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Gerrit, 27.02.2011

Freie Schriften – Anspruch und Wirklichkeit

Wenn es ein Thema gibt, aufgrund dessen meine kleine Website immer noch jede Menge Besucher anzieht, so sind es die Auflistungen und Portraits kostenloser Schriften, die ich im Wesentlichen zwischen 2004 und 2006 veröffentlicht habe, inklusive einige Nachzügler in späteren Jahren.

Die Texte sind also steinalt, erfreuen sich aber immer noch hoher Popularität. Ich würde fast sagen, dass ihre Beliebtheit eher noch steigt als sinkt. Und dies ist irgendwo auch symptomatisch für das gesamte Phänomen: Freie Schriften sind ein echter Dauerbrenner im Netz! Wäre ich also clever oder größenwahnsinnig gewesen, hätte ich mich nach dem Studium im Herbst 2005 gleich mit einem richtig groß aufgezogenen Verzeichnis selbstständig machen müssen und wäre jetzt vermutlich so etwas wie FontShop, nur ohne »Shop« …

Aber will man das sein? Ich bin nicht sicher. Denn der Markt für Freie Schriften im Internet – so man von Markt sprechen kann – ist ein extrem unübersichtlicher Bauchladen geworden; weit entfernt von dem, was ich damals mit meinen ausführlichen und sachkundigen Portraits angefangen (und aus Zeitmangel bald wieder eingestellt) hatte. Es tummeln sich allerlei zwielichtige und inkompetente Gestalten, aber es gibt auch clevere Geschäftideen und Selbstvermarkter, und sogar richtig gute Schriftentwerfer und tolle Schriftfamilien! Die Spreu vom Weizen zu trennen ist kein leichtes Vorhaben. Zeit für ein paar kleine Exkurse und freie Assoziationen!

Die Schriften und ihre Anbieter

Man macht es sich zu leicht, wenn man behauptet, kostenlose Schriften müssten zwangsläufig von minderer Qualität sein als kommerziell angebotene Fonts. Eine hochqualitative Schrift kann schließlich nichts dafür, wenn sie gratis verteilt wird! Aber es gibt selbstredend unterschiedliche Motivationen, aus denen heraus eine Schrift kostenlos hergegeben werden kann, als da wären:

  • Ein Schriftschnitt soll Werbung für die ganze Schriftfamilie machen. Meist sind es kostenlose Regular-Schnitte, manchmal sogar mit einer Italic dabei. Besonders deutlich trifft man diese Taktik beim grandiosen Jos Buivenga an, der am Anfang seiner Karriere fast alles kostenlos herausgegeben hat, damit sehr schnell sehr bekannt wurde, und nun immer mehr kostenpflichtige Schnitte zusätzlich zu seinen Basis-Fonts hinzufügt, und diese über MyFonts und Typekit vertreibt.
  • Eine Schrift soll Werbung für einen Schrifthändler machen. Oftmals handelt es sich hierbei um zeitlich begrenzte Aktionen, und es werden auch hier üblicherweise einzelne Schnitte herausgegriffen, nicht etwa Schriftfamilien. Fast alle Schriftverkäufer nutzeb inzwischen diese Taktik, übertreiben es aber niemals mit der Menge der angebotenen Schnupperfonts!
  • Die Schrift soll die Reputation des Machers oder Herausgebers steigern. Niemand wehrt sich schließlich gegen steigende Beliebheit und Anerkennung der eigenen Person oder Institution – ob im ganzen Internet und in der Gestalterszene!
  • Die Schrift ist im akademischen Kontext entstanden. Bestes Beispiel ist vielleicht die beliebte Gentium, die aus dem Anspruch enstanden ist, mögichst viele exotische Zeichensysteme in einer einheitlichen Schriftart zu vereinen. Oder natürlich studentische Projekte wie die Titillium. Das Problem bei dieser Art von Fonts ist manchmal, dass es keine richtigen Meilensteine oder Veröffentlichungstermine gibt. Die Schriften wachsen nach und nach, es gibt Versions-Wildwuchs, und eine Qualitätssicherung findet nur solange statt, wie der entsprechende Professor Zeit und Motivation findet, die Dinge weiter voran zu treiben.
  • Tatsächliche gute Taten von Einzelpersonen, Unternehmen oder Organisationen. Der Open-Source-Gedanke aus der Software-Welt macht auch in vor der Schriftwelt längst nicht mehr Halt: Professionell gestaltete Fonts werden bewusst als Open-Source-Projekt in die Welt entlassen, um Dinge zu verbessern, die als verbesserungswürdig angesehen werden – zum Beispiel Typografie.

