Bücher

Es gibt verschiedene Arten von Büchern: Manche liest man von vorne bis hinten durch (die gesamte Belletristik), bei manchen kann man springen, um sich die Teile rauszusuchen, die für einen nützlich sind (die meisten IT-Fachbücher), mache Bücher sind lediglich zum Nachschlagen da (Lexika).

Für mich kommt eigentlich nicht mehr in Frage, Bücher der letzten beiden Kategorien als gedrucktes Werk zu kaufen. Es gibt nämlich auch verschiedene Arten zu lesen, und diese kann man ähnlich aufteilen wie beim TV-Gucken: »Lean backward« und »Lean forward«, also passiv und aktiv. Ich gehe davon aus, dass man linear aufgebaute Bücher eher in einer passiven Situation liest, also wirklich von vorne bis hinten, Satz für Satz, Kapitel für Kapitel, während man die meisten Fachbücher aktiv aufnimmt, mal was nachschlägt, zurückblättert, unwichtige Passagen überliest und so weiter.

Nun gibt es für Fachautoren mindestens drei verschiedene Wege, ein Buch zu veröffentlichen: Als gedrucktes Buch, als PDF und in Form von HTML-Dokumenten. Für mich erscheint es sinnvoll, mal darüber nachzudenken, welches die optimalen Publikationsformen für die diversen Buchtypen sind.

Lineare Werke sind in der Tat immer noch am besten zwischen zwei Pappdeckeln aufgehoben, da gibt es nichts rumzudiskutieren. Hierarchisch strukturierte Fachbücher hingegen kann man auch als PDF oder in HTML rausbringen – eine deutliche Steigerung des Nutzwertes! So kann man viel komfortabler springen und suchen. Und reine Nachschlagewerke haben auf Papier eigentlich nichts zu suchen: Diese Art von Datensammlung ist prädestiniert für eine Webanwendung, die zentral aktualisiert und somit stets auf dem neuesten Stand gehalten werden kann.

Worauf ich eigentlich hinaus will: Wenn das Gros der Menschen nicht so stark an das Buch als Medium für alle Arten von Texten gewohnt wäre, dann könnte man einen riesigen Teil der gedruckten Bücher einfach loswerden und in die digitale Welt verlegen – und alle hätten etwas davon, natürlich auch die Umwelt. Wie gesagt – dies gilt nicht für alle Arten von Inhalten, aber für viele.

Ich persönlich ziehe übrigens zum Lesen von Fachtexten die HTML-Version dem PDF vor. Warum? PDFs bestehen in den meisten Fällen immer noch aus Drucklayouts, was sie nicht gerade bildschirmoptimiert macht. Zwar gibt es im Adobe Reader die Möglichkeit, die Texte linearisiert anzuzeigen, aber das ist nicht so richtig komfortabel. Eine gut gestaltete HTML-Seite hingegen eignet sich hervorragend zum Lesen, weil ich die Schriftgröße und die Zeilenbreite (im Idealfalle) selber bestimmen kann. Das Magazin aus der Schweiz ist hier ein hervorragendes Beispiel: Derart umgesetzt, ist die HTML-Seite für mich das Ideale Medium zum aktiven Lesegenuss von Fachtexten.

Wenn ich mir dann abends im Bett noch meinen Douglas Adams oder William Gibson gönne, ist der natürlich im Taschenbuch-Format – obwohl man gerade bei Gibson schon ab und zu das eine oder andere Nachschlagen müsste, aber das ist eine andere Geschichte.

Hinweise: Nein, ich schreibe nicht gerade an einem Buch. Ja, ich habe diverse Ideen für Bücher, die ich schreiben könnte. Nein, ich habe definitiv keine Zeit, jetzt ein Buch zu beginnen. Ja, sobald ich Zeit haben sollte, fange ich an. Nein, ich kann nicht sagen, wann das der Fall sein wird.

17 Kommentare

Markus

Nein – Ja – Nein – Ja … Da bleiben ja keine Fragen offen. ;-)

Und dem, was zuvor gesagt hat, kann ich nur zustimmen. Das Buch auf Papier ist für Belletristik (und ich möchte ergänzen: die meisten Sachbücher) unschlagbar. Da, wo man im Text gerne springt und sucht, ist die digitale & mobile (zum Beispiel für den PDA) Variante sicher die bessere Alternative.

Boris

Aber wenn ich gerade einen Roman lese, spät abends im Bett, und dabei schnell etwas im Lexikon oder auf einer Länderkarte nachschlagen will, dann renne ich natürlich nur noch höchst ungern an den Schreibtisch, starte den Rechner (warten  … time passes  …), gehe ins Internet usw …
Nein, dann gehe ich einfach schnell ans Bücherregal, hole den Atlas und/oder den Lexikonband heraus, schlage nach und bin ganz schnell wieder im Bett bei meinem Roman.

