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Gerrit, 28.05.2008

Die seltsamen webinale awards

Eines muss man den Jungs von Create Or Die lassen: Die Plexiglas-Trophäen sehen echt lecker aus und machen sich sicher unfassbar gut im Regal! Alle anderen Faktoren der ersten webinale awards müssten nochmal einer genaueren Prüfung unterzogen werden, bevor man das Ding nächstes Jahr zum zweiten Mal veranstaltet. Denn wenn es ein Wort gibt, was die diesjährige Iteration am besten beschreibt, so ist es sicherlich »seltsam«.

Hinweis: Ich gehörte zu den drei höchstnominierten Teilnehmern im Bereich Most Valuable Design Website, habe aber den Preis nicht gewonnen, sondern – hochverdient – mein Webkrauts-Kollege Vitaly Friedmann für das populäre Smashing Magazine. Die folgenden Zeilen schreibe ich nicht aus Enttäuschung, sondern eher aus Gründen der Hilfestellung für das nächste Mal.

Was war also so seltsam an den webinale awards? Hier ist eine lose Aneinanderreihung von Beobachtungen fällig:

  • Die Existenz der awards war den meisten Teilnehmern der webinale gar nicht bewusst. Dienstag abend um 19 Uhr war das offizielle Programm der webinale für diesen Tag beendet, und es gab kostenlose Häppchen und Freibier. Um 10 vor acht wurden dann mit zwei zaghaften Lautsprecherdurchsagen alle noch Anwesenden in den riesigen Brahms-Saal gelockt. Das Ergebnis: ca. 30(!) unerschrockene Zuschauer verirrten sich – wohl eher zufällig – in den Saal und vermittelten eine sehr peinliche Atmosphäre, vor allem für die armen beiden Moderatoren, die sich sicher auf 400 oder 500 Zuschauer eingestellt hatten …
  • Die Auswahl der nominierten Websites war eine vollständige Katastrophe und zeugt schlicht von fehlender Kompetenz. Wie kann man ein Portal wie XING
    mit einem »Wie kann ich Geld im Netz machen«-Blogger vergleichen? Was hat praegnanz.de auf einer Ebene mit den Übergöttern von A List Apart zu suchen? Warum ist 456 Berea Street im Bereich Development und nicht im Bereich Design? Laut Aussage des Veranstalters diente als Grundlage Technorati. Das mag tatsächlich sein. Aber ich schließe die (stets notwendige) manuelle Bearbeitung der Liste über fachkundige Personen aus. Mehr dazu auch in den Kommentaren zu diesem Eintrag
  • Die webinale awards konnten sich nicht so recht entscheiden, ob sie nun eine internationale oder eine deutsche Veranstaltung sein wollen. Man lässt den Chef eines weltweit tätigen Books-on-demand-Portals eine Videogrußbotschaft per Webcam versenden, nominiert aber zeitgleich mehrere eher kleine deutschsprachige Blogs. Die Informationen, dass man zu den ersten drei Nominierten gehört und sich echte Chancen auf das 5000-Euro-Preisgeld machen kann, kam jedoch erst gut eine Woche vor der Preisverleihung ins E-Mail-Postfach. Was hat man erwartet? Dass Jeffrey Zeldman sich stante pede in den Flieger nach Karlsruhe setzt, um den potenziellen Gewinn in Empfang zu nehmen? Konsequenterweise war dann auch tatsächlich nur einer der drei Gewinner tatsächlich anwesend (Vitaly Friedmann). Ohne ihn hätte es dann gar kein Pressefoto mit glücklichem Händeschütteln gegeben.

Also, wie schade! Das Potenzial war eigentlich da: Gelungene Konferenz, ansehnliches Preisgeld, charmante Moderation, ein großer Saal. Doch durch die fehlende Sachkenntnis bei der inhaltlichen Durchführung und Aufbereitung der awards wurde die ganze Geschichte leider komplett in den Sand gesetzt! Das nächste Mal sind wir schlauer, denke ich.

11 Kommentare

  1. Webstandard-Team am 29. Mai 2008 #

    Technorati als Grundlage für eine Nominierung zu nehmen, ist eigentlich eher ein Zeichen dafür, dass man sich die Arbeit diesbezüglich etwas einfach gemacht hat. Schade auch das ein Engagement wie das von Vitaly, durch eine solche »Verleihung« fast zur Nebensache wird. Hört sich auf jeden ausbaufähig an.

