Diese Browser-Silbentrennung

Nach 20 Jahren intensiver Entwicklungsarbeit kommt nun endlich ein Feature in die öffentlich erhältlichen Browser, das wir Typografen alle schmerzlich vermisst haben: Automatische Silbentrennung. Bisher beherrschen Safari 5.1 und Firefox 6 diese Funktionalität. Sie muss noch mit den enstprechenden Vendor-Prefixes aktiviert werden, beispielsweise mit:

p {
-webkit-hyphens: auto;
-moz-hyphens: auto;
hyphens: auto;
}

(Mehr Info im Fontdeck-Blog)

Obwohl gerade die deutsche Sprache von der Silbentrennung profitiert (wegen der langen Wörter), und man erst mit Silbentrennung sinnvoll über Blocksatz nachdenken kann, bleibt die deutsche Sprache dem Safari vorbehalten. Firefox 6 kann vorerst nur englische Texte hyphenaten. Und damit bleibt das Feature auch erstmal eine akademische Spielerei. Für wie viele weitere Jahre wohl?

22 Kommentare

Zusatzstoff

Ach wäre das schön, dann könnte man sich so einiges an Scripten sparen was eh immer mehr schlecht als recht funktioniert hat. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

NetzBlogR

Wenn ich sehe, dass auch teure Schreib- und Layoutprogramme oftmals keine orden-tliche Silbent-rennung hinbekommen, frage ich mich, warum das plötzlich bei einem Internetbro-wser besser funktionieren soll.

Dann doch lieber weiterhin Flattersatz. Denn nichts wäre peinlicher, als die Webs-ite des DUDEN-Verlages, auf dem es offenbar nur von Trennungsfehl-ern wimmelt.

Nils Hörrmann

Weiß eigentlich jemand, ob es einen Grund gibt, warum der automatische Umbruch nicht dem Betriebssystem überlassen wird? Aus meiner Sicht würde dies zwar nicht alle Probleme lösen, aber immerhin eine Einheitlichkeit erzeugen.

michael

@Nils: Es gibt drei Betriebsysteme und so ungefähr drei Browser mit größerem Marktanteil (Internet Explorer, Firefox, Chrome und Safari mit Webkit). Wie da Silbentrennung auf Betriebssystemebene mehr Einheitlichkeit schaffen soll ist da schon sehr fraglich.

Paul

Mein Betriebssystem kann das nicht.

Usul

Was sprach bisher als Webdesigner dagegen, solche Scripte einzubinden?

http://code.google.com/p/hyphenator/

Mal so als Laie gefragt.

Mir ist schon klar, dass durch einfaches Einschalten mit ein paar Zeilen Code das ganze sehr viel einfacher ist.

Gerrit

@Usul: JavaScript ist immer ein bisschen langsam, instabil und macht die Sache wonky. Sowas muss nativ gemacht werden, auch konzeptionell.

Dennis

Das Firefox-Team ist dabei, mehr Sprachen zu unterstützen…

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bele

Ich habe die Silbentrennung bisher nicht vermisst.
Und ich wusste gar nicht, das wir Screendesigner »wir Typografen« sind. Man lernt nie aus.

Nils Hörrmann

@michael: Naja, wenigstens gäbe es dann je Betriebssystem eine einheitliche Darstellung. Ich fände es zumindest logischer, wenn dies eine Aufgabe des Betriebsystems wäre.

Gleiches gilt meines Erachtens für das gesamte Schriftrendering – zumindest fand ich es seinerzeit ziemlich seltsam, als Safari das Mac-Rendering auf den PC übertragen hat.

Daniel // Belles Lettres

Ich denke schon seit langem über Silbentrennung im Internet nach. Bei uns trennen wir alle Trennstellen mit bedingten Trennstrichen durch (Google ignoriert diese Zeichen übrigens), aber das ist für die meisten Webseiten viel zu aufwendig.

Eines von vielen Problem bei diesem Thema ist, daß das Ganze nicht Silbentrennung heißt oder ist, sondern Zeilentrennung. Im Deutschen trennt man etymologisch und nur in Sonderfällen silbisch. Wie das Hyphenator-Skripte machen, weiß ich nicht, aber das Englische trennt auch nicht silbisch. Jede Trennsilbe muß dort nachgeschlagen werden.