Man darf sich nichts vormachen: Um eine gut gemachte, professionell produzierte Schriftfamilie zu erschaffen, die nicht von einer anderen Schrift geklont oder zumindest abgeleitet ist, muss man extrem viel Zeit und Fachwissen aufwenden. Nicht umsonst wird der Schriftentwurf von vielen als die Königsdisziplin im Grafikdesign angesehen!

Deshalb der Praxistipp: Wenn eine Schriftfamilie kostenlos angeboten wird, muss dies einen wirklich guten Grund haben (siehe oben). Ist dieser nicht erkennbar, sollte man sofort sehr kritisch werden, was die Qualität angeht. Man kreiert als Fontdesigner nicht in monatelanger Arbeit eine hochqualitative Schrift, um sie dann einfach zu verschenken. Entweder es treibt einer der oben genannten Motivationen, oder die Schrift ist es schlicht nicht wert heruntergeladen zu werden.

Die designbloggenden Listenmacher

Seitdem bekannt ist, dass freie Schriften im Netz irgendwie immer gut ankommen und auch kräftig gegooglet werden, vergeht kein Monat, in dem nicht irgendein Webdesignblogger eine »neue« Auflistung der 25, 50 oder gar 100 besten Freien Schriften veröffentlicht. Aus phänomenologischem Interesse sammele ich diese Artikel, hier nur eine kleine Auswahl.

Anfangs war das noch hilfreich und praktisch, und der schriftsuchende Designer konnte dadurch so manche Perle finden. Inzwischen ist es jedoch extrem ermüdend und teilweise auch skandalös, wie schlecht diese Listen geworden sind (oder doch schon immer waren?).

Ich möchte hier ein paar Dinge kritisieren, allen voran die lieblose Aufbereitung! Eine Charakteristik der Schrift, und sei sie noch so kurz, sucht man meist vergeblich, es geht immer nur um Beispielbild und Link zur Download-Quelle. Die Bilddarstellung ist dabei niemals selber gemacht, sondern von der offiziellen Website übernommen, was problematisch ist: Erstens lenkt die aufwändige Gestaltung des Specimens von den eigentlichen Formen der Schrift ab, zweitens lassen sich die unterschiedlichen Schriften der Liste nicht mehr fair vergleichen. Fonts mit einem toll gestalteten Demobild werden hervorgehoben und können handwerkliche Mängel gut verstecken.

Des weiteren schert die Listenmacher nicht im Geringsten, mit was für technischen, finanziellen und rechtlichen Parametern eine Schrift verbunden ist: Ob sie nur zwei Wochen zum Download bereit steht, ob sie eventuell nur für private Zwecke genutzt werden darf, oder ob nur der hässliche Medium-Italic-Schnitt kostenlos heruntergeladen werden darf; egal: Hauptsache, die Liste wird länger und bunter.

Des weiteren vermischen die werten Bloggerkollegen ohne mit der Wimper zu zucken ernsthafte Brotschriftfamilien mit Single-Purpose-Displayfonts und stellen die beiden quasi unkommentiert auf einer Ebene dar. Die Schriftentwerfer erfahren keine echte Würdigung, und praktische Tipps für den Einsatz der Fonts werden ebenfalls nicht gegeben. Es zählt einzig die raue Menge. Ich vermute sogar, dass die Bloggerkollegen viele der Fonts nicht einmal installiert haben, um zumindest grob zu gucken, ob alles soweit in Ordnung ist mit ihrer angepriesenen »Ware«. Alles nur, um dem geschenkten Gaul nicht ins Maul gucken zu müssen. Wie gierig das ist!

Unnötig zu erwähnen, dass die Anzahl der Listen in keinem Verhältnis steht zur Anzahl der neu erschienen, tatsächlich brauchbaren und erwähnenswerten freien Schriften. Diese kann man seit meiner aktiven Zeit prinzipiell an zwei Händen abzählen!

