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Gerrit, 09.05.2007

EIN MUSS: DAS VERSALE ß. Oder nicht?

Im Fontblog tobt gerade eine gar spannende Schlacht um das Für, Wieder und das Wie in Sachen Versal-ß. Auslöser ist die geplante Aufnahme des ß als echten Großbuchstaben in den Unicode. Und da fühlen sich die ewigen Bewahrer der typografischen Regeln natürlich gehörig auf den Schlips getreten, denn Veränderungen an bestehenden Regeln darf es natürlich nicht geben!

Bullshit, oder? Die typografische Realität kennt seit Jahrhunderten den Versalsatz, und genau hier trifft man auf das blöde Problem mit den Eigennamen – Man kann schlicht nicht erkennen, ob jemand nun Weissweiler oder Weißweiler heißt, wenn man nur »WEISSWEILER« sieht. Da liegt es nahe, diesen Umstand zu beseitigen, wie man schon hunderte Male zuvor hunderte anderer Probleme pragmatisch beseitigt hat. Eine neue Glyphe muss her, ein Versal-ß. Wie das genau aussehen soll, darüber kann man gerne geteilter Meinung sein. Dass es sowas eigentlich endlich mal geben muss, steht für mich außer Frage.



(Graphik geklaut von Signographie)

30 Kommentare

  1. trm am 9. Mai 2007 #

    klasse Idee!

    jene in officina serif, andorn und galliard gefallen mir.

  2. Cassiel am 9. Mai 2007 #

    Die Entscheidung über ein Versal-ß überlasse ich lieber den Profis. Ich möchte jedoch anmerken, dass in allen von dir gezeigten Beispiele das Eszett aus der Reihe tanzt und typografisch ziemlich deplatziert wirkt. Vielleicht ist es auch einfach nur ungewohnt für’s Auge.

  3. Lars Krahl am 9. Mai 2007 #

    Ich sehe es ähnlich wie Cassiel . Zwar bin ich weissgott kein Profi in der Typografie, rechne mir aber ein halbwegs akzeptables Gespür für »schöne« Schrift zu. Das ß ist und bleibt für mich ein exklusiver Kleinbuchstabe und eine »Regeländerung« würde ich in diesem Fall wahrscheinlich nicht übernehmen.

  4. Daniel am 9. Mai 2007 #

    Ich meine, man muss da zu einer ganz neuen Form kommen. R ist nicht gleich r und B nicht gleich b.

  5. Daniel am 9. Mai 2007 #

    Es ist sehr ngewohnt, daher ist klar, dass es für Verwirrung sorgt. Ich warte mal ab, finde die Idee und Absicht aber grundsätzlich sehr gut und richtig.

  6. Thomas Schürmann am 9. Mai 2007 #

    Ich würde mir auch ein neu geschaffenes Zeichen wünschen. Obwohl das bei der speziellen Zeichenform nicht so leicht fallen dürfte.

  7. Marcel am 9. Mai 2007 #

    Pro Versal-ß. Damit wären viele Probleme vom Tisch. Besser ein offizielles Versal-ß anstatt weiterhin von »ß« in GROßBUCHSTABEN verfolgt zu werden. Schließlich gibt es immer noch genug, die es einfach nicht kapieren, dass es kein Versal-ß gibt ;-)

  8. FreeJack am 9. Mai 2007 #

    braucht kein mensch, da nimmt man rotis und meidet stilecht die versalien … ;-)

  9. Alex am 9. Mai 2007 #

    In Futura sieht das ß eher aus wie ein BETA

  10. Jörg L. am 9. Mai 2007 #

    Man sieht diesem Buchstaben doch sehr an, dass er aus einer Ligatur zweier altmodischer Formen für ‘s’ und ‘z’ entstanden ist. Warum kann man ihn nicht mehr durch »sz« ersetzen? Das Doppel-s macht nicht so viel Sinn, also ändern wir das gleich mit. Ist doch konsequenter.

