Das Weblog kann Spuren von Apple-Begeisterung enthalten.

3 Webdesign-Zutaten

15. April 2005

Was ich schon lange mit mir herumschleppe (im Kopf), ist die Vorstellung, dass ein Webdesigner eigentlich drei Fähigkeiten in sich vereinen muss, um sich wirklich als »Webdesigner« bezeichnen zu können. Zwar kann man auch mit nur einer oder zwei der Fähigkeiten Websites bauen, diese online stellen und auch durchaus erfolgreich sein – wenn man sich und seine Arbeit entsprechend verkaufen kann ;-) Der optimale Zustand ist jedoch, wenn in einem Web-Projekt alle drei Gebiete kompetent einfließen.

Ein reiner Designer macht zwar großartige Augenschmeichler-Layouts, doch die sind oft umständlich zu bedienen, nicht zugänglich und zu vielen Konfigurationen nicht kompatibel. Von Ladezeiten will ich gar nicht anfangen.

Der reine Usability-Experte kriegt eine sinnvolle und einfache Struktur hin. Auf seinen Seiten findet sich jede Information sofort, auch mit Braille-Zeile und Screenreader. Doch leider sind sie oftmals sehr einheitlich und zu grobschlächtig gestaltet.

Der Programmierer baut gerne mächtige Funktionen in seine Seite ein und verwendet pfeilschnelle Servertechnologien, die bis ins Unendliche skalierbar sind. Was jedoch meist gar nicht nötig ist, zeugen seine Seiten doch von einer ausgeprägten Gestaltungsverweigerungshaltung. Und kein Laie besucht gerne Seiten, die zwar theoretisch toll sind, aber es nicht nach außen zeigen.

Das sind die Extremfälle, die in der Praxis zwar nur selten in reiner Form auftauchen, aber die Richtung wird klar. So erscheint es sinnvoll, für größere Projekte Leute dazuzuholen, die sich in den jeweils anderen Gebieten gut auskennen. Fehlt eines der drei Gebiete, kann aus dem Projekt nichts wirklich Herausragendes werden.

Wer kleinere Brötchen backen will und alleine arbeitet, sollte zusehen, auf allen Gebieten dazu zu lernen. Das Netz bietet genügend Ressourcen. So habe ich mir für Loudblog recht flott PHP-Kenntnisse aneignen können, ohne ein einziges Buch erwerben zu müssen. Und auch zu den Themen Usability und Design gibt zahlreiche Blogs und Sites, die man konsultieren kann.

<pathos>
Packen wir es an! Lasst uns keine Fachidioten bleiben, sondern auf allen Gebieten dazu lernen, um unseren Kunden qualitativ hochwertige Internetseiten bieten zu können! Und um das Netz zu einem noch besseren Ort zu machen.
</pathos>

20 Kommentare

  1. Thiemo am 15. April 2005 #

    Wie lernt man »Design«? Gibst du Kurse? ;-)
  2. Jo am 15. April 2005 #

    meine Rede, bekommst ein Bienchen für den Eintrag ;)

    Der sonst stille „Mitleser“,
    Jo
  3. Christine am 15. April 2005 #

    Womit wir wiedermal bei der »Eierlegenden Wollmilchsau« wären.
    Aber es stimmt schon, entweder man leistet sich ein gutes Team (und sucht sich einen Kunden der das bezahlt ;-)) oder man schaut selber, dass man weis, was man eben so wissen muss. Vor einigen Jahren war das ja noch nicht so ein Problem, aber in Zeiten von PHP, XML, ActionScript, W3C, Usability, CSS,... wer soll da noch mithalten??
  4. Gerrit am 15. April 2005 #

    Das stimmt, es ist schwierig, immer up to date zu bleiben, wenn auch noch reale Arbeit ansteht. Aber »Die Zeiten werden härter«, nicht wahr? Ich sehe das positiv: Wer rastet, der rostet. Und sich immer fit zu halten, macht ja auch Spaß, wenn man sich für das Thema interessiert.
  5. Kai Greve am 16. April 2005 #

    Ich finde, die Zeichnung hat einen entscheidenden Fehler: in der Schnittmenge müßte Webseite bzw. Website stehen, also das fertige Produkt. Der Begriff Webdesign wird m.E. oft zuweit ausgedehnt und dadurch ziemlich schwammig. Mir fällt es schwer, an einen Universalisten zu glauben, der gleichzeitig stilsichere Gestaltung, sauberen Code und gut gegliederten Content erstellen kann. Bei größeren Websites ist das sowieso nicht zu bewältigen. Vielleicht ist Bescheidenheit und Arbeitsteilung doch sinnvoller?
  6. kronn am 16. April 2005 #

    Nette Übersicht. Eigentlich müssten wir »gerechte« Seiten bauen.
    Gerechtigkeit liegt vor, wenn wir etwas Richtiges (Programmierung), Gutes (Usability, IA, ...) und Schönes haben.

