Die sprachnachrichten des Vereins Deutsche Sprache e. V.

Vor mir liegt ein Exemplar der sprachnachrichten. Ein kostenloses Exemplar muss ich wohl hinzufügen, welches mir unaufgefordert in den Briefkasten gelegt wurde. Bisher dachte ich, dass es lediglich – Achtung, Nazivergleich! – rechtsradikale Wahlkampfpamphlethe nötig hätten, unaufgefordert in fremde Briefkästen versenkt zu werden. Aber ganz so wahllos geht der Verein Deutsche Sprache glücklicherweise nicht vor – immerhin prangt mein Name und meine Adresse auf der Rückseite. Es handelt sich also um eine reguläre Postsendung, wenn auch die Kontaktdaten sicher von irgendeinem windigen Adressenhändler verkauft wurden.

sprachnachrichten

So eine Zeitung macht mich immer neugierig, weil man unverhofft einen Einblick darin bekommt, was andere Menschen zu umtreibt. Und es ist wahrhaft erstaunlich: Die Publikation erscheint offenbar quartalsweise und hat 32 Seiten. Der Inhalt jedoch beschränkt sich auf zwei Kernthemen, die in mannigfaltig variierter Form stetig iteriert werden:

  1. Die Vermischung von Deutsch und Englisch ist böse.
  2. Die neue Rechtschreibung ist böse.

Viel mehr kommt da nicht, und der Erkenntniswert der einzelnen Artikel wird immer geringer, je mehr man von ihnen liest. Selbstverständlich ist die gesamte Zeitung in der »bewährten«, »traditionellen« oder auch »konservativen« Rechtschreibung verfasst und wirkt für junge Augen wie meine inzwischen etwas wunderlich. Überhaupt zielt der gesamte inhaltliche und formale Duktus eher auf die ältere Generation ab, wie mir scheint. Man ist gern unter sich, wenn es darum geht, auf das Neue und Moderne zu schimpfen.

Beim Durchlesen der Artikel stören mich dann auch eigentlich weniger die zahlreichen netten Alternativ-Vorschläge für denglische Begriffe (»Prallkissen«, »Netzauftritt« usw.), sondern diese enervierende sprachfaschistoide Haltung des »Es darf sich nichts vermischen!«. Das nervt gewaltig und wirkt verkrampft, zumal die böse Sprachvermischung immer dann bejubelt wird, wenn es mal ein deutsches Wort in andere Sprachen schafft, wie beim Werbeslogan »Vorsprung’s finest hour« von Audi. Hier darf dann gepanscht werden, aber »Service-Mitarbeiter« und »Podcasting« sind nicht erlaubt.

Damit wir uns nicht falsch verstehen – das sind keine Ignoranten oder Idioten, die Leute vom Verein Deutsche Sprache. Sie kennen viele gute Argumente und noch wichtiger: Sie kennen auch viele Gegenargumente. Aber ich mag diesen elend konservativen Muff nicht, der alle Aussagen und Artikel durchzieht wie kalter Zigarettenrauch eine morgendliche Kneipe. Mit 32 Seiten alle drei Monate und vielen gebildeten Autoren kann man tollere Dinge anstellen, als immer nur auf zwei Themen herumzuhacken. Der Vorsitzende redet von einer »fröhlichen Aggressivität«, die an den Tag gelegt werden soll. Ich meine, dass man mit fröhlichem guten Beispiel und einem unverkrampften Sendungsbewusstsein viel weiter käme.

Ach ja, die Phrase »Klicken Sie unseren Netzauftritt an«, gehört eindeutig verboten. Nicht wegen des Netzauftritts, sondern wegen des Anklickens. Niemand klickt einen Netzauftritt an, sondern ruft ihn auf oder besucht ihn einfach.

P.S.: Mal sehen, in welcher Sprache die HTML-Klassen-Attribute der Website des VDS gehalten sind. Immerhin, sie sind auf Deutsch. dafür aber nicht semantisch (»weissfett«). Und selbstverständlich werkelt ein schickes Tabellenlayout – da waren ja echte Semantik-Profis am Werk, pfui Spinne!

28 Kommentare

Boris

Tabellenlayout, nicht-semantischer Code: das ist eben »traditionelle« oder »bewährte« Netzgestaltung. Hehe!

Die Welt ist eben nur mit starr zurückgerichtetem Blick (und dem angemessenen Ressentiment) akzeptabel. Und das muss kontinuierlich missioniert werden.

