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Gerrit, 16.01.2011

Die Sache mit Chrome und H.264

Aus irgendeinem Grund erfordert diese ganze Chrome/H.264-Geschichte offenbar, dass man sich als engagierter Webentwickler entweder dafür oder dagegen positioniert. Eigentlich verrückt! Vielleicht versuche ich aber mal, die ganze Sache halbwegs neutral zu betrachten und ein paar Aspekte so zusammenzustellen, dass man mir nicht sofort Apple-Hörigkeit unterstellt. In dieses Minenfeld begibt man sich nämlich zwangsläufig, wenn man über Videocodecs im Web spricht.

Zunächst einmal: Fast jeder Webentwickler würde aus vollem Herzen einen lizenzfreien Videocodec als echten Webstandard begrüßen! Was wir brauchen, ist eine Art PNG für Video1 also eine wirklich freie Spezifikation für ein Format, dass von allen Browsern unterstützt wird, und für das von keiner Partei Lizenzkosten bezahlt werden müssen. Und wenn dieses Format dann auch noch technisch auf der Höhe ist – umso besser!

Nun sieht die Lage bei den Videocodecs (und speziell WebM) ein wenig anders aus als bei den Bildformaten. Deutlich komplexer, um genau zu sein, denn es spielen viele zusätzliche Faktoren eine Rolle:

1) Zum Zeitpunkt, an dem WebM gestartet ist, konnte sich das proprietäre lizenzpflichtige Konkurrenzformat MPEG-4/H.264 bereits sehr fett am Software- und Hardware-Markt breitmachen. Andere Formate wie FLV, WinMedia oder Real spielen quasi keine Rolle mehr, und WebM beginnt nun bei absolut Null!

2) Um Videos auf mobilen Geräten abzuspielen, benötigt man zwingend eine echte, leistungsfähige Hardware-Beschleunigung. Wenn ein ARM-Prozessor das in Software machen soll, ist die Batterie in wenigen Minuten leergesaugt – die VLC-App, die es ein paar Tage lang im AppStore gab, bewies dies eindrücklich. Derzeit existieren keine Hardware-Decoder für WebM, was sich aber im Laufe der nächsten Monate ändern kann. Der mobile Markt ist inzwischen – das bestreitet keiner – enorm wichtig!

3) Niemand kann mit Sicherheit sagen, wieviel Software-Patente in WebM stecken, die derzeit noch nicht geltend gemacht werden. Keine Frage: Software-Patente sind übel, und es macht mich persönlich betroffen, dass man sich über diesen Mist Gedanken machen muss. Tatsache ist aber, dass nicht mal das schwer reiche Google, welches nun mit seinem jüngsten Schachzug das WebM-Format nach vorne bringen möchte, eine echte Garantie für die Patentfreiheit von WebM aussprechen möchte.

Da sitzen wir nun. Der Wechsel von jetzigen de-facto-Standard H.264 zu einem offenen WebM-Standard ist lang und steinig, soviel dürfte klar sein.

Der Startpunkt meiner Prognose ist nun, dass der normale User von der jüngsten Chrome-Veränderung quasi nichts mitbekommt: Das Flash-Plugin ist ja weiterhin vorhanden und kümmert sich nun um allen H.264-Content, der von zukunftsbegeisterten Webentwicklern mit dem Video-Element eingesetzt wurde. (Wer derzeit video ohne Flash-Fallback einsetzt, ist fern jeder Realität.) Die Prozessorlast geht mit Flash unter Umständen ein wenig rauf, aber da Chrome ja ein reiner Desktop-Browser ist, fällt das kaum ins Gewicht. Außerdem wird auch die Hardwarebeschleunigung von Flash immer besser, so dass es auf dem Desktop wirklich keinen großen Unterschied macht. Alles bleibt wie bisher: Das Standardformat kann H.264 bleiben, die Videos werden mit Flash abgespielt, außer unter Internet Explorer 9 und Safari, wo das nativ mit HTML5-Bordmitteln funktioniert. Für mobile Geräte muss es sowieso bis auf weiteres H.264 sein, denn hier kann man nur mit einem Austausch der Hardware eine WebM-Kompatibilität herstellen. Also abwarten, bis alle iOS-, Android- und WinPhone7-Geräte vom Markt sind und durch WebM-fähige Nachfolger ersetzt wurden …

Firefox, Chrome und Opera könnten zwar theoretisch bereits heute WebM-Videos abspielen, aber kaum ein Videoanbieter außer Google/YouTube hat Lust, einen großen Switch zu machen, weil doch derzeit alles so wunderbar mit H.264 funktioniert!