    Und sowas habe ich allen Ernstes aus dem Lk Deutsch mitgenommen (bis auf die Übertragung auf Webdesign, zugegebenermaßen).
  7. Christian am 16. April 2005 #

    Interessant ist es sicher noch, in diesem 3er-Verhältns auch noch den Kunden zu sehen.
    Vielleicht müßte man also erst einmal noch den Verkäufer als vierten Kreis aufnehmen.
    Viele Kunden – hauptsächlich die, die schon eine Site haben – wollen ja nur den Designer. Oder nur den Usability-Mensch oder nur den Programmierer – je nachdem, welche Defizite sie an ihrer eigenen Site gerade deutlich vor Augen habn, wenn Sie den Webdesigner anrufen. Oder je nachdem, was sie bei ihrer Vorbereitung auf das Gespräh so an lektüre gefunden haben.
    Und dann wird der Verkäufer – oder fassen wir es weiter: den Pädagogen, der vorsichtig auch die anderen Themen ins Spiel bringt wichtig.
  8. Reimer am 16. April 2005 #

    Gerade der Punkt Programmierung erlaubt einem Designer ungeahnte Möglichkeiten zur Gestaltung der eigenen Website. Meiner Meinung nach sollte daher mindestens PHP als Wissen vorhanden sein.
  9. Susanna am 16. April 2005 #

    Schnittmenge -> löst bei mir allergische Reaktionen auf Schulerinnerungen aus :) Dennoch: Genau so isses. Ich habe daraus die Konsequenz gezogen, mich zu spezialisieren und dann in allen drei Gebieten soweit zu bríngen, dass ich meine Fachkollegen verstehen und ihre Gedanken nachvollziehen kann. So lassen sich mittlere und große Projekte mit Partnern durchziehen, ohne dass es große Reibungsverluste wg. mangelnder Schnittstellen gibt. Eben eine virtuelle Form der klassischen Agentur.

    @Christian: Ja, all díese Fachleute brauchen dann auch einen Verkäufer, um ihr Potential an den Kunden zu bringen. Ist also gut, wenn man selbst auch fit in SEO/SEM ist.
  10. Robin am 16. April 2005 #

    Hi,

    als 2. stiller Leser will ich mich auch mal äußern:

    Also ich kann Deinen Aussagen nur zustimmen.

    Soweit es mich betrifft habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich viele Kunden zwar mit Aussehen und Technik etc. beraten lassen, also Deinen Kreisen, allerdings häufig der eigentliche Inhalt vernachlässigt wird.

    Ich bemerke insbesondere bei Low/Mid-Budget-Seiten, dass Inhalte erstens viel zu spät geliefert werden, so dass man gar keine Möglichkeit mehr hat, das im Design- oder Usability-/Readabilitytechnisch zu berücksichtigen. Häufig reagieren bei Inhalten die entsprechenden Ansprechpartner dickköpfig und wollen das auf biegen und brechen so haben.
    Abgesehehn davon können wollen viele bloß im WWW vorhanden sein und legen keinen Wert auf viele wichtige Bestandteile eines erfolgreichen Webauftritts.

    Zu Deinem Schaubild:
    Nach meinen obigen Auswürfen würde ich auf jeden Fall noch einen Kreis Content dazunehmen, weil außer Imageseiten, der Content meiner Einschätzung das wichtigste ist. Content nicht als Summe des dargestellten, sondern die Information. Quasi dem alten Spruch nach »Design follows function.« Könnte vielleicht auch auf die allgemeine Technik bezogen werden.
    Vielleicht könnte man alles noch abstrakter formulieren in dem man in die Mitte »Publikation« schreibt, anstatt »Programmierung« »Technik« nimmt, »Usability/Readability« verbindet, und zwei weitere Kreise hinzufügt (Content, Zielgruppe).