Bob

Aber ich mag diesen elend konservativen Muff nicht, der alle Aussagen und Artikel durchzieht wie kalter Zigarettenrauch eine morgendliche Kneipe.

Hier dran lässt sich erkennen, dass du aber auch noch ziemlich konservativ denkst, denn dank des Rauchverbots ist dieser »Muff« glücklicherweise Geschichte -jetzt stinkts nur noch nach altem Fett. ;)

Und zum Thema kann man nur sagen: Eine Sprache ist schon dann tot, wenn sie nicht mehr weiterentwickelt wird, nicht erst wenn sie nicht mehr gesprochen wird.

Daniel

Der VDS schießt gerne mal über’s Ziel hinaus, doch abgesehen vom »Generationenproblem« Rechtschreibung ist eines nicht zu bestreiten: gerade »Webworker« neigen bisweilen dazu, eine gewisse Betriebsblindheit beim Vokabular zu entwickeln – das nervt Teile des gemeinen Volks ebenso wie die Missionstätigkeit der Anglizismenkritiker. ;-)

Disclosure: ich bin durch das ADE-Sprachpaket für Firefox (welches aber eher nicht als Sprachkritik gedacht war, sondern als Experiment, »wie weit zurück« man gehen kann) »leicht« vorbelastet.

andy

Wieſo nichth zur althen Schreybung von vor 1901 zurueckkehren?

Stefan David

Zur selbstdefinierten audience des Netzauftritts (META-Element) gehören auch Manager und Chief Executives. Diese Selbstironie hätte ich den Lordsiegelbewahrern gar nicht zugetraut.

Schmunzeln muss man aber auch, wenn im Anglizismenindex »doorman« durch »Portier« ersetzt wird. Scheint weniger ein Verein für deutsche sondern eher gegen englische Sprache zu sein.

Mich wundert, dass Bastian Sick dort Ehrenmitglied ist. Bisher hatte ich nicht den Eindruck, dass er sich der Weiterentwicklung der Sprache verweigert.

Kevin

»klicken sie uns im Internet an« gibt es wohl des öfteren, zum Beispiel bei Quarks & Co
Mir läufts kalt den Rücken runter, wenn es eben heißt »klicken sie uns im Internet an«, währenddessen der Herr Yogeshwar meist beharrlich auf seinem Screen rumtippt.

Leider passiert noch nicht mal was, wenn man dann versucht, eben diesen Link in dem Film(Podcast) anzuklicken (obwohl technisch durchaus machbar, wie diverse andere Podcasts beweisen).

Chris

Mal abgesehen von den Klassen weissfett und so..

font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;

Gehört die Helvetica nicht nach vorne?

Christoph

Auch nett: http://www.vds-ev.de/forum/member.php?Action=viewprofile&username=

Gerrit

@Chris: Nein, weil manche Windows-Versionen dann eine sehr hässliche komische Helvetica-Version versuchen darzustellen, die sie irgendwo aufgeschnappt haben. Wenn Helvetica nach vorne, dann bitte Helvetica Neue.

Daniel

Nicht wenn sie glauben, dass die Helvetica weiter verbreitet ist als die Arial ;) Oder sie hoffen, dass auf Rechnern ohne die Arial (k.a. wie sowas passieren könnte) wenigstens noch die Helvetica vorhanden ist. Ähhh wirre Gedanken. Sorry.

Dennis

Na, die sind ja lustig. Ob die wohl beim W3C auch schon einen Antrag auf Eindeutschung von ÃœTMS (Ãœber-Text-Markierungs-Sprache) vorgelegt haben?
<abteilung> statt < div>
<tabelle> statt < table>
<stark> …
<absatz> …
Das wäre doch endlich mal verständlich!

Und überhaupt, wer von den Jungs baut dann den den deutschen Browser Webseitenbetrachter Netzseitenbetrachter? Feuerfuchs, Netz Erforscher, Opera(?), die deutsches Markup deutsche Markierungssprache verstehen, und damit Deutschen deutsche Seiten anzeigen (alle Anderen werden natürlich geblockt -> dann gibt es neben dem Aufsprungblocker halt noch einen Sprachenblocker).

Wenn ich mir das so recht überlege, sollte ganz Deutschland gleich gänzlich per Gesetz vom Inter(nationalem) Netz getrennt werden. Nieder mit dem internet, es lebe das Deutschland Netz!