Soweit die traurige Zukunftperspektive. Doch wird es wirklich so kommen? Wie groß ist eigentlich der »Leidensdruck«, irgendwann auf die Flash-Fallbacklösung zu verzichten? Und wie lange wollen wir das H.264-Format noch »dulden«? Für die meisten pragmatisch denkenden Menschen sind das sehr seltsame Fragen. Mal ganz ketzerisch: Flash stört doch als Videoplayer für den Desktop nicht sonderlich, und Videoformate aus rein ideologischen Grunden abzulehnen, liegt den meisten Menschen fern.

Wie schaffen wir es, von einer 99% H.264-beherrschten Welt zu einer WebM-dominierten Welt zu wechseln? Wie soll man den Aufwand begründen, alle etablierten Workflows zu verändern? Die Menschen sind träge! Und technisch wird das schwer zu vermitteln sein: Die beiden Formate sind etwa ebenbürtig. Kostendruck seitens der Verbraucher gibt es ebenfalls nicht: Die Lizenzkosten für H.264 stecken in den Anschaffungskosten des Betriebssystems drin und tun nicht weh. Selbst Anbieter von Videoplattformen kommen ohne Kosten davon, wenn ihre Videos gratis angeboten werden. Bei Bezahlvideos lassen sich die Kosten über den Kaufpreis wieder reinholen. (Aber haben wir nicht eh eine Kostenloskultur?) Die einzigen Parteien, die bei H.264 bluten müssten, sind die Browserhersteller. Und hier kursieren auch ein paar Gerüchte, die so nicht haltbar sind. Mag sein, dass Mozilla etwa 7 5 Millionen Dollar jährlich für die Lizensierung von Firefox zahlen müsste. Doch da die Mozilla Foundation Dank der Google-Suche finanziell nicht übel dasteht, wäre das zu verkraften. Dass die Lizenzkosten irgendwann versiebenfacht werden, ist hingegen klar ausgeschlossen: In den Lizenzbedingungen steht, dass der Betrag nur alle fünf Jahre um maximal 10 Prozent angehoben werden kann. Einzig Opera würde eventuell echte Schwierigkeiten bekommen. Wobei man sich eh fragen muss, wie diese Firma überhaupt all die Jahre überleben konnte. Andererseits: Derzeit zahlt ja sogar Adobe die Lizenzkosten für Mozilla und Opera. Zwar indirekt über das Flash-Plugin, aber immerhin.

Ich behaupte, dass es für eine Transition von H.264 zu WebM, so wünschenswert sie wäre, zu spät ist! Es ist nicht abzusehen, dass ein nennenswerter Leidensdruck entsteht, der es für die Masse der Videoanbieter, Chiphersteller, Pluginanbieter und Browserhersteller notwendig macht, entsprechende aufwändige Maßnahmen zu ergreifen. Meint ihr wirklich, dass Google seinen Android-Hardwarehersteller vorschreiben kann, die neuen WebM-Chipsets zu verwenden, auf H.264 zu verzichten und damit alle Webvideos außer YouTube unabspielbar zu machen? Nein, eventuell wird es duale Chipsätze geben, die beide Codecs können. Genauso wie alle guten Browser beide Videoformate abspielen können sollten. Ohne Flash! Damit wäre uns mehr geholfen.

Zusammenfassen glaube ich, dass einfach nicht viel passieren wird – so meine nüchterne Prognose. Die einzige Firma, die es eigentlich in der Hand hätte, die Dinge radikal zu verändern, wäre ironischerweise Adobe! Nur wenn sie die H.264-Unterstützung in Flash fallen ließe, würde vieles wie ein Kartenhaus zusammenbrechen! Wie realistisch mag das sein? Darüber könnt ihr ja in der nächsten Halbzeitpause mal ›ne Viertelstunde drüber nahdenken. Viertelstunde? Schafft ihr schon!

1 Was ist eigentlich mit JPG und MP3? Auch nicht gerade das, was man Open-Source-Software nennt. Diese sind aber in Chrome enthalten. Oder greift man hier auf OS-Ressourcen zurück? Wer weiß es? Die Klasse?

24 Kommentare

  1. Willi am 16. Januar 2011 #

    Hardware-Unterstützung gibt es nur bei H.264. Produktions-Workflows sind auf H.264 optimiert. Bei kostenlosen Webvideos fallen keine Lizenzkosten für die Betreiber an und bei kostenpflichtigen Webvideos können sie über die Einnahmen wieder hereingeholt werden, falls das Webvideo nicht sowieso eine Zweiverwertung eines anderen Mediums ist.

