Taktisch gewählt

Ich habe heute schon meine Briefwahl gemacht, da ich ja am 27. Januar, wenn die Hessen die Landesregierung und den Bürgermeister wählen, in Hamburg beim Wordcamp weile.

Ich hatte die Wahl zwischen einer ideologischen und einer taktischen Wahl. Hätte ich ideologisch gewählt, wäre meine Stimme auf die Piratenpartei gefallen, für dessen Aufnahme auf den Stimmzettel ich mich auch schon schriftlich eingesetzt hatte. Doch eigentlich geht es ja vor allem darum, den Koch wegzumachen. Und da scheint mir das geeignetste Mittel, einfach die SPD zu wählen, denn diese würde auf jeden Fall bei einer Koalition dabei sein, die in der Lage wäre, der CDU Paroli zu bieten. Außerdem macht mir diese Ypsilanti (Komische URL, by the way  …) einen sympathischen Eindruck. (Aha: Neue Website unter www.andreaypsilanti.de)

Was die Bürgermeisterwahl angeht, habe ich mich für den Status Quo entschieden, es gab ja nur drei Kandidaten: Die unattraktive Angelika Munck von den Freien Wählern und zwei sehr rechtschaffend aussehende Weingenießer von der SPD und der CDU. Da habe ich mich ganz einfach für die amtierende Bürgermeisterin entschieden, da ich es nicht zulassen kann, dass mein derzeitiger Wohnort von weintrinkenden, rechtschaffenden Schnauz- bzw. Vollbartträgern regiert wird. Da ist mir eine ehemalige Fotolaborantin lieber, obwohl ich gestern gesehen habe, dass sie ihre halbe Familie im Gemeinderat untergebracht hat.

27 Kommentare

ottogal

Die »komische URL« der Website von Frau Ypsilanti hat mich mal auf die Seite des LeopardCMS schauen lassen; dort wird unter Referenzen diese Seite als ihre ehemalige erwähnt:
»Frau Ypsilanti hat sich dazu entschieden, das CMS zugunsten eines SPD-einheitliches Systems zu wechseln und auf Barrierefreiheit bewusst zu verzichten.« Seufz.
(Die neue ist wohl www.andreaypsilanti.de)

Nathanael

Bei mir siehts ähnlich aus – für eine ideologische Piratenpartei-Stimme ist diese Wahl zu wichtig.
Andererseits habe ich auch meine Probleme mit Frau Ypsilanti – was mich nicht davon abhält, für sie Werbung zu machen: http://www.bilderhosting.info/pics/image91290.jpg

Andererseits: Wenn die Linke ins Parlament einrückt, ist die schwarz-braun-gelbe Mehrheit definitiv gebrochen. Abgesehen davon, dass ich diese Partei für »nicht so doll« und sogar gefährlich halte, wären die fünf Prozent trotzdem schön. Deshalb wird meine Zweitstimme wohl gegen mein Gewissen an die Dunkelroten entfallen.

Lars

Ja, der Koch muss definitiv weg. Selbst hier in NRW läuft mir jedes Mal ein kalter Schauer über den Rücken, wenn der Typ wieder seine rassistischen Parolen rausbläst. Ekelhaft.

Karsten

Rassistisch? Ich fand Herrn Koch und seine Argumente bei Hart aber Fair wirklich überzeugend. Das Thema scheint ja vielen Bürgen auf den Nägeln zu brennen, Tabus sind da wenig hilfreich. Wenn der Großteil der Intensivtäter in den Metropolen Ausländer sind oder einen Migrationshintergrund haben, sollte man das sagen und über Ursachen, Prävention und auch über Strafen diskutieren dürfen, ohne in die rechte Ecke gestellt zu werden. Ob man die Lösungsvorschläge von Herrn Koch für richtig hält, ist eine andere Frage. Jeder soll wählen, was er will.