    Spontan fallen mir noch Stichwörter wie »Kommunikationsziel« und :L »Corporate Design« »Marketing« ein, die für eine erfolgreiche Website auch wichtig sind.

    Ok, mein Mini-Brainstorm zu dem Thema, da ich mich beruflich und privat häufig damit auseinandersetzen muss und es mich in den Fingern gejuckt hat.

    Vielleicht kommentiert hier noch jemand meinen Schrieb.

    Robin
  11. Juliaan am 16. April 2005 #

    @Gerrit
    Dein Beitrag hat mich fast zu Tränen gerührt. Von so einem geschätzten und nicht unerfahrenen Web-Arbeiter hätte ich eine derart naive Anwandlung nicht mehr erwartet.

    Warum naiv? Weil du natürlich in der Sache völlig recht hast und einen wünschenswerten Soll-Zustand beschreibst.

    Der Ist-Zustand ist indes ein anderer. Eine gedeihliche Kooperation zwischen den von dir beschriebenen drei »Abteilungen« ist – jedenfalls außerhalb freiberuflicher Protagonisten – schon »von der Natur der Sache her« nahezu unmöglich.
    Ich will über die verschiedensten Ausbildungswege nicht sprechen, weil hierzu als Erstes darüber zu diskutieren wäre, wie man die ganzen beknackten Seiteneinsteiger wieder los wird, als vielmehr über den »Spirit«, die Geisteshaltung von Designern, Programmieren und Usability-Freaks (vulgo: Marketing-Experten). Diese sind schlicht nicht kompatibel. – Die antrainierte »Denke« ist zu unterschiedlich.

    Als ehemaliger AOL-Manager habe ich mir jahrelang jedenfalls die Zähne dabei ausgebissen, überhaupt erst einmal die Animositäten der verschiedenen am Projekt beteiligten Kräfte zu neutralisieren.

    Dein Wunsch in Ehren. Doch du bist weder der Erste, der auf solche Ideen verfällt, noch – bei allem Respekt – der Erste, der sie verwirklichen wird.
    Schade, schade. Doch warum sage ich dir das?

    Weil ich nicht möchte, dass sich ein so talentierter Enthusiast in einer Sache aufreibt, die nicht zu gewinnen ist.

    Grüße aus Rom, Juliaan
  12. Gerrit am 16. April 2005 #

    @Juliaan:
    Danke, dass Du so um mein Wohl besorgt bist :-) Auch ich weiß, wie es in der Praxis aussieht. Doch man wir d ja auch mal träumen dürfen, nicht wahr?

    Wenn wir aufhörem, dem Idealzustand nachzueifern, kriegen wir den Arsch ja gar nicht mehr hoch und unsere Scheuklappen wachsen fest.

    Man kann ja das Ziel vor Augen haben und sich freuen, wenn man zumindest Teile des Ziels erreichen kann.

    Ich bin naiv. Ja. Und Optimist. Und lebe da ziemlich gut mit. Ehrlich. Macht Spaß! :-)
  13. Juliaan am 17. April 2005 #

    Natürlich darfst du träumen.
    Es spricht für dich, dass du im Zuge dieser Diskussion lernen durftest, Traum und Realität zu scheiden.

    Nee, das ist schlechtes Deutsch. Traum und Realität zu trennen, unterscheiden, erkennen, aufwachen …

    Nee, wirklich. Wir haben Spaß dabei ;-)
  14. Uli Kusterer am 17. April 2005 #

    Jeff Johnsons Buch »GUI Bloopers« drückt im Prinzip dieselbe Idee aus, allerdings unterscheidet er zwischen Grafikdesigner, GUI Designer und Programmierer. Ich finde den Begriff »Grafikdesign« treffender, um zu beschreiben was der tun sollte, und was nicht. »Design« ist einfach ein zu weit gefasster Begriff.

    Ausserdem würde ich »Usability-Freaks« und »Marketing-Experten« nicht über einen Kamm scheren, wie in einem anderen Kommentar geschehen. Der Interaction Designer (wie Usability Freaks IMHO am treffendsten genannt werden) kümmert sich nicht um das Marketing, die Interaktion zwischen Firma und Kunden (1), sondern um die Interaktion zwischen Programm und User, wobei hier der User die Festgröße ist, und das Programm angepasst wird, nicht umgekehrt.