Die Neuen Freefont-Portale

Dass es auch anders geht, beweisen derzeit vor allem zwei Angebote im Netz, die ich hier einmal lobend erwähnen möchte. Zum einen natürlich FontSquirrel, dessen Macher es sich zur Aufgabe gemacht hat, nur qualitativ hochwertige Freefonts zu katalogisieren und durchsuchbar zu machen, ohne dabei die rechtliche Situation aus den Augen zu verlieren oder wichtige Referenzen zur Herkunft zu vernachlässigen. Im Vergleich zum ausufernden und nicht wirklich als seriös zu bezeichnenden dafont.com besticht FontSqirrel mit Übersichtlichkeit, guten Such- und Stöberfunktionen, sowie einigen interessanten Services – allen voran die @font-face-Kits, welche es kinderleicht machen, dafür freigegebenen Schriften auch auf Websites einzubinden. FontSquirrel wird von Ethan Dunham betrieben, der selber Schriften entworfen hat und ein echter Typo-Enthusiast ist. That’s why.

Das andere lobenswerte Projekt ist natürlich das Google Font Directory, welches sich auf Webfonts spezialisiert, und auch einen Online-Service zum Einbinden dieser Schriften anbietet. Bei Google ist Marc Tobias Kunisch für das Projekt federführend, der ziemlich gut weiß, was er da tut. Zu Beispiel achtet er darauf, dass nur solche Fonts im Katalog erscheinen, die es auch offiziell zum Herunterladen in printfähigen Formaten gibt. Google steht dabei im kommunikativen Austausch mit den Schriftentwerfern und sorgt kuratierend dafür, dass das Angebot insgesamt technisch und gestalterisch halbwegs brauchbar ist (was leider nicht immer gelingt).

Wenn Sie also auf der Suche nach einer Schrift-Inspiration sind, aber für das avisierte Projekt kein entsprechendes Budget zur Verfügung steht, versuchen Sie es zunächst einmal bei diesen beiden Anlaufstellen und meiden Sie schlichte Google-Suchen nach »free fonts«.

Kleines Plädoyer für Freefonts

Mit Texten wie diesem (und natürlich mit meinen Schriftportraits) begebe ich mich in eine gewisse Zwickmühle. Zum einen hängt den Freefonts in der professionellen Schriftindustrie ein übler Ruf nach; und das nicht zu Unrecht, denn Plagiate waren und sind allgegenwärtig. Dadurch, dass die Buchstabenformen einer Schrift in der Regel rechtlich nicht schützbar ist (weil keine Schöpfungshöhe vorliegt, was den eigentlichen Skandal darstellt!), gab und gibt es unzählige Rip-Offs, die sogar völlig legal frei verteilt werden dürfen – solange sie nicht den Originalnamen tragen oder die originalen digitalen Kontur-Pfade enthalten. Buchstabenformen rauszurendern und die Kurven manuell nachzubauen ist jedoch erlaubt und wird leider immer noch gemacht.

Doch von dieser Art von Schriften rede ich in aller Regel nicht. Im Gegenteil – ich habe mich stets dafür ausgesprochen, nur solche Schriften zu promoten, die tatsächlich mit Zustimmung des Entwerfers frei verteilt werden, aus einer der oben beschriebenen Motivationen heraus. Und glücklicherweise gab es in den letzten Jahren einige solcher schönen Momente, wo hochqualitative Schriften für die Öffentlichkeit freigegeben wurden.

Ich sehe darin unter anderem eine Chance, das allgemeine Gespür für die Qualität von Schriften zu schärfen. Die Hobbydesigner und Quereinsteiger, welche nie einen »richtigen« Typografiekurs besuchen durften, sollen lernen, was eine technisch und gestalterisch hochqualitative Schrift ausmacht, und dass diese eben nicht an jeder Straßenecke zu bekommen sind! Abschreckende Beispiele aus dem Giftschrank von dafont.com reichen dafür nicht aus, denn man gewöhnt sich an alles – siehe hier. Es müssen von daher positive Beispiele her! Nur wer die feinen Unterschiede kennen und schätzen lernt, wird auch einsehen, warum es eben keine Unverschämtheit sein muss, für eine gut ausgebaute Schriftgroßfamilie 500 Euro anzusetzen. Sie sind es wert! Aber bis man das begreift, muss man üben. Ein Freefont-Umfeld mit Qualität statt Quantität im Fokus hilft dabei.