Jens

Koch ist halt ein unsympathischer Typ und er führt einen unmoralischen Wahlkampf, hat er früher schon gemacht. Aber mit seiner sonstigen Arbeit kann man eigentlich zufrieden sein. Trotzdem wähle ich ihn nicht und habe es noch nie getan.

Walter

Also ich sehe das anders: Ich gebe der Piratenpartei eine Chance. Und wenn meine Stimme nur für die Wahlkampfkostenrückzahlung gut ist … :-)
Nein im Ernst, das muss man mEn langfristig sehen! Von diesem taktischen Wählen zwischen Pest und Cholera halte ich gar nix.

Christian

Taktisch gewählt und somit die Stimme verschenkt.

Wie du selber sagst wäre die Piratenpartei für dich die richtige Wahl gewesen. Dein Hauptziel war aber »den Koch wegzumachen«. Folglich hast du dich für die SPD entschieden und damit Teufel gegen Belzebub ausgetauscht. Glaubst du wirklich, dass sich irgendwas an der Situation in Hessen ändern wird in den anderen Punkten, die du für wichtig hältst und die du bei den Piraten kompetenz besetzt siehst?

Mit ~150.000 Stimmen würden fünf Piraten im Landtag sitzen (davon ausgehend, dass wie auch bei der letzten Wahl ein über Drittel der Wähler ihre Stimme nicht abgeben).

Wenn mehr Leute für das Stimmen, an das sie glauben und weniger gegen etwas, an das sie nicht glauben, würden mehr Tierschützer, freie Wähler, Violett und Piraten im Landtag sitzen, statt ungläuber Christen, unsozialer Sozialen, freiheitsraubenden Liberalen und schwarzrotgelben Grünen.

Markus

Danke für’s Koch-Abwählen. Ein Dienst, den du vielen, auch über Hessen hinaus, leistest und der hoffentlich auch zur Abwahl dieses unsäglichen Populisten führt.

aloa5

Wer glaubt denn, das Koch abgewählt wird? Es wird imho CDU/FDP oder CDU/SPD geben in Hessen. Koch bleibt somit – und damit ist die Stimme verloren.

rka

Ich halte es mit Christian, und finde es schade dass du nicht für etwas gewählt, sondern gegen etwas.
Letztendlich führt solches Wahlverhalten zu einer immer geringeren Aus_wahl_ bei der nächsten Wahl.
Auch wenn eine Partei keine Chance hat, ins Parlament gewählt zu werden, zeigt eine gewisse Stimmenanzahl doch, welche Themen den Wählern wichtig sind.

Max

Die CDU wird wohl oder übel gewinnen, daran kannst du nichts ändern. Und wenn die SPD gewinnt, ändert sich nichts … Vorallem stärkst du damit die Positionen der beiden »Volks»parteien beim nächsten Mal! So wird sich auch nie etwas ändern …!

Gerrit

Wieso wisst Ihr so genau, dass die CDU eh gewinnen wird? Ich glaube, dass das Stimmungsbild für die Populisten ganz schon nach unten gegangen ist!

gs

Du hast Frau Ypsilanti gewählt, weil sie einen sympathischen Eindruck macht und das nennst Du dann taktisch?

Sikk

Wenn jeder nur das wählen würde, was wahrscheinlich gewinnen wird, bräuchten wir ja nur zwei Parteien und könnten die kleinen zumachen. So wie in Amerika, wo es kleine Parteien nicht schaffen, weil sie klein sind und sowieso keine Chance haben … Erkennst Du den Teufelskreis?
Bisher konnte man nur Parteien des kleineren Ãœbels wählen. Jetzt gibt es aber die Piratenpartei, die man wählen kann, ohne Bauchschmerzen haben zu müssen.
Es gibt kein Indiz dafür, dass die Piraten nicht auch 10% erreichen könnten. Warum also gleich ausweichen?
Das ist ja fast vorauseilender Gehorsam …
Sikk

Caro

Ich finde es absolut in Ordnung, taktisch zu wählen.

