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Gerrit, 20.07.2009

Verwirrende Webfont-Situation – und keine Komplexitätsreduktion in Sicht!

Da guckt man mal ein paar Tage nicht genauer hin, und schon gibt es dreißigtausend neue Dinge zu berichten im Bereich der Webfonts!

Ein bisschen Ähnlichkeit hat die ganze Webfont-Diskussion mit der Frage nach dem zukünftigen Videoformat für das HTML-5-Video-Element: OGG oder H.264 ist fast so ähnlich wie EOT oder OT… Nur dass bei den Schriften die ganze Sache noch ein kleines bisschen komplizierter ist, weil neben den Browserherstellern auch die Schriftverlage und die Schrifthersteller (nicht selten Einzelkämpfer) zusammen diskutieren, was denn nun die beste Lösung wäre, um echte Schriften in die Browser der Menschen zu bringen, ohne dass Qualitäts-Fonts zum kostenlosen Allgemeingut werden. Und weil sich derzeit keine einheitliche Lösung abzeichnet, springen auch noch diverse Webservices wie Typekit in die Bresche und wollen pragmatische Hybridlösungen anbieten.

Wie dröseln wir das Ganze auseinander? Ganz ehrlich? Für eine beurteilende Zusammenfassung ist es noch zu früh. Aber weil gerade die große Schriftkonferenz TypeCon in Atlanta zu Ende gegangen ist, auf der viele der Webfont-Fragen behandelt wurden, lohnt es sich zumindest, ein paar Dinge festzuhalten. Zunächst einmal die Ausgangssituation:

  • Fast alle aktuellen Browserversionen beherrschen im Sommer 2009 das Verlinken und Anzeigen von Schriften. Das sieht bisweilen toll aus!
  • Die eine Gruppe von Browsern (Safari, Firefox, Chrome und Opera) kann mit beliebigen OpenType-Schriften (.otf) umgehen, welche derzeit nicht DRM-behaftet sind. Technisch funktioniert das recht ordentlich, doch nur ein Bruchteil der Schriften bietet eine entsprechende Lizenz an, die das Verlinken auch erlaubt.
  • Der Internet Explorer kann nur mit Embedded-OpenType-Schriften (.eot) umgehen. Dieses Format ist für normalsterbliche Menschen nicht erstellbar, und es wird ihm nachgesagt, ein böses DRM eingebaut zu haben.

So sieht’s aus. Im Folgenden stelle ich eine Liste von Akteuren zusammen, die jeweils unterschiedliche Dinge tun oder getan haben, um die ganze Webfonts-Geschichte voranzubringen:

  • Microsoft setzt sich zum wiederholten Male dafür ein, dass das EOT-Format trotz der DRM-Vorwürfe beim W3C als Webstandard anerkannt wird.
  • Schriftschmiede Ascender versucht es mit einer entschärften Abwandlung des EOT-Formates, nennt das Ganze EOT lite, und ändert schon mal die Lizenzbestimmungen für alle angebotenen Schriften. EOT lite soll im IE problemlos funktionieren, müsste aber erst von den anderen Browsern in Zukunft implementiert werden.
  • Erik van Blokland (Typonerd von LettError) und Tal Leming schlagen als neuen Standard vor, die reine OT-Dateien mit einer danebenliegenden Metadaten-XML-Datei zu einer .webfont Datei zusammenzuzippen. Diese Idee finden viele gut.
  • Etwas ähnliches schlägt David Berlow vom Font Bureau vor, nur dass die Metadaten in der OT-Datei als »Permission Table« integriert sein sollen.
  • Mit Typekit, Kernest, Typotheque und FontDeck gibt es nun schon vier verschiedene Webservices in den Startlöchern, die als technischer und juristischer Mittelsmann zwischen Schrifthersteller und Webdesigner fungieren wollen. Schriften für bestimmte Domains lizensieren und in das Schriftformat konvertieren lassen, das dem aktuell verwendeten Browser am besten schmeckt – so ungefähr soll das funktionieren. Kernest kann man schon jetzt mit einigen Freefonts technisch ausprobieren.

