Weglassen statt Anreichern

27. Februar 2006 von Gerrit van Aaken

Auch wenn es eine Binsenweisheit ist, man kann es nicht oft genug wiederholen: In einem professionellen Designprozess muss man sich stets die Frage stellen, ob man dieses oder jenes Element nicht doch weglassen kann. Man nimmt so lange Elemente weg, bis das Gesamtdesign auf das Nötigste reduziert ist. Und dann hat man höchstwahrscheinlich etwas sehr prägnantes geschaffen. Oder etwas sehr langweiliges, das hängt dann von der Begabung ab.

Ein schönes Beispiel von der Vorgehensweise beim HTML-Screendesign liefert uns Ryan von 37signals. Ganz ähnlich bin ich übrigens bei der Planung des Loudblog-Backends vorgegangen, meine laienhaften Zeichnungen habe ich aber, im Gegensatz zu Ryan, aufgehoben ;-)

Wie man es nicht machen sollte, zeigt uns ein äußerst amüsantes und kurzweilig geschnittes Video, in dem gezeigt wird, was Microsoft-Designer aus der iPod-Verpackung machen würden, wenn man sie denn ranlassen würde.

9 Kommentare

  1. Heiko am 28. Februar 2006 #

    Diese Art und Weise der Enstehung einer Idee und des daraus resultierenden möglichen Designes, finde ich persönlich ideal ( mein Skizzenblog sieht dem Entwurf von Ryan recht ähnlich ;o) ). Viele fangen gleich an Quellcode zu schreiben und sitzen dann später an Änderungen, weil man es durchaus besser hätte machen können. Deshalb hat diese anfängliche Skizzierung eines Layouts durchaus sein Vorteile.

  2. Nick Blume am 28. Februar 2006 #

    Der Film ist leider nicht mehr da…

  3. Nick Blume am 28. Februar 2006 #

    Ouhps.

  4. Florian Hardwig am 28. Februar 2006 #

    »Man nimmt so lange Elemente weg, bis das Gesamtdesign auf das Nötigste reduziert ist.«

    Wie wahr – nicht nur auf dem Screen, auch beim Buchgestalten, zum Beispiel. Und wenn endlich alles prägnant, schön, übersichtlich, logisch arrangiert und sauber gesetzt ist, kommt manch Kunde und sagt: »Sie haben ja überhaupt nix dran gemacht.« Und man fragt sich: Was will er? Ein paar Bildchen (welche?), bunte Farben und Zierat? Wildes ›Creativ-Styling‹?

    Da beobachte ich oft ein Unverständnis gegenüber der Tatsache, dass Design zu einem Großteil ›nur‹ aus Entschlacken, Lesen, Ordnen, Hierarchisieren, Durchdenken und nochmals Entschlacken besteht. Ganz einfach; die Form folgt dann eh der Function, ne? Wenn’s nicht grad um Werbung geht, ist Design dann am besten, wenn es nicht störend wahrgenommen wird.

  5. Armin am 28. Februar 2006 #

    Der Film, der leider nicht mehr da ist,
    ist eigentlich ganz tolles Anschauungsmaterial:
    Läßt man sich als Designer zu sehr auf den ‘künstlerisch’ interessierten Kunden und seine ‘kleinen’ Änderungswünsche ein, so kann – wenn man den Prozeß nicht sehr vorsichtig gestaltet – genau das rauskommen
    In dem Sinne ist es sehr schade, das der Film weg ist. Hätte das gerne dem einen oder anderen Kunden mal als warnendes Beispiel vorgeführt.

  6. Carsten am 28. Februar 2006 #

    Der Film ist doch noch da, sogar in mehrfacher Ausfertigung.

    Einfach klasse, das beängstigende ist ja, dass die Microsoft-Verpackungen wirklich so aussehen … Da lob ich mir die Prägnanz von Apples Designern.

  7. Robert am 2. März 2006 #

    die Microsft sache ist leider nicht mehr unter dem obigen Link zu ereichen aber hier:
    http://www.youtube.com/watch?v=aeXAcwriid0&search=microsoft%20ipod

    sollte es jeder finden

  8. Tomas Caspers am 2. März 2006 #

    Dürfen wir die laienhaften Zeichnungen auch mal sehen?

  9. Gerrit am 2. März 2006 #

    Die kann man in meiner Diplomarbeit bewundern – die Theorie gibt’s hier zum Download ;-)

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