Es sind ja gar nicht so viele Unsitten im Webdesign, die mich wirklich aus der Spur bringen. Die Zeit härtet ab. Aber eines kotzt mich doch zunehmend an, und das sind die mir entgegen springenden Hinweise, dass es zum Betrachten der gerade aufgerufenen URL total pfundig wäre, wenn ich das mit dem direkten Betrachten mal schön sein lasse, und mir statt dessen erst einmal die App des entsprechenden Webangebotes herunterlade, natürlich kostenlos und geil und so, um dann irgendwann nach der Installation und dem ersten Zurechtgefinde evtl. den gewünschten Artikel wiederzufinden, den ich vor 10 Minuten mal habe lesen wollen. Logisch, mach ich doch gerne ganz spontan! Spezielle Apps herunterladen und damit bestimmte Einzelartikel lesen ist total praktisch, viel besser als dieses universelle Medium namens »Offenes Web«.
Merkt ihr noch was?
Ich kann mich gerade nur nicht entscheiden, an welcher Stelle im Web ich die Appinstallationsaufforderungen mehr Kacke finde: auf Facebook (Stichwort: Yahoo) oder beim Surfen mit dem Mobile Safari (Stichwort: The Verge).
Lasst das Web doch einfach das Web sein und akzeptiert, dasses Leute gibt, die ganz altmodisch mit einem Browser (stationär oder mobil) eure Website angucken wollen. Ganz bewusst und ohne spezielle Applikation. Der Browser kann das schon ganz gut.
update: Die Smart App Banners in iOS 6 schaffen Abhilfe und stören nicht so sehr. Ein okayer Kompromiss!
praegnanz.de
Olaf am 19. August 2012 #
Eine Sache vergisst Du, und das ist die (Trommelwirbel!) Coolness. „Wir haben da jetzt auch eine App!“. Wieder eine Pressemitteilung mehr. Eine Webseite zu bookmarken ist ja auch sowas von out und das Wort Lesezeichen ist irgendwo in der gleichen Wortliste verschwunden, in denen schon vor Jahren „Webring“ oder „Netscape Navigator“ abgelegt wurden. Total uncool! Und seien wir doch mal ehrlich: Was geht dem Kunden leichter über die Lippen, wenn er über sein Projekt spricht, „Responsive Webdesign“ oder „App“?
Nicht umsonst gibt es Plattformen wie PhoneGap, mit denen man seiner Webseite ein hübsches App-Mäntelchen umlegt. Da ist Basecamp ja überraschend altmodisch. Die haben tatsächlich nur ’ne mobile Website. Und weil ich Basecamp oft nutze, musste ich die Website tatsächlich bookmarken. Auf meinem iPhone! Hoffentlich hat das keiner gesehen.
Michael am 19. August 2012 #
Ja super, lass uns jede dappige website auch gleich als native apps anbieten… mich nervt das ebenfalls sehr.
Hansemann am 19. August 2012 #
Früher gab es dieses Phänomen verstärkt an der Haustür; ungefragt wurde einem versucht Staubsauger, Zeitschriften-Abos, neue Religionen und vieles mehr aufzuschwatzen. Dann besorgte ich mir das Haustüren-App »Nein Danke und auf wiedersehen«. Doch diese half nicht bei allen Neppern, Schleppern und Bauernfängern. Da musste ich mir das Zusatz-App »In meiner Freizeit spiele ich Baseball, wollen sie mal meinen Schläger sehen?« installieren.
Seitdem ist zu 99,9% Ruhe eingekehrt.
Lange Rede kurzer Sinn: Verdammt schade, dass Wissende mit Kanonen (bspw. AdblockPlus) auf verdammt nervige Spatzen schiessen müssen und so auch »gute« Werbung ihre Empfänger nicht erreichten kann.
Gerhard am 20. August 2012 #
Hmm, halbwegs interessanter Beitrag. Aber wo ist denn der neueste Blog-Beitrag (der kleine private Online-Pranger) mit samt den kritischen Kommentaren geblieben? Selbstzensur?
Gerrit am 20. August 2012 #
@Gerhard: Jepp.
Erik Burger am 20. August 2012 #
Auch ohne Apps ist es schon nervig, wenn man auf die Mobil-Version einer Seite umgeleitet wird, ohne den gewünschten Artikel zu bekommen, sondern nur die mobile Startseite. Sehr schön dargestellt auch in diesem XKCD-Comic …
Gerrit am 20. August 2012 #
@Erik: Sehr schön, das Comic! <3
Michael Ohr am 20. August 2012 #
iOS 6 soll dieses Problem doch beheben (also zumindest unter iOS ;), indem es nur einen dezenten Hinweis einmalig einblendet. Und die wird sich (hoffentlich) in den Einstellungen ganz unterdrücken lassen.
Wenn sich dann nur alle Anbieter an den Standard halten, und statt eigener Popups nur noch diesen custom HTML tag verwenden, ist das doch eine gute Lösung, oder?
Michael Ohr am 20. August 2012 #
Nachtrag: TED.com scheint diese »smart banners« genannte Lösung schon einzusetzen, s. http://www.iphoneblog.de/2012/08/08/ted-com-zeigt-unter-ios-6-bereits-einen-smart-app-banner/
Gerrit am 20. August 2012 #
@Michael Ohr: Sieht nach einem sinnvollen Feature aus!
Fabian Wolf am 5. September 2012 #
Hm .. The Verge ist ein hartnäckiges Arschloch .. selbst mit Sleipnir und auf Google Chrome 14 geändertem User Agent wird man dennoch zur Mobile-Site weitergeleitet. Allerdings lese ich das sowieso eher auf dem Desktop .. Fratzenbuch kommt bei mir sowieso nur im Zweitbrowser vor, die müssen ja nich auch noch wissen, wo ich sonst so in der Welt / im Netz unterwegs bin ;)
cu, w0lf.