Ob nun OT, EOT, EOT lite, .webfont oder Permission Tables – eines scheint klar: Die Zeit der Krückenlösungen von sIFR bis Cufón scheint in Kürze vorbei zu sein. Wie am Ende alles ausgeht, vermag wohl niemand zu beurteilen. Selbst Schriftgestalter Ralf Hermann ist im Wesentlichen mit akribischem Dokumentieren der ganzen Entwicklungen beschäftigt und mag (oder kann) bislang keine konkrete Meinung dazu äußern. Oder vielleicht doch, Ralf? Mich würde interessieren, was du für die sinnvollste Lösung hältst?

22 Kommentare

  1. Dave am 20. Juli 2009 #

    … Fazit: Egal wie, aber bitte: Die Damen und Herren jeder Partei sollen sich bitte beeilen ;)

  2. Michael Preidel am 20. Juli 2009 #

    Die Schriftenhäuser machen genau den gleichen Fehler, den die Musik- und Filmindustrie auch schon gemacht, aber mittlerweile größtenteils schon wieder abgestellt hat: DRM. Welcher Konsument will das?

    Und warum fangen Blokland et al jetzt auf einmal an, ein völlig neues Format vorzustellen, das auf unabsehbare Zeit von keinem einzigen Browser unterstützt wird?

    Die einzig praktikable und zum jetzigen Zeitpunkt schon nahezu 98% aller Browser abdeckende Lösung ist eine Kombination aus TrueType/OpenType- und EOT-Light-Fonts in Verbindung mit @font-face. Es gibt mittlerweile Freeware-Tools, mit denen man TrueType- problemlos zu EOT-Fonts (ohne DRM) konvertieren kann, siehe auch Schrift-Gesichter.

    Da müssten halt nur noch die Schriftenhäuser mitspielen und geeignete Lizenzen anbieten. Aber das wäre ja noch schöner …

  3. Gerrit am 20. Juli 2009 #

    @Michael Preidel: Na, so richtig einfach wird das Konvertieren mit dem Kommandozeilen-Tool ja auch nicht, wie man in den Kommentaren in deinem Blog sieht… Ich hoffe auf einen einfachen Webservice, der das für mich erledigt. Vielleicht müssen wir als Webdesigner auch mal Tatsachen schaffen – natürlich nur mit Schriften, die eine liberale Lizenz besitzen, aber ein paar Gute sind da ja durchaus mit dabei!

  4. Maik am 20. Juli 2009 #

    „Wie am Ende alles ausgeht, vermag wohl niemand zu beurteilen.“ — Es ist doch bereits ausgegangen. Alle relevanten Browser haben ganz normales OpenType ohne Bullshit einfach implementiert.
    Dass die Schrifthäuser jetzt noch am Bahnsteig stehen und über die Sitzordnung diskutieren, obwohl der Zug vor zwei Stunden abgefahren ist, ist einfach nur albern.
    Die Schriftlizenzen dafür werden kommen. Garantiert. Die Schrifthäuser können sich an diesem Punkt lediglich noch aussuchen, ob sie selbst die Schriften dafür verkaufen, oder ob ein schlauer Kopf einen Startup gründet, der Nachbauten erfolgreicher Schriften mit liberaler Lizenz billig verkauft.

  5. Gerrit am 20. Juli 2009 #

    Ich halte 60 Prozent Internet-Explorer-Nutzer durchaus für relevant, auch wenn manche das nicht einsehen wollen. Der Browser geht nicht so einfach weg, nur weil wir uns das wünschen.

  6. Ralf Herrmann am 20. Juli 2009 #

    Oder vielleicht doch, Ralf? Mich würde interessieren, was du für die sinnvollste Lösung hältst?

    Artikel mit meinem Ausblick auf die Zukunft der Webfonts folgt in Kürze. Danke derweilen für deine kurze und praegnante Zusammenfassung. ;-)

  7. Marco am 20. Juli 2009 #

    Wo liegt denn nun wieder das Problem?

    Der großteil der Internetnutzer weiss weder daß es soetwas wie @font-face gibt, noch wie man die verwndeteten Schriften extrahiert. Vermutlich ist ihnen nichtmal klar, dass sie gerade eine Schrift betrachten die nicht auf ihrem System installiert ist.