Es ist ist nun mal absolut unrealistisch, dass die Piratenpartei der 5%-Marke auch nur nahe kommt. Dann doch lieber ne Partei wählen, die dafür sorgt, dass diejenigen, die absolut andere politische Vorstellungen haben, abgewählt werden.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass Koch dieses Mal die Zugkraft rechtspopulistischer Argumente überschätzt hat. Die Menschen wissen aus der Vergangenheit nur zu gut, dass es ihm dabei nur um den eigenen Machterhalt geht.

MatthyK

Ich bin der Meinung, dass eine Stimme für die Piratenpartei keineswegs eine verlorene Stimme ist. Jede dieser Stimmen, erhöht schließlich den Druck auf die anderen Parteien, ihre eigene Position zum Thema Bürgerrechte und -Freiheiten zu überdenken.

Außerdem: Wer taktisch wählen will, um Koch zu verhindern, sollte seine Stimme besser den LINKEN geben, denn erst mit deren Einzug ins Parlament wirds für Koch so richtig knapp …

Wechselwähler

Jede Stimme an CDU oder SPD ist eine verschenkte Stimme, denn diese beiden Parteien arbeiten zusammen – auch wenn man es auf Anheib nicht sieht. So lange man also den einen wält, damit nicht der andere drankommt, wird sich nichts verbessern.

Andreas

http://praegnanz.de/weblog/spd-ich-doch-nicht

:-D

Gerrit

Ich habe mir diese Entscheidung sicher nicht leicht gemacht, aber ich denke, dass es in dieser Situation angemessen ist. Im Normalfalle wähle ich seit Jahren schon immer die Partei, derer ich mich am nächsten fühle, nämlich die Grünen – ganz egal, wie die Konstallationen sind. Nur diesmal möchte ich gegen etwas wählen, weil es sich m. E. lohnen kann.

@Andreas: Lies den Artikel doch bitte auch, dann ist Dein Kommentar hier nur noch halb so witzig.

Lars

@Karsten:
Wenn es plötzlich nur noch um »ausländiche« Straftäter geht, was ganz offensichtlich derzeit der Fall ist, dann ist das ganz offen rassistisch. Dann liegt der Fokus nämlich nicht mehr auf »Straftäter«, sondern auf »ausländisch«. Und dann kommen auch so dämlich-braune Forderungen nach Abschiebung oder – wie es die NPD sagt – Rückführung.

Und dass Koch nach härteren Strafen (und seit gestern auch nach Kindergefängnissen) kräht, zeugt entweder von krassem Populismus oder Realitätsverlust und Menschenverachtung. Es gibt zahlreiche Studien, die belegen, dass härtere Strafen eben nicht abschrecken und dass Strafen (gerade Knast) eben keine läuternde Wirkung haben, sondern sehr oft auch nach hinten los gehen.

Ganz abgesehen davon, dass Herr Koch – weil’s ja so einfach ist – die Symptome beseitigen will, aber die eigentlichen Probleme (Armut, mangelnde Bildung, Perspektivlosigkeit) ignoriert. Wenn man einfach alle Straftäter wegsperrt, begehen die natürlich keine Straftaten mehr. Es ist dann halt schade, dass man sie nicht lebenslänglich wegsperren kann.

Marina

Also willst du lieber, dass Straftäter weiterhin machen können was sie wollen, weil das Gesetz von annodazuaml viel zu lasch und veraltet ist für diese Gesellschaft …

Schwach!

Manuel

Marina, aber strengere Gesetze sind absolut kein probates Mittel gegen Kriminalität, wenn die Anwendung vorhandener Gesetze nicht konsequent vollzogen wird. Niemand wird sich großartig Gedanken darüber machen was ihn für eine Strafe erwartet bevor er eine Straftat begeht.