  2. Nico am 29. Mai 2008 #

    Vitalys Anwesenheit hat man ja auch dadurch gesichert gehabt, dass er zwei Sessions auf der Webinale gehalten hat. Er hätte allerdings wie wir alle, auch in den Biergarten gehen können. Sorry. ;)

  3. Vitaly Friedman am 29. Mai 2008 #

    Nico, ich würde ja gerne hingehen, musste aber noch verdammt viel für eine Uni-Klausur lernen, die ich dann direkt am Mittwoch schreiben musste… ;-(

  4. Martin Lange am 29. Mai 2008 #

    Trotz der etwas fragwürdigen Abstimmung und Auswahl der Teilnehmer möchte ich zu diesem beeindruckenden Erfolg herzlich gratulieren.
    Applaus bitte für Herrn van Aaken :D

  5. Simon Wehr am 29. Mai 2008 #

    Für so etwas gibt es doch eigentlich genug kompetente Event-Agenturen!? Die hätten dann schon drauf hingewiesen, dass es Häppchen und Freibier vielleicht erst nach der Preisverleihung hätte geben sollen …

  6. Nico am 29. Mai 2008 #

    @Vitaly: oha, hab mich schon gewundert was Du da immer in der Speaker Lounge über irgendwelchen Büchern gehangen hast ;) Hoffe ist alles gut gelaufen.

  7. Marcel G. am 30. Mai 2008 #

    gehe mal davon aus, dass die nächsten awards wohl erst wieder 2009 stattfinden, oder irre ich mich da?

    habs leider total verschlafen… :(

  8. Benni am 30. Mai 2008 #

    Irgendwie habe ich mir schon gedacht, dass die Awardverleihung ein Griff ins Klo wird, wenn man sich an besagtem Abend mal umgeschaut hat. Kaum noch Leute anwesend und viel zu wenig Werbung für die Awards.

    Das war dann auch der Grund, warum ich zum PHP TestFest gegangen bin und erst nachdem zur Verleihung.

  9. Marcus Köhler am 30. Mai 2008 #

    Ich war von Montag bis Mittwoch bei der Webinale (Review ). Fand die Konferenz ganz gelungen, besonders der Online Marketing Day war interessant. Das Freibier vor den Awards haben meine Kollegen und ich natürlich noch mitgenommen, aber zur Preisverleihung selbst sind wir auch nicht mehr geblieben. Nichts desto trotz sind wir nächstes Jahr bestimmt auch wieder dabei und bis dahin haben die von Create or Die ihr Awards-Konzept optimiert. ;)

  10. Chris am 30. Mai 2008 #

    »…das nächste mal schlauer?« Echt? So wie sich das liest…
    …wärs schon schön, würde ich nächstes Jahr um diese Zeit noch mal einen solchen Beitrag lesen der mich zum grinsen animiert.

    Echt mal,..da war ja was los. Gabs wenigstens Freibier?
    Gratz zur Nominierung; SmashMag. rockt voll; wenigstens das hat geklappt… ;)

  11. Markus am 10. Juni 2008 #

    Die Veranstaltungen des Software & Support – Verlages sind bisher immer sehr krude und schlecht organisiert.

    Und das verkrampft coole Web 2.0 – Getue ist etwas peinlich und erinnert an die schlimmsten Zeiten bevor die Dotcom-Blase platzte..

    Ich war selber als Aussteller dabei, und ich bin untröstlich:

    Aus einer Messe in Süddeutschland, mit den Themen Web und auch Open-Source (Open Source Expo) könnte man so viel machen..

    Aber die machen das, keine Ahnung wieso..

    Die Open Source Expo als Teilmesse war von Anfang an als Abfallprodukt der Open-Source-Stände letztes Mal auf der Webinale 2007, um Besucher anzulocken.

    Aber trotzdem, alles in allem sehr konfus, ohne richtiges Konzept und ohne weder die »richtige« Webdesign-Szene in Deutschland und weltweit zu kennen, ebensowenig die Open-Source-Szene im In- und Ausland.

    Wie gesagt man fühlte sich wie zu schlimmsten Dot-Com-Zeiten. Viel Blabla, manche geilen sich daran auf, mir ist Substanz wichtiger.

    Ich selber habe einen langen Brief geschrieben, was man besser machen könnte, aber der ist sicher beim lustlosen Organisationsteam untergegangen bevor es der Chef sieht..

    Falls es den denn interessiert.. :)

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