    Der andere Teil hat vermutlich sowieso schon eine riesige Sammlung auf der Platte und tauscht mit Gleichgesinnten munter Schriften wie Sammelbildchen aus.

    Die Verbreitung kann nunmal kaum effektiv verhindert, und die Schriften sind zudem längst im Umlauf. Die rechtliche Lage sollte auch klar sein. Warum immernoch dieses Katz-und-Maus-Spiel?

  8. Jörg L. am 21. Juli 2009 #

    Und es sieht übrigens nicht gut aus, in FF 3.5.1 auf Windows XP. Eckig – pixelig. Manche Schriftart wird so entstellt, dass wichtige Linien komplett fehlen. ›e‹ sieht aus wie ›c‹. So ist das noch nix.

  9. Ivo am 21. Juli 2009 #

    Bezugnehmend auf den letzten Kommentar habe ich eine Frage an die Webdesigner: seid ihr wirklich glücklick mit »raw fonts«, also @font-face, wie es von Safari und Firefox angewendet wird? Ist das aus eurer Sicht eine komfortable und zufriedenstellende Situation? Ist die Darstellung besser oder mindestens gleichwertig gegenüber der bisherigen Darstellung der Systemschriften? Wäre eine Lösung wie z.B. ein voll unterstütztes »EOT Lite« oder ».webfonts« nicht vor allem auch für Webdesigner angenehmer?

  10. Ralf Herrmann am 21. Juli 2009 #

    Frage an die Webdesigner: seid ihr wirklich glücklick mit »raw fonts«, also @font-face, wie es von Safari und Firefox angewendet wird?

    Ein eindeutiges JA.
    Ich kann alle Bedenken der Font-Anbieter voll verstehen (ich gehöre ja selbst dazu), aber es ärgert mich sehr, wenn versucht wird, es so zu drehen, als wöllten die Anwender ein neues Webformat. Das ist einfach nicht wahr. Bei OTW wurde das zum Beispiel auch versucht. »Dann wisse der Anwender besser, dass das ein Webfont wäre« und ähnliches. Blödsinn!
    Die Webdesigner wollen Fonts auf Webseiten, so einfach und nativ wie möglich. @font-face liefert das. Die Rechts- und Schutzfragen sind aus Sicht der Anwender völlig uninteressant und demnach auch die Diskussion um TTF/OTF/EOT/EOT Lite/OTW/.webfont.
    Was immer die meiste Verbreitung verspricht, möchte ich als Webdesigner nutzen können. Wenn das momentan EOT+OTF/TTF heißt, dann das. Wenn in 8 Jahren .webfont ein 95%-Prozentige Unterstützung bietet, dann gern auch das. (Vgl. GIF/JPG/PNG …)

    Die angesprochenen Darstellungsprobleme haben nur indirekt was mit Webfonts zu tun, das sind Render-Fragen des Betriebssystems und der Browser. Sie würden genauso auftreten, wenn die Fonts lokal installiert wären.

  11. Thomas Hühn am 21. Juli 2009 #

    Ivo:
    > Bezugnehmend auf den letzten Kommentar habe ich eine
    > Frage an die Webdesigner: seid ihr wirklich glücklick
    > mit »raw fonts«, also @font-face

    Ja. Es ist das einfachste.

    > Ist die Darstellung besser oder mindestens gleichwertig
    > gegenüber der bisherigen Darstellung der
    > Systemschriften?

    Mir ist völlig unklar, was du hier meinst.

    Die Darstellung von @font-face-verlinkten Nicht-Systemschriften wie Axel gegenüber Systemschriften lokal auf dem Desktop?

    Nein, die Qualität ist geringer, weil Microsoft und Apple mehr Geld in Verdana und Konsorten gesteckt haben als Fontshop jemals haben wird. eg

    Ansonsten verstehe ich die Frage nicht. Warum sollte das Fontformat die lokale Darstellung beeinflussen (abgesehen von Anwesenheit/Abwesenheit von Features wie Hinting, das bei Truetype eben deutlich ausgebauter ist als bei Type1 — aber die diskutierten Konzepte sind ja alle nur umgebautes OpenType)?

    Warum sollten Systemschriften denn eine Sonderstellung haben?