Ansonsten halte ich auch garnichts mehr davon gegen etwas zu wählen, anstatt für etwas. Den Fehler habe ich 2005 gemacht, als ich Schröder lieber als Kanzler gesehen hätte als Merkel. Mittlerweile schlag ich nur noch die Hände überm Kopf zusammen wenn ich mir angucke was die Partei, die ich damals gewählt habe für Politik macht.

Christian

Härtere Strafen sorgen definitiv nicht für weniger Straftaten, siehe z.B. in den USA. Dort werden trotz Todesstrafe wesentlich mehr Morde/Einwohner begangen als hier in Deutschland.
Primär sollte nach einer Straftat die Resozialisierung im Vordergrund stehen, anstelle der Rache. Sprich die Frage »warum hat jemand eine Straftat begangen« muss wichtiger sein als die Frage »wie betrafe ich ihn dafür«.

MichaR

Ich habe die Briefwahlunterlagen auch auf dem Tisch und weiß einfach nicht wie ich zwischen Pest oder Cholera / Teufel oder Beelzebub wählen soll ;-) Auch für eine taktische Wahl will mir diesmal keine gescheite Strategie einfallen. Warum gibt es denn keinen Hessen Wahl-o-mat? Habe nur einen für Niedersachsen gefunden.

Karsten

@Lars
Wie geschrieben, mich nervt es, wenn man in die rechte Ecke gestellt wird, blos weil man feststellt, dass z. B. in Berlin ein Großteil der jugendlichen Intensivstraftäter Ausländer sind oder einen Migrationshintergrund haben. Das ist ein Fakt, darf man das nicht äußern?

Ich kann Deine Argumente nachvollziehen, bin auch der Meinung, dass man was gegen die Ursachen tun muss. Aber, was würdest Du denn mit den ganz harten Jungs machen, bei denen Hopfen und Malz bereits verloren sind? Die jetzigen Strafen nutzen nichts, härtere auch nicht, was soll man dann tun? Sie laufen lassen? Erst ab der 100. schweren Körperverletzung aktiv werden? Denkt auch mal einer an die (potentiellen) Opfer?

Otto

Ich sehe das ähnlich wie Marina. Man muss die Täter bestrafen und nicht einfach in einen Kurs zur Resozialisierung chicken. Wo bleibt da die Gerechtigkeit?

Natürlich muss man nicht nur die Gesetze verschärfen und an unsere Zeit anpassen sondern auch gleichzeitig Maßnahmen zur Prävention treffen. Aber dass wir härtere angemessene Gesetze brauchen sehe ich ganz genauso wie Marina.

Koch als Rechtextremist hinzustellen grenzt sicherlich an Lächerlichkeit. Wenn man in Deutschland aber Fakten anspricht die im Zusammenhang mit Ausländern stehen, ist man sofort ein Brauner. Dabei richten sich Gesetze an alle, auch deutsche Straftäter werden damit konfrontiert werden und das zu recht.

Dass jemand der die Gastfreundschaft in unserem Land so ausnutzt aber hier bleiben darf, womöglioch durch den Steuerzahler finanziert auch noch Asyl oder ähnliches erhält macht mich wütend!

Gerrit

Ich möchte keine Migrationshintergrund-Diskussion in meinem Blog. Deshalb werden die Kommentare jetzt geschlossen.

Kommentar verfassen

Mit dem Absenden dieses Formulars erklären Sie sich damit einverstanden, dass ich die von Ihnen eingegeben Daten auf meinem Webserver speichere. Ihr Name, der Kommentartext und die angegeben Website werden für die anderen Besucher von praegnanz.de angezeigt. Ich gebe jedoch insbesondere Ihre E-Mail-Adresse nicht an Dritte weiter und nutze diese auch nicht zu Marketing- oder Statistik-Zwecken. Sie können alle Daten zu einem späteren Zeitpunkt wieder entfernen lassen.