    Kurz gesagt: H.264 ist unersetzbar. Ob irgendwann mal Hardware-Decoder für WebM erscheinen mögen (hat ja bei Ogg Vorbis so wunderbar geklappt), ist irrelevant, denn alle mobilen Geräte der letzten x Jahre unterstützen nur H.264. Und Adobe wird H.264 im Flash-Player garantiert nicht fallen lassen, die stecken da mindestens so tief drin wie Apple (Beispiel kostenpflichtige Streaming-Dienste über Flash). Wäre WebM wesentlich besser als H.264, dann wäre so eine Entwicklung eventuell noch denkbar. Es ist aber nicht besser, sondern sogar etwas schlechter.

    Ich sehe die zukünftige Entwicklung folgendermaßen: H.264 bleibt der Standard, serviert als HTML5-Video oder Flash-Video, und WebM wird eine exotische Ergänzung auf wenigen Seiten wie Wikipedia sein.

    Googles Entscheidung schwächt nicht H.264, sondern HTML5-Video.

  2. Maik am 16. Januar 2011 #

    MP3 und AAC haben sie mutmaßlich bezahlt, bin gespannt, ob die auch raus fliegen. JPEG hat keine Patentprobleme mehr. Du verwechselst es vielleicht mit JPEG 2000, das haben sie aber nicht drin.

    MP3 und AAC finde ich übrigens wesentlich plausibler, wenn man Google der Heuchelei bezichtigen will, als den Verweis darauf, dass sie weiterhin Flash mit dem Browser ausliefern.

    Die Patent-Argumente sind etwas windig. Erstens sind sie schwach, denn es gibt mit ziemlicher Sicherheit keine Problempatente auf VP8. Zweitens kann man sie zwar als Argument gegen VP8 nehmen, aber wenn man daraus dann ein Argument für H.264 basteln will, wird es völlig absurd. VP8 könnte patentbelastet sein…darum sollten wir ein Format nehmen, von dem wir sicher wissen, dass Patenttrolle den Daumen drauf haben? Genausogut könne man sagen: Mobiltelefonstrahlung könnte krebserregend sein, darum sollten wir alle mehr rauchen.

    Der Hinweis, dass Google keine Haftungsübernahme für Patentansprüche Dritter gewährt, lässt sich auch umdrehen und gegen H.264 richten, das tut die MPEG-LA nämlich auch nicht. Es kann einem bei H.264 genauso passieren, dass plötzlich jemand mit einem Patent auftaucht und die Hand aufhält – zusätzlich zu dem, was man schon an die MPEG-LA abgedrückt hat.

    Zum Abschluss, du hast erfolgreich vermieden, in hirnfreies Apple-Fangirltum abzurutschen, und im Wesentlichen sachlich argumentiert. Ich gratuliere. ;-)

  3. Peter Kröner am 16. Januar 2011 #

    Seufz. Wenn die Pro-H.256-Fraktion mit Pragmatik und Machbarkeit und es-ist-ja-schon-da argumentiert, wäre ich an pragmatischen Finanzierungsvorschlägen für kleinere Projekte und Firmen wie Mozilla und Opera interessiert. Ich denke nicht dass die beiden je 7% ihres gesamten Jahresumsatzes für die Codec-Lizenz opfern könnten, selbst wenn sie wollten. Von noch kleineren Projekten mal zu schweigen. Aber da kommt ja nie was. Ich würde ja selbst ein „dann machen die halt alle pleite“ als Antwort akzeptieren!

    Dass dieses ganze Geschwafel von wegen Open Web und so großteils PR-Bullshit ist, braucht nicht bezweifelt zu werden.

  4. Kai am 16. Januar 2011 #

    Für den Endnuzter spielt das doch überhaupt keine Rolle, welcher Codec jetzt wie, und unter welchen Bedingungen, sein Video abspielt.
    Hauptsache es kostet nix und der Akku hält lange.
    Für uns Entwickler, und bei aller Ideologie, spielt doch die Bequemlichkeit eine große Rolle. Wir haben doch schon genug Probleme, und dann kommt Google mit sowas um die Ecke, aber:

    Letztlich stehen wir in der Pflicht. Sich über mangelnde Unterstüzung diverser Technologien zu beklagen ist eine Sache, die andere ist, dass all die Web Entwickler dieser Welt die Wahl haben und die Entscheidung treffen, und auch damit Gegenwart und Zukunft bestimmen.
    Das Argument gegen (potentiell) restriktive Technologien ist nicht das »Jetzt« und vermutlich auch nicht nächstes Jahr.
    Wer an dieser Stelle nicht langfristig denkt, behindert seine Zukunft eventuell selbst.
    H264 Lizenzfragen sind bis Anno 20XX (sorry, die Zahl nicht zur Hand) geklärt, Verträge sind aber eh Schall und Rauch und wenn jemand Morgen auf die Idee kommt diese Abmachung zu brechen, dann….ja, dann ist das eben so.

