie. Sie muss auch jeweils handwerklich gut gemacht sein. Dass HTML/JavaScript was reißen kann, sieht man auf der mobilen Twitter-Webapp (Nur auf Smartphones angucken). Die performt ordentlich und ist immer noch eine meiner persönlichen Lieblingsbeispiele für gut gemachte mobile Webapps.

5 Kommentare

Paul Horn

Danke für den Hinweis auf die mobile Twitter-WebApp als gutes Beispiel in meinen künftigen Argumentationen pro WebApp

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Das klingt fast so, als sei die neue App gut. Tatsächlich ist sie wirklich nur „weniger crappy“. Und an manchen Stellen sogar mehr…

Raphael

Nicht zu vernachlässigen ist die geringere Performanz von Webapps, da diesen die Nitro-Engine nicht zur Verfügung steht (die Gründe dafür wurden hinreichend oft diskutiert). Würde Nitro für 3rd-Party-Apps freigeben, profitierten sofort alle (crappy) Webapps davon.

cmi

Soweit ich weiß ist die aktuelle neue Version der FB-App wohl immer noch keine native App, aber optimiert bzw. fehlerbereinigt. Die native App ist aber wohl in der Mache. Quellen dafür finde ich leider nicht, geisterte aber vor einiger Zeit durch die üblichen Mac-Blogs (9to5Mac, MacRumors etc.)

Michael

@cmi

Hier findest du ein paar Details zu
Neuen App:
https://www.facebook.com/notes/facebook-engineering/under-the-hood-rebuilding-facebook-for-ios/10151036091753920

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