Fabian

Also ich weiß nicht so recht was ich von sowas halten soll. Auch wenn sowas auf den ersten Blick nach einer recht seriösen Sache aussieht, kann ich mich damit überhaupt nicht anfreunden.
Ich hab mich das letze Jahr relativ intensiv mit den Strukturen der (Neo)Neo-Nazis in Süddeutschland befasst. Ein teil der neuen Nazipropaganda hat es sich auch ui ihrem Ziel gesetzt die deutsche Sprache zu bewahren und tritt mit dieser Botschaft an die Leute heran. So harmlos wie sich das bei dem VDS anhört, bei den Nazis klingt das nicht viel anders.

molily

»Browser« heißt »Navigator« im Deutschen, lieber Dennis, so rät es zumindest der VdS. Früher war auch »Netzöffner« im Gespräch, aber man hat dann doch das lateinische Wort vorgezogen. Schließlich fahren wir zur See, oder nicht?

Max

Der VDS geht mir hier und da auch zu weit, vor allem was die neue Rechtschreibung angeht. Nur gibt es inzwischen wirklich zu viel Denglisch. Viele Begriffe ließen sich wunderbar ins Deutsche übersetzten, jedoch scheint Englisch irgendwie immer cooler zu sein. Mit Weiterentwicklung von Sprache hat das nun leider gar nichts zu tun.
@Dennis, einige deiner Vorschläge finde ich richtig gut. Natürlich sollte man nicht gleich internationale Standards (und vor allem Eigennamen) übersetzten, hierfür eignet sich Englisch ganz hervorragend.
@Fabian, nur für dich, ein schönes Zitat von Neo Rauch: „Die Generation Golf hat ihre eigenen Politkommissare elaboriert; das sind Leute die mit einer forcierten Germanophobie ausgestattet sind und in allen was sich als Deutsch zu erkennen gibt schon gleich eine rechtsradikale Tendenz wittern.“

Paul

Juhu hier gibts ja einen Nazivergleich nach dem anderen (Fabian, Gerrit to be continued) ;-)

Man erkennt einen einseitig fixierten Diskurs fast immer an der Darstellung der Gegenargumente. Genau das macht der VDS im Punkt Denglisch. Die Gegenargumente werden nicht ausgeführt sondern plakativ zusammengefasst. Das macht es leicht sie anzugreifen.

Allein die Anzahl der Wörter macht das deutlich:
Pro Denglisch: 230 Wörter ( 2/3 Seite Helvetica 12 pt.)
Anti Denglisch: 5234 Wörter (11 Seiten Helvetica 12 pt.)

Querverweise, Quellenangaben, Autoren bleiben nur den die Anti-Denglisch-Argumenten vorbehalten.

Und das nennen die einen sachlichen Diskurs?!!!

Pascal

Ich bin seit ein paar Monaten Mitglied im VDS. Der Feldzug gegen Anglizismen und ähnliche sprachliche Veränderungen ist mir ebenfalls zu scharf – besonders für Menschen aus unserer Branche. Allerdings hat man in diesem Verein auch andere Möglichkeiten, die deutsche Sprache zu fördern. Ich erinnere mal an die Aktion Wortpatenschaft, die ich sehr gelungen finde.

Und damit ich meiner Verantwortung als Wortpate auch hier gerecht werde, schließe ich mit einem lauten: Hurra! :-)

Jörg L.

Du pflegst ein Hurra? LOL! (Wie geht das auf deutscher?)
Die Wortpatenseite behauptet, die deutsche Sprache gäbe es seit 1500 Jahren. Da wäre ich aber auf den Beweis gespannt.

at

Im Vergleich zu ähnlichen Pamphleten sind die Sprachnachrichten geradezu modern, vielfältig und weltoffen. Und die Spitze des VDS verbringt einen großen Teil ihrer Zeit damit, deutlich rechts des demokratischen Spektrums angesiedelte Individuen aus dem Forum und Vereinsgremien fernzuhalten, womit man sich dort deutlich von ähnlich ausgerichteten Vereinen unterscheidet. Leider verbringt sie einen nicht minder großen Teil ihrer Zeit damit, jedwede innere Opposition zu den Ansichten den Vorsitzenden zu unterdrücken, der den Verein offenbar als Vehikel seiner persönlichen Ansichten betrachtet und einsetzt. Das ist sicher schade, auch verwerflich, aber leider nicht untypisch für Vereine, Parteien usw.
Richtig und wichtig ist hingegen, sich mit seiner Sprache zu befassen. Denn Sprache ändert sich nicht von allein, sondern Menschen entwickeln eine Sprache fort — bewusst oder unbewusst. Wem an der Sprache gelegen ist, sollte sie also bewusst einsetzen und behutsam weiterentwickeln, und das heißt, sich zumindest mit den Argumenten des VDS auseinanderzusetzen. Nicht als festgeschriebenen Katalog eines obskuren Vereins, sondern als Gebot von Kultur und Kommunikation.
Der Netzauftritt stammt übrigens aus einer Zeit, in der HTML noch nicht mit X geschrieben wurde. Da werkelt kein Redaktionssystem, sondern dort wird jede einzelne Nachricht per Hand in den Quelltext der Startseite kopiert. Insofern kann man froh sein, dass die Seiten überhaupt funktionieren.