    Ich habe keine Weltverbesserer-Ambitionen, denke aber auch, der Weg des geringsten Widerstands ist nicht notwendigerweise der Bessere, Kunden/Useability und all das Zeugs hin oder her.

    Einerseits reden alle von Open-Web, Freiheit und sonstwas, anderseits hat jeder die Möglichkeit aktiv, ohne tatsächlich viel Aufwand, an der Entscheidung teilzunehmen. Das Thema hier ist Privatwirtschaft, letztlich werden die Unternehmen der Nachfrage folgen.

    Daher denke ich durchaus, dass Google bei diesem Schritt wesentlich weitergedacht hat, als es die meisten Kritiker jetzt tun. Google hat ja auch kein Interesse daran, in dieser Dekade das Geschäft auszulösen, denn es geht um Geld, und das für uns alle irgendwie.

  5. knalli am 16. Januar 2011 #

    @2: Seit wann gehört die MEPG-LA zu den »Patenttrollen«? ›tschuldigung, aber man mag zu Softwarepatenten unterschiedlich stehen (andere Diskussion, kurz: ich bin auch gegen Trivialpatente), aber »Patenttrolle« sind ein anderes Kaliber. Es ist ja nicht so, als wäre ein Videocodec ein One-Click-Button. In einem guten Codec steckt einiges Arbeit. Es ist nun mal gar nicht so einfach, ein patentfreien, und dennoch guten Codec zu schreiben. Das in den Codecs sicherlich das eine oder andere Patent steckt, welches nun wirklich nicht »sein muss«, ist etwas anderes. Allerdings wird es sowas sicher auch in VP8 geben. Beide (On2/Google und MPEG-LA) wollen sich auch nur schützen — und bei der bes*** Patentsituation ist das leider auch notwendig. Willkommen im Teufelkreis.

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    @3: Das ist ja das Dilemma an der ganzen Sache. Gäbe es darauf eine Antwort, dann wäre die ganze Geschichte ja nicht so kompliziert.

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    Man sollte auch nicht vergessen, dass der ach-so-tolle offene neu-gelabelte webM-Codec ursprünglich ein kommerzieller, proprietärer Videocodec war. Nicht der Erwerb durch Google, sondern das Release mit einer Open Source Lizenz hat den Codec zumindest allen öffentlich zugänglich gemacht. Das »open« entfaltet sich erst gerade, eine Community ist im Aufbau, Optimierungen stehen noch an. Selbstverständlich ist hier »Open Web« nur PR-Bullshit.

    Und dann macht da auch noch Adobe mit: Ist doch klar, dass denen bei HTML5-Video der Arsch auf Grundeis geht. Im Bereich Pay-Video und Streaming werden sie weiterhin ihr Quasi-Monopol beibehalten, aber die reinen »casual videos« entgleiten ihnen so langsam. Einen Codec nicht zu integrieren, kann sich Adobe doch gar nicht erlauben. Sie würden – egal welchen Codec! – die ganze Entscheidung nur beschleunigen. Und das kann nicht im Interesse von Adobe sein.

    Das wirklich interessante liegt eigentlich in der Entscheidung von Google: Warum haben sie das gemacht? Was würde Google denn wehtun, wenn sie weiterhin H.264 unterstützen würden? Das Geld spielt bei Google nun wirklich keine Rolle. GoogleTV ist noch nicht mal verfügbar und basiert (auch) auf H.264. Android-Smartphones können H.264. Alleine ein eigener Codec, denn sie technisch verwalten. Wenn ich jetzt fies wäre, was ich aber nicht bin, dann könnte ich jetzt mal unterstellen, dass Google nur den eigenen Codec stützen will. Für mich zählt es als technischer Nachteil, wenn man in einer Situation von HTML5-Video zu Flash downgraden muss.

