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Gerrit, 04.09.2008

Burning Chrome

Auf eine ethische Diskussion um Datenkrake und hin oder her habe ich jetzt (ähnlich wie Johnny und Max) gar keine Lust. Ich möchte nur ein paar Schlussfolgerungen aus Webdesignersicht festhalten:

  • Solange die jQuery-Jungs ihre Testreihen gegen V8 erfolgreich abschließen, ist mir jede JS-Engine recht.
  • Auch wenn die abgerundeten Ecken nicht geglättet sind, und der Textshadow fehlt: Webkit ist eine Rendering-Engine, die man von Safari gut kennt, und die sich glücklicherweise sehr ähnlich zu Gecko verhält. Von dieser Seite sind meines Erachtens kaum Überraschungen zu erwarten.
  • Jeder einzelne IE6-Nutzer, der aufgrund des Medienwirbels erfährt, dass es noch andere Browser gibt, war es die Sache eigentlich schon wert.

Ein erster schneller Test beweist mir: Chrome ist ein cooler, aufgeräumter Browser, der die Inhalte in den Vordergrund stellt. Und diese angenehme Zurückhaltung rockt.

(Natürlich konnte ich mir die obligatorische, entliehene Überschrift nicht verkneifen. Wer weiß, auf welchen meiner Lieblingsautoren ich anspiele? Googlen gildet aber fei net!)

32 Kommentare

  1. Martin am 4. September 2008 #

    Genauso sehe ich das auch. Inzwischen ist es ja schon so, daß die gesamte Blogszene aufschreit, sobald Google nur irgendetwas (egal was) Neues herausbringt. Datenkrake hin oder her – Google ist nach wie vor innovativ, und das finde ich schön.

  2. Marc am 4. September 2008 #

    „Jeder einzelne IE6-Nutzer, der aufgrund des Medienwirbels erfährt, dass es noch andere Browser gibt, war es die Sache eigentlich schon wert.“

    Da stimme ich dir zu – ich denke Google wird einen großen Teil dazu beitragen, den IE6 eventuell doch endlich auszulöschen.

    Aber die Datenschutzbedinungen sind wirklich nicht das gelbe vom Ei…

  3. Simon Wehr am 5. September 2008 #

    Wie? Es gibt andere Browser?? Und ich hab hier noch den InternetExplorer 5.2 …

  4. Yoram am 5. September 2008 #

    «The sky above the port was the color of television, tuned to a dead channel.»

    Und da kann ich nur sagen die: »Schöne neue Welt« kommt seit wir »Neunzehnhundertvierundachtzig« passiert haben immer schneller auf uns zu. ;)

  5. Yoram am 5. September 2008 #

    Und natürlich ist Google keine «Differenzmaschine», oder?

    Aber mal Spass beiseite: erst wenn Chrome für Mac verfügbar sein wird werde ich mir eine Meinung bilden, da bisher alle Versuche mich von Safari zu lösen fehlschlugen — sämtliche WebKit Derivate wie OmniWeb oder Shiira eingeschlossen; und Firefox fühlt sich leider nachwievor wie billiges Plastik an (auch wenn die Plugins ihn deutlich aufwerten).

  6. Dan Arkway am 5. September 2008 #

    Interessant ist die Frage, ob Firmen mit der Freigabe von großen, offenen Projekten Softwarestandards und Neuentwürfe schneller und besser voranbringen können (s. ISO/MS Debakel). Das ist für mich der interessanteste Teil – und ob Einzelpersonen diesen Code dann wieder sinnvoll beeinflussen können. Das Google hiermit die eigenen RIA-Projekte boosten möchte ist klar. Ich freue mich auf einen Firefox der das Prozessmodell von Chrom übernimmt. Oder auf einen Chrom der die UI und die Plugins vom FF übernimmt, egal. Ansonsten hat sich ja nicht sooo viel getan. Die meisten Ideen (Threading) und Techniken (webkit, JS) gab es ja alle schon vorher, aber gut, dass es mal neu umgesetzt worden ist. Schade das X.org und emacs so wenig Potential für einen Neuentwurf durch eine Webfirma bieten…
    Und – ohne sinnvoll kontrollierbares Flash/JS sind Browser für mich leider unbrauchbar. Bei Chrom finde ich einige UI-Elemente ziemlich deplatziert, mal sehen wie sich das entwickelt.