    Und nun hätte ich gern ein Smiley, dass allen die Zunge herausstreckt. Und nicht heraußtreckt.

  11. risottodirk am 9. Mai 2007 #

    SATZ MIT VERSALIEN IST EINFACH BESCHEUERT: SO WAS BRAUCHEN NUR JURISTEN UND BEAMTE UM SICH AUFZUPLUSTERN UND ZU DROHEN. LESEN WILL MAN DAS NICHT.
    ——————
    Satz mit Versalien ist einfach bescheuert: So was brauchen nur Juristen und Beamte um sich aufzuplustern und zu drohen. Lesen will man das nicht.

  12. neolith am 9. Mai 2007 #

    FreeJack – das, was die Medien in diesem Land nicht brauchen, sind noch mehr Gemeine in Rotis … ;)

  13. Gerhard am 9. Mai 2007 #

    Die Umsetzung bei Andron ist mein Favorit.

  14. Simon Wehr am 9. Mai 2007 #

    FreeJack hat aber recht: wer konsequent die rotis benutzt, sollte eigentlich auch die konsequenz ziehen und auf versalien im generellen verzichten  …
    Und ich habe zwar große Mühe mit einem Versal-ß im genannten Beispiel führt das aber immer zu Ärger, da irgendjemand auf die blöde Idee gekommen ist, in Personalausweisen gaaanz viel Versalsatz einzuführen und jemand anderes im Umkehrschluss auf die blöde Idee gekommen ist, dass wenn ß ZU SS WIRD, DASS DANN AUCH SS zu ß wird  …

  15. Gustav Ostner am 9. Mai 2007 #

    @Jörg L.
    das ß ist eben nicht aus s und z entstanden, sondern ist eine Kombination (ursprünglich eine Ligatur) aus »langem s« und »rundem s« also eigentlich ein doppel-s und kein ß. Das »lange s« – sah ein bisschen aus wie ein kleines f ohne den Querstrich – musste in Fraktur/Textur und auch in der alten deutschen Handschrift (Kurrent / Sütterlin) an gewissen Stellen in der Silbe anstatt des »runden s« verwendet werden. Da diese Schriften nicht mehr verwendet werden, wäre es nur konsequent, das ß ganz abzuschaffen – es sieht nicht nur in Versalien wie ein Fremdkörper aus, und die Schweizer kommen schon längst ohne ß aus.

  16. Jörg L. am 10. Mai 2007 #

    Kennst Du Dich da aus?
    Ich bin kein Fachmann, aber für mich sieht ein ß gerade in Fraktur noch mehr nach sz aus. Da gibt es nicht nur das lange s, sondern eben auch das z, das ähnlich einer 3 aussieht. Ein s, das in Richtung eines Fragezeichen gebogen wäre, ist mir dagegen unbekannt.f

  17. Boris am 10. Mai 2007 #

    So lange wir das SZ bzw. das Doppel-S haben, sollte es auch eine versale Form davon geben. Und wie ich sehe, gibt’s sogar durchaus ansehnliche Umsetzungen.
    (Andere Schriften haben kleines Zeugs unten an Buchstaben dranhängen oder Krempel darüber, und das ist auch im Unicode realisiert. Warum also sollen wir auf unser scharfes S verzichten?)

  18. Jörg L. am 10. Mai 2007 #

    Nur sollte es dann nicht aussehen wie eine Ligatur aus zwei Gemeinen.

  19. Thomas Fö am 10. Mai 2007 #

    Ich greife mal Daniels Aussage auf und liefer’ hiermit meinen Vorschlag für ein Versal-ß, also eine neue Form:
    http://img219.imageshack.us/my.php?image=versalszzi6.png

    Nur so als Idee …

  20. Mirko Gustony am 10. Mai 2007 #

    Schafft das ß ab! Ersetzt es durch hs. Zeit für eine echte Reform der Rechtschreibung …