    > Wäre eine Lösung wie z.B. ein voll unterstütztes »EOT
    > Lite« oder ».webfonts« nicht vor allem auch für
    > Webdesigner angenehmer?

    Nein. Verstehe ich aber wohl wieder nicht.

    Warum sollte eine Zeile @font-face im CSS weniger angenehm sein als eine bis n Zeilen CSS bei anderen Formaten?

    Kannst du eventuell etwas ausführlicher schreiben, was du meinst?

  12. Ivo am 22. Juli 2009 #

    aber es ärgert mich sehr, wenn versucht wird, es so zu drehen, als wöllten die Anwender ein neues Webformat.

    Das sind Eindrücke, die ich gerade aus den USA mitgebracht habe. Da habe ich von einigen Webdesignern eben ein solches Feedback erhalten.

    @Thomas: Ich rede nicht von der Implementierung. Das dürfte kein Problem darstellen. Ich frage deshalb, weil ich selbst mit raw fonts a la @font-face, wie es teilweise dargestellt wird, nicht so recht zufrieden bin. Außerdem nervt mich die Verzögerung, bis der oder die Fonts geladen werden. Deshalb frage ich mich, ob Webdesigner sich nicht auch um Kompression etc. Gedanken machen. Das finde ich, ganz neutral betrachtet, noch sehr unbefriedigend. Zu guter Letzt hätte ich als Webdesigner selbst Bedenken, dass »meine« Fonts von dritten Websites querverlinkt werden. Das kann bei sagen wir mal 100kB je Font schon ziemlich viel werden. Ob ihrs glaubt oder nicht, aber den Herstellern ist letztlich auch daran gelegen, dass eine technische Lösung auch in solchen Punkten überzeugt. Schließlich ist man auch etwas eitel, wenn es darum geht, dass die kleinen Babys auch gut aussehen ;)

  13. Thomas Hühn am 22. Juli 2009 #

    Die Kompression kann die normale gzip-Kompression des Webservers erledigen. Durch MTX und Konsorten kann man eventuell noch ein paar halbe Prozent Größe einsparen, aber ob sich das wirklich lohnt?

    Zum Thema Klauen »meines« gekauften Fonts durch Dritte, die nicht bezahlt haben, muß ich passen, da weiß ich nicht, wie ich das empfinden würde, solange der Fall nicht eintritt. Das schätze ich jetzt aber eher als nachrangig ein.

  14. Ralf Herrmann am 22. Juli 2009 #

    Bei der Kompression sind vor allem erstmal die Anbieter gefragt (Foundry oder Webfont-Service). Sie müssen die Möglichkeit des Subsettings bieten. Ein 2MB-Font ist natürlich völlig ungeeignet für eine Website. Typotheque hat bereits Subsetting im Interface integriert, bei Typekit arbeitet man daran. Und auch ein Raw-Font (als OT CFF) hat schon von Hause aus eine hervorragende Komprimierung.

    Darüber hinaus kann der Font dann zusätzlich Server-seitig komprimiert gesendet werden. So lassen sich die meisten Fonts locker auf 30KB reduzieren, ob nun Raw Font oder nicht.

    Das sind Eindrücke, die ich gerade aus den USA mitgebracht habe. Da habe ich von einigen Webdesignern eben ein solches Feedback erhalten.

    Mit welcher Argumentation? Interessiert mich wirklich …
    Für die Webdesigner bedeutet die Frage nach einen neuen Format ja nichts anderes als:
    Wollt Ihr jetzt Webfonts nutzen, oder noch 6 bis 8 Jahre auf die Durchsetzung eines neuen Formates warten? Bei letzterem müsste das Format schon einen enormen Anwendervorteil mitbringen, den ich momentan nicht erkennen kann.

  15. Ivo am 22. Juli 2009 #

    Ralf, red doch nicht immer von 6 bis 8 Jahren. Ein EOT Lite z.B. kann theoretisch schon in einem Jahr flächendeckend verfügbar sein, denn die Firefox, Safari & Co. arbeiten in der Regel recht schnell solche technologischen Änderungen ein. Die .webfont-Idee wäre in etwa 4 Jahren verfügbar, wenn man IEs Update-Dauer mit einschließt. So lange würde übrigens auch die Implementierung von Raw Fonts in IE dauern.