Das ist unschlagbar schnell und bequem.

Für präzisere und umfangreichere Suchen und Nachforschungen dagegen nutze ich inzwischen natürlich längst das Internet mit seinen wesentlich vielfältigeren Möglichkeiten und reichhaltigen Informationsecken.

Claudio

Weshalb soll lesen gleich passiv werden, nur weil am Abend getan? Lesen ist meines Erachtens immer ein aktiver Vorgang, schliesslich kann man sich von Buchstaben nicht berieseln lassen.

Die Idee mit den Nachschlagewerken als Webanwendung ist ja schön und gut, vor allem platzsparend. Aber gerade bei Nachschlagewerken ist Tagesaktualität nicht alles. Eine gewisse Beständigkeit (auch materielle!) hat da schon ihren Nutzen: Artikel sind zitierfähig und je nach Qualität des Druckes und Papiers sogar noch hunderte Jahre später. Bei digitalen Produkten ist dies (leider noch) nicht der Fall.

Ein Ãœberdenken der Materialität für Texte begrüsse ich auf jeden Fall. Digitalisieren und ins Internet verlagern ist aber nicht in jedem Fall – gerade bei Nachschlagewerken – die beste Lösung. Denn eines ist trotz ausgeklügelter Fenster-Management-Systeme am Computer nicht so komfortabel (oder gar nicht) möglich wie in der papiernen Welt: Das Auslegen von Dokumenten nebeneinander, um parallel in zwei oder gar mehr verschiedenen Artikeln zu lesen.

Claudius Coenen

Das wird – sofern man Star Trek glauben darf – nicht mehr lange dauern, bis man statt einem Arbeitscomputer 10-20 intelligente kleine Tablet-PC ähnliche Pads hat. Damit ist die Arbeitsweise wieder ähnlicher dem Ausbreiten von Papier.

Dennoch, dem Einwand der Beständigkeit unterschreibe ich. Die ersten Bücher sind heute noch existent. Meine ersten CDs kann ich schon nicht mehr lesen.

Nico

Durchsuchbare Dokumente haben schon was für sich.
Die darstellung von Text auf Papier ist aber immer noch angenehmer zu lesen, vor allem wenns längere Texte sind.
Dafür vermisst man natürlich die cut&paste Funktion wenn man im Fachbuch n Codebeispiel findet, das man mal ausprobieren möchte.

rw

Als kleiner June habe ich seitenlange Listings aus Büchern in den C64 eingetippt. Da habe ich massig Fehler gemacht, dafür quasi nebenbei die Programmiersprache gelernt. War schon was dolles so ein Buch.

Und außerdem: Auf dem Klo ist der Laptop höchst unangenehm auf dem Schoß. Da freue ich mich, eine analoge Zeitung/Zeitschrift lesen zu können. Oder ich schraube so einen stabilen Wandhalter an, wo der Lappi bequem drauf platz findet. Solange es die schicken StarTrekPads nicht gibt …

Sebastian

Fachbücher, die eine Einführung in eine Technologie etc. geben gehören für mich definitiv zwischen zwei Buchdeckel. Nur so kann ich sie entspannt im Zug, auf dem Sofa etc. lesen. Eine Beigabe als HTML oder PDF ist allerdings schon beinahe Pflicht, wenn es später darum geht, gelesene Informationen nachzuschlagen etc.

Fazit: Ich habe lieber Buch + HMTL zur Hand, auch bei Fachliteratur

Hannes

Ich find’s schwer mich bei der Lektüre von seitenlangen Texten am PC durchgehend zu konzentrieren (und das liegt jetzt nicht unbedingt an Jabber, was evtl. noch nebenher läuft und auch nur bedingt an zu kleinen Schriftarten). Lesen am PC finde ich einfach anstrengender als ein Buch zu lesen.

(Was – wenn man’s objektiv betrachten will – vermutlich nur an der Entfernung Monitor/Augen liegt. theseaufstell)

Andreas

Wenn ich vor der Kiste sitze, dann ziehe ich das Recherchieren im Netz, auch dem Nachschlagen im Lexikon vor. Trotzdem – lesen von längeren Texten auf dem Bildschirm ist immer noch mühsam und zudem würde mir die Haptik des Buches fehlen.

Gerald

Mir wäre es mittlerweile auch lieber, wenn so manche Fachbücher als reine HTML-Werke (nicht PDF) zur Verfügung stehen würden. Allein schon wegen Suchfunktionen und Verknüpfungen im größeren Kontext mit anderen Darstellungen und Sichtweisen (Stichwort: semantisches Web).