26 Kommentare

  1. Matthias Mees am 27. Februar 2011 #

    Es gibt ja in der Tat freie Schriften, die wirklich mehr als anständig sind — man denke nur an Jos Buivengas Arbeiten. Was ich für meinen Teil nicht kapiere, ist die Schriftauswahl in Googles Webfonts. Da werden (scheinbar) wahllos schneller Schriften hinzugefügt, als man „Comic Sans MS“ sagen kann — die Schriften dort, die man verwenden möchte, kann man jedoch an einer Hand abzählen. Das ist meines Erachtens besonders schade, weil dieser Dienst eigentlich eine genial einfache API bietet und alleine schon aufgrund seines Betreibers sehr beliebt sein wird. Das wäre eine gute Gelegenheit gewesen, das Gespür für Qualität (statt Quantität) zu schärfen.

  2. kapeka am 27. Februar 2011 #

    Der Klassiker unter den freien Schriften bleibt für mich Linux Libertine. Neben den von Apple mitgelieferten Schriften benötige ich nur LinLib und das deckt 95% meiner Bedürfnisse ab.

  3. Martin am 27. Februar 2011 #

    Danke, hatte mich schon immer gefragt warum man Schriften 1:1.111 nachbauen und verkaufen darf.

  4. Kilian am 28. Februar 2011 #

    Zwei recht gute freie Bildschirmschriften für Japanisch (und das ist selten, sind ja schließlich etwas mehr Zeichen als ein Alphabet ;-) sind

    Droid Sans Fallback

    (ich persönlich finde sie ausgewogener als die Droid Sans Japanese, auch wenn ein paar der Kanji leider an die Chinesische Schreibweise anlehnen), und außerderm

    VLGothic und VLPGothic

    (nur ist da die Lateinschrift schlecht spationiert)

  5. Marc Tobias Kunisch am 28. Februar 2011 #

    Danke für die Erwähnung der Google web fonts!

    Als kleine Richtigstellung: ich bin nicht für die Auswahl der Schriften verantwortlich, das machen unsere beiden Typographen Raph Levien und Dave Crossland.

    Beide arbeiten mit den Font Designern, um zu gewährleisten, dass die Designer für ihre Arbeit entlohnt werden und um die Qualität der Schriften zu verbessern.

    Wegen der Vermischung von Copy und Displayfonts sollten wir uns auch angesprochen fühlen. Aber wir arbeiten dran :)

    tobs

  6. Christoph am 28. Februar 2011 #

    Auf meiner Liste ist jede »Bilddarstellung« selbst gemacht.

  7. Gerrit am 1. März 2011 #

    Da bist du die lobenswerte Ausnahme!

  8. Christoph am 1. März 2011 #

    Na, zumindest in diesem Punkt … ;)
    Größtenteils stimme ich Dir zu. Die Freefonts habe ich auch natürlich vor allem als Lockmittel an Bord und weiß, daß es sehr begrenzten Informationsgehalt hat, sie gleichberechtigt nebeneinander zu stellen.
    Auf der anderen Seite sind sie aber nun mal kostenlos und deshalb kann ja jeder selbst ausprobieren, was sie abseits des Specimens taugen.
    Zu viel Gewicht möchte ich ihnen eben auch nicht geben und meine Energie lieber anderen Themen widmen.
    Und in einem Punkt bin ich dann doch auch anderer Meinung: Wenn Freefonts gleichwertig sind, erschließt sich der Sinn eines Kauffonts nicht.

  9. A. Nonymous am 7. März 2011 #

    Mal eine Frage:
    Neben freien Fonts und den „Profi“-Fonts gibt’s ja auch Fontsampler zu kaufen (z.B. von Softmaker) Was ist davon zu halten? Der Ausbau der Schriften (Umlaute, etc.) ist ja ordentlich, aber ob die Qualität auch taugt, traue ich mich nicht zu beurteilen.

  10. Gerrit am 7. März 2011 #

    @A. Nonymous: Hier sieht man auf den ersten Blick, dass es sich im Wesentlichen um die oben beschriebenen Plagiate von Klassikern handelt. Rechtlich leider kaum angreifbar, von der Qualität her wahrscheinlich gar nicht schlecht, aber moralisch höchst verwerflich. Nicht kaufen!

  11. Seb am 9. März 2011 #

    Danke für die prägnante Zusammenfassung.