Manuel

P.S.: Mal sehen, in welcher Sprache die HTML-Klassen-Attribute der Website des VDS gehalten sind.

… oder passend dazu: Stylesheet-Translator ;-)

Markus

Und überhaupt, wer von den Jungs baut dann den den deutschen Browser Webseitenbetrachter Netzseitenbetrachter? Feuerfuchs, Netz Erforscher, Opera(?), die deutsches Markup deutsche Markierungssprache verstehen, und damit Deutschen deutsche Seiten anzeigen (alle Anderen werden natürlich geblockt -> dann gibt es neben dem Aufsprungblocker halt noch einen Sprachenblocker).

Wortwörtliche Ãœbersetzungen sind selten gut. Denn auch „blocken“ ist ein Anglizismus (to block).

Simon Wehr

Ich finde, gerade im Medien-Bizz tut es sehr vielen Leuten richtig gut, mal ein bisschen zu überlegen, in welcher Sprache man kommuniziert. Früher war mal französisch en vogue und jetzt ist halt englisch hip. Aber muss man carsharing betreiben und call-and-surf-tarife erfinden? Warum gehen gerade die drei ex-staats-Unternehmen T-Com, Post und Bahn mit einem ganz schlimmen Denglish voran? Ich werde weiter kommunizieren, bleibe Designer und werde im Netz coole Seiten oder sites ansurfen und mir Softwareupdates downloaden. Ich mag auch lieber Pommes mit Ketchup als frittierte Kartoffelstäbchen mit Tomatenmatsch. Aber meine unique selling proposition kann ich meinem Kunden ruhig als Alleinstellungsmerkmal vorstellen.

Heiner

In einer Zeit, wo alles nach Barrierefreiheit und Einhaltung von Standards schreit, ist es nur folgerichtig, sich auch um den angemessenen Gebrauch von Sprache Gedanken zu machen. Denn was nützt ein W3C-Häkchen, wenn der Nutzer nicht weiß, was denn nun ein »Disclaimer« sein soll oder was denn für eine Mappe diese »Sitemap« ist. Ganz zu schweigen von dem Crowdsourcing-Contest-Community-Kauderwelsch. Typisch, dass sich ein Großteil hier wieder auf den Quelltext des Auftritts stürzt, statt bei einer Website einfach einmal vorne drauf zu gucken – da ist meist schon genug zu finden.

Eine konstruktive Gegenbewegung ist da nur legitim, wenn dieser Verein auch ein wenig übers Ziel hinauszuschießen scheint (s. Haltung zur neuen Rechtschreibung).

Die Anspielungen, die das Thema in die rechtsradikale Ecke schieben wollen, sind allerdings Unfug. Sprache ist Kultur und Kultur ist schützenswert – es geht hier ja nur um Erhalt und der schadet niemand.

Mario H.

Man muss nicht jedes Wort ins englische übersetzen bzw. neue englische Wortschöpfungen (»Handy«), machen, um modern (bzw. hip) zu sein. Manchmal wirkt das echt lächerlich. Allerdings, wenn es sich um Fachbegriffe handelt, dann sollte man diese auch nicht unbedingt übersetzen müssen, das wirkt doch arg bemüht.
Inwiefern welche Vereine rechts sind, dass muss man wohl eher im Einzelfall entscheiden, wobei Deutschtümelei und der Verweis auf die deutsche Sprache, Leid Leitkultur und dergleichen mehr gut als Aufhänger dienen können…

Jörg L.