  7. Tobias am 5. September 2008 #

    Es sind ja nicht nur Textshadow und die abgerundeten Ecken. Auch kein @font-face …

  8. Sebastian am 5. September 2008 #

    Witzig ich habe Virtual Light vor ein paar Wochen fertig gelesen und seit gestern liegt Idoru auf meinem Schreibtisch.

  9. Stefko am 5. September 2008 #

    William Gibson.
    Was habe ich gewonnen? ;-)

  10. Maximilian am 5. September 2008 #

    Kurzes Gedankenspiel:
    Nachdem Chrome doch OpenSource ist – warum nicht den Quelltext nehmen, alles was nach »Datenkrake« aussieht, entfernen und wieder als Chrome 2 oder (Achtung Wortspiel!) Manganese veröffentlichen…

  11. TheMaverick am 5. September 2008 #

    und wers genau wissen will. Burning Chrome ist eine Kurzgeschichte von William Gibson, soviel ist bekannt. Die Kurzgeschichte ist in Gibsons Buch »Cyberspace« als dritte von 3 Kurzgeschichten in diesem Band erschienen.
    Ich les gerade den Neuromancer-Zyklus, bin in der mitte von BioChips.

  12. Gerrit am 5. September 2008 #

    Der Sammelband »Cyberspace« heißt im englischen Original übrigens auch »Burning Chrome«, genau wie die darin enthaltene Kurzgeschichte. Ich meine mich zu erinnern, dass darin diese Szene von Leuten beschrieben wurde, die sich Hundeschnauzen als Mundpartie hinzuoperiert haben lassen. Abgefahren!

  13. Erik Keller am 5. September 2008 #

    Ich wollte nicht schummeln und habe meine Bücherschränke durchwühlt. Danke für den Tip, das Buch habe ich schon eine Weile nicht mehr gelesen. ;-)

    Was den Browser betrifft, ich konnte mich immer noch nicht dazu durchringen den Mac unter Windows zu starten; eventuell warte ich wirklich auf die OS X-Version.

  14. Arnoc am 5. September 2008 #

    »Jeder einzelne IE6-Nutzer..« – AMEN! :)

  15. Johannes Held am 5. September 2008 #

    Nun, ich hatte Chrome auch kurz installiert. Nachdem der Import meiner Daten vom Firefox auch meine Passwörter importierte hat, war ich natürlich schon etwas skeptisch.

    Sonst fühlt sich der Browser ganz »nett« an – aber mir fehlen hier einfach noch ein paar Plugins (NoScript & AdBlock+). Außerdem hab ich das Gefühl, dass einfach ein paar Einstellungen (z.B. bezüglich Cookies) fehlen.

  16. Tom am 5. September 2008 #

    @Johannes Held

    Solange du im Firefox kein Masterpasswort eingerichtet hast, kann sogar jeder an deinen Rechner gehen und die gespeicherten Passswörter einfach anzeigen lassen.
    Und falls du ein Masterpasswort setzt, glaube ich nicht, dass Chrome ohne weiteres den Import schafft.

    Ich hab Chrome kurz angeschaut und finde die Oberfläche gut und er fühlt sich sauschnell an. Aber es kommt eben meiner Meinung nach noch nichts an Firefox mit Addons heran.
    Aber Konkurrenz belebt das Geschäft.. Ich freu mich darüber und warte auf die nächsten Versionen!

  17. John am 5. September 2008 #

    _Kurzes Gedankenspiel:
    Nachdem Chrome doch OpenSource ist – warum nicht den Quelltext nehmen, alles was nach »Datenkrake« aussieht, entfernen…_

    Google Chrome ist kein Open Source (siehe auch EULA 10.2), die Mär‹ aus Googles Comic hat sich sofort festgesetzt und jetzt plappert sie jeder nach.

    Chromium ist Open Source und in den Quellen wirst Du schwerlich Googles Routinen zum Nachhaustelefonieren entfernen müssen, die sind da natürlich nicht drin.

    Bleibt die Hoffnung, dass sich eine Community findet die aus Chromium einen »stilleren« Browser macht. Dann könnte es mit dem Ding sogar mal was werden.

  18. Karsten am 5. September 2008 #

    Wenn sich Googles Datenkraken-Image nicht so in der öffentlichen Wahrnehmung etabliert hätte, dann wäre Chrome wirklich ein absoluter Clou. Soviel wurde über eine Betaversion noch nie berichtet, oder?