    Zwei kurze Anmerkungen:

    Du erwähnst Open-Source-Schriften – insgesamt dürfte das bei vielen vermeintlich »freien« Fonts das größte Problem sein, dass sie eben nicht unter echten freien Lizenzen stehen.

    Das erwähnte FontSquirrel hat leider dasselbe Problem un verlinkt auch auf Werbeschnitte, die nur teilweise frei sind und nur nach vorheriger Registrierung beim jeweiligen Anbieter bezogen werden können und eben nicht immer 100% nutzbar sind.

  12. Werner Roth am 22. März 2011 #

    Hallo Gerrit,

    ich glaube nicht, dass es sich bei den Softmaker Schriften (MegaFont, infiniType) um Plagiate handelt. Softmaker behauptet auf der Webseite diese Lizenziert zu haben, jedoch ohne Markennamen.

    Ich finde infiniType oder Bitstreams »The Cambridge Collection« einen brauchbaren Kompromiss für einen Hobby-Typographen, um an klassische Schriften (Futura, Helvetica, o. ä.) zu kommen. 300 EUR kann ich verschmerzen. So etwas wie die FontShop »100 Beste Schriften Edition Gesamtedition« hätte ich gerne, aber 3.600 EUR – hüstel – ist etwas über Hobby-Niveau.

    Leider kann ich Schriften nicht meinem Einsatz entsprechend z. B. »per use« lizenzieren. Ich würde gerne mal mit der FF Meta (oder anderen modernen Schriften) entwerfen. Für die Einladungskarte und zwei Briefe würde ich dann »per use« 5,84 EUR oder »non-commericial« 14,73 EUR zahlen. Schriften klauen möchte ich aus Prinzip nicht.

    Kennst Du eine bessere Quelle für den engagierten Hobby-Typographen?

    Viele Grüße
    Werner

  13. Gerrit am 22. März 2011 #

    @Werner: Interessant. Ich wäre nicht auf die Idee gekommen, dass man sich professionelle Schriften ohne Namen lizensieren kann. Das wäre ja wie eine Handelsmarke, wo die Nussnougat-Creme zwar aus der gleichen Fabrik kommt, aber mit unterschiedliche Etiketten zu unterschiedlichen Preisen verkauft wird.

    Müsste man mal nachforschen, ob das tatsächlich so läuft.

  14. erlehmann am 9. April 2011 #

    Deutliches Manko der ansonsten gut als Präsentationsfont zu brauchenden Titillium: Sie enthält keinen Slash, sondern an der Stelle das Zeichen „»“. URLs kann man also damit schonmal nicht schreiben.

  15. Udo am 14. April 2011 #

    Der Hintergrund zu MegaFont/infiniType interessiert mich ebenfalls.

    Im Forum von http://www.typografie.info wird gelegentlich auf den Lieferumfang von CorelDRAW hingewiesen.

    Der Hobbyist will und kann selten tausende Euro in professionelle Fontsammlungen investieren.

    Persönlich kam ich in der Vergangenheit mit Gerrits Anregungen und den Beigaben der von mir lizenzierten Anwendungen aus.

    Nebenbei bemerkt: Das erste Release der kursiven Cardo ist seit Ende Februar verfügbar. http://www.scholarsfonts.net/cardofnt.html

  16. Udo am 20. April 2011 #

    David J. Perry veröffentlichte heute die erweiterte Cardo 1.04 und die Cardo Bold 0.99. Cardo Italic 0.99 ist bereits seit Ende Februar verfügbar.

    http://scholarsfonts.net/cardofnt.html

  17. Anatol Broder am 24. April 2011 #

    Die Inkompetenz der meisten deutschen »designbloggenden Listenmachern« erkennt man auch gut daran, dass sie kein Wort über den Umfang einer Schrift verlieren. Wenn die Umlaute, korrekte Anführungszeichen („“|»«) oder das »ß« fehlen, dann ist die vorgestellte Schrift im deutschen Sprachraum außer für Graphiken eben nicht zu gebrauchen.

    Eine Verbreitung der Schrift unter der OFL sollte heute unbedingt als Qualitätsmerkmal erwähnt werden.

  18. mo. am 25. Mai 2011 #

    Danke für den wunderbaren und ausführlichen Artikel. Danke für die Kommentare und die Schriften, die hier vorgeschlagen wurden. Ich habe mich gestern mit dem Thema lizensierte Schriften unter einer Creative Commons-Lizenz beschäftigt und kannte die OFL noch nicht. Es war aber erstaunlich, wie wenig Qualität es gibt.

