Aufruf zur Aufklärung- und Lobbyarbeit

Was zwar schon seit längerer Zeit, aber derzeit verstärkt unfassbar nervt, sind die ahnungslosen deutschen Politiker und Entscheidungsorgane, wenn es um die Online-Branche geht. Entscheidungen über wichtige und teils brisante Online-Thematiken werden von Menschen gefällt, die sich das Wichtigste aus dem Internet vorlegen lassen und Gott sei dank Leute haben, die das Internet für sie bedienen.

Geht nicht? Richtig. Aus diesem Grund hat Gernot zunächst einen klasse Artikel geschrieben und nun auch eine entsprechende Initiative angeregt, die sich dieses Problems annehmen soll. Nicht militant oder übertrieben ideologisch, sondern realistisch-kämpferisch.

Bitte guckt Euch das alle mal an und macht Euch Gedanken. Da kommt demnächst sicher noch mehr – ich werde berichten, denn alle, die hier mitlesen, sollten in der Tat ein gesteigertes Interesse daran haben, was die Zukunft des Internets in Deutschland angeht. Lasst nicht die falschen Leute die falschen Entscheidungen treffen – und lasst es vor allem nicht aus Unwissenheit geschehen!

3 Kommentare

Nicolas

Gut gebrüllt ;-) Angesichts der tatsächlichen politischen Probleme, finde ich das allerdings schon etwas uncharmant naiv.

Bernhard

Nicolas: Sind die aktuellen Entwicklungen im Internet-Recht für dich keine Probleme?
Es gibt so viele Rechtsunsicherheiten, die schnell zu teuren Ãœberraschungen führen können. Viele kleine Firmen und auch private Menschen können schnell wirtschaftliche Probleme kriegen, wenn sie irgendeine ungenaue oder unsinnige Vorschrift missachtet haben.

molily

Vorratsdatenspeicherung, »Jugendschutz«, Forenhaftung, Urheberrechts-Streitigkeiten wegen User-generated Content, Abmahnungen usw.: Dahinter steckt nicht einfach Ahnungslosigkeit, sondern eher politisches Kalkül. Hinter Politikern, die nichtmal wissen, was ein Browser ist, stehen Experten, die es leider zu genau wissen.

Man kann nicht Web-Themen losgelöst vom gesamtgesellschaftlichen Trend angehen – der nämlich geht weg von einer liberalen Gesellschaft, wo Rechte von Web-Nutzern, Web-Publizisten und Web-Plattform-Betreibern, Freiheitsrechte, Privatsphäre & Datenschutz, Open Source usw. eine maßgebliche Rolle spielen.

Natürlich ist es krass, dass vielen Menschen eine Sensibilisierung für solche Themen fehlt, wenig Partizipation stattfindet und dementsprechend wenig an die breite Öffentlichkeit gelangt. Gleichzeitig ist die Szene von enthusiastischen, technik-affinen Internetnutzern marginal und politisches Bewusstsein kommt nur selten über Ressentiments gegen Schäuble hinaus.

Lobbyarbeit zu IT-Themen findet selbstverständlich statt, aber in die entgegengesetzte Richtung. Bitkom z.B. geht es um »geistiges Eigentum«, d.h. etwa die Abschaffung der Privatkopie. Sie halten DRM, RFID und Biometrie für lukrative Geschäftsfelder und an der Vorratsdatenspeicherung stört sie nur, dass sie auf den Kosten sitzenbleiben. Wer sich auf das Spiel einlässt, der »hackt« nicht die Politik, sondern die Politik »hackt« ihn. ;)

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