Kein Amerikaner oder Franzose oder sonst jemand nicht-deutscher würde den Verweis auf die eigene Kultur als Orientierungspunkt im eigenen Land für rechtsradikal halten. Mir ist ja klar, dass der Begriff »deutsch« mal überstrapaziert worden ist, aber hatten dieselben Leute ihn nicht auch sehr nach ihren eigenen Vorstellungen modelliert? Das ist eher der Punkt: Die Nicht-Rechtsradikalen sollten sich Gedanken machen, was sie deutsch finden, und damit die Rechtsradikalen an den Rand drängen, von dem sie kommen. Wir sind doch hier fast alle Deutsche, und es ergibt gar keinen Sinn, die Definition dafür, was wir sind, ein paar Außenseitern zu überlassen, die sich gezielt von uns absondern, und mit denen wir Deutschen in großer Mehrheit nichts zu tun haben wollen, die wir nicht richtig als »welche von uns« empfinden.

Ansgar

Ich denke, Sprache ist etwas sich sehr frei Entwickelndes; man kann sie nur sehr bedingt steuern, kann vielleicht Rechtschreibreformen anordnen, versuchen, diese wieder rückgängig zu machen, aber welches Wort da wie Einzug in den deutschen Sprachraum findet, bleibt letztlich unkontrollierbar.

Dinglish kann bizarre Blüten treiben, was man – wie ich finde – besonders oft bei Job- und Tätigkeitsbezeichnungen merkt: Facility Management klingt wahrscheinlich dann doch toller als Hausverwaltung.

Dinglish ist für mich auch ein Zeichen für eine Welt, in der Distanzen kleiner werden (räumlich gesehen). Wer weiß, vielleicht sprechen wir eines Tages nur noch Dinglish? Ich ziehe jedenfalls jetzt Boots an, hole mir einen Döner, werde etwas relaxen, ein bisschen work erledigen und dann meine eigene kleine after-work-party feiern. Heute anwesend: nur ich und ich.

Ein lieber Gruß vom Ansgar

Tobias

Dass Sprache sich entwickelt und nicht in einem bestimmten Zustand eingefroren gehört, steht außer Frage. Dass aber Menschen sich an den zunehmenden Anglizismen stören und auch andere Veränderungen als Verfall wahrnehmen und darauf reagieren, ist doch auch Bestandteil der Entwicklung. Entwicklung per se zu verteufeln ist Quatsch, aber Menschen, die eine Meinung zur sprachlichen Entwicklung haben und äußern, in die rechte Ecke zu stellen, ist ebenso Quatsch. Sich dem anschließen muss ja niemand. Statt doorman Portier zu sagen, hat durchaus eine gewisse Berechtigung, etwa dann wenn es darum geht, meine Oma zu erreichen. Der Verein ist womöglich eher pro-etabliert-da-verständlicher als anti-englisch …

drwitt

Das schlimmste an solchen Diskussionen über Sprachmissionierungsversuche sind die obligatorischen 1001 Beispiele »besonders deutscher« Wortneuschöpfungen, mit denen der erzkonservative Standpunkt ad absurdum geführt werden soll.

So abseitig manche Gruppierungen auftreten mögen, bleibt zur Sache immer noch festzustellen, daß sich mit den neuen Rechtschreibregeln das allgemeine Qualitätsniveau in der Rechtschreibung keineswegs verbessert hat. Vielmehr beobachte ich weithin eine gewisse Unsicherheit, welche Schreibung denn nun richtig sei; an früher typischen »Kommastellen« herrscht heute Wahlfreiheit – nur daß viele Leute das Komma dort nun pauschal weglassen, es dafür aber dort einsetzen, wo es früher komplett verboten war. Die aufgelockerten Regeln der Zusammen- und Getrenntschreibung haben auch dazu geführt, daß heute ebenfalls gegen jede Indikation gerne auf Bindestriche verzichtet wird, und zwar nicht nur im Billigsektor bei Aldis Katen Land Rauch Wurst, sondern aktuell sogar in der aktuellen Anzeigenkampagne des Handelsblatts:

Ludwig Erhard schreibt mit Handelsblatt
Redakteur Langer das Buch »Wohlstand für alle«

Ich finde es nur sinnvoll, daß sich überhaupt jemand mit Rechtschreibung befasst. Wie wärs mit uns Medienleuten?

OT: Jörg schreibt:
Die Nicht-Rechtsradikalen sollten sich Gedanken machen, was sie deutsch finden, und damit die Rechtsradikalen an den Rand drängen […] Wir sind doch hier fast alle Deutsche, und es ergibt gar keinen Sinn, die Definition dafür, was wir sind, ein paar Außenseitern zu überlassen.
Auf den Punkt getroffen.

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