    Ich frage mich aber auch ob dem, für diese kurze Zeit, schon recht großen Anteil an Chrome-Surfern eigentlich klar ist, dass sie mit einer Betaversion unterwegs sind. Es scheinen ja nicht nur Tester unterwegs zu sein.

  19. Edoardo am 5. September 2008 #

    Was Chrome an Daten heimschickt, schickt Firefox angeblich genauso. Nur daß man es bei Chrome abschalten kann. Heißt es.

  20. apa am 5. September 2008 #

    „Auf eine ethische Diskussion um Datenkrake und hin oder her habe ich jetzt (ähnlich wie Johnny und Max) gar keine Lust. … “ – Schade. Mehr interessiert mich bei dem Ding (eigentlich) nicht.

    Gruß aus MZ

  21. Da Stefan am 5. September 2008 #

    @Edoardo: »heißt es«… Wo heißt es das? Wer schreibt das? Wer sagt das? Ohne Quellenangabe kann man dies nur als Gerücht verwerfen…

  22. Andi am 6. September 2008 #

    Ob Google jetzt weiss, dass ich deinen Blogeintrag mit Firefox gelesen habe?

  23. diepee am 6. September 2008 #

    Zum Thema Datenschutz:
    Jeder der mit einem Browser surft mit Google-Pishingfilter schickt seinen url-Verlauf an Google. Oder sehe ich das falsch?

  24. Joachim S. am 6. September 2008 #

    Soweit ich weiß, ja. Aber laut Google werden ja diese Daten nicht mit personenbezogenen zusammengeführt..

    Ich bin von Chrome recht angetan, er startet gefühlsmäßig sogar schneller als der (bereits in Windows verankerte) IE7.

    Der größte Vorteil ist natürlich das Medienecho..es ist einfach schön wenn mich meine Mutter fragt: »Du, was ist denn nochmal so ›n Browser??«

    Mit etwas Glück ist also der IE6 bald nur noch minimal verbreitet.

  25. Armin am 6. September 2008 #

    Es gibt genuegend IE 6 Nutzer die nur all zu gerne einen richtigen Browser benutzen wuerden und nur all zu gut wissen dass es andere Browser gibt.

    Aber sie duerfen nicht. Die PCs sind »locked«, selber was installieren ist nicht. Und IT wird’s auch nicht machen weil irgendwelche internen Applikationen nur mit IE 6 kompatibel sind und es kein Budget gibt diese zu aktualisieren.

    Da gibt’s dann halt nur IE 6 und nichts anderes. Ganz einfach.

  26. Rene Meissner am 6. September 2008 #

    @Armin: Auch meine Zahlen unterstützen Deine Meinung. In der Woche tagsüber sind auf einer typischen Business-Site im Schnitt 7 mal mehr User mit IE6 unterwegs als ausserhalb der Arbeitszeiten. Es wird noch lange dauern bis der IE6 nur noch in zu vernachlässigender Zahl anzutreffen ist.

    Wenn Google tatsächlich an Standards interessiert wäre hätten die einfach nur die beiden großen Projekte mit Manpower unterstützen müssen.

    Ich bin mir dagegen sicher, dass sie verhindern wollen, dass in Zukunft nur noch browser unterwegs sind, die das Tracking dezidiert abschalten können.

  27. Dan Arkway am 6. September 2008 #

    @Armin: Ich denke du wolltest nur ein Beispiel geben, aber mit den IT’lern kann man ja meist doch reden. IE macht ihren Job ja nicht gerade einfacherer. Die IT ist dafuer da, dass die Leute ihre Arbeit machen können. Schaffen die das nicht, bringen die Leute Laptops und USBware-Sticks mit und dann hat die IT ganz andere Probleme als Software die nur IE 6 kompatibel ist. Für die Software (meinst Du eine Webseite+Plugins?) kann man ja einen Link auf den Desktop packen. Soviel IT Kaizen sollte bei begrenzten Budget möglich sein.

    @all
    Die meisten Anrufe des FF sind erst einmal harmlos. Das meiste kommt durch Update-Checks und Antimaleware Features zustande dies kann über about:config/Preferences abgestellt werden. Google-Suggest ist eher ein Feature. Wer seine Daten generell nicht G. geben will, sollte es, ebenso wie Cookies (UID) und G.-Analytics (JS basiert) abschalten. Man darf aber nicht vergessen, dass G. Inc. von Daten und Werbung lebt und daher immer alles versuchen wird, diese im US-legalen Rahmen auch zu bekommen und anzubieten. Irgendwo hat Datenschutz durch den Browser auch seine Grenzen. Meist ruft der Nutzer gezielt Webseiten auf und tippen dort freudig seine Daten ein.