    Schön auch, dass Du hier auf die Listenmacher draufgekloppt hast.

    Am Rande ist vielleicht noch interessant, dass es das frei und kostenlos Thema genauso auch bei freier Musik gibt. Viel, viel Schrott. Viel, viel ok-geht-so und ganz, ganz wenig wirklich professionelle Sounds.

  19. Magazine printing am 6. Juli 2011 #

    Du erwähnst Open-Source-Schriften – insgesamt dürfte das bei vielen vermeintlich »freien« Fonts das größte Problem sein, dass sie eben nicht unter echten freien Lizenzen stehen.

  20. Julius am 22. Juli 2011 #

    Die folgenden Schriftarten sind in sagenhafter Qualitaet frei verfuegbar:

    - ITC Avant Garde Gothic – ITC Bookman – Courier – Helvetica – Palatino – Times (New Roman) – New Century Schoolbook – ITC Zapf Chancery

    Verfuegbar gemacht wurden die Fonts durch URW++.
    Aus lizenzrechtlichen Gruenden mussten die Namen geaendert werden. Die Fonts werden im Rahmen des Gyre Projekts aus dem LaTeX-Umfeld gepflegt.

    http://www.gust.org.pl/projects/e-foundry/tex-gyre/

  21. seiler-gerstmann am 5. August 2011 #

    Mich würde mal interessieren wie lange eine Lizenz beispielsweise von fontsquirrel frei ist. was passiert wenn sich die lizensierung eines font, der beispielsweise unter der free font license veröffentlicht wurde? ich kann doch nicht alle 2wochen schauen ob die lizensierung noch aktuell ist sondern würde dann nur irgendwann eine abmahnung bekommen?

  22. Gerrit am 5. August 2011 #

    FontSquirrel vergibt keine Lizenzen! Insgesamt gilt die Lizenz zum Zeitpunkt des Downloads. Wenn bei den beigefügten (oder eingebetteten) Lizenzinfos keine zeitliche Beschränkung angegeben ist, solltest du auf der sicheren Seite sein.

  23. Catalogue Printing am 23. Februar 2012 #

    Catalogue printing can be a powerful tool for your business sales and market. The correct use is that you have to add the products in catalogues according to the season, colors and likings of the people. For example, if you are selling children’s clothing then you has to keep this thing in mind that what colors are exactly suit on the children and what are their likes. And it comes under the format of the content which should be in your mind while you are going for printing.

  24. Kein-Moralist am 4. April 2012 #

    Danke für den schönen Artikel!

    Ein Beitrag aber zur mitschwingenden Moraldebatte:

    Wenn die Typographin sich nichts zu essen kaufen kann weil Menschen ihre guten Entwürfe nachzeichnen müssen da es ihnen sonst genauso ergehen würde, gleichzeitig aber genug Essen für alle da ist, dann muss dafür eine gemeinsame Lösung gefunden werden. Sich gegenseitig moralisch in die Schranken eines Systems zu verweisen, das selbst zutiefst unmoralisch ist (wenn man den Begriff der Moral denn verwenden will) greift zu kurz.

  25. Arne Babenhauserheide am 8. September 2012 #

    Danke für die Zusammenfassung.

    Ich würde gerne die Lizenzprobleme, die andere hier kurz erwähnt haben, nochmal hervorheben.

    Wir haben zu zweit Stunden gebraucht, um auch nur eine Sammlung von 12 echt freien Schriften zu finden, die für ein Rollenspiel tauglich sind.¹ Und das auch nur dank Font-Squirrel.

    Frei heißt dabei explizit: Kompatibel zur GNU GPL.