Hierzu fällt mir dann auch der Bereich WIKI ein. Es steigert den Nutzwert erheblich, wenn Anmerkungen von Lesern sofort online gemacht werden können.

Eric

Ich glaube, dass es eine Sache der Gewohnheit ist. Ich lese mittlerweile fast nur noch am Bildschirm. Und hätte auch kein Problem längere Texte so zu lesen. Erst recht nicht, wenn die Bildschirme weniger leuchteten (e-Ink), höher aufgelöst wären und sich in einem DinA 5 großen Multitouchscreen-Gerät mit Apfel drauf befänden.

P.S.: Ich denke, dass es deshalb noch so viele gedruckte Bücher gibt (egal ob Fach oder Belletristik), weil die Kopie schlechter und teurer als das Original ist.

Andreas

Hmm, interessant! Ich lese ungern am Monitor. Das vorgeschlagene Gerät von Eric würde das vielleicht ändern. Vieles lenkt ab (Internet) und richtig konzentrieren kann ich mich dann doch nicht. Ausdrucken tue ich viel, aber nicht alles.
Mein Wunsch wär folgender: Zu JEDEM Buch ein pdf/html. Mal abgesehen von der Urheberrechtsproblematik, könnte man dann abends im Bett im neusten CSS-Buch schmökern und während der Arbeit auch vernünftig nachschlagen und suchen. Oder liest man im Bett nur Belletristik?
Bitte auch die Möglichkeiten: unterstreichen und notieren nicht vergessen. In einem Buch geht das unschlagbar gut. Geht zwar alles auch digital, aber Bleistift und Papier sind ein unschlagbares Team.

hypatext

Alles Wissen der Menschheit ins Internet zu gießen halte ich für einen fatalen Fehler. Ich stelle jetzt schon fest, das man dazu neigt sich nichts mehr zu merken, weil alles im Netz steht.

Ausgerechnet im sogenannten »Informationszeitalter« hat bald niemand mehr das nötige Know How drauf, um drei Tage in freier Wildbahn zu überleben und niemand weiß mehr, wie man ein Radio baut, oder welche Pflanzen heilen und welche schaden.

Diese ganzen Technikspielzeuge täuschen ein wenig über die wahre Welt hinweg. Das Leben findet nicht im Internet statt.

Der Naturschutzaspekt scheint ein Argument zu sein, aber selbst das bezweifle ich – welchen Anteil haben Lexikas und Nachschlagewerke am Kahlschlag da draußen? Stelle mir das eher gering vor, gegenüber milliarden von Tageszeitungen und Werbeflyern, die täglich gedruckt werden.

Und zum Schluß Selbstreflektion und Relativierung.
Ich bin natürlich genauso ein Screengeek und insofern könnte ich den Artikel komplett unterschreiben.

Gerrit

Es erstaunt mich in der Tat, wie sehr auch meine Leser offenbar am alten Papiermedium hängen, auch wenn es um Fachinformationen geht – ich dachte, dass lediglich emotionale Inhalte mit dem emotionaleren, haptischen Medium interessant wären. Nun ja, was das »im Bett lesen« angeht: Hier kommt mir kein Fachbuch aufs Kissen – ich will mich abends nur noch linear berieseln lassen. Und ja: Ein Roman ist für mich ähnlich berieselnd wie eine TV-Sendung.

Daniel

Egal wie ich es drehe und wende geht nichts über eine Papierversion. Ich könnte ohne digitale Bücher leben, aber umgekehrt wäre dies nicht möglich.
Für’s nachschlagen und schnelle suchen und vor allem natürlich die unendlichen Weiten des WWW haben durchaus seine Vorteile – aber wenn ich etwas wirklich lesen/lernen will, dann drucke ich es mir aus (da kann man auch etwas markieren oder dazu schreiben) oder kaufe mir ein Fachbuch.

Alex

Ich lese lieber gedruckte Bücher. Besonders das Fehlen von selbst setzbaren Lesezeichen in PDF und Browsern stört mich beim Lesen am Bildschirm.

Gerrit van Aaken

Ich finde es immer wieder faszinierend, dass doch so viele Leute noch Bücher toll finden. Trotzdem: Am besten fährt man wohl, wenn man dem zahlenden Nutzer einfach alle Möglichkeiten bietet. Nach dem Modell von 37signals kann ich mir das sehr gut vorstellen: HTML umsonst, PDF für einen günstigen Preis, Print+PDF für einen teureren Preis: Getting real

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