    Ich bleibe auch bei der Prognose: Es wird sich erstmal nichts ändern. Wieso auch immer sollte irgendein Content-Betreiber jetzt nicht mehr H.264 nutzen wollen? Es hat für ihn auch nach Googles Entscheidung überhaupt keinen Nutzen, ja noch schlimmer: Er muss es sogar nutzen (wie im Artikel genannt: sämtliche mobilen Abspielgeräte, und von den Uploads in H.264 mal zu schweigen).
    Chrome Surfer werden daher (ich schätze mal, ab Chrome Version 10?) Flash Player sehen, wo Safari, IE9, ggf. Firefox (Windows7+MS-Plugin) und nahezu alle mobilen Endgeräte »nativ« HTML5-Video sehen. Na herzlichen Glückwunsch. Dafür ist er Open mit MP3 und Flash. Wenn man versucht, dass jemanden zu erklären, der von IT und Open keine Ahnung hat.. der wird einen nicht verstehen. Und irgendwie kann ich es demjenigen auch nicht verübeln.

    Erst wenn eine kritische Masse webM-compatible Devices erreicht wird, dann wird sich überhaupt ein Betreiber daran setzen. War doch im Übrigen bei Apple/H.264 nichts anderes: Ein Teil der Videobetreiber hatte schon H.264 (die hatten es demnach mit einer »iPhone-Version« natürlich super einfach), der Rest ist dann ganz schnell nachgezogen. Wohl hätte man eh irgendwann auf H.264 umgestiegen, aber der eine oder andere hätte es sicher gerne noch ein paar Jahre hinausgezogen.

    Beispiel: Was hätte es für ein kollektives Entrüsten gegeben, wenn Apple fortan (und nachträglich) nur noch einen Codec ohne jegliche internationale Standardisierung (sic!) nutzen würde? Den Codec mitsamt Spezifikation würden sie zwar auch unter Open Source stellen und damit »open« deklarieren. Aber selbstverständlich würde ihn außer ihnen selber kaum einer unterstützen.
    Wenn Google das macht, ist das jedoch etwas ganz anderes.

    Das letzte Beispiel ist übrigens bewusst zweideutig gemeint: Bei Apple hat sich gezeigt, das »krasse« Schritte erfolgreich sein können. Das könnte hier auch sein.

  6. Gerrit am 16. Januar 2011 #

    »Die machen halt alle pleite« wäre meine spontane Antwort gewesen. Ansonsten hätte ich gesagt: »Die nutzen halt alle die H.264-Implementation des Betriebssystems mit.« Jaja, das gilt nicht für Linux, schon klar, aber unter Windows und MacOS, sowie unter Smartphone-OSen ist doch H.264 eh als Ressouce verfügbar.

  7. molily am 17. Januar 2011 #

    »Die nutzen halt alle die H.264-Implementation des Betriebssystems mit«

    Auf diese naheliegende Idee sind die Browserhersteller sicher auch schon gekommen. Offenbar haben sie sich durch die Bank dagegen entschieden. Kein Windows-Browser außer IE, kein Mac-Browser außer Safari nutzt die Systembibliotheken. Weiß jemand, welchen Grund das hat?

  8. Willi am 17. Januar 2011 #

    @molily: Ich schätze, dass bei Opera und Firefox die Plattformunabhängigkeit dagegen spricht, Systembibliotheken zu verwenden. Gerade bei Firefox wäre es doch undenkbar, wenn die Windows- und Mac-Versionen am Ende mehr könnten (H.264 abspielen) als die Linux-Version.

    Ich glaube aber, dass auf bestimmte Plattformen zugeschnittene Browser wie Camino schon stärker auf Betriebssystem-Ressourcen zugreifen. Genaueres weiß ich darüber aber nicht.

    Hier ist übrigens immer wieder vom „open web“ die Rede. Was ist damit eigentlich genau gemeint? Nach meiner Auffassung ist der Grundgedanke der, dass jeder Zugriff auf die Spezifikationen hat und dadurch am Web mitwirken kann, nicht dass jeder alles kostenlos und unverbindlich nutzen kann. H.264 ist ein offener Standard, es ist nur kein lizenzfreier Standard.

  9. Runa am 17. Januar 2011 #

    Fünf Millionen sind doch kein Sümmchen im Vergleich zu den Kosten, die Webseitenbetreibern entstehen, weil sie jedes Video doppelt und in Zukunft im schlimmsten Fall sogar dreimal speichern müssen.