    Am Ende läuft das alles auf BSD oder GPL lizensierte Schriften hinaus. Alles mit einer Custom-Lizenz ist no-go. „Freeware-Schriften“ (will heißen „gefunden aber keine Lizenz auffindbar“) gehen auch nicht. Ich habe bei einer von denen mal selbst recherchiert und das Ergebnis war, dass der Autor sagte „nutzen ja, aber weitergeben auf keinen Fall“…. Will heißen: Tolle Schrift gefunden, tolle Schrift gelöscht. Zum Glück noch nicht im Versionsverwaltungssystem eingecheckt, sonst hätte ich echte Probleme gehabt (Paranoia zahlt sich aus)…

    Im Endeffekt fehlten bei Hattori Hanzo noch deutsche Umlaute und das „ß“, so dass ich selbst Hand anlegen musste – als Hobby-ist leider keine ganz einfache Aufgabe, und ich bin sicher, dass Schriftkennern direkt auffallen wird, dass das „ß“ nicht perfekt in den Schriftstil passt. Aber wir brauchten nutzbare, schöne und lesbare Schriften, und die ganzen MS core- und Apple-„ist doch toll, wenn eure Nutzer auch einen Mac haben“-Schriften sind leider zwar hochqualitativ aber unfrei.

    ¹: Die Schriften, die wir gefunden haben: Schriften

  26. Tobias am 8. Mai 2013 #

    Zu den Schriften auf Schriften-CDs von Softmaker oder Franzis:

    Die Umrisse der Schriften sind korrekt lizenziert, sie stammen aus der Insolvenzmasse der alten URW und der alten Berthold (beide Anfang der 90er insolvent gegangen).

    In den 70ern hatte URW beinahe ein Monopol bei der Schriftdigitalisierung mit dem selbstentwickelten Ikarus-System. Alle großen Schrifthäuser, wie Monotype, Linotype, Berthold, ITC, etc haben ihre Schriften URW zur Digitalisierung gegeben. Die Schrifthäuser haben dabei die Rechte an dem Namen (Helvetica, Palatino, etc.) behalten, URW hat aber gleichzeitig Nutzungsrechte für die Umrisse bekommen. Damals wurde darin kein Problem gesehen, da die Umrisse sowieso nur mit dem Ikarus-System brauchbar waren.

    Nach der Erfindung von PostScript durch Adobe änderte sich der Schriftmarkt aber rapide. Zusammen mit dem Apple Laserwriter war es nun möglich für wenig Geld eine sehr gute Schriftqualität zu erreichen. Anfangs konnten für den PostScript-Druck nur die Fonts von Adobe selbst (die auch größtenteils von URW digitalisiert wurden) verwendet werden, auf den Druck der Industrie mußte Adobe das Format jedoch öffnen.

    Jetzt konnte auch URW seine Ikarus-Schriften in PostScript-Schriften exportieren und lizenzieren. Die Originalumrisse hatten sie ja schon, sie durften nur nicht den Originalnamen verwenden.

    Im Zuge der Revolution beim Desktop-Publishing hat es dann Mitte der 90er URW jedoch auch erwischt, und sie ging insolvent. Aus der Konkursmasse entstand die heutige URW++. Weiterhin haben sich Franzis und Softmaker Rechte an den Umrissen der Digitalisate gekauft. Analog bei Berthold, hier existiert eine amerikanische Firma gleichen Namens, die die Rechte an den Umrissen und Namen (Akzidenz-Grotesk!) hält, Franzis und Softmaker haben wieder nur die Umrisse und Phantasienamen.

    Deshalb gibt es auf diesen 1800-Schriten-CDs auch nur gut abgehangene Klassiker, die auch allmählich ihr Alter zeigen. Es gibt keine Unterstützung für OpenType-Features, keine exotischen Zeichensätze, kein Hinting. Es sind im Grunde nur die alten Type1-Fonts, umgewandelt nach Truetype (mit Verlusten), mit allen ihren Einschränkungen.

    Ein kleines Detail noch am Rande: Ende der 90er hat URW++ dem GhostScript-Projekt (eine freie PostScript-Implementierung) die 35 Core-PostScript-Fonts geschenkt, da sie richtig erkannt haben, daß diese aufgrund ihrer ubiquitären Verbreitung nur noch wenig Geld bringen. Die Umrisse hatten sie, wie oben erwähnt, alle noch aus den Digitalisierungen der 70er und 80er, nur die Namen mußten geändert werden. Die Palatino aus diesem Paket (URW Palladio) hat Hermann Zapf persönlich mit Peter Karow (damals URW, später bei Adobe Indesign) überarbeitet.

    Aus diesen Fonts sind dann die, in einem früheren Kommentar schon erwähnten, TeX-Gyre-Fonts entstanden. Diese besitzen echte Kapitälchen, Mediävalziffern und erweiterte Akzente für osteuropäische Sprachen.

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