Die Komfortzone der Skeptiker

Es gibt zwei Arten von Nachrichten, die sich gut verkaufen: Schlechte Nachrichten und solche, die das schlechte Gewissen des Lesers beruhigen!

Über letztere muss ich mich derzeit des öfteren ärgern. Zwei Beispiele, zufälligerweise beide aus der Süddeutschen Zeitung:

In beiden Fällen wird dem konservativen Leser nahegelegt, sich nicht vom unbequemen Trend der Elektromobilität verrückt machen zu lassen, denn diese ist im Zweifel noch umweltschädlicher als die Verbrennung (im Falle von E-Autos) und dazu noch akut gefährlich für Leib und Leben (im Falle von E-Bikes).

Liest man genauer, geht es immer um Extremfälle. Das Elektroauto verbrauche in seiner Herstellung soviel CO₂, dass man erst 100.000 Kilometer fahren müsse, um diese wieder einzusparen. Dass man dabei (wie so oft!) vom durchschnittlichen Strommix ausgeht, steht dann halb versteckt in einem Nebensatz. Mit Ökostrom erreiche man die Einsparung nämlich bereits bei 30.000 Kilometern. Dabei wird vergessen, dass Fans von Elektroautos meistens auch Umweltfreunde sind und privat längst auf Ökostrom umgestellt haben. Und die meisten öffentlichen Ladesäulen setzen ebenfalls auf Ökostrom. Unter Elektromobilisten eigentlich eine Selbstverständlichkeit – unter konservativen Geistern offenbar etwas ganz und gar Unvorstellbares!

Mich ärgert es, dass man – bei aller Objektivität – offenbar eine gewisse Freude erkennen kann, die das Schlechtreden von Technologien bereitet. Und zwar immer dann, wenn es darum geht, das eigene Verhalten ändern zu müssen, sollte sich das Neue als tatsächlich sinnvoll und geboten herausstellen.

Ähnliches wäre übrigens über den Veganismus zu berichten. Viele Allesesser lechzen geradezu nach Negativnews über die vegane Lebensweise, damit sie sich mit einem „Siehste, ich hab’s ja immer gesagt!“ zurücklehnen können, und ohne schlechtes Gewissen ihre gewohnte Lebensweise behalten können.

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