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Gerrit, 27.08.2010

H.264 für kostenlose Videos dauerhaft ohne Lizenzkosten

Die MPEG-LA gibt nach – seit gestern können Anbieter von kostenlosen Videos im Netz aufatmen und ruhigen Gewissens den H.264-Codec zur Kompression verwenden. Somit ist dieses Problem erst einmal vom Tisch, sollte man meinen. Hier die Pressemeldung als PDF

12 Kommentare

  1. Cedric am 27. August 2010 #

    Ich höre schon die Kritiker: »Aber, aber, aber…«
    Ich wette die erste Wortmeldung kommt von der Mozilla Foundation ;-)

  2. Hans am 27. August 2010 #

    Schöner PR coup. Warum wir trotzdem noch WebM brauchen hat Create Digital Motion zusammengefasst.

    Was ich nich ganz kapiere: was ist »Internet Broadcast AVC Video«? Sowas wie ustream.tv? Demnach wären Videos auf Youtube, und solche die ich selbst hoste, ja eigentlich als »On-Demand« zu sehen und somit nicht kostenfrei!?

  3. Gerrit am 27. August 2010 #

    @Hans: Ich bin mir relativ sicher, dass das Wort »broadcast« hier nicht im technisch korrekten Sinne verwendet wird, sondern aus einer Zeit stammt, in der irgendwie alles als Broadcast galt. Man darf nicht vergessen, dass das Internet nur ein Teil der Einsatzmöglichkeiten darstellt, die für MPEG relevant sind. Im Gegenteil: Das meiste Geld dürfte meines Erachtens mit Lizenzen für TV-Stationen, DVB-Empfangsgeräten und DVD/Blu-ray-Dingen gemacht werden. Das ist also eher TV-Sprech, der aufs Internet übertragen wird.

    Kann mich aber auch irren.

  4. Hans am 27. August 2010 #

    Ja, doch. Du scheinst recht zu haben und meine Paranoia diesbezüglich war unbegründet :)

    »In the case of Internet broadcast (AVC video that is delivered via the Worldwide Internet to an end user for which the End User does not pay…)« ~ AVC Terms, Seite 3/4

  5. soc am 27. August 2010 #

    Naja, es ist fraglich ob dieser PR-Gag ausreicht um das Ruder noch einmal herum zu reißen.

    Im Moment ist WebM sicherlich in der besseren Position und daran hat sich auch mit der Pressemitteilung nichts geändert.

    Wenn man die Wahl zwischen einem Codec hat, den man nicht mit freier Software ausliefern kann und einem Codec der dies zulässt, dann ist die Entscheidung wohl ziemlich offensichtlich, zumal es qualitativ bei den Webvideos keine signifikanten Unterschiede geben wird.

  6. Gerrit am 27. August 2010 #

    @soc: da widerspreche ich in jedem Punkt! Die Freigabe ist mehr als ein PR-Gag, weil damit Unsicherheiten bekämpft werden, den H.264-Codec einzusetzen, die vorher ganz klar vorhanden waren. Vimeo und YouTube sparen wahrscheinlich Millionenbeträge an Lizenzkosten und haben Planungssicherheit.

    Und wo siehst Du WebM bitteschön in der besseren Position? Das Web besteht gefühlt zu 80% aus H.264-Videos (der Rest ist VP6 und WindowsMedia), es gibt etablierte und jahrelang erprobte Workflows bei den Anbietern. WebM existiert seit ein paar Monaten, und taucht außer bei hochexperimentellen Technikdemos nicht auf.

    Für Softwarehersteller wie Mozilla und Opera ist die Einbindung eines freien Codecs natürlich ein No-Brainer. Aber es wird ein paar Jahre dauern, bis die gesamte Infrastruktur für WebM-Videos genauso gut ausgebaut ist wie für H.264. Die Dokumentation des Codecs soll ja so richtig scheiße sein, und ob die Qualität wirklich mithalten kann, steht noch zur Debatte.

  7. Retrax am 27. August 2010 #

    Spannend bleibt es, wie sich das W3C jetzt, angesichts dieser neuen Entwicklungen, hinsichtlich eines Fallback-Codecs bei HTML5 Video entscheidet…

  8. Gerrit am 27. August 2010 #

    @Retrax: Die halten sich da schön raus, wie bisher auch. Ist ein zu heißes Eisen, also wird das bis auf weiteres den Browsern überlassen, wie man damit umzugehen hat.

  9. soc am 28. August 2010 #

    @Gerrit: Da bleiben wir wohl uneinig.

    Fakt ist, die Ankündigung ändert bis 2014 erst mal garnichts.

    Firefox müsste so oder so Geld hinlegen, um Firefox mit H264-Unterstützung verbreiten zu dürfen.