    Und ich stimme Dir zu, es ist ein gutes Ziel, dass all diese Einflüsse zusammenarbeiten um ein »gesundes« Produkt zu erzeugen, auch wenn die Praxis anders aussieht.
     —  — – 1) Okay, das wäre eigentlich Support. Markting ist hauptsächlich Firma-zu-Kunde, nicht umgekehrt.
  15. Thomas am 17. April 2005 #

    Hi.

    Wer ernsthaft von allem o.g. etwas lernen möchte, wäre in einem Studiengang wie Media System Design (FH Darmstadt) gut aufgehoben. Infos gibts z.B. bei Wikipedia

    Gruß Thomas
  16. Jo am 17. April 2005 #

    Ihr macht aus diesem Eintrag etwas das er meiner Meinung nach nicht verdient hat. Sicher, das Schaubild könnte man noch um einiges erweitern/umbiegen, aber für mich war es eher die Aussage an sich – relativ klar strukturiert und aus der Sicht eines »Webworkers«. Nicht jeder arbeitet in einer Agentur, nicht jeder ist ein Quereinsteiger.
    Zur Arbeit eines »Freien« gehört es nunmal flexibel zu sein und ein breites Spektrum abzudecken. Durch den direkten Kontakt mit dem Kunden verliert er auch die Beratung und die Kompromiss-Bereitschaft nicht aus den Augen – schließlich bedeuten beide Punkte viel bei der Kunden-Aquise.
    Zu den Agenturen kann ich sagen: wer Mitarbeiter hat, egal ob Grafiker oder Programmierer, die sich nicht verstehen, der muß eine gute zwischenmenschliche Kompetenz haben. Oder sich Leute suchen, die weder abgehoben noch zu sehr Einzelkämpfer sind. Denn das ist genau das Problem einiger Agenturen: Fern ab der Dienstleistung am Kunden, verliebt in das eigene »können« ...
  17. Jens Meiert am 18. April 2005 #

    Anstrengende Kost aus weit mehr als nur drei Zutaten, und folgerichtig muss man und moechte ich selbst eigentlich mehr dazu schreiben (kommt sicher nochmal).

    Die Kurzform: Einige Gebiete gehen in dieser simplifizierten Variante unter, und zwar sicherlich Barrierefreiheit, Typographie, Journalismus, Web Credibility, Interaktionsdesign, Informationsdesign, UCD, UX etc.pp., in ungeordneter Reihenfolge.

    Zudem kann man alle diese Gebiete besser als »Informationsarchitektur« zusammenfassen, einen gewissen Konsens gibt es dazu in der Interaction Design Group sowie bei diversen Branchengroessen, siehe u.a. bei Peter Boersma – »gutes Webdesign« definiert sich schwer, aber wie schon gesagt, dazu muss man mehr schreiben [...].
  18. Sebastian am 19. April 2005 #

    Manueller Trackback:

    gWD = (1/2T + 1/2U) + D — > gK

    Webtoyou-Magazin.de
  19. Martin am 19. April 2005 #

    Anmerkungen eines weiteren stillen Mitlesers:

    Bravo Gerrit, ein sehr guter Artikel. Denken wir drüber nach …

    Erst das Auge, dann die Hand – der erste Eindruck zählt. Dies gilt auch für Websites und so wird auch die Herangehensweise der meisten Kunden sein.

    Ein »Webworker« – ein schöner Begriff – sollte in der Lage sein, seinem Kunden näher zu bringen, dass Design nicht alles ist. Dafür muss er dies aber auch selbst verinnerlicht haben.

    Es gilt, sich für seine Tätigkeit zu engagieren, den gesunden Menschenverstand einzusetzen.

    Und wenn man an seine eigenen Grenzen stösst, dies auch zu akzeptieren und zu lernen. Sei es durch die Vielzahl der verfügbaren Quellen im Netz oder durch einen Anderen, der weiß, wie es geht.

    Setzen wir uns Ziele, lasst uns nach Idealen streben. So werden wir und unsere Arbeit besser!
  20. MiSc am 21. Dezember 2006 #

    http://futurezone.orf.at/it/stories/159465/

Kommentar schreiben

Nutzt Textile zum Strukturieren eures Textes.
SEO-Beiträge werden sofort gelöscht, auch wenn ihr euch Mühe gebt, thematisch treffend zu spammen, ihr Deppen!

Kommentarfeed

Zusatzinfos

Aktuelle Artikel