    Das ist die Frage, die uns als Video-Webseite umtreibt. Was sollen wir im Jahr 2011 machen, haben wir uns gefragt. Wir sind vor sieben Monaten auf HTML5 umgestiegen und hatten zunächst H.264 und Ogg Theora parallel. Ich möchte Gerrit darin widersprechen, daß es realitätsfern sei, dies ohne Flash-Fallback durchzuziehen. Wir haben an unseren Serverstatistiken verwundert festgestellt, daß es keinen einzigen IE-User gab, der nicht den Ersatzlink angeklickt hätte. Für Seiten mit Unterhaltungsvideos, die man sich im Vorbeisurfen ansieht, ist das natürlich keine Lösung, aber sobald IE9 raus ist, sehe ich keinen Grund, an Fallbacks festzuhalten.

    Mit dem Flash-Fallback haben wir erst vor einigen Wochen angefangen, weil uns der Speicherplatz zur Neige ging. Das Fallback präsentiert das H.264-Video für Firefox-Zuschauer. Aber es ist gruselig, deshalb haben wir uns jetzt lieber einen Server gemietet und kehren zu Ogg Theora zurück. Für Screencasts ist die Qualität ganz gut.

    Was WebM angeht, da verweigere ich jede webpolitische Diskussion, weil die Bildqualität unter normalen Produktionsbedingungen selbst bei einfachen Bildstrukturen nicht akzeptabel ist. Ich werde auch Chrome aufgeben, wenn H.264 damit nicht mehr abspielbar sein wird.

    Wer sich den Farbbrei bei WebM mal ansehen will: goo.gl/Ngubh (drittes Video im Vergleich).

    Für uns kommt als Faktor noch hinzu, daß wir unsere Videos als Podcast anbieten, den die Hälfte der Zuschauer über iTunes abonniert haben. Von H.264 können wir uns also nicht verabschieden.

  10. erlehmann am 17. Januar 2011 #

    Ich bin sicher ganz kein Experte für <a href=»https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Digitaler_Signalprozessor«>digitale Signalprozessoren</a> — aber ich habe da eine starke Vermutung, dass du, Gerrit, es auch nicht bist.

    DSPs sind per Software ansteuerbar, nur deswegen konnte z.B. ein Projekt <a href=»http://www.schleef.org/blog/2009/11/11/theora-on-ti-c64x-dsp-and-omap3/«>Theora-Decoding auf spezialisierte Hardware abladen</a>, die etwa im N900 oder dem Motorola Droid verbaut ist.

    Daher glaube ich: Wer von „WebM-Chipsets“ schreibt, wirft Nebelkerzen. Es gibt für mich keinen Grund, anzunehmen, dass Apple nicht in eine iOS-Version auch WebM-Unterstützung einbauen könnte, gerade weil h.264 und VP8 so ähnlich sind.

    Nun dann, beweist mich falsch.

  11. Gerrit am 17. Januar 2011 #

    Wann gibt’s denn eine Real-Live-Demo dieses ominösen, bereits existierenden Chips, der WebM decodiert? Das sind doch nur Rumhehauptungen, solange das keiner wirklich zeigen kann.

  12. Anselm Hannemann am 17. Januar 2011 #

    Hier wurde angesprochen, dass Flash 10.2 (OS X!) ressourcenschonend und gut Videos abspielt dank guter Hardwarebeschleunigung.
    Was Golem von Adobe.com abschreibt, sehe ich nicht als objektive Meinung. Denn es ist einfach maximal die halbe Wahrheit. Fakt ist, dass der 10.2 Player besser geworden ist. Aber auch, dass er teilweise den gleichen Mist baut und den Akku beim Macbook Pro geradezu »wegsaugt«, die CPU zu glatten 120% auslastet (i5) und das Videogucken dank Lüftergeräusch keinen Spaß mehr macht.

    Da Adobe das scheinbar auch nicht wirklich umfassend lösen kann, finde ich die native HTML5-Video Lösung definitiv die bessere Lösung. Auch wenn man dafür eventuell mehrfach codieren muss.
    Es wird sich auch deshalb in Zukunft immer mehr um CDNs und ähnliche Methoden drehen. Denkbar wäre es ja auch, dass ich im Amazon EC2 einen Task laufen lasse, der mir auf sämtlichen Webseiten, die ich entwickle, alle Videos in H.264 und WebM umwandelt…
    Dies mal aus neutraler Sicht zu WebM und H.264. Mehr zum WebM Thema habe ich beim Peter dazu (Link oben) gechrieben.