Trennung kann man deshalb nicht über eine CSS-Anweisung an den Client lösen, selbst wenn es schematisch-silbisch ist, weil die existierenden Algorithmen zum Bsp. bei Muta-cum-Liquida-Verbindungen daran scheitern, die Silbengrenze zu erkennen: Silbent-rennung, Vert-rag. Bei Indesign sind solche Falschtrennungen gang und gebe.

Es würde eigentlich völlig reichen, wenn der Verfasser besonders lange Wörter an ein zwei Stellen trennt: Ver~schuldungs~~~ober~grenze. Da reicht eine kleine Funktion im Eingabefeld des CMS. Wie weit er das treibt, soll er selbst entscheiden.

Automatische Trennung beim Client (Browser oder Betreibssystem) bringt enorme Schwierigkeiten mit sich. Allein der Umstand, die Sprache eines Textes zu erkennen. Viele Webseiten deklarieren die Sprache nämlich immer noch nicht. Was geschieht, wenn es auf einer Seite mehrere Sprachen gibt? Bei einem internationalen Thema auf Twitter tue ich mich sogar als Sprachwissenschaftler manchmal schwer zu erkennen, in welcher Sprache einer schreibt.

Die Trennung in Word ist binär, man steckt also nicht drin und kann nichts systematisch verwalten. Es bedürfte also eines xml-Dokuments, wo man wie bei den Indesign-Wörterbuch-Dateien hierarchische Trennstellen vornehmen kann: Be~triebs~~~sys~~tem.

Ich sehe viele Probleme, wenn der Text von der browser engine oder rendering engine des Browsers vorgenommen wird. Was man allerdings gut machen könnte, wäre ein Programm oder Webdienst, der mit Hilfe eines offenes Trennstellenverzeichnisses ein fertiges Dokument mit soft hyphens versieht. Die werden dann hardgecoded, bevor das Dokument hochgeladen wird.

Mathias Nater

@Gerrit
Safari 5.1 kann nur unter Lion andere Sprachen als Englisch. Die Trennmuster liegen in /System/Library/LinguisticData/. Dieses Verzeichnis existiert unter Snow Leopard nicht.

Weiter beachtet Safari das lang-Attribut nicht. Die Sprache muss mit der CSS-Property ›-webkit-locale‹ eingestellt werden. Sonst wird einfach nach den Regeln der Systemsprache getrennt.

cf. http://code.google.com/p/hyphenator/wiki/en_CSS3Hyphenation (noch nicht ganz fertig…)

@Daniel // Belles Lettres
In Deutsch wird seit der RS-Reform m.W. grundsätzlich silbisch getrennt. Die etymologische Trennung bleibt aber erlaubt (Bsp.: silbisch: Helikop-ter etymologisch: Heliko-pter)
Wie der Trennalgoithmus funktioniert kannst du unter http://www.mnn.ch/hyph/silbentrennung2.html nachlesen. Wie die von dir beschriebenen Fehltrennungen zustande kommen, weiss ich nicht. Es liegt bestimmt nicht an der automatischen Silbentrennung sondern eher an einer falsch eingestellten Textsprache.

Beat

Merci, Gerrit, fürs Aufmerksammachen auf diese neue Technologie. Ich hatte festgestellt, dass ich Firefox 6 habe, und musste das gleich ausprobieren.

Ãœberraschendes Fazit: Der Browser ist auf keine der in den Kommentaren genannten Fallen getappt:
* Silben-trennung und nicht Silbent-rennung
* Brow-ser und nicht Bro-wser
* Ver-trag und nicht Vert-rag

Ich bin positiv überrascht. Und gespannt, ob doch noch Beispiele genannt werden, die der Firefox falsch trennt.

Gerrit

@Beat: dann hast du Glück, dass diese Wörter im Englischen (denn nur dort trennt Firefox 6) zufällig korrekt getrennt werden.

Beat

Ich bin eben ein Glückspilz. Ich staune einfach, dass per Zufall (und erst noch in einer anderen Sprache) keine einzige Trennfalle zugeschnappt hat.

Wenn die Quote des Zufälligerweise-Richtigtrennens so hoch ist, dann spricht ja nichts gegen den Einsatz von hyphens:auto;

Und vielleicht tauchen jetzt doch noch einige Gegenbeispiele auf…

J. Lippmann

@Daniel: Mir scheint, dass Du generell bezweifelst, dass richtige Zeilentrennung mit Algorithmen überhaupt möglich ist.