    Das werden die nicht machen, weil sie garnicht kontrollieren oder zählen können, wer alles ihren Browser nutzt, da nicht jeder den Browser auf mozilla.org herunterläd, sondern es sowohl andere Download-Seiten gibt, als auch PC-Zeitschriften mit Software-CDs, als auch PC-Hersteller die den Fuchs standardmäßig vorinstallieren als auch Betriebssysteme, die ihre eigene Paketverwaltung nutzen um Firefox zu installieren.

    WebM kann sich also alle Zeit der Welt nehmen um sich durchzusetzen und der derzeitige Support für Videos in HTML5 ist sowohl für H264 als auch WebM noch nicht wirklich gut. Adobe rüstet die Unterstützung für WebM im Flashplayer nach und bei den Hardwareherstellern ist auch alles an Bord was Rang und Namen hat.

    Die Qualität der beiden Codecs bei Webvideos ist jetzt schon ziemlich vergelichbar. Natürlich nicht, wenn man die angedachte VP8-Version gegen H264-Videos mit allen Codec-Features antreten lässt.

    Das witzige ist ja, dass Apple’s Geräte nur das qualitativ schlechteste Profil von H264 unterstützen und deshalb alle Videoseiten auch nur das Baseline-Profil beim Enkodieren nutzen. Da kann VP8 locker mithalten, weil der Patentschutz auf das meiste Baseline-Zeug schon seit Jahren ausgelaufen ist.

    Außerdem: Der einzige benutzbare H264-Encoder ist zur Zeit der vom x264-Projekt, alle anderen Encoder von Apple, etc. kommen nicht substanziell über DivX-Qualität hinaus.

    Letzter Punkt: Einer der Autoren von x264 hat für FFMPEG den VP8-Codec schon neu implementiert, so unbrauchbar kann die Doku also nicht sein.

  10. Christian am 30. August 2010 #

    Nach meinem Kenntnisstand unterstützen sowohl das iPad als auch das iPhone 4 bereits das Main Profile von H.264. Die älteren Geräte müssen sich aber in der Tat mit Baseline begnügen.

    Was aus meiner Sicht deutlich schwerer wiegt, ist, dass H.264-Dekodierung in Hardware möglich ist, während andere Codecs per Software dekodiert werden müssen. Gerade bei vergleichsweise schwachen Smartphone-Prozessoren ein wichtiges Argument pro H.264 und contra OGG bzw. WebM. Oder gibt es die beiden freien Codecs inzwischen als Hardware-Implementierungen?

  11. Gerrit am 31. August 2010 #

    @soc: da sind ein paar richtige Punkte dabei! Insgesamt musst du aber zugeben, dass der Infrastruktur-Vorsprung, den H.264 derzeit hat, signifikant ist und schwer aufzuholen sein wird, wenn in Sachen WebM jetzt nicht richtig Gas gegeben wird!

  12. soc am 1. September 2010 #

    @Christiane: Mit dem Effekt, dass bis zum heutigen Tag jede einzige Videoseite ihre H264-Filmchen mit Baseline-Profil encodiert und sich das auch in Zukunft so schnell nicht ändern wird.

    Die meiste Hardware, die heute im Umlauf ist, mit VP8-Unterstützung nachzurüsten ist technisch nicht so das riesige Problem.

    Die Zeiten, in denen man die Video-Dekodierung mit fest in Hardware gegossenen Algorithmen gelöst hat, sind vorbei und da VPx und H264 in vielen Dingen technisch sehr ähnlich sind (viele wichtige Techniken gibt es schon seit Jahrzehnten) ist ein Update auch machbar.

    Warum das nicht passiert? Weil kein Hersteller Lust hat auch nur einen Cent zu investieren, wenn das Geld des Kunden auf dem Konto eingetroffen ist.

    Zwei Beispiele:

    Siehe zur Zeit die Handy-Hersteller: Android 2.2 ist seit Monaten draußen und kaum ein Hersteller hat es geschafft mal ein Update auf die Geräte zu schieben, was Dank OTA trivialer als beim iPhone ablaufen sollte, dass dazu an einen PC mit iTunes angeschlossen werden muss.

    Siehe Apple: Seit mit dem iPhone richtig Geld verdient wird, ist Mac OSX mehr oder weniger ein Legacy-Produkt geworden. Ja, Apple muss ab und an aus Image-Gründen mal die gröbsten Sicherheitslücken stopfen, aber eigentlich hat Apple weder Lust noch Zeit dafür.

    Alles in allem leidet die technische Entwicklung in weiten Teilen daran, dass bei den Unternehmen nur noch das schnelle Geld zählt, weil sie wissen, dass die anderen Unternehmen auch nicht besser produzieren. Solange der unzufriedene Kunde keinen Anbieter hat zu dem er gehen kann, sieht man da auch kein Problem. => Abwärtsspirale.

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