  13. Gerrit am 17. Januar 2011 #

    H.264 zu WebM umwandeln ist nur dann eine Option, wenn das Video in sehr hoher Ausgangsqualität vorliegt, und das Endformat deutlich kleiner sein soll. Jede Umcodierung bedeutet Qualitätsverlust.

  14. David am 17. Januar 2011 #

    @erlehmann WebM-Chip(set)s gibt es, bzw. den »Code« dafür: http://www.webmproject.org/hardware/

    Zu deinen DSPs: auch wenn DSPs »per Software ansteuerbar« sind, heißt das noch lange nicht, dass man deren Programmierung noch nachträglich und uneingeschränkt verändern kann. Das von dir angeführte Projekt beweist bestenfalls nur, dass man den Theora Codec in zukünftige Revisionen der Droid und N900 Handys einbauen könnte, ohne die Chips auszutauschen.

    Abgesehen davon, was ist, wenn Apple keinen DSP verbaut hat und stattdessen (so wie WebM) den H.264 Codec als eigenständigen Chip realisiert hat oder z.B. in der CPU untergebracht hat?

  15. Anselm Hannemann am 17. Januar 2011 #

    @David: Angeblich hat selbst das iPhone die Hardware dazu (siehe Peter Kröner Blog-Kommentar #32). ABER:

    Zitat Anselm:
    Der erste, der mir […] das Gegenteil beweist und mir (heute noch!) auf einem neu gekauften, unveränderten Smartphone ein WebM Video hardwarebeschleunigt abspielen kann, kriegt von mir auch noch ein Bier dazu…

    @Gerrit: das muss natürlich sichergestellt sein. Umcodieren wollte ich eigentlich nicht ansprechen, sondern einen Task, der Rohdaten (in welcher Form auch immer) in beide Web-Formate (h.264 + WebM) umwandelt.

  16. Maik am 17. Januar 2011 #

    @5, „Seit ihrer Gründung,“ um die Frage wörtlich zu nehmen.

    Die MPEG-LA haut bei jedem neuen Videocodec eine Pressemitteilung raus, die sich zusammenfassen lässt als „Hey! Ihr verletzt unsere Patente! Aber wir verraten euch nicht, welche Patentnummern.“ Das ist klassische Rumtrollerei. Die Meldung wird dann alle paar Wochen wiederholt.

    Nun kann man nicht ausschließen, dass ein neuer Codec tatsächlich an einem oder mehreren ihrer Patente kratzt. Aber dann sollen sie gefälligst vor Gericht gehen, die Patente hinlegen und das beweisen. Darum geht es aber gar nicht – das Ziel ist, dass Leute vorsichtshalber zahlen, weil sie sich nicht sicher sind. Auch und gerade wenn sie eigentlich überhaupt nicht müssten. FUD eben, Patenttrollerei.

    @6, ich kann dir garantieren, wenn sie das versuchen, behauptet MPEG-LA als nächstes, Einbinden von OS-Codecs sei auch eine „Nutzung“ der patentierten Technologien, hier ist die Rechnung. Das mag juristisch Unfug sein, aber das hat die noch nie von einer Taktik abgehalten, und wer sich die Lizenz nicht leisten kann, kann sich einen Prozess gegen die erst recht nicht erlauben.

    @8, „open web“ ist eine Verkürzung. W3C spricht immer von „open and royalty-free“. Eben um die „muss doch nicht immer alles kostenlos sein“-Trolle vor der Tür zu lassen.

    @9, man muss unterscheiden zwischen der Bitstreamspezifikation und einem konkreten Encoder. VP8 sollte Qualität erreichen können, die zwischen H.264 Baseline und Main liegt. Der Referenzencoder tut das allerdings nicht, und ist obendrein reichlich langsam. Einen extrem guten mit einem ziemlich mittelmäßigen Encoder zu vergleichen, ist kein fairer Vergleich der Formate. Dass es derzeit für VP8 noch keinen guten Encoder gibt, ist aber natürlich in der Praxis ein Hindernis.

  17. Retrax am 17. Januar 2011 #

    Hat diese Entscheidung einen Einfluss auf die festgefahrene Diskussion beim W3C hinsichtlich eines Fallback-Codec im Video-Tag in HTML5?

    Wenn WebM (oder eben H.264 Baseline, aber das ist hier ja ein Streitfall,…) endlich als Fallback-Codec vom W3C festgelegt werden würde, dann müssten die anderen Browser-Hersteller wie Apple und MS nachziehen und WebM (oder eben Mozilla, Opera, Google bei H.264) native in ihre Browser integrieren, wenn sie weiterhin standardkonform sein wollen.

