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Gerrit, 04.10.2004

Unibody 8

Unibody 8: regular, italic, small caps, bold, black

Die erste Pixelschrift, die ich Ihnen im Rahmen dieser Reihe vorstellen möchte, kommt aus dem Reich der typografischen Hochkultur: Holland. Die vier Jungs von Underware, bekannt für hohe Qualität und niedrige Quantität ihrer Veröffentlichungen, haben mit der Unibody eine kostenlose Pixelschrift zum Download bereit gestellt, um Promotion für ihre Schriftschmiede zu betreiben. Was ihnen zweifelsfrei gelingt, denn ich empfehle hiermit alle konventionellen Underware-Schriften (Dolly, Sauna, Auto) aufs Ausdrücklichste!

Die 8 im Namen hat die Unibody natürlich von der Pixelhöhe. Doch so ganz eindeutig ist das nicht. Wenn wir genau nachmessen, ergeben sich folgende Werte:

Pixelhöhen der Unibody im Überblick

  • x-Höhe: 5 Pixel
  • Versalien: 7 Pixel
  • Unterlänge-Minuskeln: 7 Pixel
  • Oberlänge-Minuskeln: 8 Pixel
  • Umlaut-Versalien: 9 Pixel
  • ß und kleines italic-f: 10 Pixel

Doch lassen wir die Details Details sein, stellen im Photoshop (oder in Flash) einfach 8 Pixel als Schriftgrad ein und schalten die Schriftglättung aus: Unibody 8, wie sie sein soll.

Charakteristik

Unibody ist eine serifenlose Pixelschrift, die bei sehr geringer x-Höhe (5px) ziemlich weit läuft. Somit ist sie alles andere als Platz sparend und betont besonders die Horizontale; eine Luxusschrift, die sich breit macht und ihr Revier markiert.

Textabschnitt in der Unibody

Auffällig sind die weit oben angesetzten Umlaut-, i- und j-Punkte. Man hätte diese jeweils einen Pixel tiefer setzen können, doch so wird nochmals die »eigentliche« Buchstabenhöhe von 8 Pixeln betont, gleichzeitig für ein bisschen mehr Ruhe im Auf und Ab von Versalhöhe, Minuskelhöhe usw. (siehe oben) gesorgt. Die Satzzeichen sind relativ auffällig: Kommata, Apostrophe und Anführungszeichen verstecken sich nicht verschämt, sondern zeigen, wie wichtig sie sind.

Textabschnitt in der Unibody italic

Das Premium-Argument für die Unibody ist jedoch mit Sicherheit die einzigartige italic-Variante. Sie läuft deutlich schmaler als die regular und hat einen entscheidenen Vorteil gegenüber den meisten anderen kursiven Pixelfonts: Gerade Schäfte. Dennoch schafft es die Unibody italic, einen schrägen Grundcharakter beizubehalten. Das liegt nicht zuletzt an den großartigen, italic-typischen Buchstabenformen von a, e und f. Hier zeigt sich, dass echte Profis am Werk waren, die auch im Pixelmikrokosmos ein Auge für die typografischen Details haben. Das extravagante kleine s irritiert anfangs etwas, passt jedoch bei längerer Betrachtung sehr gut ins Konzept.

Umfang/Ausbau

Unibody besteht aus den oben bereits genannten 5 Schnitten regular, italic, small caps, bold und black. Das ist reichlich! Die black-Variante wird schwierig anzuwenden sein, weil sie naturgemäß schon extrem weit läuft. Zum Hervorheben einzelner Wörter ist die bold meiner Meinung nach eleganter. Und ich lobe mir die Kapitälchen: Damit kann man auf jeden Fall etwas anfangen, obwohl hier leider keine »großen Versalien« integriert wurden.

Die Unibody-Familie

Was den Ausbau der Schrift angeht, so kann ich es bestimmt nicht besser zusammenfassen, als es auf der Underware-Website geschehen ist. Deshalb übersetze ich das einfach aus dem Englischen:

Unibody 8 ist eine cross-platform OpenType-Schrift. Alle Dokumente, die die Unibody verwenden, können auf dem Mac und dem PC problemlos geöffnet werden. Die Schriftfamilie besitzt ein komplettes Zeichenset für westeuropäische Kodierung, und jeder Font beinhaltet ca. 260 Kerning-Paare (was ungewöhnlich viel ist für eine Bildschirmschrift). Da die Unibody 8 eine vektorbasierte Schrift ist, können sie sie auch problemlos ausdrucken.

Damit ist eigentlich alles gesagt. Man kann erahnen, dass es nicht unbedingt so einfach ist, mal schnell einen Pixelfont zu kreieren – um gute Arbeit zu leisten, ist eine Menge an Wissen und Testen erforderlich.

Die Unibody in der Praxis

Die Unibody ist ein echtes Schmuckstück und muss als solches pfleglich behandelt werden. Größere Textmengen sind schwierig, weil eine x-Höhe von 5 Pixeln nun wirklich sehr, sehr klein ist. Auch sollte der Zeilenabstand mindestens 15 Pixel betragen. Heben Sie sich den Einsatz der Unibody für etwas Besonderes auf. Kleine Texte, die große Wirkung erzielen sollen. Ein schönes Beispiel für den gelungenen Einsatz der Unibody italic in einem hochwertigen Umfeld gibt es hier.

Man kann ziemlich viel falsch machen mit der Unibody, ist sie doch keine solch universelle Rampensau wie beispielsweise die Pixel-Verdana auf Non-Antialiasing-Systemen. Doch wenn man ein geeignetes Plätzchen für sie findet, macht sie eine gute Figur in den Flash-Animationen und GIF-Grafiken der Web-Welt.

Rechtliches

Hier gilt: Wer die Unibody nicht verändert oder weiterverkauft, kann sie ohne Probleme herunterladen, einsetzen, einbetten, ins Netz stellen, an Druckereien weitergeben und die damit gesetzten Texte auch verkaufen.

Downloads

4 Kommentare

  1. Johannes Auth am 10. Oktober 2004 #

    hallo Gerrit,
    um Himmelswilen, bloß nicht die “Montags-Schriften” einstellen. Ich bin heute zum ersten mal auf Empfehlung einer Freundin hier gelandet und werde regelmäßig wiederkommen um etwas über Typografie zu lernen. Also, danke für die Info, die ich heute schon mitnehmen durfte. Als lernender Webdesigner werde ich mich mit deinen Themen zukünftig intensiv beschäftigen. Schon die Links auf deiner Seite, wie “alistapart”, zeigen mir, daß ich hier richtig bin.
    Schönen Gruß aus Köln
    Johannes Auth
  2. Johannes Henseler am 14. Oktober 2004 #

    Ich muss dem Träger des gleichen Namens wie ich ihn Trage nur beipflichten! Ich habe zwar schon einiges in Print gemacht, doch ich habe (noch) keine Ausbildung in die Richtung und lerne jeden Tag dazu. Und hier in jedem Satz!

    Viele Grüße aus Karlsruhe,
    Johannes Henseler.
  3. p. rosenthal am 19. Oktober 2004 #

    kein direkter kommentar, aber wie wärs mit einer vorbereiteten möglichkeit zum empfehlen der seite? mfg
    p. rosenthal
  4. Canardo am 6. April 2006 #

    Dieser Wunsch lässt mich nun doch ein wenig schmunzeln, habe ich doch noch gut den Punkt 3 aus diesem Essay im Kopf.

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