    Den Freiheitsgrade von Chrom(ium) & Co kann man unter:
    http://code.google.com/chromium/terms.html beurteilen.

    Für das Webdesign ist eher die Frage webkit/geko oder IE entscheidend. Daher ist eher alles so wie bisher, mit der Aussicht auf Besserung, wobei es vermutlich schlimme Tendenzen zu überflüssigem und/oder Datenschutzschädlichen JS geben wird.

  28. Dan Arkway am 6. September 2008 #

    @John – guck mal in die ~660MB svn Version, die sieht so aus, als könnte man sie unter windows komplett bauen.

    Was die EULA sagt würde ich nicht so ernst nehmen, der Quellcode ist, so wie es für mich aussieht, komplett veröffentlicht: http://dev.chromium.org/developers/how-tos/build-instructions-windows

    Ich würde es daher erstmal BSD-Style quellenoffene Software nennen. Ich glaube die Mär ist eher »IP« und die hat sich bei Juristen festgesetzt. Aber mal sehen, dass Ding ist ja erst 2 Tage da und der Wirbel groß.

  29. Armin am 7. September 2008 #

    Dan,

    nein, ich rede von der realen Erfahrung die vermutlich sehr viele Leute in Grosskonzernen und grossen Firmen machen.

    Da ist nicht viel mit »mal eben mit IT reden und dann machen die schon«. Das sind Riesenbuerokratien durch die man nicht so einfach durchkommt, teilweise ist das auch »outsourced«, da ist das dann noch viel schwieriger.

    Fuer das was Dein Job ist reicht der IE 6 vollkommen aus, Intranet und verschiedene interne Applications die auf dem IE 6 laufen. Wieso sollten die Dir was anderes geben?

    Dass Du Internetzugang hast ist nur ein netter »perk«, damit Du mal schnell was in den Nachrichten nachsehen kannst oder die Website eines Kunden besuchen kannst. Natuerlich alles mitgeloggt, hast Du ja beim Arbeitsantritt unterschrieben dass Du den Internetzugang nur fuer Arbeitszwecke benutzt.

    Dass Du auch mal in der Mittagspause etwas rumsurfst wird toleriert, man ist ja modern, mehr aber auch nicht.

    Und da glaubst Du man koennte mit IT reden und die geben Dir dann andere Browser?

  30. Dan Arkway am 7. September 2008 #

    @Armin: Ja. Ich rede von Firmen die den Wert ihrer Mitarbeiter schätzen und ihnen daher die notwendigen Tools wie schreibende Stifte, lochende Locher und funktionierende Software zur Verfügung stellen.
    Nicht von Callcentern oder Discountern. Hast Du mal ein konkretes Beispiel? Das die IT-Abteilung nicht alles verwalten kann oder jeden Wunsch mitmachen will ist mir klar, aber ein funktionierender Browser sollte schon drin sein. Sonst sollte man die IT outoutsourcen. Naja, damit wären wir ja wieder bei Google-Webdiensten und Chrome ;) Ich habe schon eine öffentliche Einrichtungen gesehen, in der Leute wegen schlechter IT beruflich gmail genutzt haben. Schauder. Ich habe das Gefühl, dass sich mit der Mobilisierung der Geräte und der störrischen Haltung die IT sich gerade gut selbst weg rationalisiert. Man braucht nur Dienste für Mail, Storage, Datenbank und Internet einkaufen. Der Mitarbeiter kommt mit eigenem Laptop und WLAN zur Dockingstation. Den kürzeren ziehen hier eher die Firmen internen IT Fachleute, deren Dienste man bald nicht mehr braucht.

  31. Axel am 8. September 2008 #

    Also bei aller Datenschutz-bedenklichen Vorgehensweise des Internet alias Google muss ich sagen, dass so ein Browser irgendwann aus dessen Hause kommen musste! Umso interessanter, dass das alles fast wie aus heiterem Himmel kam, oder?

    Mit einem eigenen Browser hat Google alle Möglichkeiten, den User nach eigenen Vorstellungen »surfen zu lassen«. Hier habe ich bewusst die passive Schreibart gewählt ;-)

  32. Ralph am 16. September 2008 #

    Ein sehr interessanter Artikel aus der Sicht eines Webdesigners, auch wenn eine »spitze« Überschrift nicht zu verkneifen war ;)

    Ralph

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