    Damit hätten Entwickler eine Grundsicherheit hinsichtlich der Abspielbarkeit, wenn sie Videomaterial auf Webseiten zur Verfügung stellen.

    Ansonsten sehe ich die Gefahr einer weiteren Fragmentierung (wie im Artikel beschrieben), bei welcher letztlich Flash als »Allesplayer«, welcher sowohl H.264 als auch WebM abspielt als Sieger dastehen könnte.

  18. Gerrit am 17. Januar 2011 #

    @Retrax: Naja, das W3C wird den Teufel tun und einen Codec als Standard festschreiben, der mit hohen Lizenzkosten verbunden ist.

  19. molily am 17. Januar 2011 #

    @Runa: Du vergleichst ein 4.787 KB großes WebM-Video mit einem 6.184 KB großen H.264-Video sowie einem 6.864 KB großen Theora-Video. Was kann ein solcher Vergleich aussagen? Wie soll WebM mit 1.3- bzw. 1.4-mal so großen Videos anderer Codecs mithalten? Interessant wäre ein Qualitätsvergleich von drei etwa gleich großen Dateien.

  20. Schepp am 17. Januar 2011 #

    @Gerrit
    Wie David oben richtig sagt: Die WebM-Hardware ist schon lange da:

    There have already been a couple of details from the WebM project that will help deliver this growth – free of royalties to Google (as I mentioned earlier), the backing of some big names and efficient processing. The efficient processing is helped by the fact that the VP8 codec is already optimized for Cortex-A/v7A class processors with the NEON SIMD (Single Instruction Multiple Data) engine. NEON allows the ARM CPU to work on multiple bits of data in parallel, and optimizations for ARM11 processors are also available. With NEON-enabled Cortex-A8 and Qualcomm Snapdragon high-end smartphones shipping today, and dual core Cortex-A9 shipping by the end of the year, there are many devices already on the market that will be able to take advantage of WebM. Today mass market smartphones are enabled through ARM11 processors, and with Cortex-A5 handsets in 2011 (also with NEON).

    @Anselm Hannemann
    Flash 10.2 wird Dir jetzt keinen Vorteil bringen, denn der Gag ist ja, dass deren ressourcenschonenderes Stage Video nur greift, wenn der SWF-Konstrukteur die neuen Video-Abspiel-Befehle nutzt, und der HTML-Konstrukteur dieses SWF dann mit dem Attribut wmode=direct einbettet. Und das ist jetzt noch nirgends der Fall, außer bei dem Demovideo auf der verlinkten Seite. Ich bin mir jedoch sicher, dass die diversen Flash-Player das bald nach dem Release unterstützen werden.

  21. Gerrit am 17. Januar 2011 #

    @Schepp: Den zitierten Text verstehe ich nicht. Ich würde reele Produkte bevorzugen, gerne auch verwackelte YouTube-Videos mit Leistungs-Demonstrationen. Kryptischen Rumbehauptungen genpgen mir nicht. Zeig mir das Endverbraucher-Gerät, dann glaube ich es!

  22. Schepp am 17. Januar 2011 #

    @Gerrit
    Der Text sagt im Prinzip aus, dass zwar nicht alle ARM-Geräte, aber doch alle mit NEON-Coprozessor WebM besonders effizient dekodieren können, was für die meisten Geräte zutrifft. Auch für das iPhone.

    Android 2.3 kann WebM – Ob es sich schlechter schlägt als H.264 bleibt zu testen.

    Desktop-Grafikkarten unterstützen WebM schon lange.

  23. Jeena Paradies am 17. Januar 2011 #

    »Einzig Opera würde eventuell echte Schwierigkeiten bekommen. Wobei man sich eh fragen muss, wie diese Firma überhaupt all die Jahre überleben konnte.«

    Irgendwie klingt der Satz sehr ignorant. Opera hat z.b. in Nigeria nur 8% weniger Nutzer als Microsoft mit ihrem IE. Und in anderen Ländern mit extrem vielen Menschen sieht das ähnlich aus (Indien fällt mir da z.b. ein).

    Mehr http://www.quirksmode.org/blog/archives/2011/01/mobile_browser_1.html

  24. Willi am 17. Januar 2011 #

    Ich glaube das ist eher so gemeint, dass das einzige Produkt des Unternehmens kostenlos angeboten wird und das ein fragwürdiges Geschäftsmodell ist. Wie finanziert sich Opera? Ich vermute durch Kooperationen mit Suchmaschinenbetreibern, aber ich weiß es nicht.

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