Wer TeX oder LaTeX kennt, weiß allerdings, dass sowas mit sehr guter Trefferquote sehr wohl machbar ist. Derselbe Algorithmus wird von hyphenator.js verwendet. Da er frei ist und sich (mit Trenntabellen) in etwa 100kB Javascript quetschen lässt, sollte es den Browserherstellern auch möglich sein, sowas noch flotter, kompakter und ausgefeilter in ihrem Browsern unterzubringen. Im besten Fall ist es einfach ein Qualitätsmerkmal eines guten Browsers, weniger Trennfehler zu machen als die Konkurrenz.

Bernd

Also ich muss mich hier an bele anschließen und mal feststellen, das ich die Silbentrennung auch fast nie vermisst habe – was aber andererseits nicht heißt, dass ich nicht darüber nachdenke ob eine Silbentrenung manchmal nicht von Vorteil wäre.
Gerade ein Desing mit teilweise geringen Spaltenbreiten wird manchmal zu Qual, wenn dann wirklich lange Worte im Text vorkommen. Da hab ich mir durchaus schon mal geünscht, dass der Browser in der Lage wäre eine Trennung selbst durchzuführen.
Andererseits muss ich aber wieder sagen, dass ich es wieder doof finde wenn so etwas nur manche Browser hinkriegen – wieder ein Feature mehr, das zu unterschiedlicher Darstellung in den einzelnen Browsern führen kann.
Aber wahrscheinlich muss man bei derartigen »Neuerungen« immer etwas Geduld und »Risikobereitschaft« mitbringen.
WENN es sinnvoll ist und von Webdesignern daher auch genutzt wird, ermöglichen früher oder später alle Browser derartige Features – wenn es nicht genutzt wird, bleibt es eine Nischenmöglichkeit die halt eher eine »Spielerei« bleibt .

redzack

Durch Google hat es mich hier her verschlagen fand den Beitrag interessant doch denke ich ehr das was für faule ist den das meiste wird eh nur in english gemacht somit brauch man die Silbentrennung nicht wirklich. Aber ein nettes Gimmig schöne Seite übrigens

fröhliche Grüße aus Sachsen Anhalt

Thiemo

Leicht themenfremd: Weißt du, dass Opera die Soft-Hyphens auf deiner Startseite als Kästchen darstellt? Ich konnte es nicht genau eingrenzen, am System selbst (Windows 7) liegt es wohl nicht.

PS: Oh, Vorschau-Pflicht für Kommentare. Sehr vorbildlich.

Pöllinger

Interessant, die neue Funktion der Silbentrennung in einem Navigator. Ich nutze kein Safari – und Firefox nur höchst selten, dafür aber Opera sehr intensiv.
Da ich meine Netzpräsenz gerne lesefreundlich gestalte, habe ich mir schon früh Gedanken um die Silbentrennung gemacht. Dabei verabscheue ich die Rechtschreibverform und bleibe im wesentlichen bei der bewährten Qualitätsrechtschreibung von vor 1996.
Da damit aber nun die Trennung von ck zu k-k nicht machbar ist, bleibt man bei PHP, HTML und CSS, stellt dies für mich den Prüfstein einer Silbentrennung dar. Ich will keine JavaScript-Wüsten, am liebsten sogar ganz auf JS verzichten. Der Algorithmus muß also in den Navigator oder das Betriebssystem implementiert werden, sonst kocht jeder sein eigenes Süppchen.
Bis jetzt kann der Besucher auf meiner Netzpräsenz wählen, ob er die Silbentrennung will oder nicht. Das verlangt freilich nach einer gut gewarteten Ãœbersetzungstabelle. Das ist nicht optimal, aber als Ãœbergangslösung akzeptabel. Wen’s stört, kann die Trennung ja immer noch abstellen. Da ich auf meiner Präsenz auch Seitenbereiche (table, pre) habe oder ganze Absätze in anderen Sprachen wie Englisch, Latein, C, Basic, markiere ich diese Wörter, Wortgruppen, Absätze usw. mit class=»lang_eng«, »lang_lat«, »no_hyph« o.ä., worauf die Silbentrennung entsprechend eingeht.
Ein Kommentar in meinem Gästebuch darüber übrigens würde mich freuen.
Gruß – WPö

Tobias

Schade das Chrome die automatische Silbentrennung immer noch nicht unterstützt (8.2011 – 4.2013). Gerade bei Responsive Webdesign fähigen Websites auf Smartphons, würde die Lesefreundlichkeit deutlich steigen.

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