  21. Lena Weissweiler am 10. Mai 2007 #

    Das ß darf auf keinen Fall in den Versalsatz, denn es wird von fast allen (nicht Deutschen) als B gelesen. Deshalb bin ich für ein tolles neues Zeichen, was unverkennbar ein goßes ß ist.
    Es kurbelt die Wirtschaft an, die Schriftgestalter haben wieder was zu tun, und ich würds natürlich kaufen, wenn ich Weißweiler heißen würde …

  22. Rechtschreiber am 11. Mai 2007 #

    ... und bei den Fontbuden würde es rappeln.
    ich finde alle Entwürfe befremdlich – kommen sie dem gemeinen ß doch sehr nahe und bleiben im Versalsatz fremd.
    Die Ökonomisierung unserer Sprache im Laufe der Zeit, ist gekennzeichnet von der Aufgabe vieler Worte, Wendungen und Ausdrucksformen. Ich glaube eher, wir werden auf das ß im normalen Gebrauch irgendwann verzichten. Noch sind die Rechtschreibe- und Kulturhüter davor.

  23. Tim Tepaße am 11. Mai 2007 #

    Mich freut es natürlich, namensbedingt. Allerdings werde ich wohl noch lange keinen Vorteil daraus ziehen. Idealerweise kommen erste praktikable Schriftentwürfe bevor das Innenministerium sich auf ein Layout für den geplanten neuen Personalausweis einigt; für wahrscheinlicher halte ich es aber, dass meine möglichen Erben in gehofft frühstens Jahren einen Steinmetz nerven werden.

  24. typneun_ms am 11. Mai 2007 #

    @Lena Weißweileer/Weissweiler (??): Yep, genau das ist der springende Punkt in dieser Debatte – die Lesbarkeit. Und da lesen nicht nur »Deutschsprachen-Fremde« ein großes B, sondern auch ich (der schon 31 Jahre in Deutschland lebt). Ergo: entweder so belassen wie bis jetzt (mit Doppel-S) oder ein »extrem versales« scharfes S.

  25. Dentaku am 11. Mai 2007 #

    Ich stimme auch für konsequente Kleinschreibung oder SZ. Ich frage mich aber schon länger, ob Deutschland nicht auch mit 2*26 Buchstaben (und ae, oe, ue, sz) leben könnte (?).

  26. ellen feiss am 11. Mai 2007 #

    Das Problem ist, dass das Eszett eben eine Ligatur aus zwei Kleinbuchstaben ist: dem langen und dem runden s. Ein langes S für Versalien gibt es nicht. Auch wenn ich zwei oder drei der Beispiele ganz interessant finde, ist das Versal-Eszett für mich doch ein unangenehmer Fremdkörper.

  27. Markus am 14. Mai 2007 #

    Mmh, so ein versales ß sieht schon sehr ungewohnt aus. Am besten sollte man ganz auf Versalien verzichten.

  28. preusss am 15. Mai 2007 #

    So ein kleines e schaut auch komisch aus. Manche könnten es für ein durchgestrichenes o halten, bei dem rechts etwas unter dem Strich fehlt – vor allem, wenn es chinesische Ausländer sind, die unsere Schrift nicht kennen. Ich würde es in dem Zusammenhang auch mit abschaffen, zumal es auch zum E keine Entsprechung hat …

  29. Woolf am 15. Mai 2007 #

    Ich bin grundsätzlich auch dafür das ein Versal-ß her muss. Warum kann man in einer modernen Gesellschaft, wo quasi alles einer Modernisierung und Weiterentwicklung unterzogen ist, nicht auch mal Regeln der aktuellen Zeit anpassen? Tradition ist schön, Zukunft ist schöner.

  30. Karsten am 16. Mai 2007 #

    Der Versalsatz ist für mich kein Argument für ein großes ß. Versalsatz sollte immer die Ausnahme sein. Er dient der Betonung und das kann man im Zweifelsfall auch anders lösen.

    Das Argument mit den Eigennamen zählt für mich auch nicht: Der Name des Künstler Sol LeWitt verliert versal auch seine Eigenheit. Eigentlich sollte man Versalsatz bei Eigennamen vermeiden  …

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