    Mit welcher Argumentation? Interessiert mich wirklich …

    Die Argumentation ist, dass professionelle Webdesigner sich nicht nur keine Gedanken um die Technologie machen wollen, sondern auch nicht um rechtliche Probleme, aber eben trotzdem ALLE professionellen Fonts nutzen wollen. Sie wollen eine von Drittanbietern wie Typekit unabhängige, aber browserübergreifende Lösung. Freiheit und Unabhängigkeit ist also die Argumentation. Freiheit in der Wahl der Schriften [die es bei Typekit auch nicht umfassend geben wird, da bei weitem nicht alle Fonts verfügbar sein werden] und Unabhängigkeit von kommerziellen Webdiensten.

  16. Ralf Herrmann am 22. Juli 2009 #

    Ralf, red doch nicht immer von 6 bis 8 Jahren.

    Es war ja von .webfont die Rede. Da bleibe ich ganz ruhigen Gewissens bei dieser Spanne. Locker! Alles andere ist Schönfärberei. Du bekommst diese Windows-User nicht schneller zum Upgrade, weil sie nicht wollen, oder nicht können (Firmenrechner).

    EOT Lite ginge schneller, klar! Aber das ist auch wieder so ein fauler Kompromiss. EOT ohne URL-Bindung und Kompression ist wie »Einmal Schnitzel mit Pommes, aber bitte ohne Schnitzel und Pommes mag ich eigentlich auch nicht.«
    Ich habe den Eindruck, dass die meisten Foundries auch nicht besonders erpicht darauf sind, sich Ascenders Ideen in irgendeiner Weise anzuschließen. Der immense Zuspruch von .webfont deutet zumindest darauf hin. Ich erwarte also nicht unbedingt, dass EOT lite kommt.

    dass professionelle Webdesigner sich nicht nur keine Gedanken um die Technologie machen wollen, sondern auch nicht um rechtliche Probleme, aber eben trotzdem ALLE professionellen Fonts nutzen wollen.

    Okay, verstehe den Gedanken und kann mich dem auch durchaus anschließen. Aber das ist eben Zukunftsmusik. Von mir aus setzt euch für .webfont ein, und wenn es dann in 6 bis 8 Jahren 95% Verbreitung hat, werde ich es gern anwenden und anbieten. Bis dahin haben die Webservices die Nase vorn und sind eventuell schon so populär und normal, dass das neue Format gar keiner mehr will. Das muss man abwarten …

  17. Ivo am 22. Juli 2009 #

    Ich habe den Eindruck, dass die meisten Foundries auch nicht besonders erpicht darauf sind, sich Ascenders Ideen in irgendeiner Weise anzuschließen. Der immense Zuspruch von .webfont deutet zumindest darauf hin. Ich erwarte also nicht unbedingt, dass EOT lite kommt.

    So siehts aus. Es herrscht ein großes Misstrauen gegenüber Ascender. Tal und Erik [.webfont] sind übrigens im Dialog mit Microsoft und Mozilla, um mit ihnen gemeinsam das Projekt nach vorn zu treiben. Sie werden noch diese Woche ein Update ihrer Idee veröffentlichen, dass sehr interessant ist.

    Bis dahin haben die Webservices die Nase vorn und sind eventuell schon so populär und normal, dass das neue Format gar keiner mehr will. Das muss man abwarten …

    Jetzt hat er’s ;)
    Glaub nicht, dass die Foundries eben diese Entwicklung nicht ernst nehmen. Im Gegenteil, ich weiß von einigen größeren Foundries die außer den bisher bekannt gewordenen wie z.B. TypeTogether oder Mark Simonson schon Typekit testen. Das heißt aber nicht, dass man nicht weiter an einer ordentlichen Langzeitlösung arbeiten kann, denn es ist bisher auch recht unwahrscheinlich, dass Microsoft Raw Fonts implementiert.

    Mal ganz ehrlich, ist es eine so schöne Vorstellung für Webdesigner, zukünftig immer auf Webdienste a la Typekit zurückzugreifen oder ein eigenes Typothequemodell einzusetzen, nur im browserübergreifend gestalten zu können? Ich mein, Dritt- oder Krückenlösungen können ja sicher für eine bestimmte Zeit eine Alternative sein, aber langfristig?

  18. Maik am 22. Juli 2009 #

    Was genau ist daran „interessant“? Soweit ich erkennen kann, haben sie lediglich einen sowieso schon unsinnigen Vorschlag noch dümmer gemacht.
    Der Vorschlag bringt keine, ich sage es nochmal: keine Features, die eine rohe OpenType-Datei nicht bietet.
    Keine zusätzlichen technischen Möglichkeiten.
    Keine zusätzlichen Metainformationen.
    Keine zusätzliche Sicherheit für irgendwen.
    In dieser Revision bietet er nicht einmal mehr einen billigen, leicht zu umgehenden Pseudo-Kopierschutz – das entsprechende Element wurde aus der Spezifikation gestrichen.
    Was soll der Mist? Jeder, der diesen Vorschlag unterstützt, gesteht damit eins von zwei Dingen ein, entweder oder: Er hat ihn überhaupt nicht gelesen. Oder er ist ein Idiot. Niemand kann diese Idee aus sachlichen Gründen gut finden.

  19. Ralf Herrmann am 22. Juli 2009 #

    Ich mein, Dritt- oder Krückenlösungen können ja sicher für eine bestimmte Zeit eine Alternative sein, aber langfristig?

    Ich wäre vorsichtig, das es Krückenlösungen zu bezeichnen. Eventuell schauen wir in 15 Jahren zurück und fragen uns, warum es jemals etwas anderes gab …
    Bei so einem Webfont-Service ist das Wort SERVICE durchaus wörtlich zu verstehen. Ich sehe nicht, dass sich die Browser-Inkompatibilitäten mittelfristig beseitigen lassen, selbst wenn es nur ein Webfontformat gäbe. IE/Opera/Safari/Firefox – alle interpretieren Webfonts etwas anders, es werden andere @font-face-Deskriptoren unterstützt, andere OpenType-Features, es gibt Bugs in bestimmten Versionen, die in einer nächsten behoben sind usw.
    Ein Webfont-Service kann darauf gezielt reagieren und jedem User das perfekte CSS und den perfekten Font liefern. Und das auf Jahre hinaus. Das ist keine Krücke, sondern ziemlich clever. Wenn ihr dem Kunden dagegen nur ein .webfont geben wollt, steht dieser mit eventuellen Problemen völlig allein da.
    Es kommt ja auch keiner auf die Idee, dass man Google-Maps als einzelne Instanz auf dem eigenen Server installiert und dann immer fleißig selber Updates und Fehlerkorrekturen einpflegt …

    Ob die Webfont-Services angenommen werden, hängt natürlich auch vornehmlich von den Preismodellen ab. Vielleicht hängen wir aber auch einfach alle momentan noch einfach zu sehr an unserem gewohnten »Einmal bezahlen – Font herunterladen«-Modell, sowohl auf Founry- als auch auf Anwenderseite. Ich halte es zumindest für theoretisch denkbar, dass das Mietmodell die klassische Lizenzierung bei Webfonts komplett ersetzt – und das zur Zufriedenheit aller.

  20. Ivo am 22. Juli 2009 #

    Ich wäre vorsichtig, das es Krückenlösungen zu bezeichnen.

    Nein, da will ich nicht missverstanden werden. Mit Drittlösungen meine ich eben Services wie Typekit. Mit Krückenlösungen habe ich an eigene »Hacks« wie Browserweichen oder die Benutzung von Free Fonts aus lizenzrechtlichen Gründen gedacht.

    Ich halte es zumindest für theoretisch denkbar, dass das Mietmodell die klassische Lizenzierung bei Webfonts komplett ersetzt – und das zur Zufriedenheit aller.

    Damit könntest du Recht haben.

    Was soll der Mist? Jeder, der diesen Vorschlag unterstützt, gesteht damit eins von zwei Dingen ein, entweder oder: Er hat ihn überhaupt nicht gelesen. Oder er ist ein Idiot.

    Ich bin ein Idiot.

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